• Kaipalast

    Vorgestern sah ich mir einen Bericht auf 3sat an. Dort wurde das neue Gebäude, welches anstatt des Kai-Palastes (das erste Gebäude in Wien, welches mit einem Stahlgerippe gebaut wurde) steht auf eine Art und Weise angepriesen, wie ich es kaum verstehen kann. Hier wurde von der besonderen "Form" gesprochen, die doch ach so gut in die Gegend passt. Ich muss sagen, dass ich mich immer wunderte, wenn ich 60er und 70er Jahre Mist inmitten von Altbaugegenden gesehen habe...diese Häuser ohne Dach, ohne Form. Da sieht man doch auf den ersten Blick das so etwas überhaupt nicht in den Straßenzug passt. Anscheinend hat man in über 30 Jahren immer noch nichts dazu gelernt.


    Hier ein Bild des neuen Gebäudes:



    Und hier der Kai-Palast zum Vergleich:



    Weiß jemand wie das "Ding" heißt? Die gleichen Architekten dürfen übrigens im Wiener Zentrum einen neuen U-Bahnhof bauen, so weit ich weiß (das jetzige Gebäude sieht wirklich furchtbar aus. Wiener Bürgermeister Häupl bezeichnete es als "Ratzenstadl"). Der Neubau wird bestimmt genauso "wunderschön" aussehen, wie das Projekt am Franz-Josephs-Kai.

  • Hier eine Meldung von Österreich Online Bau Report:


    Der neue Kaipalast in Wien verweigert sich der Flächenoptimierung und lässt bewusst Leeräume im Inneren. Außen dominiert die Lamellenfassade aus Milchglas.

    Mut zur Leere als gestalterisches Element - das sei, so die Architektin Marta Schreieck, in einer Zeit, in der es um Flächenoptimierung und maximale Verwertbarkeit von Bürogebäuden geht, bei einem Bauherrn nicht alltäglich. Dementsprechend groß war das Lob, das sie Rudolf Kraft, dem Generaldirektor der Zürich Versicherung und Auftraggeber des von ihr und ihrem Partner Dieter Henke geplanten Büro- und Geschäftshaus „K47“ am Wiener Franz-Josefskai, bei der Eröffnung aussprach. Mit einem Atrium, das bewusst Leerräume lässt, wodurch in jeder Ebene „Negativ- und Positivräume“ entstehen, sei der Beweis gelungen, dass moderne Büroorganisation nicht nur in loftartigen Großräumen möglich ist, so Schreieck.


    Schwierig sei der Versuch gewesen, das siebengeschoßige Gebäude, das von einer gläsernen Schachtel am Dach gekrönt wird, „zwischen Einordnung und provokativem Kontrast“ (Schreieck) zu positionieren. Die aus weißem satiniertem Glas hergestellten, drehbaren Sonnenschutzlamellen geben dem Haus als zweite Fassade einen zurückhaltenden Charakter, der durch den Einsatz von Sichtbetonwänden, schwarz lackierten Glasprofilen und Aluminiumplatten als Bodenbelag in den Büroräumen betont wird. Die Baukosten von zehn Millionen Euro liegen um rund 15 Prozent über den vor Baubeginn vor zwei Jahren kalkulierten 120 Millionen Schilling (8,7 Mio. Euro). Laut Kraft gibt es derzeit erst einen Fixmieter für das Bürohaus. Dabei soll es sich um die „Banco do Brasil“ handeln, die ein Geschoß mit 500 Quadratmetern gemietet hat.


    Der vor zwei Jahren erfolgte Abriss des alten Kaipalasts aus dem Jahr 1911, einer der ersten Stahlbetonbauten Wiens, war heftig umstritten: Gutachten, die den Abriss empfohlen hatten, wurden ebenso von der Stadt Wien unter Verschluss gehalten wie ein Gutachten, das die Sanierbarkeit der Konstruktion bestätigte. Doch die Zürich Versicherung hatte die technische Abbruchreife des Palasts beantragt. Da mehr als die Hälfte des Altbestands auszuwechseln gewesen wären, musste die Baupolizei den Abbruchbescheid erteilen.


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    Sieht scheisse aus (Tschuldigung). :puke:


    Man hat aus den 70er Jahren nichts gelernt. Die Zürich Versicherung hätte entweder das alte Gebäude renovieren oder 1:1 wieder aufbauen sollen.


    Hier übrigens die Website dazu: http://www.k47.at

  • sehr schönes gebäude. vor allem wenn man im atrium steht. das alte war natürlich auch sehr schön, keine frage, und ich verstehe natürlich das dieser neubau mit den sehgewohnheiten vieler menschen zu beginn nicht leicht vereinbar sein wird. allerdings meine ich, lässt man vorurteile über glasbauten beiseite und schaut sich dieses gebäude unvoreingenommen an, und wichtiger benützt man es wird man von der qualität des neuen überzeugt. als es noch wärmer war :( sah ich ein foto des gebäudes so gegen abend wo die fassade leicht gelblich, orange (sonnenuntergangstimmung) schimmerte und ich kann mir gut vorstellen dass es im sommer ein stück mediteranes lebensgefühl spenden wird. fazit: ich verstehe dass das um das alte getrauert wird, allerdings finde ich, dass in diesem fall das neue gleichwertigen ersatz geliefert hat. vor allem für jene die das gebäude benützen werden.

  • naja das gebäude hat eine lange geschichte. kurz gesagt, es wäre billiger gewesen das haus abzureissen und neu aufzbauen als es zu sanieren. das war allerdings nicht gewünscht weil man dafür keine mieter mehr fand -> unwirtschaftliche raumaufteilung, zu grosse erschliessungsflächen, bauphysikalisch veraltet, ....
    zum thema provokation. ich hab die architekten das gebäude vorstellen gesehen und provokation war keine motivation beim entwurf. ganz im gegenteil wollten sie keine normale glasfassade weil es nicht ins umfeld passen würde. deshalb entwarfen sie diese fassade aus weissem glas als veränderbare hülle und sonnenschutz.

  • abgesehen davon dass die wiener innenstadt aus stilbrüchen besteht und das völlig normal für eine stadt ist würde mich interessieren wie folgender stilbruch beurteilt wird. es handelt sich dabei um ein umbauprojekt für das ronacher (theater im 1. bezirk) in wien. entworfen wurde es von wolf prix und helmut swiczinsky 1986. es wird überlegt diesen entwurf zu realisieren:


  • Ich bin ja nicht unbedingt ein Feind moderner Architektur, aber es geht hier um den Kontext. Warum muss man immer Stilbrüche haben? Dieses neue Gebäude passt doch vorne und hinten nicht in die Landschaft. Wenn es in einer Gegend voller Nachkriegsbauten ständ, würde ich dem k47 auch freundlicher gestimmt sein, aber in der Nachbarschaft am Franz-Josefs-Kai sieht es nun mal aus wie "Arsch auf Eimer". Jemand, der einen Anzug trägt läuft ja schließlich auch nicht mit Badeschlappen rum. Warum werden aber unsere Städte in dieser Art verhunzt?


    Den Entwurf für das Ronacher find ich auch ziemlich...na ja, gelinde gesagt bescheiden.

  • der oben gezeigte entwurf ist ja noch grauenvoller!
    es sieht aus, als seien coop himmelb(l)au und libeskind zusammengelaufen - schrecklich! dann doch lieber eine glasfassade. :(
    Kai

  • Nein.


    Natürlich kannst du jetzt mit dem Argument kommen, dass ich mich doch eh nicht auskenne, aber ich würde sagen, dass die meisten Wiener diese Gebäude auch nicht toll finden. Schließlich ist die Mehrheit in diesem Forum auch nicht gerade erpicht.


    Vielleicht siehst du etwas, was wir Piefkes nicht sehen.

  • naja eine derartige antwort habe ich mir leider auch erwartet. ich habe es extra noch vorsichtig ausgedrückt bei meiner frage aber was solls. ich wollte nur wissen ob ich erklären muss wie die gegend dort aussieht, nicht mehr und nichts weniger und weil du einerseits den steffl als bild ausgewählt hast dich aber andererseits nichtwienerisch ausdrückst war ich mir eben nicht sicher aber was solls.
    die feststellung das es ein stilbruch sei impliziert ja dass es einen einheitlichen stil in der innenstadt gäbe. und das ist ja nicht richtig. gerade der 1. bezirk hat eine baugeschichtliche kontinuität von ca. 2000 jahren aufzuweisen. und gerade hier sind stilmixe aller art vorhanden, nicht zuletzt der steffl ist ein paradebeispiel für den mix von allen möglichen stilen. abgesehen davon wäre ich vorsichtiger mit dem gebrauch von argumenten. niemand kennt die meinung der menschen und nur unredliche argumentation würde sie für sich beanspruchen. in diesem fall würde ich vorschlagen wir überlassen die beurteilung dieses gebäudes der zeit. so sieht die gegend aus:



    der kaipalast ist das 2. gebäude von links unten, das in diesem bild eingefügte rendering stammt von einem anderen bebauungsvorschlag. ich wohne übrigens im karmeliterviertel gleich auf der anderen seite des donaukanals und fahre jeden tag mit der strassenbahn über den kanal und sehe dabei den neuen kaipalast und was soll ich sagen. ich mag es. ich beanspruche nicht für mich die meinung der weltbevölkerung zu vertreten und bin mir darüber im klaren dass ein derartiges gebäude sich den sehgewohnheiten nicht anbiedert und deshalb zu beginn natürlch bei teilen der bevölkerung auf ablehnung stossen wird. aber ich kann mir sehr wohl vorstellen dass die zeit die qualität dieses gebäudes bestätigen wird.

  • Ich bin zwar jetzt in Baden zu Hause, habe aber 25 Jahre meines Lebens in Wien verbracht und arbeite jetzt am Nestroyplatz, also auch nicht allzuweit entfernt. Und ich bezeichne mich als Hochhausfan, also sehe ich gerne moderne Architektur, auch das Haas-Haus am Stephansplatz gefällt mir. Aber dieser Bau dort gefällt mir überhaupt nicht. Kann es leider nicht ändern, meiner Meinung nach passt es einfach nicht hin. Auch wenn die Wiener Innenstadt ein großer Stilmix ist, es passt irgendwie nicht.


    Und zu der Luftaufnahme: Schön und gut, aber wer sieht die Gegend dort aus dieser Perspektive? Maximal der Generaldirektor der Raiffeisen. :rolleyes:
    Was zählt ist der Eindruck auf Straßenniveau, und dazu habe ich meine Meinung ja schon abgegeben.

  • nun das war das einzig aussagekräftige bild über diese gegend das ich im internet finden konnte.
    ich sagte allerdings auch und wiederhole mich hier, dass dieses gebäude auf geteilte reaktionen stossen wird und es ist das gute recht eines jeden etwas nicht zu mögen. ungeachtet dessen glaube ich dass der neue kaipalast trotzdem gute architektur sein kann. es wäre ja nicht das erste mal das neubauten auf ablehnung stossen und nach einer phase der eingewöhnung es in die riege der denkmäler aufgenommen wird. beliebigkeit oder mittlemass sind die antithese zu guter architektur und zur wiener innenstadt. wer die qualität "unserer städte" sichern möchte muss den bruch von gewohnheiten riskieren um standards zu setzen auf die wir in zukunft stolz sein können und mit denen wir ganz neben bei unser geld verdienen. wien war in der vergangenheit eine solche stadt und von dieser leistung leben wir heute. ich bin der meinung das wir dieser tradition treu bleiben sollten.

  • Zitat

    Original geschrieben von flying_circus
    ich sagte allerdings auch und wiederhole mich hier, dass dieses gebäude auf geteilte reaktionen stossen wird und es ist das gute recht eines jeden etwas nicht zu mögen. ungeachtet dessen glaube ich dass der neue kaipalast trotzdem gute architektur sein kann. es wäre ja nicht das erste mal das neubauten auf ablehnung stossen und nach einer phase der eingewöhnung es in die riege der denkmäler aufgenommen wird. beliebigkeit oder mittlemass sind die antithese zu guter architektur und zur wiener innenstadt. wer die qualität "unserer städte" sichern möchte muss den bruch von gewohnheiten riskieren um standards zu setzen auf die wir in zukunft stolz sein können und mit denen wir ganz neben bei unser geld verdienen. wien war in der vergangenheit eine solche stadt und von dieser leistung leben wir heute. ich bin der meinung das wir dieser tradition treu bleiben sollten.


    Gut gesagt. :) Damit hast du sicher recht. Vielleicht gewöhne ich mich auch noch daran.

  • Zitat

    Original geschrieben von flying_circus
    abgesehen davon wäre ich vorsichtiger mit dem gebrauch von argumenten. niemand kennt die meinung der menschen und nur unredliche argumentation würde sie für sich beanspruchen[...]ich beanspruche nicht für mich die meinung der weltbevölkerung zu vertreten und bin mir darüber im klaren dass ein derartiges gebäude sich den sehgewohnheiten nicht anbiedert und deshalb zu beginn natürlch bei teilen der bevölkerung auf ablehnung stossen wird.


    Ich habe ja nie gesagt, dass ich die Meinung anderer beanspruche. Ich glaube halt, dass die meisten Leute solche Architektur nicht ansprechend finden. Das sieht man hier im Forum doch jeden Tag, und es ist ja nicht so, als ob hier nur das "reaktionäre Kleinbürgertum" repräsentiert wäre, wie es ein Mitglied, dessen Name mir jetzt nicht einfällt, vor kurzem ausdrückte.


    Für mich ist das Gebäude einfach zu radikal. Man hätte ja etwas modernes bauen können, was wenigstens eine Fassade mit Beton und Fenstern hat, wie man es bei einigen modernen Bauten in Berlin sieht.


    Außerdem finde ich, dass der Begriff "anbiedern" doch eine sehr negative Konnotation hat. Wenn jeder Architekt versuchen würde, sich dem umliegenden Stilbild ja nicht "anzubiedern", dann hätten wir ein einziges Durcheinander...was man heutzutage leider zu oft sieht.