Franklin-Quartier HOME 4 x bis 70m

  • Weiter geht es mit Bildern vom Loop Richtung Hochhaus H, Franklin Mitte und Co und Richtung Hochpunkt an der Abraham Lincoln Allee 17:

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    Direkt vorbei am Hochpunkt H verläuft die Europa-Achse, die sich als eine der zentralen städtebaulichen Linien durch das gesamte Quartier Franklin zieht. Sie ist als übergeordnete Fuß- und Radwegeverbindung gedacht und soll die verschiedenen Teilbereiche des Quartiers miteinander verknüpfen, und zwar von den Wohngebieten über die Freiräume bis hin zur Grünen Mitte.

    Dabei ist sie durchaus ein eigenwilliges und umstrittenes Element: Sie schneidet sich konsequent durch das Quartier, führt zwischen Baukörpern hindurch oder durchtrennt diese regelrecht und unterläuft beziehungsweise durchquert auch den Bereich des Nahversorgungszentrums mit dem grünen Hügel. Das kann man kritisieren, weil es stellenweise fast etwas forciert wirkt. Gleichzeitig mag ich diese Achse aber gerade wegen dieser Konsequenz. Sie ist nicht nur Weg, sondern auch eine städtebauliche starke Aussage.

    Im besten Fall betont sie sprichwörtlich die Bedeutung von Verbindung, innerhalb des Quartiers, aber auch symbolisch im größeren europäischen Kontext, wenn auch mit etwas Pathos, aber:

    Gerade in diesen sehr unschönen Zeiten für uns alle finde ich es allerdings wichtig, an das Gesamtkonstrukt Europa zu erinnern. Bei allen berechtigten Problemen, Widersprüchen und sicher auch erheblichem Verbesserungsbedarf bleibt Europa für mich der Rahmen, in dem unsere gemeinsame Zukunft liegen MUSS. Insofern bekommt diese Achse für mich auch eine symbolische Ebene: Sie steht nicht nur für eine Verbindung innerhalb des Quartiers, sondern auch für die Idee, dass Verbindung selbst wieder stärker betont werden sollte.

    Das 2. Bild zeigt wie es einmal aussehen könnte, wenn die Achse fertiggestellt wurde und auch dem Meister Yoda gefällt es auf dem Loop, wenn er auch nie hören will:

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    Immer wieder ergeben sich spannende Sichtachsen und immer wieder fällt auf wie oft der Baustoff Holz eingesetzt wurde, was ich absolut begrüße:

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    Deutlich aufragend zeigt sich der grüne Hügel, der künftig auch bestiegen werden kann. Dabei scheint die Anlage barrierefrei erschlossen zu sein; der sichtbare Aufzugsaufsatz deutet bereits darauf hin. Die im Inneren liegenden Geschäfte werden über die dreieckigen Lichtöffnungen mit Tageslicht versorgt. Gerade diese Öffnungen geben dem Baukörper eine besondere, fast skulpturale Wirkung: irgendwo zwischen Landschaftsbau, Nahversorgung und begehbarer Architektur, mehr dazu dann später. Vor diesem liegt noch die BFV Chapel aus dem Jahr 1955, bald ein Multikonfessioneller Kirchenraum:

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    Hochpunkt an der Abraham Lincoln Allee. Davor teilweise sichtbar ist ein Teil der großen Sportanlage Franklin:

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    Direkt am grünen Hügel entstehen zwei Holzhybridbauten, die von MVRDV entworfen wurden: "Timber Hill“ und "Timber Spirit“. Die Gebäude nehmen mit ihren langen, schmalen Baukörpern bewusst Bezug auf die früheren Riegelstrukturen des Kasernenareals, interpretieren diese aber deutlich offener und zeitgemäßer.

    Interessant ist hier vor allem die Konstruktion:

    Tragstruktur und Treppenhäuser werden in Beton ausgeführt, während die nichttragende äußere Hülle aus Holz besteht. Die außenliegende Balkon- und Laubengangkonstruktion übernimmt dabei gleich mehrere Aufgaben. Sie dient der Erschließung über externe Treppenanlagen, schafft zusätzliche Aufenthaltsbereiche, verschattet die Wohnungen und schützt zugleich die Holzfassade vor Witterung. Ein gutes Beispiel dafür, wie man kostengünstig, robust und trotzdem sinnvoll bauen kann.

    Gerade diese außenliegenden Erschließungen sind bei uns noch immer eher selten, während man solche Lösungen aus anderen Ländern deutlich häufiger kennt. In Franklin zeigt sich einmal mehr, dass man mit einfachen Mitteln viel erreichen kann, wenn das Grundkonzept stimmt. Dazu kommen begrünte Fassaden, Photovoltaik auf den Dächern und eine insgesamt deutlich ökologischere Bauweise durch den großen Holzanteil.

    Besonders auffällig ist der längere Bau mit der goldfarbenen Fassade direkt am grünen Hügel. Die glänzenden Fassadenelemente nehmen je nach Licht Himmel, Bäume und Umgebung auf und erzeugen dadurch eine erstaunlich lebendige Wirkung. Was schnell kitschig hätte werden können, funktioniert hier überraschend gut: Der Bau wirkt nicht einfach wie ein weiterer Wohnriegel, sondern fast wie ein markanter Baustein zwischen Architektur, Durchwegung und künstlicher Landschaft. Gerade im Zusammenspiel mit dem grünen Hügel bekommt dieser Bereich eine sehr eigene Atmosphäre.

    Für mich eine der stärksten Fassaden im Quartier. So eine ähnlich goldene Fassade wünschte ich mir einmal für ein Hochhaus in Frankfurt beispielsweise:


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    Aber auch die eher schlicht gehaltenen Bestandsbauten haben in Franklin ihre Daseinsberechtigung. Nach der Kernsanierung wirken sie weiterhin ordentlich und durchaus ansehnlich. Einziger Kritikpunkt: Die Stellplätze hätte man aus meiner Sicht besser in einer Tiefgarage untergebracht. Oberirdisch wäre dadurch Raum für Grünanlagen entstanden, ähnlich wie bei der Platensiedlung in Frankfurt. So ist es mir zu Auto affin.

    Dennoch entsteht im Zusammenspiel mit den deutlich selbstbewussteren Neubauten im Hintergrund ein interessanter Kontrast zwischen der ehemaligen Kasernenstruktur und dem neuen verdichteten Stadtraum:

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    Zurück zu den auffallenderen Kandidaten:

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    Von der Thomas-Jefferson Straße in Richtung entstehender Europa-Achse:


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    Am Grünen Hügel in Franklin Mitte, hier ein interessanter Querschnitt und Draufsicht und zusätzlich hier eine sehr sehenswerte Bilderstrecke auf DBA-Bau:

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    © alle Bilder: Adama

    Auch der Meister Yoda fühlte sich in Franklin Mitte sichtlich wohl:

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    Gleich geht es mit dem dritten Teil der Reportage weiter. Dann auch wieder mit etwas weniger Text.

    2 Mal editiert, zuletzt von Adama (26. Juni 2026 um 19:11)

  • Kommen wir noch einmal zum Hochhaus "Orbit“ und seinem Vorplatz. Auch hier ist die öffentliche Aussichtsterrasse leider weiterhin nicht freigegeben, daher zunächst wieder einige Bilder in Richtung dieser Anlage.

    Der Bereich ist durchaus aufregend gebaut: Die Wegeführungen, Treppen, Rampen und Ebenen erzeugen eine fast landschaftliche Architektur. Von dort oben dürfte die Aussicht später wirklich sehr spannend sein.

    Zum Hochhaus selbst noch ein kleiner Vergleich: Die bauliche Realität zeigt sehr deutlich, dass der große Durchbruch zwar das prägende Motiv des Gebäudes ist, die Wirkung des Hochhauses durch die niedrigeren, sehr schlichten weißen Vorbauten im Erdgeschoss- und Sockelbereich aber teilweise abgeschwächt wird.

    Um besser sichtbar zu machen, wie stark dieses Motiv eigentlich sein könnte, habe ich zusätzlich eine eigene Grafik erstellt, bei der die vorgelagerten Baukörper ausgeblendet wurden. Ohne diese Vorbauten wirkt der Durchbruch deutlich klarer, fast schon monumental, und das Gebäude erhält eine ganz andere Präsenz. Die Realität ist natürlich komplexer und städtebaulich vermutlich auch funktionaler, aber rein gestalterisch zeigt der Vergleich recht gut, welches Potenzial in dieser Idee steckt.


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    Bild: https://www.fvgffm.de/img2/2026/jun2/franklin058.jpg Bild: https://www.fvgffm.de/img2/2026/jun2/franklin059.jpg Bild: https://www.fvgffm.de/img2/2026/jun2/franklin054.jpg


    Die bauliche Realität:

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    Ohne Vorbauten würde das alles dann so wirken:

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    Das "Orbit“ ist extrem schwierig zu fotografieren; und genau deshalb macht es irgendwie Spaß. Zum einen ist es ein Gebäude, an dem man sich länger festsehen kann, zum anderen fordert es einen fotografisch ziemlich heraus: Perspektive, Maßstab, Durchbruch, Balkone, Farben und Fassadenstruktur konkurrieren ständig miteinander.

    Zum Abschluss daher noch eine eher normale Seitenansicht und anschließend eine kleine grafische Spielerei.

    Gerade das zweite Bild zeigt, wie eigenwillig das Gebäude eigentlich ist. Durch die Drehung und den engen Ausschnitt verliert man fast die Orientierung.

    Oben und unten sind nicht mehr sofort eindeutig, die Balkone wirken wie farbige Pixel oder herausgeschobene Schubladen, und der große Durchbruch wird plötzlich weniger als architektonisches Loch, sondern eher als abstrakter Raumkörper wahrgenommen. Die Fassade kippt dabei fast ins Grafische: weniger Wohnhochhaus, mehr geometrisches Muster, irgendwo zwischen Architekturaufnahme und konstruktivistischem Suchbild.

    Für mich zeigt dieses Bild ganz gut, warum das "Orbit“ trotz aller Kritik ein dankbares Motiv ist: Es ist sperrig, überladen, nicht unbedingt elegant.

    Aber fotografisch alles andere als langweilig.


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    Zum Abschluss noch eine kleine Bildserie zum Wohnhochhaus H, direkt am grünen Hügel und an der Europa-Achse gelegen.

    Fotografisch ist das Gebäude ein wunderbares Motiv. Vor allem aus der Look-Up Perspektive entfaltet es eine starke Wirkung: Die auskragenden Baukörper, die umlaufenden Balkone, die hellen Geländer und die gelben Fassadenfelder erzeugen ein spannendes Spiel aus Linien, Ebenen und Tiefe. Je nach Blickwinkel wirkt das Hochhaus fast wie eine gestapelte Stadtlandschaft, die sich über den niedrigeren Klinkerbauten erhebt.

    Auch städtebaulich funktioniert der Bau an dieser Stelle durchaus: Er setzt einen klaren Hochpunkt, markiert den Bereich um den grünen Hügel und bringt eine gewisse Großstadtwirkung in das Quartier. Gerade im Zusammenspiel mit den niedrigeren, eher ruhigen Sockel- und Hofbebauungen entsteht ein interessanter Maßstabssprung.

    Was mich allerdings deutlich stört, sind einige technische Details vor allem die deutlich sichtbar geführten Rohre und Leitungen unter den Auskragungen. Diese wirken an mehreren Stellen wie Fremdkörper und beschädigen die ansonsten recht klare architektonische Wirkung erheblich. Bei einem Gebäude, das so stark über Perspektive und plastische Wirkung funktioniert, hätte man solche Elemente gestalterisch sauberer integrieren müssen. Gerade weil das Hochhaus sonst viel hergibt, fallen diese Details umso stärker ins Gewicht. Auch der obere Abschluss der beiden Türme hätte aus meiner Sicht etwas mehr gestalterische Ausarbeitung verdient. So wirkt er leider recht schlicht und beinahe etwas abrupt.

    Trotzdem bleibt das Wohnhochhaus H für mich eines der interessanteren Gebäude in Franklin: nicht perfekt, stellenweise etwas rau, aber als Motiv und städtebaulicher Akzent ausgesprochen wirkungsvoll.

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    Gerade bei diesen Blicken auf das Wohnhochhaus H verschwimmen Realität, Perspektive und Verdrehung ein wenig miteinander. Und genau darin liegt für mich auch der fotografische, aber auch architektonische Reiz dieses Gebäudes.


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    © alle Bilder: Adama


    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

    Franklin ist trotz aller Kritik ein Quartier, das man sich durchaus einmal vor Ort ansehen sollte, vor allem dann, wenn es weiter fertiggestellt ist und die Aussichtspunkte freigegeben sind. Mit dem Hochhaus M kommt nun offenbar doch noch einer der wichtigen Bausteine hinzu, was die Entwicklung noch einmal spannender machen dürfte. Direkt nebenan liegt zudem mit Spinelli Quartier ein weiteres großes Neubaugebiet, das man in diesem Zusammenhang ebenfalls im Blick behalten sollte.

    Falls Interesse besteht, könnte man sich Mannheim-Franklin irgendwann auch einmal mit mehreren gemeinsam vor Ort ansehen. In Mannheim passiert derzeit ohnehin einiges: Der Bereich rund um den Hauptbahnhof, besonders in Richtung Lindenhof, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Dazu folgt demnächst noch ein eigener Beitrag.

    Und Mannheim lohnt sich ohnehin: Die Quadratestadt mit ihrem riesigen Schloss, der Augusta-Anlage, der barocken Stadtstruktur und einer ganzen Reihe sehenswerter Kirchen ist schon für sich genommen einen Besuch wert. Wenn man dann ohnehin in der Gegend ist, könnte man auch noch einen Blick nach Ludwigshafen werfen. Die neue Bebauung am Luitpoldhafen ist durchaus interessant und wirkt stellenweise fast futuristisch.

    Einmal editiert, zuletzt von Adama (30. Juni 2026 um 01:31)

  • Ich bin kein Mannheimer. Aber das hat mich jetzt echt vom Hocker gehauen. Solch ein Umfang. Und solch eine Architektur? Hier? Das ist ja der Hammer. Solch gewagte Architektur kenne ich nur aus Holland, Skandinavien und ein wenig auch aus Strassbourg. So geht moderne Architektur richtig. Verspielt, farbig, abstrakt.

    Architektur im Allgemeinen ist eine Kunst. Und diese Architektur ist unverweigerlich als Kunst zu erkennen! So soll es sein.
    Mag nicht jedem gefallen. Aber so geht Architektur. In diesem Fall eben moderne Architektur. Was ein Unterschied zu den ganzen Grau weißen Kisten die überall sprießen. Auch wenn diese auch bei dir am Rand der Bilder zu sehen sind. Es ist sicherlich nicht perfekt. Besser geht aber immer. Die Abwechlung und die freundlichen Farben sind aber ein großer Sprung. Mega!

  • Adama Danke für das Update! Ich kannte bisher nur den Masterplan mit den HOME-Hochhäusern; dass das gesamte Viertel aber von vielseitiger und unkonventioneller Architektur geprägt ist, war mir neu - Richtig gut! Endlich mal kein Einheitsbrei, keine verputzten WDVS-Bauten, alle Maßstäbe und Größenordnungen und Materialitäten direkt nebeneinander.

    Kann durchaus mit Neubauvierteln in Skandinavien oder Frankreich mithalten, wobei die noch immer in einer etwas anderen Liga spielen. Offenbar hat die Mannheimer Stadtplanung hier mal das gemacht, was in Deutschland sonst nur sehr ungern gemacht wird: über den Tellerrand gucken. 😌