Potsdam: Zukunft der Friedenskirche

  • Potsdam: Zukunft der Friedenskirche

    Da die Friedenskirche immer mehr die Potsdamer Debatte bestimmt, habe ich einen speziellen Thread für sie eingerichtet.


    Zuerst zu den Fakten: Die Kirche wurde zwischen 1845 und 1848 nach Entwürfen von Ludwig Persius, Friedrich August Stüler, Ferdinand von Arnim und Ludwig Ferdinand Hesse erbaut. Auftraggeber war der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der die Friedenskirche als neue Hofkirche konzipierte. Die Friedenskirche sollte die politische Philosophie des kunstsinnigen und dem Militär eher abgeneigten Königs symbolisieren. Nach ihrer Eröffnung 1848 löste die Friedenskirche die Garnisonkirche als Hofkirche ab.


    Eine Besonderheit ist ein Wandmosaik aus dem 13. Jahrhundert, das ursprünglich in einer Kirche in Murano bei Venedig untergebracht war. Dieses Mosaik wurde vor dem Abriss der Kirche von Friedrich Wilhelm IV. erworben und dann in die Friedenskirche eingebaut. Heute ist die Friedenskirche Teil des UNESCO-Welterbebereiches.







    Ein großes Problem ist der aktuelle Zustand der Friedenskirche. Aufgrund jahrelanger Vernachlässigung leidet die Kirche unter kaputten Marmorfußböden, Feuchtigkeitsschäden und Mauerwerksschäden. Die Campanile ist bedroht, auch das Wandmosaik aus dem 13. Jahrhundert ist gefährdet. Die Sanierungskosten werden auf mindestens 6,3 Millionen Euro geschätzt. Daher wurde gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im letzten Jahr eine Spendenaktion gestartet. Mittlerweile engagieren sich die SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz, der Hohenzollernprinz Georg Friedrich Ferdinand von Preußen und der Schauspieler Jörg Hartmann für die Friedenskirche. Auch Günther Jauch hat schon gespendet. Allerdings ist der Spendenertrag noch längst nicht ausreichend, bisher wurden nur 263.000 Euro gespendet.


    http://www.denkmalschutz.de/fi…denskirchePotsdam_end.pdf


    Heute erschienen in den Potsdamer neuesten Nachrichten und in der Märkischen Allgemeinen Berichte über den aktuellen Stand der Sanierung. Demnach soll noch in diesem Jahr ein Gerüst aufgebaut werden, damit die Schäden am Apsis-Mosaik endoskopisch untersucht werden können. 2016 soll dann die Sanierung der Seitendächer starten. Dieser erste Bauabschnitt kostet 900.000 Euro. Im zweiten Bauabschnitt soll die Campanile saniert werden, Kostenpunkt: 3,5 Millionen Euro. Daher werden Spender dringend gesucht.


    http://www.pnn.de/potsdam/973851/


    http://www.maz-online.de/Nachr…-sich-fuer-Friedenskirche


    Alle Fotos: Klarenbach

  • Das ist doch eine prima Leistung. Der Mitteschön-Aktivist und Tatortkommissar Jörg Hartmann hat sich ja dankenswerter Weise sehr engagiert.

  • Ja, die Friedenskirche ist wirklich das große Sorgenkind Potsdams.
    Die aktuelle Spendenaktion finde ich ja sehr verdienstvoll, andererseits habe ich Zweifel, ob auf diese Weise das nötige Geld hereinkommt, zumal ja auch andere Baudenkmäler im Welterbebereich dringend Spenden benötigen.


    Daher sehe ich nur zwei Möglichkeiten, um die Friedenskirche zu retten: Entweder man findet einen Großspender (Vielleicht kann ja Hasso Plattner ein paar Millionen locker machen).
    Oder die Evangelische Kirche müsste endlich Geld beisteuern. Die Friedenskirche ist schließlich neben der Nikolaikirche das Aushängeschild des Protestantismus in Potsdam. Daher wäre es eine Pflicht der Kirche, ihre Bauwerke angemessen zu pflegen. Bisher hat sich die Evangelische Kirche jedenfalls nicht mit Ruhm bekleckert, auch die Spendenkampagne wurde ja vor allem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz initiiert.

  • Ich schätze im Osten gibt es für die Ev. Kirche kaum Einnahmen, da die meissten Einwohner nicht mehr der Ev. Kirche angehören und somit auch keine Kirchensteuer zahlen.
    Da muss man sich nicht wundern, wenn die Ev. Kirche nicht mehr die Mittel hat um ihre Kirchen-Gebäude zu sanieren, welche in den Jahren des real existierend Sozialismus dem Verfall preisgeben wurden.
    Alles in allem wieder ein typischer Klarenbach, der für die Miswirtschaft der SED nun andere in die Verantwortung zerren will.

  • Insbesonders ist die evangelische Kirche basisdemokratisch organisiert. D. h. es gibt keinen zentralen "Kirchenschatz" (bei den Protestanten ja ohnehin nicht), der dann irgendwie von einer Zentralverwaltung verteilt wird. Jede Gemeinde muss für sich selbst wirtschaften, darüber, wie sie das macht, entscheidet der Gemeinderat, der dazu die Einnahmen von der lokalen Gemeinde zur Verfügung hat (die Kirchensteuer ist ja nur eine historisch gewachsene Hilfe des Fiskus diese Einnahmen zu organisieren). Die Friedenskirche kann noch so ein tolles Denkmal sein, wenn sie keine entsprechende Kirchengemeinde hat, die entsprechende Zahlungen aufbringt, dann kann die EKD da auch wenig tun.


    Im Übrigen gehört die Kirche ganz richtig zum Welterbe und genau dafür hat man doch auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegründet und als Sonderfall der deutschen Kulturpolitik sogar unter Schirmherrschaft aller 16 Länder und des Bundes gestellt. Da muss das Geld herkommen. Das hier ist genauso wenig eine klassische "Kirche", wie die Paläste Potsdams noch klassische "Paläste" sind. Diese Kirche ist ebenso wie die Paläste v. a. kulturhistorisches Erbe. Leider wird hier aber immer noch so getrennt, nach dem Motto "sobald ein Gebäude das Label Kirche hat müssen Kirche und Spender erstmal selbst schauen, wie sie das hinbekommen".


    Dass es auch anders geht sieht man zB in Franfurt am Main, dort ist die Stadt Frankfurt für die herausgehobenen Kirchenbauten und deren Erhalt zuständig, die Religionsgemeinschaft nur ein Nutzer der öffentlichen Bauten. So müsste auch das Eigentum an der Friedenskirche organisiert werden. Schon weil es nicht Privaten (auch eine Religionsgemeinschaft sind nur Private) obliegen sollte, Bauten solcher Bedeutung zu erhalten (oder eben auch nicht zu erhalten!). Das haben wir mit den Bauten der ehemaligen Monarchie in Deutschland doch ganz genauso gehandhabt, wo immer die Eigentümerfamilien sich den Unterhalt nicht mehr leisten konnten sprang die Allgemeinheit ein, kaufte die Anlagen ab um diese der Allgemeinheit zugänglich zu machen und v. a. für die Nachwelt zu erhalten. So muss das zwingend eigentlich auch mit herausragenden Kirchgebäuden laufen, die nun einmal zu frommeren Zeiten der Kulminationspunkt der höchsten Schaffenskraft unserer Vorfahren waren, sozusagen Sentenz des besten, was diese baulich und künstlerisch zu leisten vermochten - das muss man auch als Atheist respektieren und anerkennen. Und darum darf man diese Bauten nicht dem Verfall preisgeben. "Nur" weil sie Kirche XY heißen. Das wäre falsch verstandene Trennung von Staat und Religion.

  • Die Friedenskirche befindet sich im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) und nicht im Besitz der Friedensgemeinde die diese Kirche nutzt.


    Stifter der SPSG sind die Bundesrepublik Deutschland das Land Berlin und das Land Brandenburg.


    Bild Rüdiger Seyffer


    Für die Sanierung werden 6.1 Millionen € benötigt.
    Diese sind im Masterplan der SPSG nicht enthalten.


    http://www.spsg.de/schloesser-gaerten/masterplan/


    Vor 2017 ist von Seiten der Stiftung nicht mit Aktivitäten zur Sanierung der Kirche zu rechnen.

  • Im Prinzip wäre es am besten, wenn die Schlösserstiftung genug Geld hätte, um all ihre Baudenkmäler zu sanieren.


    Leider ist die Realität etwas anders. Der Sanierungsstau beträgt rund eine Milliarde Euro und das Geld reicht nicht einmal aus, um den Sanierungsstau zu reduzieren. Daher muss nach anderen Quellen gesucht werden, weil ansonsten irreperable Schäden entstehen. Und da fallen mir nicht so viele Möglichkeiten ein. Ich sehe nur private Spenden, kirchliche Gelder und vielleicht auch Zuschüsse der Stadt Potsdam als mögliche Geldquellen. Wahrscheinlich müssen alle drei Quellen genutzt werden.


    Die Landeskirche als auch die EKD besitzen übrigens einen eigenen Haushalt, aus dem Gelder für die Kirchensanierung bereitgestellt werden können. Viele Großkirchen könnten ansonsten überhaupt nicht unterhalten werden.

    Auf jeden Fall muss schnell etwas passieren, denn viel Zeit bleibt für die Rettung der Friedenskirche nicht.