Sanierung Güstrower Renaissance-Schloss
Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen, sodass ein erneuter Abstecher in die historische Altstadt von Güstrow gerade recht kam. Die erste und in der Regel letzte Station der halbjährlichen Rundgänge führt mich ins und um das Güstrower Schloss, bei welchem die unfangreichen Bautätigkeiten stadtweit wahrgenommen werden können (zuletzt gezeigt in #334).
Der Schwerpunkt der Bauarbeiten liegt seit einigen Monaten auf der Putz- und Fenstersanierung am Schlossgebäude. Aber auch die Dachbereiche mitsamt seiner Turmaufbauten spielen eine wesentliche Rolle. Die Kupferdächer der Türme sollten zunächst erhalten bleiben, mussten bzw. müssen aufgrund der festen Stehfalzverbindungen jedoch komplett auseinandergerissen und abgenommen werden. Damit kommen nach der Sanierung neue Kupferbleche zum Vorschein. Diese geben dem Schloss ein komplett neuen Ausdruck, da die einstige, grüne Patina nicht mehr sichtbar sein wird.
Im Zuge der Entfernung der Dachziegel wird die Holzunterkonstruktion, wo nötig, ausgetauscht, ergänzt oder verstärkt. Bei anfangs geplanten 145 Kubikmeter Holz sollen es am Ende etwa doppelt so viel werden. Grund ist ein großflächiger Befall mit Holzschwamm. Bei noch erhaltenswürdigen Balken wird dagegen eine Emulsion gespritzt, um die Pilzausbreitung zu stoppen.
Wie oben erwähnt, ist auch die Restaurierung der Putzfassaden in vollem Gange. 40 bis 50 Prozent des Putzes konnten, zur positiven Überraschung der Beteiligten, erhalten bleiben. Bei den großflächigen Ergänzungen ist es im Zuge der Arbeiten wichtig, die Übergänge zwischen Altem und Neuem gut zu verblenden. Spannend geht es auch bei der laufenden Sanierung der Fenster weiter. Von den 290 Fenstern können leider nur 15 Stück restauriert werden. Die anderen 275 Fenster müssen damit ersetzt werden. Dies stellt ein enormes Unterfangen dar, da 80 verschiedene Fenstertypen existieren und jedes Element als ein Einzelstück angefertigt werden muss.
Die Baustelle hat nicht mit Lieferengpässen zu kämpfen. Aufgrund der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wurde der Fertigstellungstermin des Gesamtvorhabens jedoch von ursprünglich Ende 2023 nun auf Mitte 2024 verschoben.
Der Anblick vom Schlossberg zeigt weiterhin ein komplett eingerüstetes und in bedruckten Planen verhülltes Schloss.

Zur Südterrasse sind weiter unten noch Informationen ergänzt.

Die westliche Begrenzungsmauer, welche nach denkmalpflegerischen Gesichtpunkten komplett neu errichtet worden ist, hatte ich im letzten Beitrag bereits in dieser Form gezeigt. Laut Pressemeldung soll in absehbarer Zeit auch die Eindeckung mit Bieberschwänzen erfolgen, um diesen Teilbereich des 3. Bauabschnitts abschließen zu können.

Die Altanmauer, Bestandteil der alten Befestigungsmauer, wurde mit alten und neuen Steinen wieder hergerichtet. Diese war aufgrund des stetigen Erddrucks im Laufe der Jahrhunderte um einen Meter aus dem Lot geraten. Ein teilweiser Abtrag und die erneute Aufmauerung waren damit unumgänglich. Das Ergebnis wird zeitnah erlebbar sein, sobald die Gerüste und Planen verschwunden sind.

Der Blick zum Westflügel zeigt, dass mittlerweile sämtliche Dachziegel für die Sanierung der Holzunterkonstruktion entfernt worden ist.


Auf dem Uhrenturm wurde im Frühsommer die vorhandene Kupferkugel geöffnet. Zum Vorschein kamen Fotos vom Zeitpunkt der letzten Sanierung in den 1960er Jahren sowie DDR-Sondermünzen. Es ist geplant, im Zuge der aktuell laufenden Sanierung weitere Zeugnisse der jetzigen Zeit beizulegen.

Das verhüllte Altanfragment von der östlichen Seite aus gesehen:

Es lohnt sich aktuell, auch die Freiräume zwischen den einzelnen Baubereichen zu erkunden. Hier und dort lagern findet man interessante Baumaterialien, wie etwas vorgefertige Fassadenelemente südlich des Altans.

Vor dem Westflügel wurde im Bodenbereich eine Turmspitze zur Sanierung abgelegt.

Im Bereich des Eingangsportals zeigen sich ebenfalls erste überarbeitete Stelle in der Putzrustika.


Andernorts ist jedoch weiterhin eine Mischung aus altem Putz und abgeschlagenen Putzflächen sichtbar. Aufgrund des Umfangs der noch wiederherzustellenden Bereiche ist die angekündigte Verschiebung des Fertigstellungstermins nachvollziehbar.

Die Stützmauer an der Ostseite des Schlosshofs hat in Zwischenzeit ihre Abdeckung mit Bieberschwänzen erhalten. Dies scheint vermutlich das Stilmittel zu sein, welches bei allen Stützmauern Verwendung finden wird. Auf diese Weise erreicht man trotz der Weitläufigkeit des Schlossareals eine einheitliche, verbindende Gestaltung.

Durch das enge Gewirr aus Gerüsten und Planen kann man auf dem Hof kaum etwas erkennen.


Einzelne Fassadenbereiche sind auch hier bereits überarbeitet worden. Auf dem nachfolgenden Bild erkennt man auch den Unterschied zwischen dem alten Fenster links und dem neuen Fenster rechts. Interessant wird auch sein, welche Farbgebung Putz und Fenster haben werden.

Die nördliche Seitenfront der Schlossbrücke hatte ich bis dato noch gar nicht gezeigt. Diese präsentiert sich aktuell komplett nackt ohne Putz.

Am Wirtschaftsgebäude wird alsbald mit einer neuen Dacheindeckung aus Zinkblech ein Schlussstrich unter die langwierige Dachsanierung gesetzt. Das Dachgeschoss, dessen Dachkonstruktion größtenteils erhalten bleiben konnte, soll zukünftig multifunktional und barrierefrei genutzt werden können. Hierfür wird im Treppenhaus ein Aufzug eingebaut. Im Keller des Baus soll eine Catering-Küche eingebaut werden.
Was im Zuge der monatelangen Arbeiten von außen nicht eingesehen werden konnte, waren die umfangreiche Schadstoffsanierung, der Austausch von Holzbalken aufgrund eines früheren Brandschadens und die Verstärkung des Gewölbekellers mittels Litzenankern.


Einen tollen Eindruck geben die vollständig sanierten Stützmauern östlich des Südflügels ab. Diese wurden komplett überarbeitet. Die oben aufgesetzte Brüstung scheint zudem komplett neu aufgemauert worden zu sein. Die turmartige Ecksituation wird später vermutlich als Aussichtspunkt genutzt werden können.

Am Südflügel selbst laufen die Arbeiten natürlich unvermindert weiter.

Nachfolgend nochmals der Gesamteindruck von Osten auf das Schloss und die angrenzenden Stützmauern.


Die Arbeiten an der Mauer, die die Südterrasse vom prachtvollen Renaissance-Garten abtrennt, sind überwiegend abgeschlossen. Die Sandstein-Verkleidung ist unter Verwendung der alten Steine neu hergestellt worden. Ebenso verfügen die drei Treppenabgänge wieder über verkleidete, seitliche Brüstung, die ergänzend noch ein Geländer erhalten werden. Der Belag der Treppenstufen wird passend zur bestehenden Materialität auch aus Sandstein ausgeführt.

Die neu hergestellten Treppenbrüstungen heben sich aktuell durch ihre Helligkeit stark von den alten Sandstein-Platten der Mauer ab.

Wie jedes Jahr blüht es in den Sommermonaten herrlich im restaurierten Renaissance-Garten, von dem man einen guten Blick auf den Südflügel hat. Das nachfolgende Bild zeigt die Mauer der Südterrasse und die drei neu errichteten Freitreppen.

Zu Ostern wurde die östliche Begrenzungsmauer freigegeben. Hier wurde mit viel Können die alte Backstein-Mauer teilweise abgetragen und neu aufgemauert. Die Torpfeiler sowie ein Abschnitt in Richtung Wassergraben mussten dabei komplett neu errichtet werden. Der Zugangsbereich wurde neu gestaltet und ist nun wieder für Interessierte geöffnet.


Es folgt der obligatorische, abschließende Blick vom Neuwieder Weg.

Die abgebildeten Fotografien sind durch mich aufgenommen worden und bei Gebrauch mit ©RianMa zu kennzeichnen. Vielen Dank.