Bebauung der Innenstadt abgeschlossen, ich kann vor lachen nicht.
Wenn die Situation nicht so traurig wäre, könnte man in der Tat schon wieder darüber lachen. Wie kann man nur behaupten, die Bebauung sei abgeschlossen? Es ist noch nicht mal Halbzeit, wenn man sich am Rahmenplan aus den 90ern orientiert.
Ich habe mich immer gewundert, warum es seit Seiferts ausscheiden aus dem OB-Amt nur wenige bis gar keine Investoren gibt, die in der Innenstadt bauen wollen. Nun muss ich im Interview mit Sandro Schmalfuß lesen, dass die Stadt die zahlreichen Baufelder nicht mehr aktiv vermarktet. Das ist wirklich die Krönung. Wartet man tatsächlich, dass mal zufällig jemand wie Kellenberger vorbeischneit um etwas zu bauen? Was dabei herauskommt wenn es keine Alternativen gibt, kann man aktuell am Johannisplatz beobachten. Da blutet einem das Herz wenn man den Saxoniabrunnen stehen sieht - umgeben von diesem trostlosen minderwertigen Ramsch.
In jeder Stadt werden Architekturwettbewerbe durchgeführt, bevor in solch zentralen und noch dazu historisch bedeutsamen Lagen gebaut wird. Nicht so am Johannisplatz. Da kann jemand wie Kellnberger einfach seine Funktionsarchitektur hinsetzen und die Stadt sieht - voller Dankbarkeit, dass überhaupt mal wieder jemand was baut - tatenlos zu. Auch im Contiloch gab es meines Wissens wieder keinen Wettbewerb. Warum auch? Es ist doch das übliche Investor-Architekt-Geklüngel am Werk.
Wenn ich bedenke, wie noch Mitte der 90er darum gerungen wurde, um die Entwicklung der neuen Innenstadt samt Galerie Roter Turm überhaupt erstmal in Gang zu bringen. Es herrschte Tatendrang, namhafte Architekten wie Jahn und Kollhoff wurden in die Stadt geholt, um der City wieder ein unverwechselbares Gesicht zu geben. Davon ist nichts übrig geblieben. Dabei ist die Weiterentwicklung der Innenstadt mit anspruchsvoller Architektur gerade in Chemnitz besonders wichtig, da es so gut wie keine historische Bausubstanz mehr gibt.
Das Interview mit Schmalfuß fasst den gegenwärtigen Zustand wirklich sehr gut zusammen und verdeutlicht einmal mehr die Plan- und Tatenlosigkeit der Rathausspitze. Dass es Investoren für den Getreidemarkt gab, die dann wieder weggeschickt wurden, ist mir neu, vewundert mich aber auch nicht mehr sonderlich. Bei dem Andrang an Investoren, muss man halt auch mal wem wegschicken.
Man kann nur hoffen, dass bald ein Umdenken bei Frau Ludwig oder noch besser ein Wechsel stattfindet.