Eine echte Lösung wäre nicht nur die Umstellung der Energiequelle sondern die Verhaltensänderung.
Ja klar, dazu braucht es einen massiven ÖPNV-Ausbau. Wenn der an einem Quell-/Zielort nur alle 4-Stunden kommt und dabei 4-5x der Zeit braucht (mit 2x Umsteigen), ist das keine Alternative. Da braucht es 30-Minuten-Takt auch am WE/Feiertags/Nachts -> Geht nicht und ist auch ineffizient -> wir drehen uns im Kreis.
Ein Recht auf bis zu 100% HO für alle Arbeitnehmer in geeigneten Berufen (56%) würde tatsächlich sofort Fahrten einsparen. Das ist eine sinnvolle Sofortmaßnahme.
Aber wenn ich sehe, dass das Stadtbahnprogramm 2020 jetzt wahrscheinlich erst 2030 oder erst später kommt - und dabei geht es um 0,1% der benötigten Schienen... also lassen wir das, ich diskutiere nicht schon wieder das "keine Autos"-Szenario... - eAutos sind eine Lösung, welche mit dem 2045-Ziel kompatibel ist. Erst den ÖPNV massiv ausbauen, damit eine Verhaltensänderung möglich ist - da sehe ich als Zeithorizont 2100+. Und dann fährt der ÖPNV ja auch nicht ohne Energie - und je weiter ländlich man ausbaut (von dort, wo die Autos in die Stadt fahren), desto ineffizienter wird es. Im Gegensatz zu einem eAuto kann die Straßenbahn auch nicht netzdienlich laden, d.h. einige Stunden im Monat abpassen, wo im Netz gerade massive Überschüsse durch PV oder Wind sind.
Und um die Energiewende einfacher, schneller und nachhaltiger zu bewerkstelligen, sollte der Dispersion der Wohnungen stark entgegen gewirkt werden. Zersiedelung, wie sie nach wie vor enthemmt stattfindet, macht alle Bemühungen zunichte.
Wie gesagt, 85% der Bebauung von 2045 steht heute bereits. Es gibt auch bereits Gesetze gegen Zersiedlung. Ich sehe das als kein wichtiges Thema an (vor allem, weil wir eben 85% vom 2045er Bestand schon gebaut haben).
Denn egal, ob Kfz elektrisch oder fossil angetrieben werden, sie haben als MASSENverkehrsmittel keine Zukunft, wenn die Gesellschaft es ernst meint mit dem Überleben.
87% aller Wege werden aktuell mit MIV zurückgelegt. Um diese mit dem ÖPNV zu ersetzen, muss dieser vor allem in Stadt-Umland, Stadt-Land und Land-Land-Relationen massiv ausgebaut werden. Da es dort zunehmend ineffizienter wird (nicht mehr 100 Leute in der Tram, sondern 5 Leute im Bus), kannst du locker von 20x-Ausbau des ÖPNV ausgehen, damit der MIV vielleicht nur noch 50% ausmacht. Dieses massive Ausbauszenario haben wir doch schon als unrealistisch ausgemacht - gerade auch angesichts der Ausbaugeschwindigkeit des ÖPNV in der Praxis. Der ÖPNV wird kämpfen müssen, um überhaupt sein aktuelles Niveau zu halten.
Dass die Nutzung von eAutos irgendwas mit unserem Überleben oder Nicht-Überleben zu tun haben werden, ist allergrößter Schwachsinn. Bereits heute wird bspw. der ID3 von VW klimaneutral gefertigt (bilanziell klimaneutral, also so klimaneutral wie die Bahn - halt ohne langfristigen Vertrag mit Datteln 4). In der Nutzung verbraucht er lt. WLTP (dem neuen, realistischen Verfahren) ca. 15,3 kWh je 100 Kilometer. Bei einer typischen Nutzung von 500 Kilometern pro Monat (mit 100% HO usw.) kommst du da im Monat auf 76,5 kWh Verbrauch - keine 1.000 kWh im Jahr und bspw. nur 10% einer PV-Anlage in Hausgröße (ca. 10 kWp). Da das Thema gerade sehr aktuell ist, weiß ich auch, was viele so aktuell für ihre Heizung verbrauchen, ca. 12-18.000 kWh Gas für 2- und 3-Zimmer-Wohnungen. Wenn man die mit einer Wärmepumpe beheizen würde, wäre man beim Faktor 3,5 (Luft-WP) bei ca. 3.400 bis 5.100 kWh Strom für die Wärmepumpe.
Auch hier gilt wieder, die 3.400 - 5.100 kWh Strom (für nicht so ganz familientaugliche 2 bis 3 Zimmer Wohnungen), werden vor allem im Winter verbraucht und auch da geht es eher Richtung Grundlast, d.h. die WP muss zwar nicht 24h laufen, aber doch einen wesentlichen Teil des Tages. Also etwa 4.000 kWh Grundlast vs. keine 1.000 kWh bei einem eAuto und dort netzdienlich.
Auch geht es hier nicht um 1.000 kWh oder nicht 1.000 kWh. Wenn statt des eAutos Bus und Bahn gefahren wird, wird stattdessen dort der Strom verbraucht (nicht netzdienlich). Und dort kommt es auf die Auslastung darauf an, ob man da überhaupt spart.
Im Gesamt-Mix von Haushaltsstrom, WP-Strom und e-Auto-Strom hat das eAuto am Ende keine 10% Anteil und dieser Anteil kann komplett netzdienlich geladen werden. Deine Aussage, dass das Überleben unserer Gesellschaft davon abhängt, ob wir eAuto fahren oder nicht - ist also Blödsinn.
Aufgrund der Netzdienlichkeit des eAutos vs. der Grundlastanforderung der Bahn wird man sich irgendwann ernsthaft fragen müssen, ob nicht das eAuto in einem Szenario mit 100% EE das umweltfreundlichere Verkehrsmittel ist. Ich sage es gerne noch mal, aber die Bahn hat ja nicht zum Spaß einen langfristigen Liefervertrag mit Datteln 4 abgeschlossen.