Beiträge von Volker Thies

    Vielen Dank für die Anwalts-PM, Europäer! Die war bislang noch nicht bei mir angekommen. Die technische und gestalterische Seite ist nicht mein Schwerpunkt. Insofern kann ich nichts dazu sagen, ob ein Holzbau anders aussehen muss als auf den bisherigen Entwürfen. Zur verlinkten UBM-PM gehören vier Visualisierungen, die unter dem Link auch zu sehen sind. Die sehen etwas anders aus als die von 2018, aber lagen mir zwischendurch schon mal in dieser Form vor, nur dass jetzt der Schriftzug "Leonardo" fehlt.

    Zur derzeitigen Funktion der Societät hatte ich im August beim FAZ-Verlag angefragt. Damals bekam ich diese Antwort:


    Die Frankfurter Societät GmbH erbringt weiterhin Dienstleistungen für die F.A.Z., hält Unternehmensbeteiligungen im Bereich Medien, betätigt sich als Vermieter von Büroimmobilien und ist im Bereich der Vermögensanlage aktiv.


    Ganz so sehr eine leere Hülle scheint sie also nicht zu sein. Ich habe dann aber nicht mehr genauer nachgefragt, weil das nur ein Randaspekt meines Hauptthemas ist.

    Das Projekt war erstmals im April 2019 bekannt geworden. Damals war noch von 58.000 qm Büro- und Gewerbefläche sowie von 169 Mio. Euro Gesamtinvest die Rede gewesen. Auch wurden damals 33 ha Fläche und eine Option auf elf weitere Hektar erwähnt. Diese Option scheint inzwischen gezogen worden zu sein.

    Das liest sich aber nicht nach gescheiterten Verhandlungen, sondern nach beidseitigen Drohungen und insofern Teil der Verhandlungen: Frank kündigt an, dass das Verfahren ohne Bieter beendet wird. Der Bieter kündigt an, dass man nur weiter verhandle, wenn die Stadt doch noch über die Begleitbebauung reden will.

    Die Dramaturgie der Feldmann-Rede ging in etwa so, dass in Frankfurt durch die Geschwätzigkeit, Schlappmauligkeit und Iloyalität (das natürlich schmeichelhafter formuliert) seiner Einwohnerschaft sozusagen naturgesetzmäßig Transparenz herrsche. Ich habe das so verstanden, dass Feldmann wenige Tage nach der Entdeckung der Transparenz als neuem persönlichen Anliegen nahelegen will, dass er gewissermaßen der perfekt zu dieser regionalantropologischen Konstante passende Amtsträger sei.


    Allerdings hatte das, wie insgesamt die Einlassungen beider politischer Gestelten, mit dem Projekt und dem Objekt wenig zu tun. Bei Bouffier hatte ich den starken Eindruck, dass ihm die Rollen von Bauherr und Mieter an diesem Vorhaben nicht gewärtig sind.

    Man wolle das Projekt selbst durchziehen und nicht nach Planung baureif veräußern. Ausnahme seien die Eigentumswohnungen. Die werde man einem Träger überlassen, weil sie nicht zum Geschäftsfeld der Gerchgroup gehörten.

    Für "die Eigentumswohnungen" dürfte das so aber nicht stimmen. Die Wohnungen im Turm sollen ja überwiegend Eigentumswohnungen werden, und den Turm wird Gerchgroup selbst entwickeln. Nur für den Fall, dass es ETW außerhalb des Turms geben wird, was nicht feststeht, soll da ein anderer Bauträger ran. So habe ich es zumindest verstanden.

    Das Omega-Haus, aus dem die Helaba ausgezogen ist oder derzeit noch auszieht, siehe #164, gehört inzwischen offenbar dem österreichischen Unternehmen Imfarr. Das Objekt soll eine Komplettmodernisierung mit erheblichen Dienstleistungs-Umbauten im Erdgeschoss bekommen. 2023 soll das Projekt mit einem Gross Development Value von 300 Mio. euro fertig sein. Einzelheiten gibt es auf der zugehörigen Webseite.

    Kleine Ergänzung: Laut Lang & Cie. sind 7.200 qm oberirdische und 2.000 qm unterirdische BGF geplant. Unterirdisch soll vor allem die Sporthalle Platz finden. Das Grundstück wurde im Jahr 2019 von der Clementinenstiftung erworben.

    Während der Pressekonferenz wurden insbesondere drei Aspekte betont, die der Bank offenbar wichtig waren:


    - Das Haupthaus sollte in seiner optischen Wirkung möglichst wenig in den Schatten gestellt werden.


    - Die Architektur sollte die Souveränität aber mehr noch die Solidität der Institution ausdrücken.


    - Die Balance zwischen der notwendigen Absicherung und der gewünschten Öffnung (Museum, Kindergarten, Gastronomie, Sporthalle als mehr oder minder öffentliche Einrichtung, dazu eine reibungslose Abwicklung der Anlieferlogistik) sollte durch den Entwurf möglichst vereinfacht werden.


    Dazu kommt noch, was auch mehrfach betont wurde, dass die Vorgaben des städtebaulichen Plans relativ strikt waren.

    Kleine Anmerkung: Wie gestern in der PK gesagt wurde und auch in der Pressemitteilung geschrieben steht, sind 40% geförderter Wohnraum geplant und nicht 50%.


    Aus meiner Warte noch erwähnenswert: Gesamtinvest für den ersten von zwei Bauabschnitten zuzüglich Busbahnhof (für den die genaue Kostenaufteilung noch ausgehandelt werden muss) 300 Mio. Euro. Im Quartier sind beträchtliche Gewerbeflächen von knapp 41.000 qm geplant, also ein Großteil der EGs, zum Teil auch innen in den Höfen. Dazu 2.400 qm für den Supermarkt am Quartiersplatz. ABG will alles selbst bebauen (abgesehen von den Freiheiten für die Baugruppen). Zeitplan: Wenn es gut läuft schon 2022 der Umzug der Busse und dann Beginn der Arbeiten am Wohnquartier, realistisch aber wohl ein Jahr später. In letzterem Fall 2028 Fertigstellung von BA1 des Römerhofs und zwei Jahre später von BA2.

    Ein paar Konkretisierungen gab es noch im Rahmen des Termins: Dorint wird das Hotel mit 110 Zimmern sowie Apartments als Vier-Sterne-Superior betreiben. Das Boardinghaus soll offenbar auf den zweiten Bauabschnitt verschoben werden. Das Objekt soll im Bestand der Investoren Khaled Ezzedine und Daniel Köhler bleiben. Betreiber der Schule (fünfte Klasse bis Abitur) wird das Wiesbadener Privatschulunternehmen Obermayr. Die ersten acht Hallenplätze sollen im Oktober 2020 in die Nutzung gehen. Im Sommer 2021 soll der erste Bauabschnitt fertig werden.