Beiträge von klangraum

    Ich hätte gerne eine Quelle für die Behauptung (eine Vermutung ist es ja offensichtlich nicht), dass die Verklinkerung und Befliesung ohne weiteres bezahlbar ist. Dann müsste es preislich mit einer WDVS-Fassade auf einer Höhe liegen. Ist es nach meinem Kenntnissstand aber nicht. Im Gegensatz zu der Zeit, als die Gründerzeitgebäude errichtet wurden und erst recht für die Zeit davor gilt, dass nicht das Material sondern die Arbeitszeit der eigentliche Kostenfaktor darstellt. Alleine daraus folgt schon eine andere Architektur. Abgesehen von 1000 anderen Gründen.


    Abgesehen davon ist das hier ein beeindruckend sehenswertes Gebäude geworden!

    ich lasse mich jetzt mal zu der These hinreißen, dass ein schöner, anziehender Ort eine Frage der Architektur ist und sogar dann funktioniert, wenn er (fast) menschenleer ist. Das war hier aber mMn nicht das Ziel. Dann darf man sich aber auch nicht beschweren, wenn der Ort bei Unterfunktion der umliegenden Entertainmentangebote "dystopisch" wirkt.

    ^ in Bezug auf die Balkone kann das zutreffen, aber die Loggien freuen sich über jeden Sonnenstrahl. Da kann es im dahinterliegendem Raum schon arg duster werden.

    Außerdem bin ich ein Freund von Fassaden, die mit der Benutzung bunter werden. Etwas mehr kreative Abweichung kann dieses Haus schon gebrauchen. Sollen sich die Bewohner mit Sehnsucht nach mehr Intimität doch kreativ austoben mit einer Reihe von Pflanztöpfen, Bastmatte oder was auch immer der Baumarkt hergibt. Im Gegensatz zu den vermauerten Balkonen und Loggien ist es hier dem Bewohner immerhin möglich (wenn es die Hausordnung erlaubt), sich für Intimität oder etwas mehr Offenheit zu entscheiden.

    Urbanfreaks Bedenken, was die Verdunkelung angeht kann ich schon nachvollziehen. Hier ist der Blick von Innen nach Außen zwar wichtiger als der Lichteinfall von Außen nach Innen. Aber man hätte das auch besser lösen können mit geringfügig schmaleren oder versetzt angeordneten Balkonen.

    Abgesehen davon hat das Haus aber etwas. Die Konstruktion der Balkonen ist übrigens so aufwendig, dass die Bewohner bereit sein müssen, dafür extra in die Tasche zu greifen. Sie bekommen also, wofür sie bezahlen.

    ^ verstehe ich nicht. Der Kompromiss von "Luxuriös" und kompletter Ablehnung ist doch nicht schlechte Architektur, oder? Aus der Forderung nach mehr Teilhabe an Stadtentwicklung erwächst ein Entertainment-Viertel?

    Soll das heißen, die Kämpfer von damals haben bekommen, was sie verdient haben?

    Ich habe zwar nicht mehr so recht in Erinnerung, für was die Initiative damals gekämpft hat, aber im Groben ging es doch darum, den wertvollen Stadtraum - vor allem das Spreeufer - nicht vollständig in privater Hand zu belassen/zu übergeben. Das Verhindern von Hochhäusern war da noch das symbolische I-Tüpfelchen.

    Auf der Suche nach den Ursachen für das recht durchwachsene Ergebnis von gebauter Stadt muss man etwas tiefer graben, fürchte ich.

    der grossartige eindruck ist grösstenteils dem altbau geschuldet

    Vielleicht ist es der zeitgenössischen Ergänzung gelungen, den Altbau gut in Szene zu setzen? Das Eine ohne das Andere ist nur halb so spektakulär. Ich mag auch die Übertragung der Rundbogenidee ins serielle. Nur kommt mir die handwerkliche Ausarbeitung, insbesondere die Betonqualität etwas schludrig vor. Aber ich urteile nur an Hand der Bilder....

    Sollte es bei der Eingangstür nicht nur um ein Provisorium handlen, halte das allerdings fast schon für eine Beleidigung. Wer will das anfassen?

    ^ bis an die Straßenkante wird zum Beispiel in der Europacity und am Südkreuz gebaut (was nicht zwangsläufig zu mehr Urbanität führt) und bei BJP und Urbanophil doch auch, oder?

    Ein Drunter und Drüber würde ich sehr begrüßen.

    Die Fehler der Europacity, bei der ganze Blöcke und kilometer lange Riegel in einer Hand sind und dürfen sich nicht wiederholen.

    Wenn es so wie in der Visualisierung von BJP kommt, wäre das ein sehr vielseitiges und ansprechendes Stück Stadt. Aber selbst wenn man sich auf diesen Entwurf verständigen würde, bin ich pessimistisch, dass es schließlich auch so umgesetzt wird. Die nichtarchitektonischen Zwänge sind es, die das Bild unserer Neubauviertel prägen. Und Ästhetik und urbanes Leben lassen sich nicht erzwingen. Man kann es als Planer und politischer Entscheider bestenfalls ermöglichen und den Rahmen stricken. Letztlich bestimmt aber der, der das Geld ausgibt, was daraus gemacht wird.

    das ist doch im Koalitionsvertrag recht vage formuliert. Eine Anpassung an aktuelle klimapolitische Aufgaben ist ja erstmal nicht schlecht, wie auch immer das aussehen mag. Da sind viele Szenarien denkbar, ohne dass das ganze Konzept gleich hinfällig ist. Vielleicht kann man auch nochmal darüber nachdenken, ob hier Wohnen wirklich so unmöglich ist. Möglicherweise werden auch Höhen nochmal diskutiert.

    Wenn die im Bebauungsplanverfahren geäußerten Bedenken und Wiedersprüche so zahlreich, fundiert und zum großen Teil auch gut begründet (und gut organisiert) daherkommen, ist es nur richtig, darauf einzugehen.

    Als Anwohner fände ich es allerdings sehr schade, wenn das Projekt als Ganzes stirbt. Der Park wäre natürlich nicht mehr der Gleiche. Aber mit den diversen noch zu errichtenden Gleisanlagen für S-21 und evtl auch Stammbahn wird sich eh mehr verändern, als den meisten Anwohnern lieb ist. Und wie Camondo schon schreibt, wäre das Projekt auch eine Chance, nicht nur für die Kreativwirtschaft.

    Ich finde, hier macht die auf Strecke gebaute Metamorphose Sinn. Und sie ist Vielfältiger, als zuerst vermutet. Dass sich die Fassade nach oben hin glättet, bis in den obersten Etagen vermutlich der Ziehharmonika-Effekt verschwunden ist, ist mir jetzt erst aufgefallen.

    Die Luftigkeit der vertikalen Streben, die scheinbar dünne Haut der ebenbündigen Verglasung - das alles macht zusammen mit der vertikalen Verwandlung den Eindruck eines fallenden Stoffes. Gefällt mir sehr.

    Nur diese aus der Ebene stehende Strebe in jedem Knick stört. Selbst wenn sie sich als Beleuchtung entpuppen sollte.

    ^ zwischen erster und zweiter Etage scheint es zwar einen stilistischen Bruch zu geben. Aber ich sehe da eher wenig "Retrozeugs" als vielmehr ein Gebäude, das in den oberen Etagen eher nüchtern und doch sinnlich Fassade proportioniert und materialisiert. Aus der Idee, die schlichteren zwei unteren Etagen zu einem Sockel zusammenzuziehen folgt doch nicht zwangsläufig die Ausbildung einer Dachzone. Und der Eingang ist trotz Bogenfenster im darüberliegendem Geschoss nicht unbedingt eine Anlehnung an "klassische" Fassaden, sondern vielleicht einfach auch nur Ausdruck des Bedürfnisses, dem Eintreten etwas mehr Würde zu verleihen.

    Meiner Meinung nach hat das Preisgericht eine kluge Wahl getroffen.

    Ich freue mich besonders über den Albers-Entwurf. Da finden sich viele schöne Details. Dem Stadthaus wird durch die Gestaltung und Lage des gegenüberliegenden Platzes/Hofes Respekt gezollt ohne ihm zuviel Pathos einzuräumen. Da werden sich in geschützter Lage schöne Sichtbeziehungen (auch zum Nikolai-Viertel) ergeben.

    Die Verortung der schmalen Parzellen in die ruhigeren und intimeren Ecken halte ich für gelungen und realistisch und schafft eine feine Differenzierung zu den größeren Parzellen.

    Auf die Rekonstruktion des Jüdenhofes hoffe ich. Weniger aus ästhetischen Gründen. Auch wenn man Geschichte nicht bauen kann - ein Erinnerungsort könnte es auf jeden Fall werden. Und es könnte dem ganzen Viertel eine Identität geben.


    Mein Problem mit Albers wird sichtbar, wenn man sich das Modell ohne die sichtbaren kleinen Fugen zwischen den

    Parzellen vorstellt. Dann bleibt zwar eine gute städtebauliche Figur. Aber die Gefahr sehe ich bei der Realisierung der Fassaden. Da kann das ganze Viertel schnell zu einem gleichförmigen Einerlei verkommen.

    Und da kommt für mich der Vorzug des zweiten Gewinners in Spiel. Die Individualisierung jeder Parzelle zerreist zwar etwas die städtebauliche Klarheit. Aber eine lebendiges Stück Stadt kann ich mir nicht ohne diese Individualisierung vorstellen. Ich weiß zwar nicht, wie man das in einen zu realisierenden Plan gießen kann - eine Vorgabe, wie jedes Haus sich von seinem Nachbarn zu unterscheiden hat macht ja keinen Sinn - aber diesen Aspekt vermischt mit Albers wäre für mich der richtige Weg.

    Als alter Bonner, der fast täglich am langen Eugen vorbeifuhr kam mir Eiermann auch gleich in den Sinn.

    Ich glaube schon, dass Staab sich hier ganz bewusst für eine Architektursprache entschieden hat, die man damals - nach dem Verständnis der 60er Jahre - mit einem demokratischen Bauen in Verbindung brachte und damit nicht nur einen ästhetischen Kontrast zum Gegenüber schaffen wollte.

    Das Gebäude weckt unterschiedliche Assoziationen. Zuerst erinnert es mich an die häufig in Hinterhöfen anzufindenden Gewerbehäuser der Gründerzeit, die meist in Sichtmauerwerk ausgeführt waren und ähnliche Fensterproportionen aufweisen. Das wird noch unterstützt durch so kleine Details wie die zusätzlichen Sprossen im Fensterglas.

    Die balkonartig hervortretenden Pflanzkübel verleihen der Fassade aber auch eine Regelmäßigkeit wie überdimensionierte Auflager von Betonfertigteilstützen.

    Auf die Wirkung der Bepflanzung bin ich gespannt. Ob sich der Eindruck von grünen Säulen einstellt?

    Auf jeden Fall ein interessantes Gebäude und eine schöne Idee, mit einer Begrünung nicht nur ästhetisch zu kitten sondern Gestalt zu prägen.

    Wenn Bettina Jarasch mit dem Satz zitiert wird

    "Das Tempelhofer Feld wird nicht angefasst in dieser Legislaturperiode“

    heißt das für mich, dass eine Bebauung nicht tabu ist. Nur eben nicht jetzt. Das ist für mich auch eine überraschende Nachricht - und ein Schritt in die richtige Richtung. Hätte man sich für eine Bebauung oder für vorbereitende Planungen schon in dieser Legislaturperiode entschieden, hätte das ziemlich viel Planungskapazitäten gebunden, die man garnicht hat. Daher ist der Beschluss eigentlich ganz pragmatisch.

    ^ um nur auf die schnelle einmal drei Gestaltungselemente zu nennen:

    - eine zweigeschossig abgesetzte Sockelszone mit angedeutetem Bossenputz

    - farblich und vermutlich auch vom Strukturputz abgesetzte Faschen der meist bodentiefen Fenster, in Anlehnung an die berliner Gründerzeitgebäude

    - ein umlaufendes dreifach abgesetztes Band als Fassadenabschluss im Attikabereich in Anlehnung an auskragende, verputzte Mauersteine, wie man sie häufig auf Hofseiten von Gründerzeitgebäuden findet.


    Das kann man persönlich als nicht chic bezeichnen. Aber eine


    Wohnburg ohne Gestaltungsanspruch

    sieht anders aus.

    Ich finds übrigens ganz chic.

    ^ verstehe ich nicht. Was ist "damals"? Von welchem Bewohner reden Sie?

    Für mich ist das Eierhäuschen der historische Anker im Plänterwald und identitätsstiftend. Da ist das Geld gut angelegt. Ich freue mich auf einen ersten Besuch.


    Edit: Kaba hat das (mein) Missverständnis unten aufgeklärt.

    ^ ohne mich jetzt an Spekulationen über die Rolle des Denkmalschutzes in Bezug auf die Erscheinung des Gebäudes zu beteiligen muss man einfach sagen, dass das Ergebnis nicht nur vom eigentlichen Entwurf stark abweicht. Es konterkariert schlicht die Idee. Und das hat nichts mit den Balkonen zu tun sondern mit Einsparentscheidungen im Laufe der Ausführungsphase. Das laste ich eher dem Bauherrn an.