Beiträge von klangraum

    ein interessantes Experiment. Und eigentlich noch unfertig.

    Ästhetisch lässt sich das schwierig beurteilen, da die letzte Schicht, das hervorstechende Merkmal, die Bepflanzung, ständig im Wandel sein wird. Der Erfolg hängt hier von der Pflege der Bepflanzung ab. Wenn die sich in den oberen Etagen den Rankhilfen entlang ausgebreitet hat, werden die Balkone bestenfalls eingewoben - und ansonsten wenig stören.

    Mir wurden übrigens solche Vorschläge der Begrünung immer um die Ohren gehauen mit der Begründung, dass die Rankhilfen hervorragende Kletterhilfen für Einbrecher darstellen. Auch da bin ich auf die Erfahrungen gespannt.

    Ich empfinde das Haus als sehr schwer und grob. Das liegt mMn am Verhältnis von Wand und Fensteröffnung zu Gunsten sehr viel Wand, mit der man schließlich aber nicht viel anfangen konnte. Der etwas mühsame Versuch mit versetzten Ls den tristen Proportionen entgegenzuwirken führt dann auch zu einem Eckkonflikt, der nicht wirklich gelöst ist. Die Fensterglasebene ist auch ungünstig in die Tiefe gerutscht wie bei Gründerzeithäusern, denen man nachträglich eine fette Dämmschicht zuteil werden ließ. Das vermittelt eine Schwere, die von der Farbe noch unterstrichen wird. Für sich alleine betrachtet finde ich die Farbe aber ganz angenehm. Wie interessant so eine Farbe wohl in Kombination mit warmen braun-orangen Fensterrahmen wirken würde?

    Positiv finde ich den hohen Sockel und hier die bodentiefen Fenster. Das öffnet das Haus wieder zur Straße, bzw zum Fußgänger.

    Vielleicht gewinnt das Haus auch, wenn es bespielt und bewohnt wird.

    ^ ich stimme zu. An der Ecke empfand ich die große Glasfläche als ganz wohltuend, wenn auch nicht unbedingt ein Gewinn für die Stadt. Solche großen Glasflächen profitieren oft davon, dass die Stadt drumherum ganz gut funktioniert. Aber gerade im Vergleich zu dem, was da jetzt hinkommt ist der Abbruch für mich ein Verlust.

    Aber zum letzten Punkt: wie soll der Senat den Abriss verhindern? Eingriff in Eigentumsrechte? Da wäre der Aufschrei aber zu Recht groß.

    um einmal die verblüffende Ähnlichkeit des Rathaus-Neubaus mit 60/70 Jahre Hochhäusern zu dokumentieren:

    Postbank-Hochhaus in Berlin:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Postbank-Hochhaus_%28Berlin%29

    Europa-Center Berlin

    https://de.wikipedia.org/wiki/Europa-Center

    Rathaus Essen

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_Essen

    Langer Eugen in Bonn:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Langer_Eugen

    Rathhaus-Neubau: https://www.berlin.de/sen/bauen/wett…us-der-zukunft/

    krawallbedürfniss?

    zeig doch mal das 60 Jahre Gebäude, das das Rathaus kopiert. Denn wenn der Disney-Vorwurf treffen soll, muss es das ja geben.

    Und da Dir der Widerspruch offensichtlich schon selber aufgefallen ist: Was sind denn die Stilelemente der 60/70er Jahre, die dieses Gebäude hier aufnimmt.

    die Fassade, die von der flach stehenden Sonne belichtet wird, wirkt mit dem Sonnenschutz tatsächlich wie eine schwarze Wand hinter attraktiver Stahlkonstruktion. Der Teil im Schatten dagegen wirkt ohne Sonnenschutz lebendiger, da das Glas die Umgebung spiegelt. Andere Uhrzeit, anderes Licht, andere Fassade. Die Struktur der weißen Stahlkonstruktion käme weniger überzeugend rüber, wäre die Fassade dahinter weniger homogen. Wenn das seelenlos wirkt, dann ist die Entwurfs-Idee vielleicht schon im Ansatz nicht richtig. Oder zumindest für die gefühlten 200 m einfach zu wenig. Die BGF auf halber Fläche aber doppelter Höhe hätte mMn gut getan. Und auf dem freigewordenem Grundstück dan ein Haus mit einem ganz anderen Gesicht und einem anderen Angebot. Denn eigentlich ist das in meinen Augen immer noch eines der besten Häuser, weil es den Inhalt in eine gebaute Form übersetzt.

    In Ungers ursprünglichen Plan für den Humboldthafen war eine mantelartige Wohnbebauung um den ganzen Hafen vorgesehen. Diese Planung war mit der Verkürzung der Hallendächer obsolet. So zumindest das veröffentlichte Argument. Denn rein formal hätte man deswegen nicht auf die architektonische Form verzichten müssen.

    Hier geht es aber eh um das Anna-Lindh-Haus am Europaplatz. Da wirkt das Lärmschutzargument nicht mehr. Erst recht, wenn auf der Nordseite des Humboldthafens eine Wohnbebauung realisiert wurde.

    Ich kann das Befremden beim Anblick des Anna-Lindh-Hauses nachvollziehen. Es gibt schöne Details. Ich mag die Fassade, die Fenster. Ich mag die Holz-Hybrid-Konstruktion, auch wenn sie kaum noch in Erscheinung tritt.

    Aber als Ganzes wirkt es wie der schlafende Rücken eines Riesen. Wie auch immer die EG-Zone aussehen wird, ich erwarte auch von den darüberliegenden Etagen so etwas wie eine Hinwendung zum Platz, eine nicht nur funktionale Reaktion darauf, dass der Europaplatz keine Seitenstraße ist.

    Für mich zeigt dieser Bau nochmal den eigentlich großen Mangel, unter dem die ganze Europacity leidet. Und das ist nicht das städtbauliche Konzept, das ursprünglich mal auf Vielfalt und Mischung aus Wohn- und Geschäftshäusern angelegt war. Es ist vielmehr der Verkauf ganzer Blöcke - statt einzelner Grundstücke - durch die CA Immo an wenige Immobilienentwickler. So sieht es dann aus, wenn Verwertung im Vordergrund steht.

    Über die offenen Balkone würde ich mich als Mieter freuen. Sollen die Anderen sich doch vor unliebsamen Blicken schützen. Warum soll sich die individuelle Nutzung einer Wohnung nicht auch zeigen dürfen?

    Obwohl das Haus in meinen Augen etwas gediegen wirkt und die Rundungen etwas modisch, finde ich es gestalterisch doch sehr solide ohne wirklich aufzutrumpfen. Mit seinem verklinkertem Sockel und seiner Farbigkeit wird es sich auf jeden Fall ganz gut in die vorhandene 30er Jahre Bebauung einfügen.

    Also architektonisch ist das doch eine große Verbesserung und das Gegenteil von Verödung.

    Was das EG angeht, was wäre denn abgesehen von einer besseren Proportionierung - die Alternative? Hier ist offensichtlich Wohnen vorgesehen. Im besten Fall ist diese sogar barrierefrei. Dass sich Gewerbe im EG nicht mehr rechnet, weil es an Nachfrage mangelt, kann man den Bauherren und Architekten kaum vorwerfen. Das spiegelt einfach unser heutiges Einkaufsverhalten wider. Und das führt mit Sicherheit zu einer Verödung der Innenstädte.

    Die Argumente, die du hier gegen den großflächigen Einsatz von Glas vorbringst finde ich nicht schlüssig.

    Für mich macht es ästhetisch Sinn. Es markiert den horizontalen Funktionswechsel von Wohnen und Gewerbe, von Privatheit und Offenheit, Intimität hier und Kommunikation dort. Die Wohnungen orientieren sich zu den Innenhöfen, das Gewerbe orientiert sich zur Straße.

    Durch das Glas wirken die Wohnetagen wie schwebend, zumindest hat der ganze Riegel dadurch eine angenehme Leichtigkeit. Ich bin gespannt, wie das Ganze bei Dunkelheit funktioniert.

    Falls der Betreiber des Gewerbes es für angebracht findet, seine Fenster zu bekleben, soll er das machen können. Das lässt eine Glasfassade ja zu. Umgekehrt dagegen lässt eine geschlossene Wand es nicht zu, mal eben geöffnet zu werden, falls der Gewerbetreibende mehr Offenheit wünscht.

    Der K-Wert von Glas ist fast gleichwertig mit einer vollgedämmten Wand, die Wärmespeicherfähigkeit ist nur nicht vorhanden.

    Warum der Bauherr hier Geld einsparen soll, indem er die Glasflächen reduziert, weil an anderen Gebäuden aus ökonomischen Gründen auf Gesimse verzichtet wird, erschließt sich mir nicht.

    Insgesamt gefällt mir dieser Eingriff in eine schon bestehende städtebauliche Situation sehr gut, soweit man es im unfertigen Zustand beurteilen kann. Die Fassade überrascht mit ihrer angenehmen Farbigkeit und den diagonal verlegten Faserzementplatten. Zusammen mit dem Glas unterstreicht das nochmal den Eindruck von Leichtigkeit.

    ^ich empfehle dringend, die eigene Definition von Architektur zu überdenken. Der Mangel an Diskurs-Schnittmengen liegt möglicherweise im eigenen Dogmatismus begründet.

    Wenn ich mir die diversen Posts vor mir durchlese, möchte ich fast immer ein wenig zustimmen und trotzdem widersprechen. Eine kleinteiligere Parzellenstruktur hätte helfen können, den ein oder anderen architektonischen Ausfall auszugleichen. 50 Meter an einem tristen Gebäude entlang zu schlendern macht wenig Freude. Andererseits ist der Boulevard zu einem großen Teil bestimmt durch große Parzellen mit entsprechend großen - aber eben auch prächtigen Gebäuden, sowohl östlich mit Museen, Universität und Oper als auch westlich mit Botschaften und Hotels. Funktional ist der Boulevard herrlich vielfältig - und dennoch geht man über lange Strecken an nicht einladenden Fassaden vorbei. Und es macht einen Unterschied, ob sich das Gebäude zur Straße als Verwaltungsgebäude öffnet oder als Haus der Kultur. Und meiner Meinung zeigt sich das Fehlen einer durchsetzbaren Gestaltungsvereinbarung, das Fragen zu Materialität, Dachabschluss, Sockelgestaltung usw. klärt. Vielleicht, weil man die Streitereien am Pariser Platz nicht wiederholen wollte? Vielleicht, weil es für den Boulevard an Selbstbewusstsein mangelt, was es denn eigentlich sein soll?

    Die Rundbögen in Nachbarschaft zu den S-Bahngleisen assoziiere ich immer mit den Gewölbebögen des S-Bahn-Viadukts, obwohl der direkte Vergleich das überhaupt nicht zulässt. Wie auch immer, schon der Rohbau wertet diesen abgelegenen Ort stark auf. Und daran haben die Bögen sicher ihren Anteil.

    Ein Zaubern wäre nicht nötig. Aber ein paar Öffnungen mehr an der Ecke würden diese weniger plump und starr erscheinen lassen. Welche Zwänge - konstruktiv oder grundrisstechnisch - zu dieser Erscheinung führen, sind mit schleierhaft. Aber ich gehe jede Wette ein, dass die Entscheider - Architekten und Bauherren - diese Ecksituation nicht von der Außenbetrachtung heraus entwickelt haben und dann gesagt haben: cool, sieht stark aus.

    Aber entweder es fehlt an Geld oder an Ideen, wie man mit diesen Zwängen umgehen kann. Oder es ist den Verantworlichen egal, solange die Funktion der Wohnraumbeschaffung erfüllt ist.

    Mit dem entsprechenden Fassadenmaterial kann man noch etwas retten. Aber schön wirds dadurch trotzdem nicht.

    entscheidend ist, wie lange das Holz überdauert. Als Baustoff für Fassaden sind da eher kürzere Lebenszyklen anzusetzen - im Vergleich zu Konstruktionsholz. Und verwittertes oder verbranntes Holz gibt das gebundene CO2 wieder ab.

    Hier ist nicht der Platz, um die Vor- und Nachteile des Baustoffes Holz gegenüber anderen Baustoffen zu diskutieren. Aber neben der Fähigkeit CO2 zu binden, sollte bei Holz auch immer berücksichtigt werden, dass das Material aus Forsten stammt (wenn es im schlechtesten Fall nicht als Raubgut aus Wäldern entnommen wird) und diese Baumplantagen haben selber nur einen ganz geringen ökologischen Wert. Ich würde sogar sagen, die Forste haben einen großen Anteil an der Zerstörung der natürlichen Vielfalt.

    Hier beim Holzmarkt muss man mMn verschiedene Aspekte berücksichtigen. Bevor sich die Genossenschaft dieses kleine Quartier erbaut hat, hat sie mit Materialien gearbeitet, die sie mehr oder weniger auf der Straße gefunden, preiswert erkauft und improvisiert zusammengeschustert hat. Ich erinnere mich noch an Tanzstunden in einem kleinen Saal, dessen wintergartenartigen Fassaden nur aus weggeworfenen Holzfenstern erbaut waren. Diese improvisierte Gestaltung fand ich immer sympathisch und auf seine eigene Weise ästhetisch. Es war auch immer ein Gegenentwurf zu den gut durchfinanzierten und auf Gewinn ausgerichteten Spaßorten, die letzlich aber auch sehr kalt wirken.

    Die Herausforderung für das nun gebaute Quartier war, diese Ästhetik beizubehalten - und dennoch etwas Dauerhaftes zu hinterlassen. Ein Wiederspruch, meiner Meinung nach.

    Die Holzfassaden sehe ich zumindest als Versuch, etwas von dem Charme und der Wärme des alten Holzmarktes zu retten.

    ^^ das sehe ich nicht so.

    Wenn man aus Sicht des Alexanderplatzes argumentiert, ist die Wirkung der Sockelgebäude schwerwiegender. Die Orientierung des Hochhauskörpers folgt eher der Wirkung aus der Ferne. So gesehen steht das Haus ganz gut, wie man den vielen Bildern in den vorhergehenden Beiträgen entnehmen kann. Im Dialog mit dem Park-Inn hätte ich mir tatsächlich auch eine Drehung vorstellen können. Ich denke aber, durch die Wahl für die gebaute Orientierung entsteht zusammen mit allen weiteren Hochhäusern eine Art Dialog mit dem Fernsehturm, dem man hier ja die dominante Rolle zuspielen möchte.

    Die Öffnungen folgen im EG exakt den Geschossen darüber. Merkwürdig ist nur, dass die Flächen unter den Öffnungen farblich abgesetzt werden. Als ob es sich um ehemalige bodentiefe Ladenfenster handelt, die nachträglich auf Wohnungsfenster verkleinert wurden. Sowas sieht man in Berlin ja häufig, nur nicht farblich so offensichtlich. Vllt sind diese Flächen auch tatsächlich wieder entfernbar, ohne großartig die Konstruktion zu stören. Erdgeschosswohnungen haben durchaus Vorteile wie Barrierefreiheit, Gartenzugang. Nachteile sind meist schlechtere Belichtung und Einsehbarkeit. Gerade Letzteres ist hier - zumindest bauseits - nicht gelöst. Ansonsten finde ich das Haus sehr ansprechend. Und ja, diese Gediegenheit scheint sich in letzter Zeit zu häufen.

    Zur Originalität:

    Gewöhnliche Wohn-Häuser müssen nicht originell sein. Selbst dann nicht, wenn sie eine gehobene Klientel ansprechen. Der Wunsch nach Originalität bringt allzu oft Merkwürdiges hervor. Die Gründerzeit hat ganz gut gezeigt, dass selbst Fassaden mit geringem Anspruch ganz schöne Straßenzüge hervorbringen. Es reicht, wenn ein Haus wohlproportioniert und gut gegliedert ist, mit ansprechenden Materialien. Leider werden eben oft schon diese niedrigen Standards nicht erreicht.

    ich denke mal, wer sich ein Holzhaus bestellt/baut, kalkuliert die Verwitterungseffekte von Holz mit ein. Ich finde den Graustich in den oberen Etagen ganz schön. Sollte die Farbdifferenz zu den Holz-Fensterrahmen bleiben wikrt es noch schöner. Warum der ökologische Effekt mit der Witterung verloren geht, erschließt sich mir nicht. Holz kann alt werden, wenn man es altern lässt. Und erst dann hat das ökologische Argument (der CO2-Speicherung) Gewicht. Der ökologische Fußabdruck wird nur dadurch ungünstig, dass es nach wenigen Jahrzehnten verbrannt wird.