Beiträge von klangraum

    ^ich empfehle dringend, die eigene Definition von Architektur zu überdenken. Der Mangel an Diskurs-Schnittmengen liegt möglicherweise im eigenen Dogmatismus begründet.

    Wenn ich mir die diversen Posts vor mir durchlese, möchte ich fast immer ein wenig zustimmen und trotzdem widersprechen. Eine kleinteiligere Parzellenstruktur hätte helfen können, den ein oder anderen architektonischen Ausfall auszugleichen. 50 Meter an einem tristen Gebäude entlang zu schlendern macht wenig Freude. Andererseits ist der Boulevard zu einem großen Teil bestimmt durch große Parzellen mit entsprechend großen - aber eben auch prächtigen Gebäuden, sowohl östlich mit Museen, Universität und Oper als auch westlich mit Botschaften und Hotels. Funktional ist der Boulevard herrlich vielfältig - und dennoch geht man über lange Strecken an nicht einladenden Fassaden vorbei. Und es macht einen Unterschied, ob sich das Gebäude zur Straße als Verwaltungsgebäude öffnet oder als Haus der Kultur. Und meiner Meinung zeigt sich das Fehlen einer durchsetzbaren Gestaltungsvereinbarung, das Fragen zu Materialität, Dachabschluss, Sockelgestaltung usw. klärt. Vielleicht, weil man die Streitereien am Pariser Platz nicht wiederholen wollte? Vielleicht, weil es für den Boulevard an Selbstbewusstsein mangelt, was es denn eigentlich sein soll?

    Die Rundbögen in Nachbarschaft zu den S-Bahngleisen assoziiere ich immer mit den Gewölbebögen des S-Bahn-Viadukts, obwohl der direkte Vergleich das überhaupt nicht zulässt. Wie auch immer, schon der Rohbau wertet diesen abgelegenen Ort stark auf. Und daran haben die Bögen sicher ihren Anteil.

    Ein Zaubern wäre nicht nötig. Aber ein paar Öffnungen mehr an der Ecke würden diese weniger plump und starr erscheinen lassen. Welche Zwänge - konstruktiv oder grundrisstechnisch - zu dieser Erscheinung führen, sind mit schleierhaft. Aber ich gehe jede Wette ein, dass die Entscheider - Architekten und Bauherren - diese Ecksituation nicht von der Außenbetrachtung heraus entwickelt haben und dann gesagt haben: cool, sieht stark aus.

    Aber entweder es fehlt an Geld oder an Ideen, wie man mit diesen Zwängen umgehen kann. Oder es ist den Verantworlichen egal, solange die Funktion der Wohnraumbeschaffung erfüllt ist.

    Mit dem entsprechenden Fassadenmaterial kann man noch etwas retten. Aber schön wirds dadurch trotzdem nicht.

    entscheidend ist, wie lange das Holz überdauert. Als Baustoff für Fassaden sind da eher kürzere Lebenszyklen anzusetzen - im Vergleich zu Konstruktionsholz. Und verwittertes oder verbranntes Holz gibt das gebundene CO2 wieder ab.

    Hier ist nicht der Platz, um die Vor- und Nachteile des Baustoffes Holz gegenüber anderen Baustoffen zu diskutieren. Aber neben der Fähigkeit CO2 zu binden, sollte bei Holz auch immer berücksichtigt werden, dass das Material aus Forsten stammt (wenn es im schlechtesten Fall nicht als Raubgut aus Wäldern entnommen wird) und diese Baumplantagen haben selber nur einen ganz geringen ökologischen Wert. Ich würde sogar sagen, die Forste haben einen großen Anteil an der Zerstörung der natürlichen Vielfalt.

    Hier beim Holzmarkt muss man mMn verschiedene Aspekte berücksichtigen. Bevor sich die Genossenschaft dieses kleine Quartier erbaut hat, hat sie mit Materialien gearbeitet, die sie mehr oder weniger auf der Straße gefunden, preiswert erkauft und improvisiert zusammengeschustert hat. Ich erinnere mich noch an Tanzstunden in einem kleinen Saal, dessen wintergartenartigen Fassaden nur aus weggeworfenen Holzfenstern erbaut waren. Diese improvisierte Gestaltung fand ich immer sympathisch und auf seine eigene Weise ästhetisch. Es war auch immer ein Gegenentwurf zu den gut durchfinanzierten und auf Gewinn ausgerichteten Spaßorten, die letzlich aber auch sehr kalt wirken.

    Die Herausforderung für das nun gebaute Quartier war, diese Ästhetik beizubehalten - und dennoch etwas Dauerhaftes zu hinterlassen. Ein Wiederspruch, meiner Meinung nach.

    Die Holzfassaden sehe ich zumindest als Versuch, etwas von dem Charme und der Wärme des alten Holzmarktes zu retten.

    ^^ das sehe ich nicht so.

    Wenn man aus Sicht des Alexanderplatzes argumentiert, ist die Wirkung der Sockelgebäude schwerwiegender. Die Orientierung des Hochhauskörpers folgt eher der Wirkung aus der Ferne. So gesehen steht das Haus ganz gut, wie man den vielen Bildern in den vorhergehenden Beiträgen entnehmen kann. Im Dialog mit dem Park-Inn hätte ich mir tatsächlich auch eine Drehung vorstellen können. Ich denke aber, durch die Wahl für die gebaute Orientierung entsteht zusammen mit allen weiteren Hochhäusern eine Art Dialog mit dem Fernsehturm, dem man hier ja die dominante Rolle zuspielen möchte.

    Die Öffnungen folgen im EG exakt den Geschossen darüber. Merkwürdig ist nur, dass die Flächen unter den Öffnungen farblich abgesetzt werden. Als ob es sich um ehemalige bodentiefe Ladenfenster handelt, die nachträglich auf Wohnungsfenster verkleinert wurden. Sowas sieht man in Berlin ja häufig, nur nicht farblich so offensichtlich. Vllt sind diese Flächen auch tatsächlich wieder entfernbar, ohne großartig die Konstruktion zu stören. Erdgeschosswohnungen haben durchaus Vorteile wie Barrierefreiheit, Gartenzugang. Nachteile sind meist schlechtere Belichtung und Einsehbarkeit. Gerade Letzteres ist hier - zumindest bauseits - nicht gelöst. Ansonsten finde ich das Haus sehr ansprechend. Und ja, diese Gediegenheit scheint sich in letzter Zeit zu häufen.

    Zur Originalität:

    Gewöhnliche Wohn-Häuser müssen nicht originell sein. Selbst dann nicht, wenn sie eine gehobene Klientel ansprechen. Der Wunsch nach Originalität bringt allzu oft Merkwürdiges hervor. Die Gründerzeit hat ganz gut gezeigt, dass selbst Fassaden mit geringem Anspruch ganz schöne Straßenzüge hervorbringen. Es reicht, wenn ein Haus wohlproportioniert und gut gegliedert ist, mit ansprechenden Materialien. Leider werden eben oft schon diese niedrigen Standards nicht erreicht.

    ich denke mal, wer sich ein Holzhaus bestellt/baut, kalkuliert die Verwitterungseffekte von Holz mit ein. Ich finde den Graustich in den oberen Etagen ganz schön. Sollte die Farbdifferenz zu den Holz-Fensterrahmen bleiben wikrt es noch schöner. Warum der ökologische Effekt mit der Witterung verloren geht, erschließt sich mir nicht. Holz kann alt werden, wenn man es altern lässt. Und erst dann hat das ökologische Argument (der CO2-Speicherung) Gewicht. Der ökologische Fußabdruck wird nur dadurch ungünstig, dass es nach wenigen Jahrzehnten verbrannt wird.

    bin ich der Einzige, der beim Anblick der Hochhauskette gleich an die Lichtdome der 30er Jahre denken musste?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Reichspar…g,_Lichtdom.jpg

    Ich muss Sidious rechtgeben. Die Idee halte ich für komplett sinnfrei. Nicht weil ich gegen Hochhäuser in dieser Gegend wäre, oder die Sicht auf das Denkmal als solches erhalten möchte. Das Gegenteil ist der Fall. Aber die Verdichtung ist hier so unmotiviert, dass für mich nur noch das Motiv der Werbung übrigbleibt.

    ^ beim Bosco verticale ist die Vegetation integraler Bestandteil der Konstruktion und thematischer Schwerpunkt des Entwurfs. Ein Gewinn für die Wohnung, das ganze Haus und die Stadt.

    Hier beim Woho wirkt es leider wie zeitgenössischer Schnickschnack. Ich warte immer noch auf einen Hochhausentwurf, der wie ein vertikaler Garten wirkt, und auch so funktioniert.

    Aber ich mag den Entwurf trotzdem, auch ohne Alibigrün. Ich verstehe zwar nicht, was ausgerechnet diesen Ort für ein Hochhaus geeignet erscheinen lässt. Aber von mir aus könnten noch mehr solcher Hochhäuser - gerne auch in experimenteller Holzkonstruktionsbauweise - an Platzrändern entstehen.

    Vielen Dank für die Verteidigung quasi aus Kiez-Bewohner-Perspektive.

    Zu Punkt 1: Mir fällt es schwer, in dem Neubau Anklänge an die Pavillons zu erkennen. Dafür ist es zu gestapelt. Ich frage mich auch, ob es überhaupt Sinn ergibt, städtebauliche Elemente wie die Pavillons in die Schillingstraße bis zur Holzmarktstraße zu transferieren. Das macht auch rhythmisch keinen Sinn in der Schillingstraße. Dass sich das Gebäude einem uminterpretierten Ostmoderne-Setting verschreibt - wie Du so schön formulierst - glaube ich aber sofort. Ich glaube auch, dass man dieser Haltung weiter folgen darf oder sollte, und dennoch mehr Mut zur Urbanität und Dichte wagen. Und vielleicht auch eine gewagtere Uminterpretation mit einer Prise mehr Hierarchie und Solidität.

    ^ das ist lustig.

    Aber es trifft irgendwie nicht, weil es suggeriert, dieses Gebäude versuche architektonisch etwas besonderes zu sein. Es ist aber auch kein architektonischer Unfall. Wie zum Beispiel das Moxy ein paar Meter weiter. Wenn man der gestalterischen Haltung etwas vorwerfen kann, dann den Mangel an Ambition. Es wirkt einfach mutlos. Mehr Urbanität entsteht kaum, wenn man Lücken nur füllt und sich - durchaus gelungen - einfügt.

    Ähnlich wie im Fall der Landsberger Allee 116 scheint mir hier auch von der Stadt die Vorgabe einer städtbaulichen Idee zu fehlen, von Jannowitzbrücke bis Schillingbrücke. Statt einer übergeordneten Idee à la Stimmann sucht man sich einzelne Sahnestückchen raus wie das JAHO oder den Central-Tower und überlässt den Rest dem Markt.

    Ich fürchte nur, wenn diese Gebäude dann mal ihre urbane Kraft entfalten, wird Holzmarktstraße 66 ein Abrisskandidat. Das kann's doch nicht sein....

    "Reparatur" ist sicher der falsche Begriff. Und dennoch hat Humphrey schon nicht unrecht, wenn er verwundert anmerkt, wie aus der Zeit gefallen es erscheint, in Form der vorhandenen Riegel weiterzubauen, statt sich darüber Gedanken zu machen, wie man hier den Stadtraum verbessern könnte. Wenn ich mir die achtspurige Straße plus Tram anschaue, ist eine Verbesserung ja nicht nur aus Gründen des Stadtbildes wünschenswert.

    Leavel11 hat vermutlich recht, was die Gründe angeht.

    Für die Landsberger Allee zwischen S-Bahnhof und Weissenseer Weg und auch darüber hinaus wünschte ich mir eine stadtbauliche Idde, die über ein "weiter so" hinausgeht. Ich fürchte nur, da fehlt es nicht nur an städtbaulicher Initiative und Begeisterung sondern auch am behördlichen Personal, eine Planung dann auch in Form eines Bebauungsplans umzusetzen.

    ich denke, architektonisch hat man hier noch sehr vieles offen gelassen. Zur Diskussion gestellt wurde erstmal Lage, Stellung und Funktion der Baukörper. Warum sollte man viel Geld für architektonische Leistungen ausgeben, wenn städtebaulich noch nichts festgezurrt wurde?

    Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann ein höheres Gebäude am Bahnhofsvorplatz, insgesamt mehr Wohnungen, aber weniger Wohnungen mit Nordlage.

    ich hatte bisher nie den Eindruck, dass die beiden Türme sich mit der horizontalen Gliederung betont bescheiden geben. Sie betonen nicht ihre Größe, trumpfen nicht groß auf. Das hat für mich eine sympathische Selbstverständlichkeit.

    Horizontale Fensterbänder gibt es übrigens seit der Erfindung des Skelettbaus. Wenn die Wand nicht mehr tragen muss, kann man auch auf sie verzichten.

    Bei der Diskussion über Betonung der Vertikalen in Hochhäusern muss ich immer daran denken, wie unangenehm es wirkt, (fehlende) Höhe durch Gestaltung auch wirklich darstellen zu wollen. Davon gibt es in Berlin einige Beispiele. ZB das Beisheim-Center und das Delbrück-Hochhaus am Potsdamer Platz.

    Aber auch für mich ist der Dachabschluss nicht gelungen. Mit dem Technik-Aufbau werde ich die Assoziation an eine riesige Batterie nicht mehr los.

    Ist zwar nur ne Kleinigkeit, gut gelöst ist das nicht.

    Horizontale Halterung und Spiegelung schränken doch deutlich die Lesbarkeit ein. Das ist zwar architektonisch nicht relevant. Aber entweder sieht man für das Logo bauseits eine entsprechende Fläche vor, oder man passt das Design des Logos dermaßen an, dass es seine Funktion erfüllen kann.

    ^^ Das ist nicht wenig.

    Eine der größten Herausforderungen der Planung war, zwischen solch ikonischen Gebäuden der Architektur wie Philharmonie, Staatsbibliothek und neuer Nationalgalerie einen Baukörper zu setzen, der sich selbstbewusst und dennoch nicht aufdringlich präsentiert. Dann auf diesen Archetypus zu setzen halte ich für eine großartige Idee. Ob es dann gelingt hängt aber von mehr ab, als der groben Form eines Satteldaches. Nach der Enttäuschung am Tacheles, wo HdM meiner Meinung nach schließlich in der Detailierung versagt haben, warte ich hier lieber noch ab.

    Die Pyramiden würden den Ort meiner Meinung nach verschlechtern.

    Die Vorgehensweise des Eingriffs ist von Beginn an falsch. Langhof entwickelt seine Gebäude nicht aus den Anforderungen des Ortes sondern aus einer isolierten Formidee heraus und fragt sich dann, wie man diese Form stadtverträglich anpassen kann.

    Die Pyramiden sind auch tatsächlich sehr cool. Die Visualisierung mit dem üppigen Grün ist zwar Marketing, aber auch ohne der zeitgeistigen Begrünung mag ich die Idee mit den Terrassen. Bei den Terrassen wird es aber auch schon fragwürdig. Von Innen betrachtet machen diese in gestapelter Form mMn Sinn, wenn sie mit einer bestimmten Blickrichtung verbunden sind. Aber da ergibt sich hier kein Bild. Was soll man da sehen?

    Städtebaulich bräuchte der Ort eine Antwort auf die Heterogenität von Gründerzeitblöcken, Zeilenbauten, Gewerbehallen.... Das Statement hier ist: Ist der Ort erst ruiniert.... Noch mehr Solitäre schaffen aber keinen Mehrwert. Außer man freut sich einfach über Häuser, die anders sind. Oder höher. Mir reicht das nicht.