Diese Argumentationskette "böser Onlinehandel macht unsere Innenstädte kaputt", die Precht gleich zu Anfang aufmacht, zielt in meinen Augen weit daneben. Die Innenstädte sind kaputt, seitdem sie von wenigen, global agierenden Ketten dominiert werden, die im scheinbaren Überfluss letztlich nur zu einer globalen Gleichmacherei führen. Und gerade um deren 08/15-Waren zu kaufen, muss man sich nun wirklich nicht den Stress eines City-Aufenthalts antun, sondern kann auch ganz entspannt online shoppen.
Kleine inhabergeführte Geschäfte mit frischen Ideen, eigenständigen Waren/Dienstleistungen und fähiger Beratung haben in hoffnungslos überteuerten City-Lagen hingegen kaum eine Chance - dabei wären gerade sie die logische Antwort auf gesichtslosen Online-Handel. Vielleicht braucht es erst ein großes Kettensterben, einen gewissen Leerstand und deutlich sinkende Mieten, um einen Wandel hin zu einer vielseitigeren und damit zukunftsfähigeren Shoppingstruktur einzuleiten. Für deutlich mehr Lebendigkeit würde sicher auch sorgen, wenn wieder mehr Menschen in der Innenstadt wohnen könnten und man einen gesünderen Mix aus Handel/Büronutzung/Wohnen hinbekommen würde.
EDIT: Im weiterne Verlauf des Videos wird das Thema erfreulicherweise auch vielschichtiger aufgenommen, als es die Einleitung befürchten ließ.