Ich muss gestehen, dass mich die Planungen für "Allée-Allée" sehr enttäuschen. Für mich ist das eine vertane Chance, an einem geradezu prädestinierten Hochhausstandort endlich einen größeren städtebaulichen Wurf zu wagen. Bereits 2009 gab es von pbs architekten einen ausgesprochen interessanten Entwurf, der die beiden bestehenden Baukörper des Poseidon-Hauses erhalten und durch einen zusätzlichen, etwa 140 Meter hohen Hochhausturm ergänzen sollte (einigen von Euch dürfte der Entwurf sicherlich noch bekannt sein). Besonders gelungen fand ich die dunkle, streng vertikal gegliederte Fassade und die abgerundeten Gebäudeecken, deren Gestaltung auch bei den beiden Bestandsbauten aufgegriffen werden sollte. Gerade an dieser Stelle, an der Hamburger Allee und in unmittelbarer Nähe zum Messegelände, hätte ein solches Ensemble einen markanten städtebaulichen Akzent setzen können. Umso bedauerlicher, dass man sich damals gegen diesen Entwurf entschieden hat und nun offenbar erneut nur die kleine Lösung verfolgt.
Stattdessen wird nun erneut am Bestand herumgewerkelt. Natürlich ist der Erhalt der vorhandenen Bausubstanz unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten grundsätzlich begrüßenswert. Aber man muss sich schon fragen, ob die wiederholte Revitalisierung eines gerade einmal 62 Meter hohen Gebäudekomplexes an einem derart prominenten Standort wirklich die überzeugendste langfristige Lösung ist. Auch die jetzt veröffentlichte Visualisierung reißt mich nicht gerade vom Hocker. Die Architektur wirkt auf mich ziemlich beliebig, die Fassadengestaltung wenig inspirierend. Ein paar zusätzliche Loggien, ein aufgewerteter Eingangsbereich und eine schwebende Lichtinstallation machen daraus noch lange kein architektonisches Highlight. Von Deka Immobilien hätte ich mir da wirklich mehr erwartet.
Mein Eindruck ist, dass hier vor allem wirtschaftliche Überlegungen den Ausschlag geben. Man möchte offenbar mit möglichst überschaubarem Aufwand eine erneute Vermarktung ermöglichen, statt das Grundstück grundsätzlich neu zu denken. Aus Eigentümersicht mag das nachvollziehbar sein, städtebaulich finde ich es ausgesprochen ambitionslos. Gerade Frankfurt könnte an solchen Standorten deutlich mutiger agieren. Stattdessen begnügt man sich wieder einmal mit der kleinsten und langweiligsten aller Lösungen. Besonders bedauerlich finde ich, dass damit die Chance auf ein wirklich prägnantes und sinnvolles Hochhaus an dieser Stelle wohl für weitere Jahrzehnte vertan sein dürfte.
