Projekt "Allée-Allée", Revitalisierung "Leo" der ING-DiBa (2030)

  • Ich muss gestehen, dass mich die Planungen für "Allée-Allée" sehr enttäuschen. Für mich ist das eine vertane Chance, an einem geradezu prädestinierten Hochhausstandort endlich einen größeren städtebaulichen Wurf zu wagen. Bereits 2009 gab es von pbs architekten einen ausgesprochen interessanten Entwurf, der die beiden bestehenden Baukörper des Poseidon-Hauses erhalten und durch einen zusätzlichen, etwa 140 Meter hohen Hochhausturm ergänzen sollte (einigen von Euch dürfte der Entwurf sicherlich noch bekannt sein). Besonders gelungen fand ich die dunkle, streng vertikal gegliederte Fassade und die abgerundeten Gebäudeecken, deren Gestaltung auch bei den beiden Bestandsbauten aufgegriffen werden sollte. Gerade an dieser Stelle, an der Hamburger Allee und in unmittelbarer Nähe zum Messegelände, hätte ein solches Ensemble einen markanten städtebaulichen Akzent setzen können. Umso bedauerlicher, dass man sich damals gegen diesen Entwurf entschieden hat und nun offenbar erneut nur die kleine Lösung verfolgt.

    Stattdessen wird nun erneut am Bestand herumgewerkelt. Natürlich ist der Erhalt der vorhandenen Bausubstanz unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten grundsätzlich begrüßenswert. Aber man muss sich schon fragen, ob die wiederholte Revitalisierung eines gerade einmal 62 Meter hohen Gebäudekomplexes an einem derart prominenten Standort wirklich die überzeugendste langfristige Lösung ist. Auch die jetzt veröffentlichte Visualisierung reißt mich nicht gerade vom Hocker. Die Architektur wirkt auf mich ziemlich beliebig, die Fassadengestaltung wenig inspirierend. Ein paar zusätzliche Loggien, ein aufgewerteter Eingangsbereich und eine schwebende Lichtinstallation machen daraus noch lange kein architektonisches Highlight. Von Deka Immobilien hätte ich mir da wirklich mehr erwartet.

    Mein Eindruck ist, dass hier vor allem wirtschaftliche Überlegungen den Ausschlag geben. Man möchte offenbar mit möglichst überschaubarem Aufwand eine erneute Vermarktung ermöglichen, statt das Grundstück grundsätzlich neu zu denken. Aus Eigentümersicht mag das nachvollziehbar sein, städtebaulich finde ich es ausgesprochen ambitionslos. Gerade Frankfurt könnte an solchen Standorten deutlich mutiger agieren. Stattdessen begnügt man sich wieder einmal mit der kleinsten und langweiligsten aller Lösungen. Besonders bedauerlich finde ich, dass damit die Chance auf ein wirklich prägnantes und sinnvolles Hochhaus an dieser Stelle wohl für weitere Jahrzehnte vertan sein dürfte.

    2 Mal editiert, zuletzt von Adama (13. Oktober 2026 um 14:54) aus folgendem Grund: Weitere Informationen hinzugefügt.

  • Vertane Chance hin oder her, es ist leider unübersehbar dass sich auf dem Frankfurter Büromarkt diese 140m Planung unter den aktuellen Rahmenbedingungen wirtschaftlich kaum lohnen kann. Lage ist nicht unbedingt die beste, da bereits relativ peripher.

    Und generell werden wir uns damit abfinden müssen dass die Zukunft nicht gerade viele interessante Hochhausprojekte mehr bringen wird. Wohnhochhäuser will die aktuelle Stadtpolitik nicht mehr, und der Büromarkt folgt einfach nur der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und ist daher schon mit dem bestehenden Angebot komplett übersättigt. Die Deutschen, vor Allem in Westdeutschland und insbesondere in den Großstädten, haben es nunmal vorgezogen mehrheitlich Parteien zu wählen die uns den wirtschaftlichen Niedergang erst eingebrockt haben und die weder willens noch in der Lage sind diesen Kurs zu beenden.

    Und so lange das so ist, müssen wir uns darauf einrichten auf absehbare Zeit nur mehr deutlich kleinere Brötchen zu backen. Die fetten Jahre sind endgültig vorbei. Ist nicht schön, aber leider nunmal Tatsache.

    Unter diesen Umständen ist die aktuelle Planung wohl das Maximum das noch möglich war. Es bringt uns ja auch nichts wenn der Investor sich überschätzt und pleite geht, und wir dann so eine Bauruine haben wie die Hamburger mit ihrem Elbtower.

  • Im Grunde widersprichst Du mir ja gar nicht, denn genau das habe ich geschrieben: Hier wird eine städtebauliche Chance vergeben. Dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen heute andere sind als 2009, steht ja außer Frage. Damals hat man eine solche Erweiterung um einen 140 Meter hohen Turm immerhin ernsthaft in Betracht gezogen. Dem dürften entsprechende Wirtschaftlichkeitsberechnungen zugrunde gelegen haben. Und natürlich merkt man inzwischen deutlich, dass das Geld bei den Investoren längst nicht mehr so locker sitzt.

    Dass wir beide politisch völlig konträre Ansichten haben und in grundlegenden politischen Fragen kaum weiter auseinanderliegen könnten, ist uns ja bekannt. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Allerdings machst Du es Dir meiner Meinung nach ziemlich einfach, wenn Du die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands immer wieder auf bestimmte Wahlergebnisse und die Politik einzelner Parteien zurückführst und daraus einen vermeintlich unaufhaltsamen Niedergang ableitest. Die weltweiten Verwerfungen durch Putins Angriffskrieg und Trumps zunehmend unberechenbare und psychopatische Wirtschafts- und Außenpolitik tragen schließlich ebenfalls erheblich zur Verunsicherung bei. Was ich dabei besonders schade finde, ist, dass Du diese politischen Untergangsszenarien offenbar immer wieder in Diskussionen einfließen lassen musst, selbst wenn es eigentlich um ganz andere Themen geht. Denn in der Sache selbst liegen wir mit unseren Einschätzungen oftmals gar nicht so weit auseinander. Und gerade unterschiedliche Sichtweisen können eine Diskussion durchaus bereichern und den eigenen Horizont erweitern. Dafür müsste allerdings nicht konstant dieser dramatische Untergangston mitschwingen. Für politische Grundsatzdiskussionen über die allgemeine Weltlage gibt es schließlich entsprechende externe Politikforen. Hier würde ich mich lieber auf Architektur und Stadtentwicklung konzentrieren.

    Was Deine Einschätzung des Standorts betrifft, widerspreche ich Dir allerdings deutlich. Die unmittelbare Nähe zur Messe, die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die benachbarten Bürostandorte im Westend und Europaviertel sprechen nun wirklich nicht für eine periphere Lage. Wir reden hier schließlich nicht über irgendeinen abgelegenen Bürostandort am Stadtrand, sondern über einen etablierten Standort innerhalb des Frankfurter Stadtgefüges, mit einer ausgesprochen guten Verkehrsanbindung. Dass die Lage nicht mit dem Bankenviertel gleichzusetzen ist, kann man verstehen. Aber daraus gleich eine mangelnde Eignung für ein höheres Hochhaus abzuleiten, halte ich für nicht überzeugend.

    Entscheidend ist doch letztlich, ob es einen entsprechenden Ankermieter gibt, der an genau diesem Standort größere zusammenhängende Büroflächen benötigt und bereit ist, sich langfristig zu binden. Dann sähe die Wirtschaftlichkeitsrechnung vermutlich schon wieder ganz anders aus, und auch ein z. B. 140 Meter hoher Neubau könnte durchaus wieder interessant werden. Natürlich muss eine solche Investition solide finanziert und entsprechend abgesichert sein. Eine Bauruine wie den Elbtower möchte schließlich niemand. Nur ist der Elbtower für mich kein Argument gegen ambitionierte Hochhausprojekte an sich, sondern vielmehr ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Finanzierung und wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht ausreichend gesichert sind. Dass man sich angesichts der derzeitigen Marktlage für die kleinere Lösung entscheidet, kann ich wirtschaftlich durchaus nachvollziehen. Architektonisch und städtebaulich bleibt sie für mich trotzdem eine herbe Enttäuschung.


    Hier der entsprechende Entwurf mit dem 140 m hohen Hochhaus:

    Citrus3d-Referenz-981.jpg

    Bild: PBS-Architekten, Visualisierung: Citrus3d

    2 Mal editiert, zuletzt von Adama (14. Oktober 2026 um 12:53) aus folgendem Grund: Bild hinzugefügt.

  • Wegen der geografischen Lage des Standorts: der Standort ist umgeben von vor allem reinem Wohngebiet ohne großartig Innenstadt-Nutzungen, und halt der Messe. Die wenigsten Büroarbeiter sind aber regelmäßig in der Messe anzutreffen, und im ÖPNV hat man eigentlich nur die U4 (bzw die weitgehend parallel verlaufende Straßenbahn). Das ist ein ganz massiver Nachteil gegenüber jedem nur denkbaren Hochhausstandort im Bankenviertel. Nicht so schlimm wie draußen in Eschborn oder Niederad, aber eine attraktive Lage ist nun wirklich was anderes.



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