Planungspolitik und Wohnungsbau

  • Ich verstehe die Lageeinstufungen nicht. Das alleinige Kriterium scheint hierbei die Zentrumsnähe zu sein. Das widerspricht doch dem ehernen Grundsatz, dass bei Immobilien nur drei Sachen wichtig sind: Lage, Lage und Lage.

    Und die ist nun mal komplett unterschiedlich am Riedberg oder in Bergen oder in Seckbach im Vergleich zu Fechenheim, Oberrad oder am Frankfurter Berg. Das zum Beispiel die nordöstliche Sonnentaustraße am Frankfurter Berg eine bessere Lage sein soll, als 2/3 des Riedbergs kann ich als Ex-Bewohner der Sonnentaustraße und jetziger Riedberger nur belächeln. Da liegen Welten dazwischen hinsichtlich Publikum vor Ort, verfügbarem Einkommen, Schul- und Betreuungssituation, uvm. Gleiches lässt sich über den Vergleich Kalbach mit dem Ben-Gurion-Ring (aka "Golanhöhlen") sagen. Angeblich selbe Lage, aber völlig unterschiedliche Welten. Und da finden sich sicher noch viel mehr Beispiele.

    Schlussendlich kann man den neuen Mietspiegel aber erst richtig beurteilen, wenn ein Mietrechner hierfür verfügbar ist und man sehen kann, was da hinten raus kommt. Die starke Kritik der Immobilieneigentumsverbände ist für mich aber absolut nachvollziehbar.

  • Der Mietspiegel ist kein Instrument zur Bewertung von Immobilien. Er hat die Aufgabe als Begründungsmittel für Mieterhöhungen zu dienen. Die Lage spielt dabei nur insoweit ein Rolle, als ihr Einfluss auf die konkrete Miete einer Wohnung nachweisbar ist. Bei der Erstellung des Mietspiegels sind über 3.500 Interviews von repräsentativ ausgewählten Mietparteien geführt worden. Es wurde ein 37-seitiger Fragebogen abgefragt, den die Mietspiegelkommission erstellt hat, der neben der Stadt Frankfurt auch die Verbände der Wohnungswirtschaft und die Mieterschutzvereine angehören. Was ist dagegen einzuwenden, dass die Lage einer Wohnung offenbar nicht den Einfluss oder nicht in dem erwarteten Umfang auf die Miethöhe hat, den der oder die eine oder andere vielleicht erwartet hat. Vielleicht war die flächige Einteilung in fünf Wohnlagen einfach zu ungenau.

    Dein Beispiel (nordöstliche Sonnentaustraße am Frankfurter Berg versus 2/3 des Riedbergs) führt in die Irre. Der Mietspiegel besagt nicht, dass die nordöstliche Sonnentaustraße eine "bessere" Wohnlage sei, er enthält sich dieser Wertung, sondern weist nur nach, dass dort die örtlichen Gegebenheiten einen anderen Einfluss auf die Miethöhe haben als auf 2/3 des Riedbergs. Es wurden im neuen Mietspiegel die Wertungen "einfach", "mittel", "gehoben" usw. aufgegeben.

    Ich schrieb es oben schon mal: wenn zwei im Prinzip, also nach allen preisbildenden Merkmalen, gleiche Wohnungen denselben Mietpreis aufweisen, die eine aber auf dem Riedberg liegt, die andere in der Sonnentaustraße: welchen Einfluss hat die Lage auf den Mietpreis? Oder das Bildungsniveau der Bewohnerschaft?

  • Der Magistrat hat in einem aktuellen Bericht zur öffentlichen Kritik am neuen Mietspiegel Stellung genommen, hauptsächlich geäußert von Haus & Grund und aus Kreisen der Immobilienwirtschaft. Die AfD-Fraktion hatte die wesentlichen Kritikpunkte in einer Anfrage zusammengefasst, welche nunmehr vom Magistrat beantwortet wurde:

    Bericht B_217_2026 vom 5.7.2026

    Die Kritik hat sich der Magistrat mit guten und stichhaltigen Gründen natürlich nicht zu eigen gemacht, sondern zurückgewiesen.

  • Neben der Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete gibt es bekanntlich die Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen (§ 559 BGB). Diese Vorschrift ist eher geeignet, Investitionsanreize im Bestand zu setzen. Von Verbänden wie Haus & Grund sollte man erwarten, dass sie das Gesetz kennen.

  • Kommunale Wärmeplanung der Stadt Frankfurt

    Mit der Vorlage M_109_2026 vom 3.8.2026 legt der Magistrat die gesetzlich geforderte kommunale Wärmeplanung vor. Es ist ein strategisches Konzept, die Wärmeversorgung bis 2045 ohne Emission von Treibhausgasen zu bewirken. Die Potenziale dafür liegen in der Nutzung von Umgebungsluft, Abwärme aus Rechenzentren und Industrieprozessen, Wärme aus Klärwasser sowie in Energie aus Solarthermie und Erdwärme. Der Magistratsbericht beruht auf dem Fachgutachten "Erstellung der kommunalen Wärmeplanung für die Stadt Frankfurt am Main" und dem Beteiligungsbericht zu den eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen der Offenlegung des Entwurfs des Fachgutachtens.

    Das Fachgutachten in diesem Rahmen zusammenzufassen, war auf die Schnelle nicht möglich, es umfasst immerhin 300 Seiten, der Beteiligungsbericht weitere 360 Seiten.

    Fachgutachten

    Beteiligungsbericht

  • Die Stadt Frankfurt hat aktuelle Zahlen zur Bautätigkeit veröffentlicht. Ein paar Sachen fallen auf und sind erwähnenswert:

    • Die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen nahm ggü. dem Vorjahr um 9% ab auf 3.468 Wohnungen netto (d.h. Abbrüche sind hier bereits mit inkludiert). Das ist zwar insgesamt noch besser als in den Jahren 2021-2023, die den Tiefpunkt in den vergangenen Jahren darstellen, ist aber auch weit entfernt vom Peak des Jahres 2017, als wir 4.722 zusätzliche Wohnungen netto hatten.
    • Die wieder verstärkte Bautätigkeit geht mit einer Verschiebung der durchschnittlichen Raumanzahl einher. Hier ist der negative Trend der letzten Jahre durchbrochen und die durchschnittliche Raumanzahl wächst von 2,4 auf 2,9 Räume/Wohnung. Das sind Werte, die wir zuletzt 2019 und 2021 gesehen haben.
    • Die durchschnittlichen Baukosten erhöhen sich nach einem Rückgang im Vorjahr wieder auf 2.036€/qm. Es ist hier allerdings darauf hinzuweisen, dass dies Planwerte zum Zeitpunkt der Baugenehmigung sind und nicht IST-Werte nach Fertigstellung.
    • Die Baugenehmigungen für Neubau und Umbau ziehen weiter an (von 2.541 in 2024 auf 3.298 in 2025), liegen aber auch weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre 2017-2020 (wo wir bei ca. 4.700-6.350 Baugenehmigungen lagen) bzw. dem Peak im Jahr 2022, wo es knapp über 8.000 Baugenehmigungen gab.
    • Baugenehmigungen dienen als Vorlaufindikator für die künftige Entwicklung der Fertigstellungen. Sie geben Hinweise darauf, ob sich die Bautätigkeit in den kommenden Jahren beleben oder weiter verhalten entwickeln dürfte.
  • ^ Ich staune über den Betrag der Baukosten pro m². Für 2.036 €/m² baut in Frankfurt niemand eine Wohnung neu. Es wäre interessant zu wissen, wie die Statistiker auf diesen Betrag kommen.

    Nachtrag: recherchiert man über Google, ChatGPt oder Perplexity bekommt man Beträge, je nach Ausstattung, zwischen 3.500 und 5.000 €/m² für Frankfurt genannt.

  • So ging es mir auch, tunnelklick. Meine reine Vermutung ist, dass sich hier auf die reinen Gestehungskosten fokussiert wird, also die Kosten, die tatsächlich auf der Baustelle entstehen und andere Kosten (Grundstück, Erschließung, Administration, Notar, Steuern, etc.) nicht enthalten sind.

    Folgendes wirft mir Gemini aus für ein fiktives Mehrfamilienhaus in Frankfurt mit 10 Parteien (ca. 800 m² Gesamtwohnfläche) in einer mittleren bis guten Wohnlage. Das finde ich schon etwas realistischer. Aber auch hier sind die reinen Bauwerkskosten fast doppelt so hoch (3.800€) als in der amtlichen Statistik.

    KostengruppeKosten pro m² Wohnfläche
    Grundstück (anteilig nach GFZ)1.200 €
    Grundstücksnebenkosten (Notar, Steuern)100 €
    Erschließung & Tiefbau150 €
    Bauwerkskosten (KG 300+400, gehoben)3.800 €
    Baunebenkosten (Planung, Statik, HOAI)700 €
    Außenanlagen & Stellplätze / Tiefgarage550 €
    Finanzierungskosten & Puffer200 €
    📊 Gesamtbudget (All-In)ca. 6.700 € / m²