Beiträge von arnold

    ^ Ich sehe kaum, dass in Chemnitz in den nächsten Jahren neue Straßennamen zu vergeben sein werden, es sei denn, Straßen werden umbenannt. Aber Neubauviertel mit neuen Straßen entstehen in Chemnitz wohl keine - daher werden auch keine Frauen-Namen im öffentlichen Raum einziehen können.

    Was hat denn das BSZ für Wirtschaft mit Minna Simon zu tun? Konnte da keine Zusammenhänge finden online.

    Der Anteil an Frauennamen an Straßennamen oder Namen für öffentliche Gebäude ist in Chemnitz verschwindend gering. Es gibt zahlreiche Männernamen im öffentlichen Raum in Chemnitz - obwohl diese Männer nie vor Ort waren, in der Straße gelebt haben oder im Gebäude gearbeitet haben. Minna von Simon war Chemnitzerin, hat im Gebäude gearbeitet und vor Ort aktiv für die Arbeitnehmerrechte - Rechte, die wir alle heute als selbstverständlich ansehen - gekämpft. Ich finde das ist ein gewichtiges Argument, die Bibliothek nach ihr zu benennen.

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    Diese Befürchtung muss man leider haben denn es ist eine "Bühne", die sehr verlockend erscheint.

    Es ist halt komisch: In Österreich beispielsweise hat die politisch Rechte den Wert der Kulturhauptstadt für den Tourismus verstanden und lässt machen ohne weitere Kritik, auch wenn das Kulturkonzept von Bad Ischl deutlich konservativer ist, als das von Chemnitz. Man setzt dort stärker auf Hochkultur und Opern.

    ^ Ehrlich gesagt sehe ich die Bürgerbeteiligung in Chemnitz seit einigen Jahren etwas schwierig: Die große Mehrheit schweigt (aus Gleichgültigkeit?) und eine gewisse Minderheit ist immer sehr laut und grundsätzlich in Opposition. Ich finde die Idee, den Park wieder seinem historischen Original anzunähern, sehr schön und bin fest davon überzeugt, hätte ein moderner Entwurf 'gewonnen', wären die Forderungen genau andersherum: Wie kann man nur, der Park war historisch doch viel schöner. Etwas wundert es mich auch, dass sich Saxonia hier aus der Diskussion voll und ganz raushält - als Fürsprecher für historische/historisierende Ideen. Ansonsten sehe ich es wie oben schon beschrieben: WC-Anlage* (in welcher Form auch immer) und Spielplatz lässt sich förderunschädlich nachrüsten und Gastronomie unterliegt wirtschaftlichen Interesse und kann von der Stadt nur schwer geplant werden. Dass ausgerechnet die fehlende Diagonale nun der Grund sein soll, dass die Kulturhauptstadt angeblich nicht für die Bevölkerung baut, finde ich etwas übertrieben, selbst wenn die Diagonale als Weg natürlich Sinn macht. Ich finde der Stadt (und damit meine ich der Bevölkerung) würde manchmal etwas mehr Gelassenheit ganz gut tun.

    Generell empfinde ich die Argumente, die Projekte seien nicht für die Bevölkerung gemacht, sondern nur für eine Kunst-Elite, als eine Strategie dieser Oppositions-Haltung. Für wen außer den Bewohnern der direkten Umgebung soll der Schillerplatz sonst sein? Er bleibt nach dem Kulturhauptstadt-Jahr genau an diesem Ort und wird auf Jahrzehnte ein Ort zum Verweilen, für Veranstaltungen, etc. bleiben. Das Kulturkonzept der Kuha ist sehr niederschwellig: Es sind nicht die Prunkbauten, die mit elitärer Kunst gefüllt werden - wie das noch vor einigen Jahren (Linz) der Fall war. Hier setzt man auf Orte der lokalen Identität (Garagen, Freiflächen, Industriebrachen) und einem Kunst- und Kultur-Begriff, der einen sehr großen Teil der Bevölkerung einschließt. Zu behaupten, man plane an der Bevölkerung vorbei, finde ich ehrlich gesagt eine ziemlich dreiste Lüge. Schaut man sich die Interventionsflächen an (Garagen-Campus, Stadtwirtschaft, Park und Freiflächen, Sportforum, Schulen), so sind das alles Orte des alltäglichen Lebens bzw. Zusammenkommens.

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    *Noch kurz eine Anmerkung zur WC-Anlage: Ich kenne mittlerweile keine öffentlichen WCs mehr, die kostenfrei sind. Eine Litfasssäule als WC-Lösung fände ich sehr gut, allerdings wird die auch Geld kosten. Und somit werden auch weiterhin die Menschen in die Hecken entwässern :P In Wien geht man mittlerweile gegen Wildpinkler vor und verlangt 36 Euro Strafe. Das finde ich aber auch etwas kleinkariert...
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    Zum Parkleitsystem habe ich nichts geschrieben, weil ich mich damit zu wenig auskenne. Fahre ich mit dem Auto durch Chemnitz, brauche ich das Leitsystem nicht und weiß daher auch nicht, wie funktional das ist. Laut FP sollen die Tafeln mittlerweile auch abgebaut worden sein, da sie über Jahre defekt waren... Stattdessen setzt die Stadt Chemnitz nun wohl auf dieses System: https://www.tag24.de/chemnitz/polit…elegung-3114794 Wenn ich mit dem Auto in anderen Städten unterwegs bin, lasse ich mich meistens direkt per Navi oder Google Maps navigieren und benötige da auch keine Leitsysteme.

    Zum Müll und Laub habe ich auch nichts geschrieben - das stimmt :P Das Thema hatten wir aber andernorts auch schon: Ich finde es in Chemnitz nicht schlimmer als in anderen Großstädten, hätte aber nichts dagegen wenn man 2025 vielleicht öfter mal mit der Kehrmaschine durch die Stadt fährt ;)

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    War denn bekannt, dass umfangreiche Notsicherungen laufen, wie es dort berichtet wird?

    Die Notsicherungen wurden dort schon vor Jahren durchgeführt (zwischen 2020 und 2022). Unter anderem wurden teilweise neue Beton-Decken gegossen sowie das ganze Gebäude komplett verschlossen und die Giebel teilweise zurückgebaut.

    ^ Warum muss der Name der Bibliothek einen Bezug zur TU haben? Simon hat einen sehr direkten Bezug zum Gebäude selbst. Reicht das nicht aus? Oder ist das Problem, dass es sich um eine Frau handelt?

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    Eine "Ernestine-Minna-Simon-geborene-Reinitz-spätere-Bauer-Universitätsbibliothek" halte ich für eher unwahrscheinlich.

    Davon ist nicht die Rede. Lediglich von "Ernestine Minna Simon". Ihre Männer spielen dabei keine Rolle, sondern sie.

    Der Antrag wurde eingereicht von den Grünen, der SPD, der LINKEN sowie der PARTEI. Das könnte für eine Mehrheit durchaus reichen.

    ^ Danke für die Verlinkung zum Beschluss: Hatte ich total vergessen.

    Im Hintergebäude der Zwickauer Straße 219 (der Trakt direkt parallel zu den Wandererwerken, neben der Rückbaufläche auf dem Areal der Wanderer-Werke) war ich im letzten Sommer mal. Das Gebäude ist schon sehr fertig und architektonisch meiner Meinung nach nichts besonderes. Da gibt es in Chemnitz weitaus erhaltenswertere Gebäude. Auch wenn das ganze Grundstück mit den Bäumen und den ruinösen Gebäuden schon eine sehr verwunschene Stimmung erzeugt. Das Luftbild von Bing muss zudem schon sehr alt sein - das Vorderhaus ist auf den Aufnahmen noch nicht eingestürzt. Anbei ein paar Bilder zu genau diesem Trakt:

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    ^ Hier sieht man die Verbindungsbrücke zwischen den. beiden "Hinterhäusern"

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    ^ Eingang in das hinterste aller Gebäude, unter der Brücke


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    Was das Gebäude an der Limbacher Straße neben der A72 angeht: Die Stadt Chemnitz kann hier keinen positiven Bescheid erteilen. Das deutsche BauGB ist da sehr eindeutig: In dieser Lage können die Lärmschutz-Emissionen (22-6 Uhr maximal 40 dB) nicht eingehalten werden. Die Umgebung des Gebäudes ist zu laut als das man dort leben könnte. Wenn nun die Stadt Chemnitz einen positiven Bescheid erstellen würde, so könnte der Eigentümer des Gebäudes später gegen den Lärm der Autobahn klagen bzw. er könnte von der Stadt verlangen, Lärmschutzwände zu errichten. Die Stadt müsste dann die Kosten für deren Errichtung tragen.

    Ähnlich war das ganze beim Kulturpalast in DD gelagert: Dort hat sich die Neubebauung hinter dem Kulturpalast deutlich verzögert, weil durch die Anlieferung der Bühnentechnik im Kulti für mehrere Stunden in den betroffenen Nächten die Lärm-Pegel überschritten wurden. Deswegen musste erst die Lärm-Schleuse errichtet werden. Der Streit war auch daran entbrannt, wer die Schleuse errichtet. Hätte die Stadt den positiven Bescheid erlassen, wäre sie für die Errichtung der Schleuse zuständig gewesen. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber der Investor der Neubebauung hat dann die Kosten übernommen.

    Generell finde ich unser BauGB in dieser Causa auch zu streng: Mittlerweile gibt es Dreifachverglasungen, die Lärm sehr gut abhalten - zum Beispiel an stark befahrenen Straßen in den Städten selbst. Am obigen Beispiel des Gebäudes neben der Autobahn wird aber wohl auch eine Dreifachverglasung nicht ausreichen, den Lärm unter den Grenzwert zu bringen, zumal der Lärm von mehreren Seiten kommt.

    Ich finde es wichtig, dass die Medien darüber berichten. Ich fände es im Gegenteil sogar sehr wichtig, dass der MDR noch stärker über diese destruktiven Kräfte berichtet und wie hier Chancen für die Stadt leichtfertig verspielt werden. In Pro Chemnitz, der AfD und den Freien Sachsen sehen viele Menschen in der Stadt eine wirkliche Alternative aber erkennen nicht, dass diese Parteien eine prosperierende Zukunft von Chemnitz oder Sachsen überhaupt nicht wünschen sondern Streit und Ausgrenzung als ihr Erfolgsmodell kultivieren. Dass die Kulturhauptstadt eine einmalige Chance für die Stadt ist, wird aber auch von den anderen Parteien zu wenig kommuniziert... Alleine die Einnahmen aus dem Tourismus werden zu wenig stark in den Vordergrund gestellt. Chemnitz hat die Möglichkeit, sich im deutschsprachigen Raum als ein Hotspot für Kunst und Kultur zu etablieren. Dieses Jahr kommt die Nachfolge der Kunst-Schau "Gegenwarten" von 2020. Allein mit dieser Schau hatte es Chemnitz damals im deutschsprachigen Raum in alle Zeitungen geschafft und wurde als neues Kassel gefeiert. Die Stadt hätte das Zeug dazu, davon bin ich überzeugt.

    Das Gegenteil wird natürlich der Fall sein, wenn die rechtsextremen Parteien direkt am Eröffnungstag-Wochenende mit Nazi-Aufmärschen mobilisieren und diese Bilder in die Welt geschickt werden - wie bereits angekündigt. Ob sich Chemnitz jemals davon erholen könnte, bezweifle ich stark.

    ^ Natürlich ist da überall auch Geld von Chemnitzer Steuerzahlern dabei - aber eben auch von allen anderen Europäern auch. Für die Stadt und die Steuerzahler hier vor Ort also ein sehr gutes Geschäft. Im Grunde so, als bekomme ich meine Garten-Sanierung von den Anwohnern meiner gesamten Straße mitfinanziert. Ich selbst zahle nur einen kleinen Teil für Maßnahmen, die meine eigene Scholle positiv verändern. Ich sehe darin absolut keinen Nachteil. Die Alternative wären Investitionen in eine andere Kulturhauptstadt, die Chemnitzerinnen und Chemnitzer mit ihren Steuergeldern gleichstark bezuschussen aber ohne die positiven Effekte der Veranstaltung. Grundsätzlich kann man sich als Steuerzahler nicht aussuchen, wohin seine Steuern fließen (und das ist auch gut so). Mit meinen Steuergeldern finanziere ich beispielsweise auch den Bau von Autobahnen - finde ich auch blöd aber so ist das nun mal. Wenn nun Nürnberg Kulturhauptstadt geworden wäre, hätten die Chemnitzer und Chemnitzerinnen die Projekte dort ebenfalls mit finanziert, die geschätzten zwei Millionen Besucher hätten aber ihr Geld dann auch in Nürnberg und nicht in Chemnitz ausgegeben.

    Was die Sanierung des Schillerplatzes angeht: Eine Sanierung der Parkanlage war früher oder später notwendig. Die gesamte Anlage selbst ist nicht im besten Zustand und war schon durch einen DDR-mief geprägt. Als Interventionsfläche der Kuha ist die Sanierung für die Stadt (und den Chemnitzer Steuerzahler) günstiger, als wenn die Stadt das über ein Förderprogramm selbst gemacht hätte. Die fehlende Gastronomie sehe ich hier nicht als Problem an - zumal es Gastronomie in Chemnitz generell nicht leicht hat. Gleich um die Ecke liegt der Brühl. Die wenigen Gastro-Einrichtungen dort kämpfen regelmäßig ums Überleben. Selbst in bester Innenstadtlage überleben die meisten Restaurants in Chemnitz nicht lang. Das Café im Schocken findet keinen Betreiber und das bei noch nie gesehenen Besucherzahlen im Haus. Ich habe lieber keine Gastronomie im Park als einen nach wenigen Monaten leerstehenden Café-Pavillon. Davon abgesehen kann eine Verwaltung schlecht Gastronomie "planen". Da sind wirtschaftliche Abwägungen der Gastronomen entscheidend. Sollte die Bebauung an der Liebknecht-Straße saniert werden, würde sich am Eckgebäude zur Georgstraße zudem ein Café gut anbieten. Dort könnte also in Zukunft nachgerüstet werden.

    Dass es in Chemnitz zu wenig öffentliche Toiletten gibt ist durchaus ein Problem - aber das würde ich sagen, zieht sich durch ganz Europa und ist kein Chemnitzer Problem (Berlin, Wien, Paris,...) . Die nächstgelegene öffentliche Toilette liegt in kurzer fußläufiger Entfernung am Bahnhof (gegen Bezahlung; kostenfreie Toiletten kenne ich persönlich überhaupt nicht mehr). Die Nachrüstung einer Toilette im Park wäre sicher auch im Nachgang jederzeit ohne große Probleme möglich. Sollte der Pavillon des Busbahnhofes in einer zukünftigen Schillerplatz-Erweiterung aufgehen (und so sind ja die Pläne) hätte man dort zudem einen Pavillon mit WC-Anlage. Dass der Busbahnhof noch dort ist und der Pavillon nun noch immer ein Schatten-Dasein fristet, ist der städtischen CDU zu verdanken, die den Umzug des Busbahnhofes blockiert hat. Inwieweit man als Gast die Toiletten der Museen bzw. der neuen Bibliothek nutzen kann, weiß ich nicht. Aber vielleicht kann man als Verwaltung hier auch ansetzen.

    Was Uber und Bolt angeht: Was kann die Stadt Chemnitz da machen? Ähnlich wie bei Airbnb braucht es Menschen, die den Dienst auch anbieten. Wenn kein Bewohner in Chemnitz Fahrten über Uber anbietet, so kann es demzufolge auch keine Fahrten geben. Ich wüsste nicht, wie die Stadt da gegensteuern kann. Ich glaube dass die Taxi-Unternehmen der Stadt sowie der näheren Umgebung ausreichen sollten. Jedes Taxi-Unternehmen ist zudem ein wirtschaftliches Privat-Unternehmen und verdient damit sein Geld: Hier sollten in allererster Linie die Taxi-Unternehmen selbst Interesse daran haben, zumal die nicht mal die Konkurrenz von Uber und Co. fürchten müssen. Da sehe ich die Unternehmen selbst in der Verantwortung. Dass es keine Leihräder gibt ist in der Tat ein Problem. Ein einfaches Leihradsystem mit mehreren Stationen über die Stadt verteilt ist in vielen Städten beim ÖPNV angesiedelt. Hier wäre es spannend, ob die CVAG Pläne in der Schublade hat. Bis zur Kulturhauptstadt wird sich das freilich nicht mehr ausgehen, aber auch für die Zeit danach, wäre das definitiv ein notwendiges Mobilitäts-Angebot.

    Die Hotel-Landschaft hat sich in den letzten Jahren merklich gebessert. Es gibt für jeden Geldbeutel etwas, hier sehe ich keine größeren Probleme. Einige Airbnb-Angebote gibt es auch. Ein 5*-Hotel halte ich in Chemnitz generell für nicht überlebensfähig... Aber ich glaube kaum, dass jemand am Fehlen eines 5*-Hauses den Erfolg der Kulturhauptstadt ausmachen wird ;)

    ^ Ich könnte mir gut vorstellen, dass nach Fertigstellung der gegenüberliegenden Bebauung um die Johanniskirche herum, das Café im Schocken durchaus besser funktionieren könnte und vielleicht auch eine Außengastronomie denkbar wäre. Schließlich rückt der Stefan Heym Platz mit Fertigstellung der Bebauung von einer Innenstadt-Randlage deutlich stärker in eine zentrale Lage - zumal die Wohnnutzung in diesem Teil der Stadt zunehmen wird.

    Eine andere Gestaltung des Platzes wäre dazu sicher hilfreich, wobei ich mir durchaus auch mobiles Grün an dieser Stelle gut vorstellen kann. Laut Rats-Informationssystem der Stadt wollen die Grünen einen Antrag zur verstärkten Nutzung mobiler Stadtmöbel und mobiler Bepflanzung einbringen. Aus anderen Städten gibt es da tatsächlich ganz coole Beispiele (hier oder hier oder dort).

    Die mobilen Elemente, die die Stadt in den letzten Jahren präsentiert hat, haben mir vom Design leider nie gefallen... Da sollte man sich nochmal an die Arbeit machen und schönere Modelle entwerfen bzw. produzieren lassen.

    Die Stadt Chemnitz plant für die Jahre 2024/2025 den geförderten Rückbau von einigen leerstehenden Gebäuden über das Landesbrachenprogramm des Freistaates sowie über EU-Förderprogramme. Dazu wird der Stadtrat zur nächsten Sitzung beraten und ggf. einen Beschluss fassen. Um den Rückbau von leerstehenden Objekten gefördert zu bekommen, müssen diese Brachen im INSEK der Stadt bereits erfasst sein. Dem Beschlusstext beigefügt findet sich eine Liste von Brachen, die noch nicht im INSEK erfasst wurde und über die der Stadtrat ebenfalls noch einen Beschluss fassen muss, bevor diese dann auch "revitalisiert" - also abgerissen - werden können. Ein sehr euphemistisches Wort, welches sich da für den Rückbau und die anschließende "Begrünung" (mehr als Wiese wird es kaum werden) durchgesetzt hat. Eine echte Revitalisierung sieht natürlich anders aus....

    Über folgende Brachen müssen die Stadträte noch einen Beschluss fassen:

    • Ehemaliges Fabrikgebäude – Anbau an Schadestraße 14, kein Verlust, gern könnte hier großflächiger abgerissen werden zugunsten einer Neuentwicklung des gesamten Areals mit Wohnbebauung ähnlich der vor ein paar Jahren entstandenen Neubauten direkt gegenüber
    • Hintergebäude Fabrik – Zwickauer Straße 219; direkt benachbart zu den Wanderer-Werken; der Kopfbau ist das "palaisartige" Gebäude (zuletzt hier) mit Tanzsaal welches aber offenbar nicht Teil der Maßnahme ist; war ein Teil der ROBOTRON Chemnitz; kein Verlust, sofern es wirklich nur die Hintergebäude betrifft, die einfache Funktionsgebäude ohne besondere Merkmale sind; der palaisartige Kopfbau ist meiner Meinung nach auf jeden Fall erhaltsenwert, auch wenn der Zustand sehr schlecht ist
    • Abbruch Wohngebäude – Frankenberger Straße 229; das Gebäude ist komplett hinüber; städtebaulich schreit die spitze Ecksituation aber nach einer Bebauung - wird wohl aber nach Rückbau kaum passieren; Frankenberger Straße für mich eine der traurigsten Straßen der Stadt mit kaum nennenswerter Bebauung und starker Perforation der letzten Jahre; Umgang mit der Straße in Zukunft meiner Meinung nach sehr schwierig
    • Ehemalige Gärtnerei – Reineckerstraße, einfache Funktionsgebäude
    • Flachbau, ehemals Gewerbe – Annaberger Straße 142
    • Teilabriss ehemaliges Fabrikgebäude – Turnstraße 28; hier sollen offenbar Teilabrisse nicht mehr nutzbarer Fabrikteile stattfinden; ein Teil der alten Fabrikhalle wurde schon für Events der Kulturhauptstadt-Bewerbung genutzt und war als Event-Ort sehr schön; ich hoffe man erhält die große Halle
    • Ehemaliger Bauernhof – Chemnitztalstraße 84
    • Abbruch ehemaliges Fabrikgebäude – Voigtstraße 25; Reste einer alten Fabrik; generell halte ich das ganze Areal dort für eine recht große Potentialfläche; Nachnutzung mit Wohnnutzung wäre langfristig wünschenswert

    Die Gesamtkosten für den Rückbau dieser Gebäude blaufen sich auf rund 1,4 Mio. Euro.

    Das schon vor Jahren beschlossene Teilkonzept Brachen findet man übrigens hier.

    Im MDR ist ein sehr lesenswertes Interview mit Sven Schulze über die Kulturhauptstadt erschienen: Über den Stand der Planungen, über Willkommenskultur für die Gäste der Stadt im nächsten Jahr und über Gelder, die Chemnitz so nie bekommen hätte, wäre sie nicht Europäische Kulturhauptstadt geworden.

    https://www.mdr.de/nachrichten/sa…chulze-100.html

    Einen ganz wichtigen Punkt den Schulze anspricht: Gäste sollen sich hier wohlfühlen. Es wird auf Social Media, aber auch hier, immer wieder darüber gespottet, Chemnitz würde sich wegen seiner schlechten Straßen blamieren, es gäbe kaum Kultur, die man zeigen könne, die Stadt sei so hässlich, was wollen Touristen denn hier? Ein ganz wesentlicher Erfolg im Tourismus sind Emotionen: Wie freundlich ist die Stadt? Fühle ich mich von den Chemnitzerinnen und Chemnitzern als Gast willkommen? Wie werden ausländische Gäste empfangen? Ich finde insbesondere hier hat Chemnitz noch massiv Aufholbedarf. Chemnitz, seine Bevölkerung, kann schon sehr grob und kalt sein. Allerdings sind das Dinge, die man eben nicht mit Geld beheben kann. Lebensfreude und Spaß sind nicht zwingend Chemnitzer Tugenden und die kann auch eine Kulturhauptstadt GmbH nicht im Vorfeld planen. Das muss von den Chemnitzerinnen und Chemnitzern selbst kommen...

    Fun Fact am Rande: Wien gilt seit einigen Jahren unter Expats und Touristen immer wieder als "unfreundlichste Stadt der Welt" - meist sogar noch vor Paris. Letzten Sommer war ich mit Freunden, die selbst allesamt zugezogene Wiener sind, für ein langes Wochenende nach Dresden gefahren. Tenor meiner Freunde: Auch wenn Dresden und sein Umland sehr sehenswert sind, die Leute vor Ort wurden als unfreundlicher und konservativer als die Wiener wahrgenommen. Reden wir jetzt ab und an noch über den Trip nach DD, kommen weder der Zwinger noch die Sächsische Schweiz in den Gesprächen vor, sondern die überaus unfreundliche Bedienung im Restaurant, die erst beim Bezahl-Vorgang freundlich wurde und ein bemühtes Lächeln aufgetragen hat. Für einen Tourismus-Standort ist das natürlich fatal. Wien bietet nun genau aus diesem Grund seit einigen Jahren für Menschen, die im Tourismus arbeiten, Workshops und Weiterbildungen an, wie man in Restaurants oder Museen freundlich und hilfebreit gegenüber Touristen auftritt. Meiner Meinung nach hat sich die Situation in Wien in den letzten Jahren auch massiv verbessert. So viel Zeit hat Chemnitz leider nicht mehr...

    Noch ein paar kleinere Nutzungs-Neuigkeiten zur Innenstadt: Ins ehemalige Vapiano ziehen nun offenbar die beiden Fast-Food-Ketten KFC und Pizza Hut ein; die Leerstände in der Galerie Roter Turm sowie am Rosenhof sollen demnächst neu vermietet werden. Lediglich für das Café im Schocken gibt es keine Interessenten. Das Tillmanns wird von einem Steak-Restaurant übernommen.

    KFC und Pizza Hut sind jetzt nicht meine Favoriten für eine hochwertige Innenstadt-Nutzung, aber allemal besser als ein Leerstand an der zentralen Ecke der Innenstadt.

    Wie Tag24 heute berichtet, plant der Eigentümer des Gebäudes "Haus der Einheit" an der Zwickauer Straße ab 2028 die Sanierung: https://www.tag24.de/chemnitz/lokal…saniert-3117263

    Der Artikel enthält keine neuen Informationen - lediglich, dass man "sich im Austausch mit der Denkmalschutzbehörde" befände. Für dieses Objekt wurden schon mehrfach Sanierungen angekündigt, die dann immer wieder in der Versenkung verschwunden sind und vom Eigentümer weitgehend umkommentiert blieben. Bin da leider etwas skeptisch... Normalerweise erfolgt der Austausch mit den Behörden - eben auch den Denkmalschutzbehörden - im Zuge der Bauantrags-Stellung. Der positive Bescheid eines derartigen Antrags benötigt aber nicht drei Jahre sondern ist in der Regel in wenigen Monaten erledigt, sofern alle erforderlichen Unterlagen eingereicht wurde. Warum der Eigentümer jetzt schon mit dem Denkmalschutz sprechen sollte, macht also eigentlich keinen Sinn, sofern der Eigentümer nicht plant, zeitnah einen Bauantrag einreichen zu wollen und dazu bereits erste Genehmigungen einholen will. Ich finde seine Argumentation jedenfalls sehr seltsam.

    Aber: Sehr schön, dass sich die städtischen Medienhäuser dieser Themen hin und wieder annahmen und damit auch etwas Bewusstsein schaffen - sowohl in der Bevölkerung als auch natürlich bei den Investoren.

    Die neue Uni-Bibliothek in der wieder aufgebauten Aktienspinnerei soll offenbar den Namen der Frauenrechtlerin und Streikführerin Minna Simon erhalten. Simon wurde 1845 in Chemnitz geboren und war in der hiesigen Textilindustrie, offenbar sogar in der Aktienspinnerei selbst beschäftigt und wurde dort zu einer wichtigen Figur in den Arbeitskämpfen der Textilarbeiter ab 1883. Die Freie Presse beichtet hinter der Bezahlschranke über den Antrag. Ob noch andere Namen vorgesehen sind, kann ich leider nicht sagen. Vielleicht kann wieder jemand hier im Forum den Artikel zusammenfassen :)

    https://www.freiepresse.de/chemnitz/besch…google_vignette

    Zur Theater-Sanierung: Wenn in Deutschland mithilfe von Fördermitteln saniert wird, so muss bei der Vergabe das günstigste Angebot gewählt werden, sofern natürlich die definierten Sanierungsziele mit dem Angebot übereinstimmen. Das hat natürlich zur Folge, dass sich die Unternehmen möglichst unterbieten und billig anbieten wollen, um zum Zug zu kommen. Dabei werden dann gerne auch bei der Analyse der einzelnen Maßnahmen eventuelle Probleme durchaus verschleiert oder kleingerechnet. In anderen Ländern (Österreich zum Beispiel) sind die Kosten nur ein Faktor von mehreren, der bei der Vergabe in Betracht gezogen wird. Dass Sanierungen deutlich teurer werden in Deutschland ist hinlänglich bekannt und liegt insbesondere daran. Eine Verdoppelung der Kosten ist dabei leider üblich. Bedeutet allerdings auch: Müsste nicht das günstigste Angebot gewählt werden laut Vergabegesetz sondern würde ein Katalog an Kriterien existieren, wobei die Kosten nur ein Kriterium unter mehreren darstellen, wären die Baukosten generell deutlich höher. Wenn wir ehrlich sind: Einen Theaterneubau aus dem Jahr 1980 (fast 45 Jahre ohne Sanierung) für 16 Mio. zu sanieren ist schon eher günstig in einem Hochlohnland wie Deutschland.

    Danke euch für die Zusammenfassung.

    Persönlich würde ich hier auch den Neubau eines kompletten Karrees (Wohnnutzung mit aktiven EGs) bevorzugen - gern auch hochwertig und teuer. Die Lage gibt es her. Die Nachbarschaft allerdings wohl kaum. Die Zeiten, in denen der Rückbau von Plattenbauten dank Förderung (Stadtumbau Ost mit bis zu 110 Euro pro m2 Rückbauförderung) für die Eigentümer durchaus wirtschaftlich darstellbar waren, liegen leider ebenfalls zurück. Mehr als eine günstige Sanierung wird dadurch wohl kaum rausspringen, leider.

    Interessant übrigens: Die Tochter von Frau Kahlev ist aktuell die GF einer anderen Wohnungsgesellschaft in einer Stadt, für die ich mal ein Rückbau-Konzept über mehrere Jahre erarbeitet habe - im Auftrag der Stadt. Der Rückbauplan wurde dann von der dortigen Wohnungsgesellschaft abgelehnt: Als Wohnungsgesellschaft habe man kein Interesse am Rückbau im eigenen Bestand, entgegen den Plänen der dortigen Stadtverwaltung. Lieber - so eine Mitarbeiterin der dortigen WG damals - würde man Fenster und Türen zunageln und das Gebäude stehen lassen, "bis wieder bessere Zeiten kommen". Das liegt daran, dass die Gesellschaften wie Unternehmen wirtschaften (müssen) und die Kommunen selbst nur sehr geringes Mitspracherecht besitzen - nämlich lediglich über wenige Sitze im breit gefächerten Aufsichtsrat. In Chemnitz besitzt die Stadtverwaltung eine Stimme im Aufsichtsrat (Stötzer). Die anderen Aufsichtsräte sind Stadträte. Soll heißen: Augen auf bei der Stadtratswahl im Sommer.

    In der Freien Presse ist gestern ein Artikel mit dem Titel "Was wird mit dem Karree an der Georgstraße?" erschienen? Es geht um das unsanierte Plattenbau-Ensemble neben dem Altbau in bester Innenstadt-Lage. Kann jemand mit FP+-Zugang den Artikel vielleicht kurz zusammenfassen?

    Spannend wäre, ob die Planungen zum Neubau des Schauspielhauses an diesem Ort im Artikel erwähnt werden.
    Ich glaube über einen Rückbau dieses unfassbar tristen Teils der Stadt wäre hier keiner traurig. Ich glaube aber nicht daran...

    Meinen Standpunkt kannst du weiter vorn im Strang schon in zahlreichen Posts nachlesen. Ungern würde ich das alles wieder einzeln aufdröseln. Genau wie du, wünsche auch ich mir einen dichten und lebendigen Brühl mit Neubauten und Rückbau des Hochhauses und am allerliebsten die Umsetzung des grandiosen Speer-Konzepts mit Rückbau sämtlicher Plattenbauten bis zur Parteifalte und einer neuen Blockrand-Bebauung. Wenn es die politischen Entscheidungsträger der Stadt (und das sind die Stadträte und nicht die Verwaltung) aber aus wahltaktischen (etc.) Gründen anders sehen, bleibt uns nur, bei der nächsten Wahl unsere Vertreter genau zu diesen Themen zu befragen. Und dann entsprechend zu wählen. Warum sich hier hartnäckig das Gerücht hält, die Verwaltung arbeite gegen die Stadträte, erschließt sich mir nicht. Für mich ist das leider ein Zeichen der Zeit und zeugt vom generellen Verschwörungstum, der sich in Deutschland seit Corona sehr breit gemacht hat. Die Verwaltung muss umsetzen, was vom Stadtrat beschlossen wird. Alles andere kann auch strafrechtlich Folgen haben. Bitte sprich doch das nächste mal deinen gewählten Vertreter direkt auf das Konzept an und erkundige dich bei ihm.

    Nur so viel zur "durch die Verwaltung erstellte Vorlage", die letztlich auch beschlossen wurde: Übliche Praxis vor dem Beschluss eines Beschlusstextes ist es (wie das auf Landes- oder Bundesebene wohl auch der Fall ist), dass sich (meist der OB) in den einzelnen Fraktionen umhört, inwieweit die jeweilige Fraktion für oder gegen einen Beschluss stimmen werden. Der Grund dafür ist simpel: Wurde ein Beschluss im Stadtrat zweimal abgelehnt, darf dieser für eine gewisse Zeit nicht mehr eingebracht werden. Gerade bei aufwendigen Konzepten (wie im Fall des Ursprungs-Konzeptes) werden dann - sollte es sich ankündigen, dass mehr Fraktionen gegen einen Beschluss stimmen werden als dafür - meist Arbeitsgruppen mit Vertretern der Verwaltung sowie Vertretern der einzelnen Fraktionen gebildet (also auch den Stadträten), die gemeinsam Kompromisse ausarbeiten, die dann in einem Konzept müden, welches wiederum im Stadtrat beschlossen wird. Ich selbst habe an zahlreichen solcher Termine für andere Kommunen teilgenommen und an Kompromissen mitgearbeitet. Es ist also mitnichten der Fall, dass die Verwaltung dann heimlich hinter verschlossenen Türen ein Konzept ausarbeitet, welches dann in den Stadtrat kommt. Zumal die Gefahr sehr hoch wäre, dass dieses dann wieder nicht beschlossen wird. Die Erarbeitung eines Konzeptes ist zeitintensiv und kostspielig. Ein mehrmaliges Ablehnen der Stadträte würde das gesamte Projekt gefährden.

    Was den Rückbau des Hochhauses und die Neubauten in der Ecke dort angeht: Auch hier sollten wir unsere Stadträte fragen. Warum wurde entgegen eines beschlossenen Konzeptes das Hochhaus saniert und die Bebauung nicht stärker forciert? Wer hatte denn besonderes Interesse am Erhalt des Hochhauses? Zuallererst die GGG, die dort in bester Lage eine abgezahlte Immobilie hält, die kaum Leerstand aufweist. Deren Aufsichtsräte - und damit stimmberechtigt - sind die Stadträte. Wer hat kein Interesse am Bau der neuen Gebäude? Wahrscheinlich auch die GGG, da damit die Parkplätze für das Hochhaus wegfallen, sowie das sanierte Hochhaus umbaut wird und quasi in den Hinterhof rutscht.


    Anmerkung: Ich habe eben zwei Fraktionen in Chemnitz, die mir politisch nahestehen, per Mail angeschrieben und um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:

    ...

    Nun meine konkreten Fragen: War das ursprüngliche Konzept von Albert Speer und Partner aufgrund der großen Rückbaupläne im Plattenbaubestand im Bereich der Oper nicht mehrheitsfähig im Stadtrat? Erfolgte die Ausarbeitung des dann später beschlossenen Konzeptes in Kooperation zwischen der Stadtverwaltung und den Stadträten? Warum wurde eine Neubebauung entlang der oben genannten Adressen nicht weiter verfolgt? Warum wurde das Hochhaus saniert, obwohl laut beschlossenem Konzept der Rückbau des Gebäudes vorgesehen war? Wie steht .... zur Entwicklung im Bereich des Brühls?