Beiträge von Agamemnon

    Dazu von meiner Seite nur noch eines:


    Auch wenn es die meisten politisch aktiven Ausbaugegner nicht zu interessieren scheint, aber das Konzept eines möglichst zentralisierten Flugverkehrs über wenige Großflughäfen IST ökologisch das sinnvollste, weil es schlicht die einzige Möglichkeit ist, eine durchgängig hohe Auslastung auch größerer Maschinen zu erreichen.


    Wie man gerade aus ökologischer Sicht für eine in allen Belangen ineffizientere Verteilung von Infrastruktur über das Bundesgebiet stimmen kann ist mir schleierhaft. Klar, die Belastung der umliegenden Gemeinden ist da (allerdings ganz sicher nicht in Mainz, bei aller Liebe nicht!), das lässt sich nicht leugnen, aber das ewige "not in my backyard" muss einfach mal aufhören. FRA ist der Bestand und es ist sinnvoll in diesem auszubauen - ohne wenn und aber und sehr gerne auf Kosten von diversen Regionalflughäfen mit politisch verordnetem Größenwahn...

    Muss mich ausnahmsweise mal den Kritikern anschließen:


    Städtbaulich wird sich nichts wesentlich verändern (oder verschlimmern). Der Block wird diese Größe ja so oder so behalten und ist auch nicht so einfach zu öffnen - muss auch nicht sein, denn so groß ist er nicht.


    Aber:
    So schön das Ganze trotz etwas unglücklicher Gliederung in der gezeigten Visualisierung aussehen mag, dzwischen liegt dann immer noch eine (oder mehrere) Optimierungsphasen und letztlich die Ausführung. Und da gibt der Entwurf nicht mehr viel her, wenn dann vielleicht der ein oder andere Effekt gestrichen wird und (wie schon erwähnt) die Fassadenausführung doch nicht so hochwertig realisiert wird, wie es hier den Anschein haben soll.


    Mein Fazit daher:
    Das Risiko ist zu groß, dass da am Ende ein 70er Jahre-Revival-Klotz draus wird - das hab ich in letzter Zeit leider auch schon erlebt (geht in bestimmten Projektphasen wie von allein...) - bitte was anderes versuchen.

    Tja, bin z.B. auch keine Freund der D&G-Träger "Kultur" und überfüllter H&M Filialen, muss aber damit leben. Stadtkultur (nix "Multikulti", ist ja mittlerweile wohl ein Schimpfwort) ist vielfältig und manchmal auch dreckig - das muss so, vor allem in Frankfurt.


    Wenn sich im übrigen der Goethe Straße-Flaneur nicht mehr auf die Zeil verirrt und der Bad Homburger EFH-Besitzer lieber dort bleibt, vermisse ich die genausowenig wie einen Pfandsammler. Umsatz dürfte auf der Zeil eh mit anderen gemacht werden.


    Denke die Zeil wird sich nach Abschluss der Arbeiten sowieso besser präsentieren, jetzt den Bauzustand zum Anlass für Kritik zu nehmen ist doch nicht nachvollziehbar. Wie ja schon oft argumentiert wurde, leidet die Zeil vor allem an ihren vielen "Hinterhöfen". Man kann sich halt nicht so recht verlaufen. Das erhöht den Stressfaktor schon, weil sich eben fast alles auf die Zeil konzentrieren muss. Das Problem der mangelnden Anbindung (außer um die Hauptwache herum) ist zwar immerhin erkannt, wird aber strukturell besonders in Richtung Norden schwer zu lösen sein.

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    Worauf denn? Meines Wissens hat hier kaum einer behauptet, dass die vorhandenen Entwürfe irgendwie diskutabel seien. Wenn sich das nicht bald ändert, wird halt entweder komplett rekonstruiert, oder wenn das Geld fehlt die Lücken mit Schuhkatons mit Satteldach zugestellt - womit ich NICHT sagen möchte, dass gut ausgeführte "Neubauten" billiger als Rekonstruktionen wären.
    Die übliche Dresden-Debatte kann man auch mal zu den Akten legen - in Frankfurt würde man hoffentlich nach dem Vorbild der Ostzeile vorgehen (übrigens erstaunlich, dass gerade Du, RMA2000, da nix gegen hast - ich erinnere mal an die Diskussion ums Palais-Quartier).


    Viel schlimmer ist doch tatsächlich, dass auf stadtplanerischer Seite jetzt wieder dieser -pardon- Hirnfurz der "beruhigten" Innenstadtwohnlagen ausgegraben wird, wie wir ihn schon zwischen Dom und Kurt Schuhmacher bewundern dürfen. Zum Glück wird's, wie Xalinai schon sagte, baulich gar nicht und administrativ nur schwer umsetzbar sein.

    Mal wieder ein Artikel in der FR zum Thema:


    Es geht um die Vorstellung der hier schon erwähnten Studie "5x5 Jetztzeithäuser" im historischen Museum (war da zufällig jemand, der etwas aus erster Hand beitragen kann?).
    Inhaltlich wenig neues, mal querbeet die Architektenmeinungen:
    Das Authentizitätsargument scheint für alle irgendwie ein Thema, wird aber recht verschieden ausgelegt - wenngleich auch immer zu Lasten der Rekonstruktionsidee.
    Nach dem Architekturbüro nkbak solle die Heterogenität der Altstadt betont werden, Gruber + Kleine-Kraneburg stellen hingegen die Ensemblewirkung in den Vordergrund und setzen wohl auf Sandsteinfassaden. Auch bei der Frage des Nutzungskonzeptes scheint man sich uneins: Schneider + Schumacher wollen das ausschließlich dem Bauherrn überlassen, nkbak wollen selbiges hingegen am Anfang jeglicher Planung sehen.
    Der Kommentar vom Leiter des Stadtplanungsamts, dass die Altstadt ein "stilles Quartier" werden müsse, in dem man "anständig wohnen" könne, lässt aber wenig Gutes vermuten - die 50er melden sich zurück.


    Quelle:
    http://www.fr-online.de/frankf…-zur-Irrationalitaet.html


    Mein Senf:
    Auch für mich, der Rekonstuktionen auch an dieser Stelle nicht um jeden Preis befürwortet, ist es erstaunlich wie wenig die an der öffentlichen Diskussion beteilgten Architekten ihre Positionen entwickelt haben. Dass die im Artikel erwähnten Entwürfe scheinbar immer noch nur an als "Denkanstöße" bezeichnet werden, lässst jedenfalls nicht gerade auf die baldige Veröffentlichung produktiver Alternativkonzepte schließen. Es wäre schade wenn man die Chance vertun würde zu zeigen, dass sich auch "moderne" Architektur als Weiterentwicklung traditioneller Stile zeigen kann, ohne sich blind unterzuordnen oder auf plumpen Kontrast zu setzen.

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    Naja, DB halt - aus dem neuen Bodenbelag für alle Bahnsteige ist ja bis jetzt auch noch nichts geworden, den letzten Termin dafür habe ich mit Ende 2008 in Erinnerung. Kann aber sein, dass ich hier was überlesen habe.


    Wichtiger wäre aber tatsächlich der Umbau der Nordhäfte, vor allem der Rückbau dieser gewächshausartigen Einbauten. Die Idee einer "Einkaufswelt" würde hoffentlich mit einer grundlegenden (Re-) Vitalisierung der gesamten B-Ebene einhergehen, deren Zustand ja zurecht regelmäßig beklagt wird.

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    Glaub's oder nicht, aber diese mal mehr mal weniger lieblos gestalteten Lochfassaden werden dem Bauherrn tatsächlich häufig unter dem Aspekt der vorgeblichen Zeitlosigkeit vekauft (zeitlos bescheiden eben).
    Der vorherige Zustand war allerdings auch nicht besser und der Altbau war nun auch nicht so spannend - immerhin isses keine Plastikfassade und die Sockelzone könnte sich etwas verbessert haben. Wahrscheinlich muss man an solchen Stellen mit sehr kleinen Schritten zufrieden sein

    Denke auch, dass da nix zu machen war - die nochmalige Erhöhung des Flächenbedarfs nachdem bereits ein geeignetes Areal gefunden schien, spricht eine klare Sprache.
    danielson:
    Der Vorwurf an den Speckgürtel, sich auf der Frankfurter Infrastruktur auszuruhen, trifft mindestens ebenso - der Stadt Frankfurt da Unwirtschaftlichkeit vorzuwerfen ist schon ziemlich zynisch...

    Einige Details sind in Anbetracht der restlichen Ausführung leider schon als eher missglückt zu erkennen. Die wohl zur Entlüftung (?) genutzten Dachgauben halte ich sowohl hinsichtlich Ausführung als auch Anzahl für zu prominent - falls es sich wirklich nur um Abluftstutzen handeln sollte, wären die in den "Schornsteinen" wohl besser aufgehoben gewesen, ansonsten hätten ein paar Fenster der Optik schon gut getan und die Regenwasserrohre, naja...


    Mit der veränderten Aufteilung wird man dagegen denke ich leben müssen und können. Mal sehen wie sich das Ensemble macht, wenn der restliche Blockrand steht.


    @beku_bus
    Sehr sachlich war das jetzt aber auch nicht - ich verstehe nicht warum das Schönfinden "alter" Architektur so häufig mit dem Schlechtreden von allem nicht alten verbunden sein muss....

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    Barrierefreiheit?


    Dass die optische Gestaltung meistens etwas zu wünschen übrig lässt, ist ja kein prinzipielles Problem - vielleicht legt die Stadt hier ein paar Euro drauf und wir werden positiv überrascht. Oder weiß schon jemand, ob da nur Standarddesign verwendet wird? Ich habe keine Bilder gefunden...

    Wohnbauprojekt "Frankfurter Westsight"

    An der Hansaallee, Ecke Holzhausenstraße wird zur Zeit ein Wohnhaus entbeint - es handelt sich um einen Wohnriegel in bester Vorstadtoptik und natürlich ohne Rücksicht auf die Raumkanten quer zu beiden Straßenverläufen gebaut. Im EG war bis vor kurzem eine "Wienerwald" - Dependance untergebracht.
    Anfänglich hatte ich Befürchtungen, dass es sich um eine Sanierung handeln könnte, allerdings wurde mittlerweile ein Bauschild aufgestellt das einen 7-8 geschossigen Neubau zeigt.
    Zu sehen ist die Visualisierung auch auf der wohl noch unfertigen Projektseite www.frankfurter-westsight.de.
    Vernünftige Bilder zum Bestand kann ich hoffentlich die nächsten Tage liefern.

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    Guderian auf Laternenfang im Frankfurt Forum...


    Zitat:
    Wenn das föderalistische System scheitert, werden alle Verlage, alle Labels, alle Studios und Sender sich in einer maximal zwei Städten sammeln. Frankfurt gehört nicht dazu.

    Diese Einschätzung teile ich. Frankfurt hat aber bereits jetzt das große Problem, dass das Land der Stadt nicht die politische Position einräumt, die sie als einziges funktionales Zentrum des Rhein-Main Ballungsraumes haben müsste, um ihre Standortvorteile wirklich nutzen und damit auch neue gewinnen zu können. So kanibalisieren sich Teile der Region erst einmal nach Kräften selbst. Dass die Bundeshauptstadt langfristig davon nur profitieren kann mag einleuchten, wie man dies bewertet steht dagegen auf einem anderen Blatt.


    Die Einsicht der Deutschen in die Notwendigkeit der Zentalisierung von Infrastruktur in Ballungsräumen ist wünschenswert und könnte durch den vielbeschworenen demographschen Wandel begünstigt werden. Dennoch sind wir von einer bundesweiten Konsolidierung der Verhältnisse einfach viel zu weit entfernt, um das Vertrocknen funktionaler Ballungsraumzentren (und zu denen gehört Frankfurt nun definitiv) in Kauf nehmen zu können - Chancen für ein 40 mio. Berlin sehe ich jedenfalls auch langfristig nicht.
    Dass man Frankfurt leider in einiger Hinischt seine Bedeutung nicht ansieht, dürfte im Bezug auf die kulturelle Dimension sehr wahrscheinlich ein Standortnachteil sein, dass es nicht das politische Zentrum Hessens ist, ist definitiv einer - die Folgen dieses Problems werden allerdings (leider) nur Wiesbaden zu mildern sein, in Berlin jedenfalls nicht.

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    eigentlich unglaublich - auf der symbolischen Seite kommen dann noch die hämischen Kommentare über den "gierigen Großstadtfiskus", der die Unternehmen dem Speckgürtel geradezu in die Arme treibe...


    Mal davon abgesehen, dass ich Wettbewerb bei gemeinnützigen Aufgaben nun für alles andere als ein Allheilmittel halte, ist das hier nun wirklich eine krasse Überzeichnung des Verteilungsgedankens - zumal dessen eigenwillige Auslegung rein der politischen Lobbyarbeit der Umlandkommunen zu verdanken sein dürfte. Auch wenn der Landtag in Wiesbaden steht, sollte man sich dort Gedanken darüber machen, ob man abseits der üblichen Lippenbekenntnisse nicht mal anfangen sollte zu Gunsten des Ballungsraumzentrums umzuschichten, bevor es keines mehr gibt.

    Nun gebe ich auch noch meinen OT-Senf dazu..


    Was hier völlig untergeht: Der Ausbau des Flughafens ist eine Stärkung des schon vorhandenen großen Verkehrsknotenpunktes und eben kein Ausbau eines Feldflugplatzes im Odenwald.


    Als Gegenpol zu der anhaltenden Zersiedlungstendenz mit ihrem hohen Bedarf an verteilter Infrastruktur ist die Zentralisierung solcher Großstrukturen grundsätzlich zu begrüßen.


    Ich sehe den Ausbau ganz grundsätzlich als eine sinnvolle Maßnahme im Rahmen der funktionalen Verdichtung städtischer Räume.
    Mit der Mär von unbegrenztem Wachstum hat das überhaupt nichts zu tun, eher mit sinnvoller Umverteilung zu Gunsten dicht besiedelter Stadtregionen. Kroppzeug à la Frankfurt Hahn und Kassel sollte dagegen mittelfristig verschwinden dürfen - verkehrstechnisch, ökologisch und ökonomisch ohnehin fragwürdig, ist deren Ausbau m.E. zuallererst politisch motiviert.


    Die Landebahn Nordwest halte ich im Kontext FRA/Rhein-Main daher sogar tatsächlich für notwendig, auch wenn ihr zugegebenermaßen so einiges geopfert werden muss.


    EDIT:
    mysterio: doch, genau diese Verteilung muss aufhören, auch wenn sie aus einleuchtenden Gründen vor allem von den Kommunen gefordert wird - die Mär von ewigen Wachstum hat hier aber eindeutig die absurdesten Züge.
    Was das alles mit Pakistan zu tun haben soll ist mir allerdings unklar.

    @ Golden Age:


    Auf Muji warte ich auch schon lange - für mich völlig unverständlich, dass die in Deutschland bislang eher zögerlich agieren, auch wenn nach Düsseldorf immerhin Berlin und München in relativ kurzem Abstand dazugekommen sind.


    In ihrem Segment dürften die in Deutschland konkurrenzlos sein, in Frankfurt sowieso. "Butlers" und "Strauss Innovation" am unteren Ende und die zwei, drei Läden auf der Berliner am oberen sind allein schon von der Sortimentsbreite her nicht zu vergleichen.

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    Worüber soll denn eigentlich noch debattiert werden?


    Mittlerweile muss doch eigentlich jedem klar sein, dass es hier und an anderen Stellen der Altstadtdebatte für einige Rekonstruktionsbefürworter eben keine Alternativen geben darf, genauso wie einige Gegner eine Nicht-Reko immer vorziehen werden.
    Es scheint mir aber immer wieder genau darum zu gehen, eine Grundsatzentscheidung pro oder contra Reko zu fällen - ich weiß nach wie vor nicht, wie das auf Sachebene entscheidbar sein soll; mit den Pfunden Stadtreperatur und Historizität können je nach Auslegung beide Seiten wuchern, Beispiele dafür gibt es schon hier im Forum genug. Die Auseinandersetzung darum welche Auslegung die jeweils richtige ist, kann man sich (und anderen) ersparen, wenn man die obige Grundsatzentscheidung bereits getroffen hat.


    Wenn die Lobby für den teilweisen oder ganzen Wiederaufbau stark genug ist, diesen durchzusetzen dann wird es eben gemacht und "gut is".


    Bevor für den Museumsbau dann allerdings wesentliche Merkmale eines rekonstruierten Ensembles wie z.B. die Innenraumaufteilung geopfert werden würde, zöge ich einen Neubau an anderer Stelle vor - alles, nur bitte keine "Fachwerktapete"!
    Abseits dieser Zuspitzung gab es im Wettbewerb zwar mindestens einen Entwurf, der das Ganze stadträumlich etwas verträglicher gestaltet hätte, ein Freund von vorgeblendeter Kleinteiligkeit bin ich allerdings auch nicht. Funktional gesehen ist mir im gegebenen Fall allerdings auch nicht klar, weshalb man überhaupt diesen Hallencharakter braucht (sorry, Dvorak) den der ausgewählte Entwurf zwar ehrlicherweise auch gut nach außen trägt, der ihn aber auch deplatziert und an dieser Stelle unglücklich erscheinen lässt.

    AeG:
    Sorry, muss natürlich heißen: "Gebaute Reko neben modernem/postmodernem Bestand/Neubau" - war wohl doch zu spät gestern.


    EDIT:
    Nur noch kurz:
    Eigentlich sollte dabei rauskommen, dass es nur Sinn macht Rekonstruktionen ausschließlich zu fordern oder ausschließlich abzulehnen, wenn man das in den jeweiligen Begründungszusammenhängen schon einbaut.
    Die Konsequenz würden dann in diesem Fall lauten, dass eben niemals rekonstruiert werden darf, weil die jeweilige Zeit immer ihre eigenen Mittel zur Verfügung hat - in jenem Fall dürfte eben nie an Stelle von etwas "Altem" etwas anderes gebaut werden, weil das "Alte" immer Vorrecht vor dem "Neuen" besäße.
    Der Begriff der Rekonstruktion wird hier allerdings halt schon sehr nebulös als Synonym für jeweils das Gebäude gebraucht, das man eben wieder haben will - oder das von Seiten der Gegner eben nicht wiedererstehen soll.


    Dass die ganze Debatte wesentlich von Faktoren bestimmt wird, die im Kern gar nichts mit architektonischen und stadtplanerischen Fragen zu tun haben (worauf Deine und auch meine Kritik ja rauslaufen dürfte), ist sicher auch Thema dieses Threads - aber erst wenn ich wieder Zeit habe, mehr und geordneter zu schreiben ;).