So, hier ist nun mein Erfahrungsbericht zum Milaneo, der doch etwas länger ausgefallen ist, als ich dachte. Nun denn...
Ich bin am frühen Nachmittag vom Hauptbahnhof zum Milaneo gelaufen, habe also nicht die U-Bahn benutzt. Dabei ist mir als erstes aufgefallen, dass der Weg vom Hauptbahnhof zum Milaneo im Vergleich zu früher von überraschend vielen Menschen genutzt wurde und das trotz der etwas längeren Distanz. Meine Hoffnung ist, dass diese zusätzliche Belebung auch nach dem Abklingen des "Neugier-Effekts" erhalten bleibt. Gerade für den Platz an der Warschauer Straße würden sich dadurch viele Möglichkeiten z.B. für Veranstaltungen ergeben.
Natürlich ist die Zahl der Menschen rasant gestiegen, je näher ich zum Milaneo kam. Am und im Milaneo kann ich diesbezüglich nur eines sagen: "Wow". Also die Masse an Leuten heute war schon fast obszön hoch. Ich fühlte mich wie im Sommerschlussverkauf oder kurz vor Weihnachten, so voll war es.
Gut einiges davon dürfte sicher mit Primark zu tun haben über das so viel diskutiert worden ist, weswegen ich hier etwas näher drauf eingehe. Den Eindruck von Wagahai kann ich nur bestätigen: Die Zahl der Menschen mit einer Primarck-Tüte war so hoch, dass es manchmal einfacher wr, die Leute zu zählen, die keine Tüte von denen in der Hand hielten. Ich war im Primark natürlich auch drin und mein Eindruck war weit davon entfernt, was ich mir vorstellte. Ich dachte bei dem Stichwort billig an so etwas wie Kik, also ein Laden im Aldi-Look. Davon war die Einrichtung aber sehr weit entfernt, wenn auch im Vergleich zu den anderen Läden die Gänge etwas enger zu sein schienen. Das kann aber auch daran liegen, dass das Primark von jungen Leuten gestürmt worden ist. Und ja, ich wunderte mich auch, ob gerade Ferien sind, als ich viele junge Schülerinnen mit jeweils vier bis sechs(!) vollen Primark-Tüten in den Händen gesehen habe.
Ich denke, dass von allen Einkaufsalternativen im Milaneo das Primark den etablierten Läden und Marken in Zukunft am meisten Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Das Ding scheint jedenfalls in den letzten Tagen eingeschlagen zu haben wie eine Bombe.
Die restlichen Läden bewegen sich in dem typischen Mix mit so manchem üblichen Verdächtigen. Außer Primark wären mir keine größeren Läden aufgefallen, die für Stuttgart ein absolutes Novum wären. Ich muss aber auch zugeben, dass ich heute relativ schnell durchgelaufen bin und zum Beispiel gar nicht im Untergeschoss war. Interessant war für mich noch, dass das Milaneo ebenfalls ein Foodlounge-Konzept wie im Königsbau verfolgt. Auch hier gab es hauptsächlich das übliche an kulinarischen Alternativen zu sehen, wobei der eine oder andere Betreiber durchaus neu für Stuttgart ist und auch zwei Fast-Food-Ketten vertreten sind. Während McDonalds der übliche Verdächtige ist, haben wir jetzt den ersten KFC in der Innenstadt, was dann auch nicht überrascht, dass dieser von Menschenmassen belagert worden ist.
Architektonisch gefällt mir das Ergebnis sehr gut, alles wirkt innen wie außen wertig, sauber ausgeführt und offen. Die Kerne sind jedenfalls ein echter Hingucker geworden. Allerdings muss ich sagen, dass für mich die Innenausstattung im Gerber noch einmal deutlich wertiger ist. Ich führe das unter anderem auf die seidenmatten, sechseckigen Bodenplatten sowie die ausgezeichnet gewählten Kontraste zurück, die im Milaneo einfach fehlen, wenn auch im Milaneo die Innenräume heller ausgeleuchtet sind. Trotzdem haben sie gerade beim Boden zu sehr gespart.
Die verschiedenen Themen in den Gebäuden halten sich im Vergleich zu den Visualisierungen doch stark zurück, mit Ausnahme des modernen Bereichs beim Media Markt, der mir aber mit den LEDs im Netz etwas zu billig aussieht.
Erstaunlich war für mich auch, dass die Übergangsbrücken zwischen den Gebäuden von innen her erstaunlich kurz wirkten und damit kein trennendes Gefühl für mich aufkam. Alles fließt quasi ineinander über, was durch die geschwungenen Formen, Wege und Verbindungen noch verstärkt wurde. Andererseits hat das für mich die Orientierung etwas schwieriger gemacht. Oft wusste ich nicht mehr so recht, wo ich war. Allerdings war es eben so voll, dass ich vor lauter Leuten die Bäume nicht mehr sah 
Als ich geschätzt eine Stunde und ein Softeis später wieder ging, schien es sogar noch voller geworden zu sein. Außen war nun auch die Hölle los und die Masse an Menschen, die vom Milaneo zum Hauptbahnhof liefen war auch beeindruckend hoch. Ein Blick in die angrenzende Haltestelle habe ich nicht gewagt, aber ich gehe davon aus, dass es dort nun so zugeht wie am Hauptbahnhof. Ach ja: Der Platz sah soweit auch gelungen aus, wobei ich mich interessanterweise kaum für diesen interessiert habe. Die Wasserspiele sind jedenfalls abwechslungsreich gestaltet und gerade für Kleinkinder eine wahre Fundgrube an Möglichkeiten, die Eltern in den Wahnsinn zu treiben. Bei den Sitzmöglichkeiten ist mir noch aufgefallen, dass sie das Potenzial von Skatern nicht unterschätzt und dementsprechend Eisenplatten in regelmäßigen Abständen angebracht haben, um die übliche "Skater-Nutzung" von vornherein zu unterbinden.
Ich bin echt gespannt, wie sich das Milaneo etablieren wird...Wobei...anhand der von mir beobachteten Menschenmassen hat sich das Milaneo quasi über Nacht etabliert. Für diese These kann ich das Gerber als Referenz heranziehen, denn als ich ein Tag nach der Eröffnung dort war, habe ich von den dort beobachteten Menschenmengen im Kopf etwas mehr als 60 Prozent abgezogen und kam damit auf einen Besucherstrom, den ich heute - knapp zwei Wochen später - beobachtet habe. Meine Schätzung ist, dass es beim Milaneo ähnlich laufen dürfte. Und ich bin mir sicher, dass ein Rückgang der Passanten und Besucher um 60 Prozent oder mehr den Läden keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben wird.
Mit der Bibliothek direkt gegenüber und den Banken quasi auf dem Weg dazwischen haben wir hier jetzt etwas, das ein extrem spannender Stadtteil werden könnte - wenn man denn mit dem ständigen Gejammere, Geschimpfe und Nein-Schreien aufhört und sich überlegt, was man aus dieser Mischung zaubern könnte.