Beiträge von madmind

    Dekoratives Anführungszeichen

    Und nein, dass der Bus mal leerer ist zählt nicht. Denn dann sind auch die Fahrbahnen der Autos leerer, und Auto und Bus rollen nebeneinander über die Kreuzung.


    Wenn Du wüsstest, wie oft ich im fast leeren Gelenkbus im stockenden Verkehr festsaß. Besser wäre es, diese etwas pauschale Aussage mit einem "in der Regel"/"häufig" etc. leicht abzuschwächen.

    hfrik
    Anscheinend bin ich tatsächlich nicht so bewandert auf dem Gebiet der ÖV wie Du, denn ich habe es deshalb tatsächlich nicht ganz kapiert, was du da geschrieben hast. Kannst du es mir bitte noch einmal erklären, dieses Mal etwas nachvollziehbarer formuliert und mit einem Schuss weniger Arroganz?

    Für mich naiven Zeitgenossen erscheint numal die Situation bei den Finanzen der SSB nicht so rosig, denn ich habe ziemliche Probleme damit, einmalige Einnahmen z.B. aus Immobilienverkäufen und bisher regelmäßige Subventionen mit in die Kostendeckung einzurechnen bzw. hier von einer dauerhaft guten Lösung zu sprechen, wenn sie es schlicht nicht ist. Für mich gilt nur eine relevante Kennzahl und das sind die Fahrgeldeinnahmen. Und ich erinnere gerne noch einmal an den verlinkten Artikel weiter oben, in dem von einem mittelfristigen Schuldenstand von mehr als 300 Mio Euro gesprochen wird, also die Schulden knackig ansteigen werden. Und das geschieht bei einem offziellen Kostendeckungsgrad von knapp 94 Prozent. Wie sieht die Zukunft der SSB aus, wenn z.B. in einer Pressemittelung davon gesprochen wird, dass die Kostendeckung durch die Fahrgeldeinnahmen sinkt, die Fahrgeldeinnahmen nicht einmal die regelmäßigen Kosten abdecken und der Anteil "öffentlichen Mittel" (= Subentionen nehme ich an) ebenfalls zurückgehen wird?

    Wenn ich deine Ausführungen richtig interpretiere, dann müsste die SSB nur ein paar weitere Fahrzeuge ordern, die Taktdichte im Zweifelsfall ins Unendliche steigern, und die Finanzprobleme sind Geschichte. Wieso ist niemand bei der SSB auf diese bestechend einfache Lösung gekommen?

    Ich bezweifle, dass man die Autofahrer mit Begeisterung zu den ÖV treibt, wenn man ihnen mittels Parkplatzreduzierung die Pistole auf die Brust setzt. "Du liebst jetzt die ÖV!", das "oder sonst" würde man also gleich weglassen. Ich kann schon die Freudentränen in den Augen der Autofahrer sehen, wenn sie noch ein paar Runden mehr in der Stadt umherfahren auf der Suche nach einem Parkplatz. Und ich als regelmäßiger Nutzer der SSB würde ebenfalls Freudentränen bekommen, wenn die jetzt schon zeitweise überfüllten Stadtbahnen noch voller würden, weil dann doch ein paar Autofahrer unfreiwillig aufgegeben haben. Alternativ würde ich ebenfalls ganz große Freudentränen bekommen, wenn ich die massiven, aber notwendigen Investitionen z.B. in neue Stadtbahnen zur Taktverdichtung dank eines kräftigen Preisaufschlags mit bezahlen dürfte. Diese käme dann noch oben drauf auf die sowieso schon bestehenden Preiserhöhungen aufgrund der hohen Schulden der SSB sowie der aktuell schon geplanten Investitionen.

    Überhaupt die Finanzlage der SSB. Wenn dieser Artikel stimmt, dann sehe ich für deren Zukunft schwarz. Minus 20 Mio. Euro jährlich, bald minus 30 Mio., Schulden aktuell bei knapp 200 Mio, mittelfristig 340 Mio. Euro, wenn nicht sogar noch schlimmer aufgrund der diversen Investitionen in naher Zukunft. Ein Ende ist nicht in Sicht und die geäußerten Planungen zur kurzfristigen Verbesserung der Finanz-Situation lassen sich mit "letzter Strohhalm" recht genau beschreiben. Ich kann die kommenden Preiserhöhungen schon förmlich spüren und diese könnten saftig werden.

    Ausgerechnet die zwei Häuschen müssen stehen bleiben... Echt schade, dass man sich nicht einigen konnte. Vielleicht hofft der Inhaber ja ganz uneigenützig auf eine saftige Preissteigerung nach der Fertigstellung. Ist aber nur eine Hypothese.

    Ansonsten gefällt mir der Entwurf recht gut; er kann ein paar interessante Ideen und Gestaltungsdetails vorweisen und wirkt nicht, als käme er von der Stange. Auf die zukünftigen Kontraste durch die älteren Gebäuden in der Nähe bin ich gespannt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Natürlich nicht. Dennoch gibt es einen Zusammenhang - siehe Post 687. Bei der ersten Karstadt-Schliessungswelle, die vor 5 Jahren bekanntgegeben wurde, war Stuttgart nicht dabei - warum also jetzt?


    Meine These: Weil die Umsätze in den letzten fünf Jahren langsam aber konstant zurückgegangen sind und die in die Zukunft prognostizierten Aussichten nicht rosiger geworden sind.

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    Für Karstadt stellt sich doch einfach dieselbe Frage wie für alle anderen Königstraßenmieter: Stimmt die Relation zwischen Gewinn und Miete noch?
    Wenn nein, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
    a) Die Miete muss runter oder
    b) Der Mieter muss raus


    Oder c) Die Umsätze müssen steigen. Die Miete spielt sicher eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entscheidung (selbst wenn an sich selbst gezahlt) aber ich denke, die Immobilie selbst ist auch ein wichtiger Faktor. Ich war zufällig heute mal wieder drin und tja, manche Abteilungen (vor allem die im Gebäudeteil zur Kö hin) wirkten einfach nur noch desolat. Zu eng, zu abgenutzt und zu abweisend. Regent hat das ja auch schon nebenbei erwähnt. Da der relativ schlechte Eindruck also nicht nur bei mir aufkam, dürfte das Ergebnis lauten: Weniger Laufkundschaft.
    Die stecken also in der prekären Situation, dass sie zu wenig Umsatz machen für so eine Lage, aber eine Besserung unter anderem erst durch massivste Investitionen erzielbar wäre (mindestens großer Umbau, besser noch Neubau damit das übelst versiffte Areal endlich verschwindet).

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ja, auch vor Gerber und Milaneo.
    Diese verschärfen jetzt aber zusätzlich die Lage:
    Auf der Königstraße werden im Schnitt >200€/qm bezahlt, in der Spitze >300€/qm - im Milaneo liegen die Mietpreise aber nur bei 18-40€/qm !
    Noch Fragen?


    Verstehe ich nicht ganz. Ich denke, dass eher das Gegenteil der Fall ist und die zwei Einkaufszentren die Lage auf der Kö entschärfen werden. Oder denkst, dass wenn die Passantenzahl auf der Kö etwas zurückgehen und potenzielle Neumieter sich erst einmal bei Milaneo und Gerber umschauen, die eingessesenen Vermieter mit Mietpreiserhöhung reagieren?

    Im Lichte dieser These könnte die Entscheidung von Karstadt, Stuttgart dicht zu machen, auf eine noch dramatischere Lage hindeuten, als angenommen.

    So, hier ist nun mein Erfahrungsbericht zum Milaneo, der doch etwas länger ausgefallen ist, als ich dachte. Nun denn...

    Ich bin am frühen Nachmittag vom Hauptbahnhof zum Milaneo gelaufen, habe also nicht die U-Bahn benutzt. Dabei ist mir als erstes aufgefallen, dass der Weg vom Hauptbahnhof zum Milaneo im Vergleich zu früher von überraschend vielen Menschen genutzt wurde und das trotz der etwas längeren Distanz. Meine Hoffnung ist, dass diese zusätzliche Belebung auch nach dem Abklingen des "Neugier-Effekts" erhalten bleibt. Gerade für den Platz an der Warschauer Straße würden sich dadurch viele Möglichkeiten z.B. für Veranstaltungen ergeben.
    Natürlich ist die Zahl der Menschen rasant gestiegen, je näher ich zum Milaneo kam. Am und im Milaneo kann ich diesbezüglich nur eines sagen: "Wow". Also die Masse an Leuten heute war schon fast obszön hoch. Ich fühlte mich wie im Sommerschlussverkauf oder kurz vor Weihnachten, so voll war es.

    Gut einiges davon dürfte sicher mit Primark zu tun haben über das so viel diskutiert worden ist, weswegen ich hier etwas näher drauf eingehe. Den Eindruck von Wagahai kann ich nur bestätigen: Die Zahl der Menschen mit einer Primarck-Tüte war so hoch, dass es manchmal einfacher wr, die Leute zu zählen, die keine Tüte von denen in der Hand hielten. Ich war im Primark natürlich auch drin und mein Eindruck war weit davon entfernt, was ich mir vorstellte. Ich dachte bei dem Stichwort billig an so etwas wie Kik, also ein Laden im Aldi-Look. Davon war die Einrichtung aber sehr weit entfernt, wenn auch im Vergleich zu den anderen Läden die Gänge etwas enger zu sein schienen. Das kann aber auch daran liegen, dass das Primark von jungen Leuten gestürmt worden ist. Und ja, ich wunderte mich auch, ob gerade Ferien sind, als ich viele junge Schülerinnen mit jeweils vier bis sechs(!) vollen Primark-Tüten in den Händen gesehen habe.
    Ich denke, dass von allen Einkaufsalternativen im Milaneo das Primark den etablierten Läden und Marken in Zukunft am meisten Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Das Ding scheint jedenfalls in den letzten Tagen eingeschlagen zu haben wie eine Bombe.

    Die restlichen Läden bewegen sich in dem typischen Mix mit so manchem üblichen Verdächtigen. Außer Primark wären mir keine größeren Läden aufgefallen, die für Stuttgart ein absolutes Novum wären. Ich muss aber auch zugeben, dass ich heute relativ schnell durchgelaufen bin und zum Beispiel gar nicht im Untergeschoss war. Interessant war für mich noch, dass das Milaneo ebenfalls ein Foodlounge-Konzept wie im Königsbau verfolgt. Auch hier gab es hauptsächlich das übliche an kulinarischen Alternativen zu sehen, wobei der eine oder andere Betreiber durchaus neu für Stuttgart ist und auch zwei Fast-Food-Ketten vertreten sind. Während McDonalds der übliche Verdächtige ist, haben wir jetzt den ersten KFC in der Innenstadt, was dann auch nicht überrascht, dass dieser von Menschenmassen belagert worden ist.

    Architektonisch gefällt mir das Ergebnis sehr gut, alles wirkt innen wie außen wertig, sauber ausgeführt und offen. Die Kerne sind jedenfalls ein echter Hingucker geworden. Allerdings muss ich sagen, dass für mich die Innenausstattung im Gerber noch einmal deutlich wertiger ist. Ich führe das unter anderem auf die seidenmatten, sechseckigen Bodenplatten sowie die ausgezeichnet gewählten Kontraste zurück, die im Milaneo einfach fehlen, wenn auch im Milaneo die Innenräume heller ausgeleuchtet sind. Trotzdem haben sie gerade beim Boden zu sehr gespart.
    Die verschiedenen Themen in den Gebäuden halten sich im Vergleich zu den Visualisierungen doch stark zurück, mit Ausnahme des modernen Bereichs beim Media Markt, der mir aber mit den LEDs im Netz etwas zu billig aussieht.
    Erstaunlich war für mich auch, dass die Übergangsbrücken zwischen den Gebäuden von innen her erstaunlich kurz wirkten und damit kein trennendes Gefühl für mich aufkam. Alles fließt quasi ineinander über, was durch die geschwungenen Formen, Wege und Verbindungen noch verstärkt wurde. Andererseits hat das für mich die Orientierung etwas schwieriger gemacht. Oft wusste ich nicht mehr so recht, wo ich war. Allerdings war es eben so voll, dass ich vor lauter Leuten die Bäume nicht mehr sah :)

    Als ich geschätzt eine Stunde und ein Softeis später wieder ging, schien es sogar noch voller geworden zu sein. Außen war nun auch die Hölle los und die Masse an Menschen, die vom Milaneo zum Hauptbahnhof liefen war auch beeindruckend hoch. Ein Blick in die angrenzende Haltestelle habe ich nicht gewagt, aber ich gehe davon aus, dass es dort nun so zugeht wie am Hauptbahnhof. Ach ja: Der Platz sah soweit auch gelungen aus, wobei ich mich interessanterweise kaum für diesen interessiert habe. Die Wasserspiele sind jedenfalls abwechslungsreich gestaltet und gerade für Kleinkinder eine wahre Fundgrube an Möglichkeiten, die Eltern in den Wahnsinn zu treiben. Bei den Sitzmöglichkeiten ist mir noch aufgefallen, dass sie das Potenzial von Skatern nicht unterschätzt und dementsprechend Eisenplatten in regelmäßigen Abständen angebracht haben, um die übliche "Skater-Nutzung" von vornherein zu unterbinden.

    Ich bin echt gespannt, wie sich das Milaneo etablieren wird...Wobei...anhand der von mir beobachteten Menschenmassen hat sich das Milaneo quasi über Nacht etabliert. Für diese These kann ich das Gerber als Referenz heranziehen, denn als ich ein Tag nach der Eröffnung dort war, habe ich von den dort beobachteten Menschenmengen im Kopf etwas mehr als 60 Prozent abgezogen und kam damit auf einen Besucherstrom, den ich heute - knapp zwei Wochen später - beobachtet habe. Meine Schätzung ist, dass es beim Milaneo ähnlich laufen dürfte. Und ich bin mir sicher, dass ein Rückgang der Passanten und Besucher um 60 Prozent oder mehr den Läden keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben wird.

    Mit der Bibliothek direkt gegenüber und den Banken quasi auf dem Weg dazwischen haben wir hier jetzt etwas, das ein extrem spannender Stadtteil werden könnte - wenn man denn mit dem ständigen Gejammere, Geschimpfe und Nein-Schreien aufhört und sich überlegt, was man aus dieser Mischung zaubern könnte.

    Ich kann dem angepassten Entwurf im Stile einer Leserfabrik (sponsored by Bosch Feuerbach) immer noch nichts abgewinnen, auch wenn er sich tatsächlich etwas gebessert hat. Warum gehen die jetzt nicht die letzten Meter, klauen sich ein paar Formen und Designs des Bauhaus zusammen und verzieren das Ergebnis mit einem weißen Anstrich? Das wäre wenigstens konsequent und könnte am Ende noch halbwegs gut ausssehen. Aber wenn ich sehe, wie die Architekten einen absolut geometrisch ausgerichteten Bau um ein geschwungenes Seitentürmchen ergänzen, dann habe ich nicht viel Hoffnung.

    Für mich sieht der Bau auch Jahre später aus keinem Winkel erträglich aus. Es ist und bleibt funktionale Architektur der übelsten Sorte, die in einem Industriegebiet besser aufgehoben wäre. In nicht allzu ferner Zukunft dürfte dieser Bau einer der prominentesten Vertreter von einer neuen Generation von Bausünden werden, den man aber - da Innenministerium - nicht mehr loswird. Hoffentlich hat deutlich früher jemand ein Erbarmen und setzt eine Reihe dichter Bäume davor.

    Die fehlende Tankstelle hat da sicher einiges bewirkt aber dieses bestimmte Publikum ist manchmal immer noch recht zahlreich vertreten. Eigentlich müsste man noch die unterirdische Toilette dicht machen. Oder ist sie das schon?

    Die Club-/Gastro-Idee kam mir erst etwas komisch vor, bis ich mir ein in der Nacht lichtdurchflutetes Ding aus viel Glas vorgestellt habe. Den Schallschutz für die Nachbarn sollte man dann aber nicht vergessen.

    Wow, es ist bei dem Entwurf für alle Geschmäcker und politische Lager was dabei. Von geometrischem Sichtbeton bis hin fließenden Holzfassaden. Die Jungs wussten, wie sie bei den Gremien punkten konnten. Dieser kalkulierte Wahnsinn verdient Respekt. Die Namensgebung übrigens auch.

    Der Text gehört auch zu den schlimmeren Fällen von Bullshitbingo, die ich in den letzten Monaten lesen durfte, der nur noch konfuser wird, wenn man sich in Ruhe durchliest, was denen da so durch den Kopf gegangen ist.
    So sollen die "minimal houses" eigentlich für alles genutzt werden können, auch als irgendeine Form der Wohnerweiterung für die Wolkenkukucksheimen, wobei natürlich nicht erläutert wird, wie das funktionieren soll.
    So als Rundumschlag können diese Gebäude auch zur "temporären Anmietung" genutzt werden, worunter ich einfach mal "alles mögliche" verstehe.
    Schön ist auch der hier: "Alle minimal houses haben eine optionalen Anschluss an die Tiefgarage."

    ...hat das Projekt eventuell doch ein Architektur-Praktikant im sechsten Semster erstellt?

    Gewohnt langsam geht es um und im Hauptbahnhof voran. Die Fundamente für das Förderband sind zumindest beim Eingangsbereich zur Haltestelle Staatsgalerie fertig, im abgesperrten Bereich stehen darauf auch schon ein paar fertig montierte Tragesäulen, im Sammelbereich haben sie so ne Art Verteiler gebaut. Wenn ich das richtig erkannt habe, dann werden am Boden gerade die Fließband...kabinen zusammengebastelt, um später in größeren Stücken hochgehoben zu werden.

    Des Weiteren wird auf dem ehemaligen Gleis 16 ein überdachter und abgesperrter Fußgängerweg gebaut, der zum Hauptbahnhof führt. Der Abbau der restlichen Dächer dürfte also hoffentlich - sobald die Personenstöme umgeleitet worden sind - nicht mehr so lange auf sich warten lassen.

    Von uns unbemerkt hat das Abrissunternehmen fleissig seine Arbeit getan. Ein Großteil der Gebäude ist bereits abgerissen worden und es scheinen noch mindestens zwei Weitere zu folgen. Das Interessante ist, dass allem Anschein nach zwei Bauten stehen bleiben sollen und zwar das "kleine Beige" in der Fangelsbachstraße direkt neben dem grünen Eckgebäude sowie der Bau direkt hinterm kleinen Beigen. Vielleicht warten die aber auch nur, bis alle ausgezogen sind, wer weiss...

    Der Entwurf erinnert mich stark an das vor kurzem fertiggestellte Hospitalhof. Wie bei jenem Bau überwiegt auch hier eine unglaubliche Monotonie durch die lieblose und massive Wiederholung der Elemente. Verschlimmert wird dieser Eindruck noch durch die billige Kastenform. Hinzu kommen ebenfalls ein Mix aus verschiedensten Elemente und Formen, die sich wie beim Hospitalhof zu keinem harmonischem Ganzen zusammenfügen wollen. Wir haben die eher klassischen Sparrendächer in zahlloser Menge, kurz darunter kommen dann jedoch absolut postmodern wirkende und aus der Fassade herausrangende, quadratische Fenster. Darunter befinden sich aber dann wieder andere Fensteformen, die auch eher lieblos verdreht wirken, als ob der Architekt nicht so recht wusste, wie er noch "Pepp" in die Monotonie bringen kann. Und zu guter Letzt haben wir noch den "Säulengang" an der Hauptstraße, der in Form und Größe anscheinend identisch ist zumn Fensterblock drüber und damit noch mehr Monotonie in den Bau bringt. Dass der Säulengang - wenn er denn einer ist und offen ist - zu einer der am meisten befahrenen Straßen der Stadt gerichtet ist, macht die Sache auch nicht gerade besser, da man davon ausgehen kann, dass sich dort keiner gerne aufhalten wird. Wie hoch der Versiffungsgrad sein wird will ich da gar nicht wissen.

    Im Übrigen ist der Bau über diverse Iterationsstufen in den letzten Jahren sogar noch einen Tick monotoner geworden, wenn man das aktuelle Modell mit dem älteren Rendering vergleicht. Bei dem alten Rendering existieren nämlich drei Fensterreihen in der Mitte was dem ganzen immerhin etwas chaotisches verleiht, während die Sparrendäche nicht die gesamte Tiefe des Gebäudes abdeckten, und damit immerhin eine gewisse Abstufung existierte. Der seitliche Eingangsbereich schien damals auch bis zur Ecke des Gebäudes zu reichen und dem Bau damit etwas mehr Dynamik zu geben. Sollte der Entwurf also noch ein paar Iterationsstufen bis zum Bau durchlaufen, dann können wir uns auf einen prächtigen Schuhkarton ohne Fenster freuen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Jedenfalls ohne nervende und peinliche Elemente!


    Dann müssten wir mit gutem Beispiel vorangehen. Das heisst, nüchtern und sachlich alle Faktoren berücksichtigen, die eine Rolle spielen könnten, um dann interessante Alternativ-Vorschläge zu haben. Wir müssten auch verhindern, dass von allen Seiten irgendwelche "Experten" anmarschiert kommen, die meinten, sie wüssten es besser nur weil sie zum Beispiel einmal Malen nach Zahlen konnten. Aber wer hätte dann das Sagen in welchem Gebiet und warum?

    Weitere spontan eingefallene Fragen:

    - Welche Strategie soll mit der Bebauung verfolgt werden? Geht es nur um schöne Fassaden oder ein kompletter Neubau?
    - Soll der Grundriss des Marktplatzes so bleiben wie er ist, oder soll er verändert werden?
    - Wie groß soll der Umfang des Projekts eigentlich sein? Soll es nur um die eine Ecke von Schulstraße über Haufler und Spielwaren Kurz bis zum Breuninger gehen oder um alle Gebäude inklusive Rathaus?
    - Sollen die Neubauten Imitate ihrer sehr alten Vorgänger sein oder soll ein stylistischer Ansatz verfolgt werden wie beim Gerber? Oder was ganz anderes?
    - In welcher Form sollen die Gebäude zukünftig genutzt werden? Ladengeschäfte? Büros? Wohnen? Hotel? Sonstiges? Eine beliebige Kombination von allem?
    - Wenn kompletter Neubau: Wie sieht es mit den rechtlichen Rahmenbedingungen aus in Abhängigkeit der gewählten Nutzungsform (z.B. Isolierung der Gebäude wegen Umwelt oder Fenster für jedes Büro), vor allem bei dem Ansatz, Imitate alter Häuser zu bauen?
    - Wie sollen die Projekte finanziert werden? Staatlich? Privat? Fonds? Spenden? Ganz anders?
    - Soll es ein großes Projekt sein oder viele kleine?
    - Wie sollen die politischen Mehrheiten gewonnen werden?
    - Wie soll die Bevölkerung in Bezug auf die Finanzierung gewonnen werden?
    - Stichwort Köche und verdorbener Brei: Soll und muss die formulierte Vision um jeden Preis erhalten bleiben (1. Extrem) oder jeder so lange mitreden dürfen bis am Ende nur noch Hässliches in anderer Form übrig bleibt (2. Extrem)?
    - Wie sieht es mit den bestehenden Mietverträgen aus? Welche Übergangslösungen wären für die Mieter denkbar? Was, wenn einer nicht mitmachen will?
    - Wie sieht es mit Veranstaltungen aus? Werden diese verlegt oder werden die Umbaumassnahmen so getimt, dass die Veranstaltungen (z.B. Weindorf, Markt, Weihnachtsmarkt etc.) weiterhin wie immer stattfinden können?
    - Wer erstellt die konkreten Entwürfe? Unternehmen? Wir? Beamte? Studenten? Sonstige?

    Fragen über Fragen... ;)

    Ach ja:
    - Wie sollte die Organisation "unseres" Projekts aussehen?
    - Wie soll das Projekt konkret erstellt werden? Über eine Kooperations-Plattform? Ein Forum? Ein Wiki? Oder doch was ganz anders?
    - Was soll als Endergebnis dastehen? Ein paar Zeichnungen? Eine Präsentation? Konrete Pläne?

    Grundsätzlich könnte das Projekt hochinteressant sein, weil es dann in Anlehnung an Open Soure so eine Art Open Architecture wäre. Gab es so etwas schon? Wenn nicht, dann könnten wir hier Pioniere sein :)

    Die Webcam-Bilder vom Milaneo deuten immerhin darauf hin, dass tatsächlich so etwas wie eine grüne Dachlandschaft kommen könnte. Ich habe mich zumindest schon seit einigen Wochen gewundert, zu was die vergleichsweise hohen "Wannen" auf den Dächern gut sein sollen. Peinlicherweise habe ich nie wirklich die grün angemalte Flächen auf den älteren Renderings als Grünflächen wahrgenommen. Wenn es tatsächlich so kommt wie dargestellt - inklusive den Bäumen - dann könnte das wirklich spektakulär werden.

    Der Showroom ist übrigens seit mindestens letzter Woche da und es gibt dort auch ein klasse Modell des Projekts zu begutachten. Ein Besuch mit Kamera dürfte sich lohnen ;)
    Ich habe auch, als ich vorbeigelaufen bin, sehen können, wie wohl ein potenzieller Käufer beraten worden ist, inklusive mit vom Berater vollgemalten Grundriss-Plänen.

    Musste der Architekt beim Copy-Paste niesen? Warum ist die obere Häfte des Baukörpers vom Hochhäuschen leicht verschoben?

    Das restliche Ensemble sieht leider sehr unharmonisch aus und bietet nichts Ansprechendes. Und dann sind da noch diese absolut willkürlich gewählten Drehungen der Gebäude....

    Wäre der Hospitalhof ein Bürobau, dann bin ich mir sicher, dass hier mehr als einer von seelenloser Bauklotz-Architektur schreiben würde.

    Das vorletzte Bild des Komplexex von Silesia zeigt ein Ergebnis, bei dem sich anscheinend niemand wirklich Gedanken darüber gemacht zu haben scheint, wie die Fassade eigentlich aussehen soll. Oder welche Formensprache nun eigentlich gilt.

    Gehen wir es doch einmal an:
    Da haben wir die endlosen Fensterreihen. Es gibt hier kein Rythmus, keine Gruppierungen oder sonstige Unterteilungen. Es gibt nicht einmal ausreichende Abstände zwischen den Fenstern. Die Monotonie wird sowohl durch die schmalen Fenster selbst, als auch durch die Fenstervordächer noch weiter verstärkt. Dass nur die erste Reihe ein Geländer hat, die restlichen Reihen aber keines mehr fällt da kaum noch ins Gewicht.
    Unter den endlosen Fensterreihen haben wir dann in bodennähe dreieckige Fenster. Das hat durchaus etwas. Nur, diese Form findet sich sonst nirgendwo mehr. Die Fenster sind also an dieser Stelle dreieckig...weil sie eben dreieckig sind.
    Dann sehen wir auf dem Foto noch die Stirnseite. Dort gibt es die zwei Fenster im gotischen (?) Stil, die immerhin die Fensterform der Kirche aufgreifen. Diese Form findet man aber ansonten nicht mehr am Neubau, obwohl sie sich geradzu als Idee aufdrängt. Das gleiche gilt für die "Säulen", die zwar die alten Säulen der Kirche zitieren, aber ansonsten auch nicht mehr als gestalterisches Element im Neubau modern interpretiert aufgegriffen werden. Hinzu kommnt noch ein beinahe quadratisches Fenster oben rechts, das ebenfalls an keiner weiteren Stelle mehr wiederholt wird wie es scheint. Die Positionierung erscheint ebenfalls völlig willkürlich. Ob links oder rechts, es hätte keinen Unterschied gemacht. Ist halt oben rechts, weil es oben rechts ist. Es wird z.B. nicht als Gegenpunkt bzw. Gegenschwerpunkt genutzt oder als Kontrastelement.
    Der Dachabschluss ist auch lieblos. Es gibt keine Staffelung, kein Aufbrechen der Kastenform. Der Bau endet einfach. Theoretisch könnte man aus so einem Abschluss ja was machen, ich bin ja Liebhaber eines eleganten Minimalismus. Das Problem ist aber, dass dieses Formen- und Gestaltungswirrwarr eben nicht minimalistisch ist und dieser Abschluss darum überhaupt nicht funktioniert.

    Auch nicht ganz schlau werde ich aus dem Wasserabfluss, den man auf einigen Bildern ganz oben beim Dachabsschluss sieht. Muss man als Passant aufpassen, bei stärkerem Regen nicht unter die herunterprasselnden Wassermengen zu geraten oder ist das nur funktionslose Zierde? Die Postition wirkt ebenfalls mal wieder lieb- und konzeptlos ausgewählt.

    Der Text ist natürlich von vorne bis hinten ziemlicher Unsinn. Allerdings scheint mir es so zu sein, dass die Seite im Rahmen des Wahlkampfs erstellt wurde und seither nicht mehr großartig geändert worden ist. Ich konnte weder im Quelltext noch sonstwo ein Datum ausfindig machen, das auf eine jüngere Ergänzung oder Änderung hinweisen würde (ich konnte nämlich gar kein Datum finden).

    Ich würde mich daher nicht so großartig aufregen. Bei dem Wahlkampf-Text kann man immerhin schön transparent erkennen, wen Kuhn damit in der Bevölkerung erreichen wollte. Da das Thema S21 politisch abgefrühstückt war und man sich da leicht angreifbar gemacht hätte, hat man eben das nächstbeste und gleichzeitig perfekte Thema genommen. "Die Architekur ist seelenlos!", "Investoren sind böse!" und "Für mehr sozialen Wohnraum!" sind nämlich zeitlose Klassiker, die man immer aus der Mottenkiste herauskramen kann.