Haushalten e.V. nutzt die Besetzung zur Eigen-PR. Ich verstehe nach wie vor nicht, warum dieses Krückenmodell "Wächterhaus" nicht viel stärker in der Kritik steht, berücksichtigt es doch am wenigsten, was meiner Ansicht nach im Mittelpunkt stehen sollte: die Interessen der Nutzer, nicht die von Eigentümer und Stadtverwaltung. Die Nutzer sollen das Haus halten und dann gehen, wenn sich mit dem Haus wieder was anfangen lässt. Woanders muss man Dienstleister für die Instandhaltung von Häusern bezahlen, in Leipzig finden sich naive Kreative, die es umsonst machen bzw. sogar Nebenkosten drauf zahlen.
Was also sollte es die Besetzer stören, wer da schon verhandelt? Das Haus stand zig Jahre leer.
Randbemerkung: Bei aller PR scheint Haushalten noch immer nicht vermitteln zu können, was Wächterhäuser sind. Warum sonst schreibt die Lizzy-Autorin: "Wächterhäuser sind eine Übergangslösung, bei der das Haus für eine bestimmte Zeit bewohnt wird, damit es nicht mehr leer steht"?
"Wohnen" ist die üblicherweise ausgeschlossene Nutzungsform. Proberäume etc. sind anvisiert.
Ich begreife auch nicht, wie Siegfried Schlegel ernsthaft behaupten kann: "Der Begriff ‚Gentrifizierung’ greift zur Rechtfertigung der Plagwitzer Hausbesetzung ebenso zu kurz wie im Bezug zum Sanierungsgebiet Connewitz-Biedermannstraße oder zum Wohnquartier Windmühlenstraße. Schließlich beschreibt er lediglich die Verdrängung einer ärmeren Bewohnerschaft durch Mittelschichten in einem Stadtteil, nicht aber das Problem bezahlbarer Wohnungen nach Sanierung in allen Stadtteilen."
Es gab in Connewitz und Plagwitz um 2000 herum kein "Problem bezahlbarer Wohnungen nach Sanierung". Ich habe damals in beiden Gegenden zig topsanierte Wohnungen zu Quadratmeterpreisen zwischen 4 und 4,5 Euro kalt angeboten bekommen. Plagwitz war noch billiger als Connewitz. Diese Wohnungen standen damals Jahre leer. Keiner wollte sie. Das Haus, in dem ich wohne, war vor 2007, 2008 nie ganz belegt. Die Situation hat sich grundlegend verändert. Wohnungssuche ist schwer geworden. Bei Besichtigungen schreit in der Regel schon vor der Tür jemand: Nehme ich sofort! Zu Mieten zwischen 5,50 und 6,50 Euro je Quadratmeter kalt.