Beiträge von Baukunst

    Als "Rekofanatiker" würde ich immer den traditionellsten Entwurf wählen.
    Zu einer Reko gehört aber auch der originale Bauplatz. Mit der Versetzung der beiden östlichen Achteckenhäuser aufgrund der überbreiten Straße hatte ich schon immer Bauchschmerzen. Vielleicht bin ich verklemmt ;), aber Reko und Bauort gehen für mich nur zusammen! Translozierungen sollten die absolute Ausnahme - vor einem Abriss - sein. Den Neubau werte ich daher nicht als Rekonstruktion - der Witz der acht Ecken, die einen kleinen Kreis ergeben, ist ohnehin nicht mehr möglich. Daher finde ich ausnahmsweise den modernen Entwurf, da er auf historisch nicht korrektem Baugrund steht, besser, passender - ich sage in diesem spezifischen Fall sogar: ehrlicher.

    Konservativer Wiederaufbau

    Zu Epizentrums Bild vom Römerberg 13-17:

    die Häuser sind Zeugen der viel zu kurzen, hoch interessanten Epoche in Ost und West (1948 bis ca. 1960), in der die Tradition noch vor einem radikalen Schnitt mit der Vergangenheit überwog. Der Schnitt - simpel gesagt - kam ganz automatisch ab ca. 1960 durch industrielles Bauen mit daraus erfolgender Kostenersparnis (im Osten: Ablösung der Nationalen Bautradition durch Plattenbau. Im Westen: Ablösung von Heimatschutzstil durch tja, im Grunde auch vielfach Plattenbauten). Sowohl in Ost wie West ist m.E. nach weniger Ideologie im Spiel gewesen, als oft angenommen - hüben wie drüben hat hauptsächlich Kohle eine Rolle gespielt.

    Die Ausprägung der Nationalen Bautradition bzw. des Heimatschutzstils ist natürlich vielfältig. Vielfach fällt auf, dass es sich, wie beim Römerberg 13-17, um Mischwesen aus Tradition und Moderne handelt, die so nur hier, zu dieser Zeit und mit diesen Architektenbiographien möglich waren. Die Architekten, geprägt von Ideen des neuen Bauens, Bauhaus und neuer Sachlichkeit in ihren Anfangsjahren, haben im dritten Reich lernen müssen, dass (wenige Ausnahmen) ein Haus ohne Walmdach kein Haus sei. So hat man eben Hybride geschaffen: ein Walmdach wie Goethes Gartenhaus (DAS deutsche Haus, nicht nur, aber vor allem von den Nazis so gesehen) auf reduzierter, sachlicher Fassade.

    Diese oktroyierte Sicht- und Arbeitsweise wurde in den 1950ern vielfach einfach weitergeführt. Eine Stunde Null gab es architektonisch gesehen nicht, ca. 1960 stellt die eigentliche Zäsur dar.

    Daher sind die Häuser interessante Zeugen und haben stadthistorisch wie ästhetisch gesehen ihre Berechtigung als Denkmal an dieser Stelle.

    Interessant ist, dass die Neubauten des Domrömer Projekts viel konservativer daherkommen und sich an diesen - noch eher als beim Bau der Rekos - das Anknüpfen an die 1910-1930er Jahre erkennen lässt. Hoffentlich bleibt es für künftige Vorhaben bei dieser "Leit-Zeitspanne".

    Ich würde mich jedoch freuen, wenn bei weiteren Stadtwiederherstellungs-Projekten in der Altstadt auch noch mal ein "1950er" dabei wäre, wie der geniale Eingangsbau vom historischen Museum mit seinen Rauten, Bullaugen UND Walmdach!

    Luckauer 7 scheint so zu werden wie das Rendering.
    Sehr fein. Ganz und gar nicht belanglos, sondern akkurate neue Sachlichkeit. Vgl. z.B. Deutschlandhaus am Anhalter oder die Postämter aus der Weimarer Republik in München (z.B. am Harras oder Goetheplatz).
    Finde es von den Proportionen sehr gelungen, passend auch die horizontale Fensteraufteilung und der kleine repräsentative Balkon fürs Hissen der Flagge ;)

    Auch schön, dass der Moritzplatz sich endlich wieder wie „Stadt“ anfühlt. Die bisher toteste Blickachse wird durch den Eckbau Heinrich-Heine/Sebastian stark aufgewertet, was Backsteins Foto aus #672 bereits zeigt.

    So‘n Baum kann in einer Baumschule zwar sicher zu 5000€ erworben werden, aber da sind noch keine Arbeits- und Transportkosten inkludiert. Da braucht man einen Kran (den von Banzhaf, den immer wieder in der Stadt sieht), einen Tieflader und, will man die Krone nicht schmal stutzen, Strassensperrungen bis zum Bestimmungsort. Am Bestimmungsort wiederum müssen neue Löcher gegraben werden und der Kran muss wieder anrücken - schon kostet die Umsetzung, selbst bei Verkauf zu 5000€, nochmal die gleiche Summe pro Baum.
    Das Kettensägenmassaker scheint mir da in jedem Fall vorprogrammiert...

    Andere Frage: ist das Grundstück direkt ggü., neben dem Bewa..Vattenfall-Gebäude auch so eine Bundes-Reserve wie ggü. des Finanzministeriums an der Wilhelmstrasse? (Also brach in alle Ewigkeit?)

    Ich teile Camondos Kritik an der Beliebigkeit der "Ornamente".
    Weil es sich m.E. nicht um ein Ornament handelt wie z.B. sich ständig weiderholende Löwenköpfe am Stadtschloss. Das "Logo"des BW-Verbandes ist vielmehr ein Wappen.
    Dreimal dasselbe Ornament nebeneinander: gut und üblich.
    Dreimal dasselbe Wappen nebeneinander: sinnlos. Wie drei Päpste zur gleichen Zeit.

    Das Verbandsabzeichen müsste in jedem Fall nur 1 x zentral angebracht sein. Links und rechts neutrale Ornamente und alles würde sich "richtig" anfühlen. Farbig wäre das Abzeichen natürlich auch reizvoll, siehe: https://www.dbwv.de/.
    Alternativ die drei Abzeichen der Teilstreitkräfte nebeneinander.

    Was mir hingegen an der Idee der "Ornamentik" gefällt ist die - auch wenns nur geklebt ist - optische Teilwerdung mit dem Gebäude. Das hat was von "gekommen, um zu bleiben", mehr als es austauschbare Leuchttafeln können. Die Kubatur ist völlig in Ordnung und die Hedemannstraße erhält einen vernünftigen Point de Vue.

    Illusorisch, aber schade, dass man den Teil des Altbaus mit den eindrucksvollen Fenstergewänden nicht integriert hat.
    Der Neubau ist durchaus solide und annehmbar, eine Torsituation mit dem Shellhaus wird sich vermutlich aber nicht abbilden, da das Eckgrundstück ggü. vom Shellhaus der Standort sein müsste. Hier ist jedoch Gestrüpp, Kraut und Rüben. Dank der benachbarten Jugendherberge aktuell vermutlich nicht bebaubar.

    Pandion: Extrem unsympathische Firma, miese Qualität, null Gestaltungswillen. Aber teuer.

    Vgl. das "First" und das "Cosmopolitan" südl. Spittelmarkt, deren Einstieg hierzulande. Die machen sich nun breit in Berlin.
    Das einzige, was die jemals zustande gebracht haben, sind die Kranhäuser in Köln...

    Puh, hart!
    Eine solche Verkleidung gibt es bei Waschstraßen, Tankstellen, Industriehallen, Hangars, Drive Ins.... weiß Gott, warum der Entwurf dies nun hier vorsieht, für mich sieht das zwar nicht völlig unmöglich aber doch leicht trashig aus. Ist Geschmackssache.
    Wenigstens tut die Kubatur nicht weh.

    Respekt und Neid aus Berlin!! Hoffe stark auf Vorbildcharakter für unser hiesiges Marx-Engels-Forum, einer Grünfläche inmitten der ehemaligen dichtbebauten Altstadt.

    Klar wird man sich bei der Domrömer-Bebauung im Detail stets mit Geschmacksfragen konfrontiert sehen (ich finde zum Beispiel, dass der rote Kollhoffbau mit der Dachlaterne nach Spät-DDR aussieht - vergleichbar etwa am hiesigen Gendarmenmarkt), oder Pergola ja-nein, aber der große Wurf ist ganz sicher gelungen!
    Dies darf freilich nur der endgültige Paukenschlag sein, um die menschenfeindliche Stadtstruktur der 60er und 70er Jahre (also im Prinzip fast der Rest der ehemaligen Altstadt) flächendeckend in traditioneller Struktur neu zu überbauen.

    Mir gefallen an den Neubauten die vielen sauber eingepassten Spolien, Türmchen, Inschriften, alles was eine Hausidentität stiftet. Sehr fein auch z.B. der U-Bahn-Zugang mit Gewölbe - besser kann man das eigentlich nicht optisch integrieren! Jedes Haus hat ein Gesicht und ist ein Unikat. Selbst die wenigen Neubauten, die mir nicht soo übermäßig gefallen - die 3 mittleren der fünf zwischen den 3 Römern und Würzgarten (ich kenne überwiegend nur die Namen der Rekos, Entschuldigung)- haben durchaus diese Qualität und sind in ihrer Reduziertheit und Farbigkeit wesentlich "altstadtmäßiger" als die postmodernen Häuser in der nahen Salzgasse, deren Intention sicher auch "altstadtmäßig" war.

    Bei all der Lobhudelei darf ein grober Fehler trotzdem nicht unangesprochen bleiben oder weggewischt nach dem Motto jammern auf hohem Niveau:
    Die "Hofsituation" an der Goldenen Waage ist totaler, absoluter, unentschuldbarer Murks: durch Verzicht auf die vormals vorhandene Gasse und Überbauung kann die traufseitige Fassade in ihrer Wirkung nur weit unter ihrem Potenzial bleiben. Man sieht das Gebäude nicht von weitem, wenn man von Süden kommt, da steht der Stadthausriegel davor. Dem Domturm hätte eine kleine Front gegenüberstehen können mit wesentlich großzügigerem Platz als jetzt. Bei dem Stadthaus hätte man ein wenig Geduld walten lassen können und sich das Vorziehen der Bauten am Dom besser nochmals überlegt.

    Das wird ein richtig toller Bau!
    Fast ein wenig expressionistisch - Zacken, aufstrebend, schlank, detailreich, nur nicht aus Ziegeln.
    Der Turm bietet inkl. Sockel- und "Himmel"geschoss elegant 7 Fassadengestaltungen.
    Der niedrige Bau kommt ebenfalls wohl proportioniert daher.
    Zusammen mit dem Tour Total ein schönes Duo und ein Miniclusterchen mit 50 Hertz.

    Interessant auch die entstehende städtebauliche Situation, die man in der Totalen schön sehen kann. Das Gebäude steht zentriert und ragt aus breiter Flanke mit Platz davor. Fast schon eine moderne Hommage an Stalins Moskau ;)

    Es ist echt krank, dass gleich zwei äußerst gelungene Vertreter ihrer Epoche plattgemacht werden. Seht euch die feinen Fensterprofile beim Gloria an, seine repräsentativ-konservative Rasterfassade, den Eingang. Oder bei Görtz, einem ernsthaften Vertreter der Postmoderne ohne ironische Zitate, die glasierten Ziegel (sehr old school Berlin-mäßig), den harmonische vertikalen Fassadenaufbau, den Giebel... Sind wir in Berlin denn so verwöhnt, dass man so was wegwirft?? In so manchem trostlosen westdeutschen Zentrum wäre gerade das Görtzhaus richtig gute und wohltuende Architektur. In Stuttgart oder Köln oder Kiel oder Kassel oder Pforzheim oder ...

    Eine HO Laterne in einer Spurweite N Stadt ;)

    Die Kunst am Bau ist schön vom Bau herausgelöst, die Laterne wirkt ganz alleine und erinnert entfernt an hohe Schmucklaternen der Vorkriegszeit, die viele Kreuzungen schmückten (freilich als Doppellampe mit Hängelampen). Daher passt das Objekt auch an genau diese Stelle ohne wie doof herumstehend zu wirken, also gar nicht wie Draußen-Kunst sonst gerne und oft ;)

    Die graue Maus Wilhelm 64 ist eine graue Maus geblieben.
    Und Heidi würde sagen: Tut mir leid, ich habe heute leider kein Foto für dich...

    Dabei ist die neue Dachkonstruktion und das durchlaufende Fensterband eigentlich sehr ansehnlich, wäre nur in Kupfer sicher schicker gewesen, von Patina ganz zu schweigen und "Genius loci" so nah am grünen Adlondach.

    Die asymetrischen Fensterfaschen ergeben in der Gesamtbetrachtung wieder eine Symetrie, aber es dauert zu lange um das zu erfassen und so wirken die Faschen willkürlich und modisch.

    Der Putz erscheint im Farbton "Eierschale an Hauptstraße 30 Jahre unsaniert". Oder ist das am Ende der alte Putz?

    Mal sehen, ob der Sockel noch was rausreißt.

    Staab baut in bestem konservativen 50er-Jahre Stil, der letzten Epoche, wo Repräsentation ohne Brutalismus oder Ironie auskam. Sofern man dem Render glauben darf, hat es angemessene höhere Geschosse (5, wo Nachbarn 6 andeuten).

    Der Entwurf ist wertig, repräsentativ, Baubronze (vermutlich), vertikal gegliederte große Glasflächen...
    Viel bemeckert: Sein Gebäude am Schinkelplatz, näheres ansehen lohnt:
    http://www.bauwelt.de/themen/bauten/…ab-2772129.html

    Wenn Staab kommt, kommt mit Sicherheit das beste Gebäude der näheren Umgebung.

    Lanze für Lompscher

    Für eine Linke ist Frau Lompscher angenehm ruhig und seriös, geradezu bürgerlich in Haltung und Umgangsformen, ich glaube nicht, dass sie überzeugte Alt-DDR-lerin ist. Bei der Auswahl dieses Senats ist Lompscher in jedem Fall die beste Wahl zur Zeit.

    Wenn schon Alt-DDR:
    Bei folgendem Thema wäre zementierte DDR-Fixierung geradezu wünschenswert und ich wiederhole mich gerne: der Monarchturm neben dem Alexa wird die Stalinallee-Blickachse komplett zerstören. Das ist schlimmer als der Abriss des Ahornblatts oder (für manche) der Abriss des Palastes der Republik: Eine über alle Ideologien hinweg als erhaben und ästhetisch wahrgenommene weltweit einmalige grandiose Sichtachse würde durch den sich blöd und taktlos reinschiebenden Klötzchenturm vernichtet. DAS ist allerbeste (städtebaulich-ästhetische) DDR. Den sonst bei jeder abzureißenden Kaufhalle schreienden "DDR-Bauten sind cool"-Anhängern vermutlich ZU monumental, ZU schön, ZU prächtig - ist ja bekanntlich alles nicht hip ;)

    :) ^Schee hat er`s der Stoiber!

    Absolut richtig, dass die Bundesländer keine Lust haben, ständig für Berlin zu zahlen, aber wenn es um das eigene Sendungsbewusstsein dreht ist Berlin als Ort eben doch wieder interessant. Was juckt den Hessen ein propagandistischer, selbstdarstellerischer Neubau des Saarlandes, wenn der in Saarbrücken steht, wo er vielleicht nie ist? Sieht der Hesse jedoch in Berlin, wo jeder Deutsche früher oder später ist, zumindest weiß, dass es die unbestrittene Hauptstadt ist ein beeindruckendes Gebäude oder einen fetten Saal und es prangt dick "Saarland" dran, nimmt er es schon eher wahr und fragt, so meine Wunschvorstellung: was ist denn von den Hessen da? Nichts? Lass was bauen/spenden, wir sind doch nicht unwichtiger als das Saarland! Ein bisschen wie die großen Modefirmen, die immer ein schickes Flagship brauchen wo es hip ist, gerade wenn das Konkurrenzlabel schon da ist.

    So waren zumindest meine Gedanken und Hoffnungen. Warum also regulieren und Übertrumpfungsgehabe bremsen? Im Gegenteil: Freier Wettbewerb der Bundesländer! Von mir aus kann auch eine Büste vom Kini in einen rekonstruierten Weißen Saal ;)

    Den Entwurf sehe ich sehr ambivalent.
    Sehr gut gefällt mir der kleine Gebäudeteil in der Linienstraße, der sauber auf den rechten Altbau Bezug nimmt und mit seiner großen Fensterfläche zum entstehenden Plätzchen recht elegant aussieht.
    Dafür gefällt mir der große Bau an der Torstraße umso weniger. Ihm fehlt, was den kleinen Gebäudeteil ausmacht: Variationen! Langweilig wie ein Budgethotel.
    Sehr schwach und fast schon eitel finde ich es vom Architekten, durch ein verkleidetes fensterloses Band auf die Lücke in seinem "West-Wall-Bunker" (den ich ziemlich gut finde) gegenüber zu verweisen. Wozu das denn? Ein hervorstehender Erker in den Proportionen der Lücke wäre mir noch aufgegangen als Tetris- oder Puzzleteil. Aber so...?
    Da der Teil an der Torstraße der absolut dominierende ist, ist der ganze Entwurf leider in meinen Augen großer Murks und gähnende Langeweile, wenn ich mit anderen Verlagsneubauten wie etwa dem der taz vergleiche. Oder - andere Dimension - Springer.