Beiträge von Baukunst

    Es ist echt krank, dass gleich zwei äußerst gelungene Vertreter ihrer Epoche plattgemacht werden. Seht euch die feinen Fensterprofile beim Gloria an, seine repräsentativ-konservative Rasterfassade, den Eingang. Oder bei Görtz, einem ernsthaften Vertreter der Postmoderne ohne ironische Zitate, die glasierten Ziegel (sehr old school Berlin-mäßig), den harmonische vertikalen Fassadenaufbau, den Giebel... Sind wir in Berlin denn so verwöhnt, dass man so was wegwirft?? In so manchem trostlosen westdeutschen Zentrum wäre gerade das Görtzhaus richtig gute und wohltuende Architektur. In Stuttgart oder Köln oder Kiel oder Kassel oder Pforzheim oder ...

    Eine HO Laterne in einer Spurweite N Stadt ;)


    Die Kunst am Bau ist schön vom Bau herausgelöst, die Laterne wirkt ganz alleine und erinnert entfernt an hohe Schmucklaternen der Vorkriegszeit, die viele Kreuzungen schmückten (freilich als Doppellampe mit Hängelampen). Daher passt das Objekt auch an genau diese Stelle ohne wie doof herumstehend zu wirken, also gar nicht wie Draußen-Kunst sonst gerne und oft ;)

    Die graue Maus Wilhelm 64 ist eine graue Maus geblieben.
    Und Heidi würde sagen: Tut mir leid, ich habe heute leider kein Foto für dich...


    Dabei ist die neue Dachkonstruktion und das durchlaufende Fensterband eigentlich sehr ansehnlich, wäre nur in Kupfer sicher schicker gewesen, von Patina ganz zu schweigen und "Genius loci" so nah am grünen Adlondach.


    Die asymetrischen Fensterfaschen ergeben in der Gesamtbetrachtung wieder eine Symetrie, aber es dauert zu lange um das zu erfassen und so wirken die Faschen willkürlich und modisch.


    Der Putz erscheint im Farbton "Eierschale an Hauptstraße 30 Jahre unsaniert". Oder ist das am Ende der alte Putz?


    Mal sehen, ob der Sockel noch was rausreißt.

    Staab baut in bestem konservativen 50er-Jahre Stil, der letzten Epoche, wo Repräsentation ohne Brutalismus oder Ironie auskam. Sofern man dem Render glauben darf, hat es angemessene höhere Geschosse (5, wo Nachbarn 6 andeuten).


    Der Entwurf ist wertig, repräsentativ, Baubronze (vermutlich), vertikal gegliederte große Glasflächen...
    Viel bemeckert: Sein Gebäude am Schinkelplatz, näheres ansehen lohnt:
    http://www.bauwelt.de/themen/b…lplatz-Staab-2772129.html


    Wenn Staab kommt, kommt mit Sicherheit das beste Gebäude der näheren Umgebung.

    Lanze für Lompscher

    Für eine Linke ist Frau Lompscher angenehm ruhig und seriös, geradezu bürgerlich in Haltung und Umgangsformen, ich glaube nicht, dass sie überzeugte Alt-DDR-lerin ist. Bei der Auswahl dieses Senats ist Lompscher in jedem Fall die beste Wahl zur Zeit.


    Wenn schon Alt-DDR:
    Bei folgendem Thema wäre zementierte DDR-Fixierung geradezu wünschenswert und ich wiederhole mich gerne: der Monarchturm neben dem Alexa wird die Stalinallee-Blickachse komplett zerstören. Das ist schlimmer als der Abriss des Ahornblatts oder (für manche) der Abriss des Palastes der Republik: Eine über alle Ideologien hinweg als erhaben und ästhetisch wahrgenommene weltweit einmalige grandiose Sichtachse würde durch den sich blöd und taktlos reinschiebenden Klötzchenturm vernichtet. DAS ist allerbeste (städtebaulich-ästhetische) DDR. Den sonst bei jeder abzureißenden Kaufhalle schreienden "DDR-Bauten sind cool"-Anhängern vermutlich ZU monumental, ZU schön, ZU prächtig - ist ja bekanntlich alles nicht hip ;)

    :) ^Schee hat er`s der Stoiber!


    Absolut richtig, dass die Bundesländer keine Lust haben, ständig für Berlin zu zahlen, aber wenn es um das eigene Sendungsbewusstsein dreht ist Berlin als Ort eben doch wieder interessant. Was juckt den Hessen ein propagandistischer, selbstdarstellerischer Neubau des Saarlandes, wenn der in Saarbrücken steht, wo er vielleicht nie ist? Sieht der Hesse jedoch in Berlin, wo jeder Deutsche früher oder später ist, zumindest weiß, dass es die unbestrittene Hauptstadt ist ein beeindruckendes Gebäude oder einen fetten Saal und es prangt dick "Saarland" dran, nimmt er es schon eher wahr und fragt, so meine Wunschvorstellung: was ist denn von den Hessen da? Nichts? Lass was bauen/spenden, wir sind doch nicht unwichtiger als das Saarland! Ein bisschen wie die großen Modefirmen, die immer ein schickes Flagship brauchen wo es hip ist, gerade wenn das Konkurrenzlabel schon da ist.


    So waren zumindest meine Gedanken und Hoffnungen. Warum also regulieren und Übertrumpfungsgehabe bremsen? Im Gegenteil: Freier Wettbewerb der Bundesländer! Von mir aus kann auch eine Büste vom Kini in einen rekonstruierten Weißen Saal ;)

    Den Entwurf sehe ich sehr ambivalent.
    Sehr gut gefällt mir der kleine Gebäudeteil in der Linienstraße, der sauber auf den rechten Altbau Bezug nimmt und mit seiner großen Fensterfläche zum entstehenden Plätzchen recht elegant aussieht.
    Dafür gefällt mir der große Bau an der Torstraße umso weniger. Ihm fehlt, was den kleinen Gebäudeteil ausmacht: Variationen! Langweilig wie ein Budgethotel.
    Sehr schwach und fast schon eitel finde ich es vom Architekten, durch ein verkleidetes fensterloses Band auf die Lücke in seinem "West-Wall-Bunker" (den ich ziemlich gut finde) gegenüber zu verweisen. Wozu das denn? Ein hervorstehender Erker in den Proportionen der Lücke wäre mir noch aufgegangen als Tetris- oder Puzzleteil. Aber so...?
    Da der Teil an der Torstraße der absolut dominierende ist, ist der ganze Entwurf leider in meinen Augen großer Murks und gähnende Langeweile, wenn ich mit anderen Verlagsneubauten wie etwa dem der taz vergleiche. Oder - andere Dimension - Springer.

    ^
    Ne fette Spende und dann "Walter-Ulbricht-Saal", das fände ich schon wieder witzig, weil anarchisch :)


    Was den Baden-Württemberg-Saal angeht finde ich es sehr bedauerlich, dass scheinbar das Potenzial nicht erkannt wird: Meint Ihr nicht, ein anderes Bundesland mit Sendungsbewusstsein wie etwa Bayern würde sich die Blöße geben, KEINEN Saal nach sich benennen zulassen nach vorheriger Spende? Ist doch letztlich egal ob Einzelspenden en bloc abgegeben werden. So könnte man doch patriotische Bayern dazu bringen für das Schloss zu spenden, was sie bisher womöglich nicht getan haben. Nach dem Motto: Den scheensten Saal ham freilich mir zoiht! Oder selbst die klammen Brandenburger würden sich als Keimzelle Preußens nicht lumpen lassen, mit einem Saal vertreten zu sein. Auch Hamburg ist so ein "stolzes" Bundesland mit Mäzenatentum.


    Gerade die Rekonstruktion des goldenen Saales in der Münchner Residenz oder des Dresdner Schlosses im Hinterkopf habend hätte man doch schön historische Säle rekonstruieren und nach den Bundesländern benennen können. Effektiv und auch noch patriotisch.


    Man hätte da einen regelrechten Wettbewerb lostreten können - insofern schade.

    ^^
    ideologische Grabenkämpfe gibt es "draußen" - keiner hört auf die Argumente der Gegenpartei, jedoch kocht im eigenen Sud.


    Da ist das DAF noch eine rühmliche Ausnahme, Diskussionskultur statt Grabenkämpfe, die ein paar stramme Linke und Rechte, die es hier in der Minderzahl gibt, auch verkraftet. In den vorhergehenden Posts kann man einen scharfen, aber stets respektvollen Meinungsaustausch ohne Ohren zuhalten, Trillerpfeifen oder Pöbeln nachvollziehen. Wohltuend!


    Im Übrigen sehe in das Brb Tor ebenfalls als bestes Denkmal für Teilung, Freiheitskampf und Wiedervereinigung (Ironie der Geschichte, dass es wieder gesperrt ist). Die Kolonaden finde ich aus städtebaulichen Gründen wesentlich wichtiger denn aus politischen.

    Grobschlächtig?
    Gut, die runden Fenster hätten ein Sprossenkreuz bekommen können und die Laterne würde in Kupfer schön grün werden, anstatt nachdunkelndes Zinkblech (?). Aber - alles was recht ist - auf viel höherem Niveau kann man kaum jammern.
    Hätte die Kuppel für völlig unwahrscheinlich gehalten, zumal die vorige Konstruktion sicher keine 20 Jahre alt ist.

    Ich muss nochmal nachlegen. Über die groteske Antibürgerlichkeit der Berliner Regierung hatte ich mich ja schon genüsslich echauffiert.
    Was mich im Mindesten genau so aufregt ist die Verschwendung von Kohle für so einen Quatsch durch eine linke Regierung, die in Berlin nun wirklich genug zu tun hat, gerade was den sozialen Frieden angeht. Für sinnvolle Projekte in diese Richtung ist dann leider kein Geld da, weil man ja lieber funktionierende Straßen teuer vermurkst. Also weiterhin bekackte Schulen, Stress- und Problemzonen, eine langsame Verwaltung etc etc.
    Im Grunde müpsste die Stadt unter Bundeshoheit gestellt werden, ihr politisches Personal ist wirklich unfähig, egal welcher Partei :mad:

    Sehr guter Punkt Pumpernickel, aber du unterschlägst dabei den Osten Deutschlands, wo es in den 50ern die nationale Bautradition gab, im Grunde lupenreiner Heimatstil. Ich meine nicht mal die sozialistischen Prachtachsen regionaler Ausprägung wie Lange Straße oder Stalinallee, die jede größere Stadt verpasst bekam. Sondern kleine Profanbauten, Schulen, Wohnhäuser etc. Hier war man zunächst flächendeckend völlig konservativ. Der Plattenhorror setzte erst ab ca. 1960 ein.


    In der alten Bundesrepublik war es im Prinzip wie von dir beschrieben, Süden eher konservativ, Norden eher modern, jedoch mit recht erheblichen Ausnahmen wie Stuttgart oder Pforzheim als Negativbeispielen des Südens oder Münster als Musterbeispiel konservativer 50er im Norden.


    Selbst im vielgescholtenen Köln finden sich Spitzenvertreter der 50er, wie etwa das blaue Haus oder das Gerling-Quartier (der kleinen Reichskanzlei ;)).


    Die 50er waren die vielseitigste Architekturepoche überhaupt, so viele Strömungen, Schulen und Innovationen hat es in einem Jahrzehnt nicht gegeben. Die Masse des frühen Wiederaufbaus moderner Prägung in FFM ist freilich Schrott, gerade wenn Privatleute mit wenigen Mitteln auf der zerbombten Parzelle mühsam einen Neubau errichtet haben. Der Bundesrechnungshof hingegen war ein Prestigebau, wie gesagt ich finde ihn wesentlich ästhetischer als was nun neu hinzukommt.


    PS: ein kleines Beispiel aus Berlin (Schillertheater-Foyer), wo Moderne und Zitate klassischer Formensprache sehr ästhetisch verbunden wurden:
    http://www.staatsballett-berli…1830_c_Thomas_Barilla.JPG

    Man kann Stuckfan UND 50er-Jahre-Fan sein ohne Schizophrenie :)


    Wie heuchlerisch argumentiert wird bzgl. Rekonstruktionen hier (böse, weil Vorkrieg) und Rekonstruktionen da (gut, weil Nachkrieg) ist natürlich augenscheinlich.


    Dennoch finde ich das 50er-Jahre-Gebäude sehr ästhetisch und dem Neubau um Galaxien überlegen. Ich freue mich auch über den Erhalt des tollen Treppenhauses, was so heute nirgends mehr gebaut würde. Das Wandbild ist unbedingt erhaltenswert.


    M.E. lieber so als ein totaler Abriss.
    nennt mich Ketzer, aber ich finde die Berliner Straße nicht unästhetisch in ihrer Geschlossenheit. Die 50er waren eben die letzte Epoche der Qualität für lange lange Zeit...

    Ben: nazibau ist zeitlich gesehen natürlich korrekt, stammt er ja aus großer Zeit. Vom "Look and feel" unterscheidet es sich doch von prominenten nazi Bauten wie dem Luftfahrtministerium (Look: monumental, feel: einschüchternd) mit entsprechendem Sendungsbewusstsein. Dem Laien muss man bei der alten Münze erstmal klarmachen dass es aus der NS-Zeit stammt und nicht etwa aus dem 18. Jh. (Seite zum Molkenmarnt mit den älteren Reliefs dran).


    Warum ist ein Bau aus der Nazizeit unpassend?
    Deine Bedenken respektiere ich voll und ganz, ich frage nur etwas provokant nach warum hier: So würde ich nämlich sagen, dass bei der alten Münze in kleinster Weise Nazi Architektur und Hippness vermengt werden können. Das Gebäude ist gar nicht exemplarisch für einen NS-Bau, für das gebaute Führerprinzip, das jeder sofort erkennt. Da ist Tempelhof viel typischer und aussagekräftiger - ein Bau, der trotz seiner klaren NS-Ästhetik in Berlin geliebt/gemocht/bewundert wird, ohne dass m.E. seine Entstehungsepoche glorifiziert würde (??)
    Unpassend fände ich selbstverständlich jede Pietätlosigkeit, die ich allerdings bei der alten Münze nicht in einer Nutzung durch ein Kreativzentrum sehe.

    ^^
    die Rückkehr des Jüdenhofs wäre besonders fein. Zumindest eine kritische Rekonstruktion der Platzfassung ist ja ohnehin relativ gesetzt meine ich.
    Ich wünschte mir, als Vorbild würde das Domrömer-Projekt herangezogen werden. Klar wegen der Rekonstruktionen aber fast noch mehr wegen der zeitgenössischen Architektur dort, die die Rekos noch veredelt und eben keine bloßen Lückenfüller sind.

    Sehr schade um den Bau.
    Vertreter der kurzen Spanne der Rückbesinnung aufs traditionelle Bauen in der DDR ab Mitte bis Ende 1980er, dabei wesentlich gelungener als die meisten Zeitgenossen, keine Plattenoptik, für einen Laien fast ein Altbau. Aus architekturgeschichtlicher und künstlerischer Hinsicht wäre der Bau zu erhalten gewesen. Ein zweifelsfrei besonderes Gebäude wird durch ein gewöhnliches, sich schlechter einfügendes Gebäude ersetzt.

    Im von Whywolf_Larry freundlicherweise geposteten Link des Styleparkartikels https://www.stylepark.com/de/news/werkbundstadt-berlin
    heißt es:


    Nach 7 Jahren Mitgliedschaft sollte langsam mal bekannt sein, dass Zitate aus externen Artikeln hier nicht erlaubt sind und entsprechend gelöscht werden.
    Bato


    Dieser Gedanke ist so wahr wie entscheidend. Das Prinzip der Kollegen, mit denen man streiten, sich aber stets der höheren gemeinsamen Sache bewusst ist, lässt sich auch sehr gut auf das Forum übertragen.

    Wenn alles so kommt :daumen:, zumindest nicht bis zur Unkenntlichkeit rundgelutscht wird, dann wird dieses Quartier eine ähnliche Bedeutung erlangen wie IBA `57 und ´87: die Vorwegnahme dessen, was zur Regel und zum Vorbild der Epoche wird. Die dichte Bebauung ist dabei ein klarer Ausdruck unserer Zeit, keine Flächen mehr zu verschwenden, die individuelle hochwertige Ausarbeitung der Fassaden als Ende der Monotonie und Serienmäßigkeit zu sehen.


    Ich würde da sofort wohnen wollen, fast egal welches Haus, nicht mal nur im DG.
    Parzelle 17 ist glaube ich mal als Anbau hierfür geplant worden ;)
    https://www.bsb-muenchen.de/fi…_sonthofen_ordensburg.jpg