^ Die Zeit, in der es zwischendurch bergauf ging, gab es für Frankfurt am Main auch, das ist richtig. Zwischen 1988 und 1993 wuchs die Bevölkerung um rund 10.000 Einwohner pro Jahr, nur um dann nach leichtem Rückgang bei knapp 650.000 zu stagnieren (==> Wikipedia). Die Überschrift "Bald 700000 Einwohner" aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau seinerzeit erwies sich demnach als verfrüht. Trotzdem wurde damals die Planung der "Martinsstadt" entscheidend vorangetrieben, wie der spätere Riedberg in Anspielung auf den Vornamen des Planungsdezernenten Wentz hin und wieder genannt wurde.
Die Riedberg-Planung geschah allerdings nicht nur, um den nach Frankfurt am Main strömenden Massen überhaupt Quartier bieten zu können, sondern um einen Kontrapunkt zu attraktiven Umland-Lagen zu setzen und (möglichst gutverdienenden) Familien Siedlungsmöglichkeit auf dem Stadtgebiet zu geben. Die Fluktuation der Bevölkerung ist und war bekanntlich schon immer sehr hoch, und oft sind gerade die Bevölkerungsgruppen nach einiger Zeit abgewandert, die man gerne gehalten hätte. In dieser Hinsicht konnte man offensichtlich erfolgreich gegensteuern.
Dass Umstände, die man als Stadtregierung nicht unbedingt beeinflussen kann, zahlreiche Menschen zu Investitionen in "Betongold" veranlassen, verstärkt einerseits den Handlungsdruck für die Stadt, bietet andererseits aber auch Chancen. Denn wenn man eine Sache an einer Immobilie nicht verändern kann, dann ist es die Lage, und ein Haus in Frankfurt am Main ist im Fall der Fälle einfach besser als eines in einer Kleinstadt, deren Namen und Lage man seinen Mitmenschen erstmal erklären muss. Und so verkaufen sich auch die, nun ja, architektonisch eher schlichten Reihenhäuschen (Beitrag #5 im Strang Gewerbe- und Wohngebiet nördlich der Heerstraße) des "Wohnparks Praunheim" offensichtlich wie warme Semmeln. Planungsrecht schaffen muss man aber auch für solche Gebiete, und es bleibt zu hoffen, dass die Stadt dies in Zukunft auch tut.