Beiträge von T. W.

    Nach der Märkischen Allgemeinen wurden von den drei verbliebenen Bietern (Töchter der Dtsch. u. Commerzbank, ECE) fünf Entwürfe vorgelegt, zwei davon historisierend. Die Zeitung bestätigt, daß diese Entwürfe eine Kubatur haben, wie sie auch in dieser Zeitung und dem Tagesspiegel in einer Graphik dargestellt ist (Verbreiterung des Gebäudes in den Innenhof hinein). Der Bauauftrag soll im Sommer vergeben werden, Baustart ist Ende des Jahres. In einer Pressekonferenz werden heute Einzelheiten bekanntgegeben. Die Schloßbefürworter dürften jedenfalls erleichtert sein (ich auch).

    Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11…-auch-fuer.html

    Die Klagen sind natürlich ein besonders unschöner Aspekt an der Sache. Die Kläger wollten die wirtschaftlichen Interessen der Investoren ohne jede Rücksicht auf den Bauherrnwillen verfolgen, was zum Glück aber aussichtslos war.

    Die Rekonstruktionsbefürworter haben ihre Forderungen übrigens nochmal zusammengefaßt:
    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11…ten-Barock.html

    Wenn der Gewinnerentwurf diese Forderungen nicht alle erfüllt, beginnt in dem Drama sicher der nächste Akt.

    Das Gewürge in Potsdam hat schon genervt, bevor der Streit in Berlin wieder hochgekocht ist (am lächerlichsten im Zusammenhang mit der Bauleitplanung). Die Schloßbefürworter (insb. diese Frau Funck) schlagen aber recht schnell (z.T. vielleicht vorschnell?) Alarm.

    M.E. sollte man erstmal abwarten, wie die Entwürfe aussehen. Vielleicht sind sie gar nicht so schlecht; immerhin besteht ein den Baukörper wohl sprengender Raumbedarf. Beim Berliner Schloß gab es vor Veröffentlichung der Entwürfe auch Alarmmeldungen, umgesetzt wird nun wohl eine eher nicht sehr "wilde" Lösung.

    Daß in Potsdam angeblich keiner der Entwürfe die Originalfassaden vorsieht, dürfte sich zumindest nicht auf die gespendeten Außenfassaden beziehen (?). Die Spende steht ja unter der Bedingung der originalgetreuen Errichtung der Außenfassaden.

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    Wenn das Schloss erst steht, kräht kein Hahn mehr nach den Kosten.

    Das denke ich auch. Ich glaube auch nicht, daß das Kostenargument überhaupt zieht: Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Das Schloß ist das einzige Projekt auf dem Schloßplatz, für (und gegen) das es überhaupt eine Lobby gibt. Wenn man es über die Kosten zu Fall bringt, ist nichts gewonnen: Man könnte die Dahlemer Sammlungen dann nur auf der grünen Wiese ausbreiten, die die Reko-Gegner immer fordern. Auf ein anderes Humboldtforum würde sich nach dem langen Streit keiner mehr einigen.

    Die Welt hat ein lesenswertes Interview mit dem Architekten Kuehn von Kuehn Malvezzi veröffentlicht. Der Kuehn-Entwurf war ja mit einem Sonderpreis bedacht worden. Große Begeisterung hat der Entwurf bei mir nicht geweckt, obwohl er auch nicht ohne jeden Reiz ist.

    In dem Interview argumentiert Kuehn vorsichtig und äußert allenfalls mittelbar Kritik an den Vorgaben des Bauherrn und an der Wahl des Stella-Entwurfs. Eigentlich kann man wohl allem, was er sagt, zustimmen. Angesichts der herausfordernden Mißachtung der Wettbewerbsvorgaben durch sein Büro (die er allerdings relativiert) hätte ich mit einem derart unideologischen Ansatz bzgl. Rekos bei Kuehn Malvezzi nicht gerechnet.

    Quelle: http://www.welt.de/kultur/article…edarf-Nein.html

    Ich denke auch nicht, daß bei der Ostfassade das letzte Wort gesprochen ist, ebenso wie beim restlichen Entwurf. Ich hoffe, daß er, auch wenn er nicht befriedigt, weitgehend umgesetzt wird oder daß zumindest die Option für eine möglichst vollständige Umsetzung offenbleibt.

    Andi_777 & LeFay: Natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen. Weitere Teilrekonstruktionen halte ich aber wirklich für möglich, wenn auch nicht in naher Zukunft. Ich will's erklären, auch wenn es Spekulation ist (soll keiner lesen, der nicht will).

    Bisher ist der Bau ja an sich umstritten. Wenn er aber erstmal steht, werden die Gegenargumente verblassen und sich die Leute an ihn gewöhnen. Bei der Frauenkirche hat man gesehen, wie schnell das passiert. Dabei werden sich die Leute aber v.a. an die Schlüter-Fassaden gewöhnen, hinter denen Stella - jedenfalls von außen - ganz zurücktritt. Außerdem ist die die umgebende, noch vorhandene Vorkriegsbebauung ja auf diese Fassaden ausgerichtet.
    Irgendwann wird es, wie bei dem alten Schloß, Bedarf für Umbauten geben. Dann wird es eine Diskussion geben, wie diese aussehen sollen, wobei Denkmalschutz - auf den sicher ebenfalls nur spekuliert werden kann - natürlich eine Rolle spielt.
    Jetzt die m.E. einzige echte Spekulation: bei zukünftigen Änderungen mit Auswirkungen auf die Fasasaden kann es m.E. nur noch "mehr Schloß" geben, nicht weniger. Eine solche Entwicklung würde allenfalls an der Finanzierung scheitern.
    Die Stiftung des im Krieg zerstörten und erst 2005/6 wiederhergestellten Mansarddaches des Mannheimer Schlosses durch H. Plattner ist allerdings ein Beispiel für einen solchen Fall der fortgesetzten (Fassaden-)Rekonstruktion.
    Dazu: http://www.b-i-t-online.de/archiv/2008-02/nach1.htm

    Zuletzt (vollständigkeitshalber): Der Förderverein von W. v. Boddien hat zugesagt, auch die Kuppel durch Spenden zu finanzieren, falls die öffentlichen Geldgeber nicht über ausreichend Mittel verfügen.
    (Nun ja, das ist im Moment wohl nicht sehr realistisch, ebenso wenig wie die Alleinfinanzierung der Fassaden durch den Verein.)
    Quelle: http://www.welt.de/welt_print/art…ung-helfen.html

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    Die Verfehlung besteht darin, ausgerechnet die "Schokoladenseite" des Schlosses, also die Spreeseite, nicht als Bestandteil des Schlosses erkennen zu lassen.

    Genau dort wäre durch das topographische Potential eine Verbesserungsmöglichkeit des alten Schlosses gelegen.

    Sehe ich auch so. Aus meiner Sicht ist der Stella-Entwurf - entgegen Guderian - weit entfernt davon, perfekt zu sein. Sein einziger Vorteil ist die plausible Verbindung von rekonstruierten und neuen Teilen. Die als schlichter Rasterblock vorgesetzte Ostseite ist dagegen mißlungen. Sie hat keinen Bezug zur restlichen Außenfassade und ist austauschbar.

    Wenn man zur urspr. Ostfassade zurückkehren oder die Schlüterfassade auf der Ostseite fortsetzen würde, würde der Stella-Entwurf zwar seiner inneren Logik beraubt. Ich denke aber, er wird sowieso nicht dauerhaft sein: Irgendwann wird man ihn stückweise durch weitere Teilrekonstruktionen ersetzen.

    Vollständigkeitshalber: Ein weiterer Verriß, diesmal durch eine Sammlung von Architekturexperten, auf den Seiten des art-magazins veröffentlicht. Die vorgebrachten Argumente sind nichts Neues, wenn auch gut aufbereitet. Ich will nicht näher drauf eingehen.
    Quelle: http://www.art-magazin.de/architektur/13…_berlin_debatte

    Guter Vorschlag. Ich vermute aber, daß eine Zurückstellung des Ostflügels nicht durchsetzbar wäre. Der Stella-Vorschlag ist insgesamt so stark an das frühere Schloß angelehnt, daß es zu starker Opposition der Schloßgegner käme.

    Nachdem das Bauministerium nicht voll hinter dem jetzigen Entwurf steht, ist wahrscheinlicher, daß (1) zwar der vollständige Baukörper errichtet wird, aber (2) die historische Gestaltung des Eosanderhofs und evtl. auch der Kuppel eingespart werden.

    Das Bundesbauministerium fordert nach einem Bericht des Tagesspiegel in einem Bericht an den Haushaltsausschuß des Bundestags eine Reduktion der Wiederaufbaukosten, u.a. durch Verzicht auf Wiederherstellung historischer Fassaden im Inneren des Gebäudes. Linksfraktion und FDP (sic!) dringen auf unbedingte Einhaltung der Kostenobergrenze.

    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schloss…;art974,2686332

    Auch wenn so etwas irgendwann kommen mußte, ist die Forderung überaus enttäuschend: Immerhin hat Tiefensee den Entwurf mitgekürt. Bei dem jetzigen Ansatz des Bauministeriums wird am Ende nur ein Billigbunker mit vorgeblendeter Fassade herauskommen.

    Stella soll übrigens erklärt haben, die Einhaltung der Kosten sei sein wichtigstes Ziel. Eigentlich sollte sein Ziel doch eher die möglichst weitgehende Umsetzung seines Entwurfs sein. Hoffentlich meint er das nicht ernst.

    Eine scharfe Kritik der andauernden Diskussion um die Wahl des Stella-Entwurfs für die Teilrekonstruktion des Stadtschlosses nimmt R. Knodt im Deutschlandradio Kultur vor, wobei er u.a. die Haltung von Spiegel und Zeit aufs Korn nimmt. Wohl zu recht hält er die Diskussion für verspätet und provinziell (insb. das Argument, den Stella kenne doch keiner) und plädiert, aus dem angenommenen Entwurf das beste zu machen.
    Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendun…illeton/890354/

    Ich denke auch, jetzt sollte man wirklich eher überlegen, wie die Innenräume gestaltet werden können. Die Sorge, der Bau könne den musealen Anforderungen nicht genügen, teile ich jedenfalls nicht. Das Schloß war auch in der Weimarer Republik ein Museum, wobei seine frühere Repräsentationsfunktion oder die Platzverhältnisse den Museumsbetrieb nicht erkennbar beeinträchtigten.

    Kent

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    ...Parallelen zum Wiederaufbau des Wawelschlosses - ( Zamek Królewski w Warszawie) in Warschau entdeckt.

    Der Wawel ist doch in Krakau?:confused:

    Warschau ist natürlich ein vergleichbarer Fall eines gesprengten und wieder aufgebauten Schlosses. Allerdings ist die oft gezogene Parallele zum Schloß in Warschau zweischneidig, weil manche infolgedessen meinen, das Berliner Schloß sei schon im Krieg ganz zerstört worden. Das ist aber ja nicht der Fall; z.B. (aus dem Kopf) der Katharinenpalast (Zarskoje Selo) in St. Petersburg oder die deutschen Schlösser in Dresden, Stuttgart (Neues Schloss), Hannover, Mannheim oder Bruchsal waren stärker zerstört.

    Ähnlich wie in Warschau scheint übrigens der kriegsbedingte Zerstörungsgrad des Schlosses Gottesaue (Karlsruhe) gewesen zu sein, von dem fast nichts übrig war - vgl. http://www1.karlsruhe.de/Termine/Offene…u_gottesaue.htm
    ...als es wiedererrichtet wurde (heute Staatl. Hochschule für Musik), vgl.
    http://www.unicheck.de/ranking/37/facts.html
    Komisch, daß Gottesaue in der Wiederaufbaudiskussion nie erwähnt wird.

    OriginalScore: Jedenfalls vielen Dank für den Bericht. Gut für alle, die sich nicht selbst einen direkten Eindruck verschaffen können. Ich hoffe, der TV-Bericht (Mediathek) ist zumindest ein relativer Ersatz.

    Es scheint sich nach Bekanntwerden der Entwürfe in den Feuilletons nun immer mehr die Ansicht durchzusetzen, daß man entweder den Schlüterbau mit seinen Proportionen möglichst vollständig rekonstruiert oder (evtl. auf Kosten der städtebaulichen Harmonie beim Blick von den Linden) ein ganz anderes Bauwerk errichtet hätte. - In diese Richtung nun sogar die FAZ:

    Der Stella-Entwurf ist laut A. Kilb wegen der Verteilung der Baumassen Sieger. Im übrigen sieht sie ihn kritisch, aber ohne neue Erkenntnisse (Mängel: Spreeseite und Inhaltslosigkeit).
    Quelle: http://www.faz.net/s/RubEBED639C4…n~Scontent.html

    Eher findet Kilb wohl Gefallen an dem Entwurf von Kuehn Malvezzi (sei "ausgezeichnet").
    Quelle: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154…?rss_googlefeed
    Ähnlich schrieb ja schon der Tagesspiegel.

    Die Langeweiligkeit, die den Stella-Entwurf kennzeichnet, ist irgendwie auch der Vorzug dieses Entwurfs. Anders als die Schlüter-Fassaden verspricht Stella nichts. Wenn doch noch der „große Wurf“ für die Spreefassade kommt, wird man dafür seine Kolonnaden ohne großes Bedauern wieder entfernen können.

    Wahrscheinlicher ist es aber nach den bisherigen Ergebnissen zur Debatte um die Schloßplatz-Gestaltung, daß der große Wurf ausbleibt.

    In diesem Fall kann man auf der Grundlage des Stella-Entwurfs in den nächsten Jahrzehnten auch gut weiter-rekonstruieren. Bei dem Entwurf von Sergei Tchoban (zum Beispiel) wäre das sicher schwieriger: einerseits überzeugt die von ihm Fortführung der Schlüter-Fassaden auf der Ostseite (spricht also gegen Rekonstrukion der Schloßapotheke usw.), andererseits läßt der Glaswürfel in der Mitte des vorgeschlagenen Baus viel weniger Entwicklungsmöglichkeiten.

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    Zu den Innenräumen hat Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung richtig angemerkt, dass dort noch überhaupt nichts entschieden ist ...

    Wahr. Aber gerade deshalb sollte man doch überlegen, welche Räume so von Bedeutung sind, daß sie in den Neubau integriert werden sollten.

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    Die Zweckbindung der Räume hat ja gewisse Erfordernisse, besonders die Dahlemer Sammlungen kann man ja nicht in beliebige Säle stellen, da gibt es schon was die Größen angeht massive Anforderungen. Die haben natürlich den Vorrang vor historischen Raumfolgen. Das Humboldt-Forum wird ja für einen bestimmten Bestimmungszweck gebaut und nicht, weil es hübsch sein könnte.

    Vielleicht. Ich glaube aber nicht, daß die Sammlungen derart große und unförmige Stücke enthalten, daß man über die wiederherzustellenden Raumfolgen noch nicht nachdenken sollte. Ich kenne die Sammlungen übrigens nicht - was stellt eigentlich die massiven Anforderungen (die ja auch in der Presse schon angesprochen wurden)??

    Liebe DAF-Foristen,:)

    ich habe nun etwa 5 Jahre die Diskussionen im DAF passiv mitverfolgt. Wenn ich mich nun nicht anläßlich der Juryentscheidung zum Wiederaufbau des Schlosses registriere, wann dann?

    Ich glaube, daß die weitere Diskussion zum Palast der Republik und zum Sinn des Schloßprojekts nicht weiterführt. Die FAZ äußert sich insofern übrigens treffend, vgl.:
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154…?rss_googlefeed

    Mich würde vielmehr interessieren, welche Meinungen hier zum Innenausbau des Schlosses bestehen. Der Entwurf von Stella lehnt sich sehr stark an den alten Grundriß an (sogar ein kleiner Spalt des Großen Schloßhofs ist ja offenbar vorgesehen). Zugleich nimmt Stella sich so stark zurück gegenüber Schlüter zurück, daß zu abzusehen ist, daß entspr. den bisherigen Plänen (Parzinger) zumindest annäherungsweise alte Raumfolgen wiederhergestellt werden.

    Daraus folgen aber doch 2 erörterungswerte Fragen: 1. Welche Räume sollen wiederhergestellt werden? 2. Wie soll das geschehen, wenn eine Komplettrekonstruktion, finanziell gesehen, erst einmal unrealistisch ist?

    Ich möchte diese Fragen aufwerfen, auch wenn dazu schon etwas geschrieben wurde, da der Stella-Entwurf ja nicht vorlag und damit der Bereich hinter den Fassaden im Grunde eine „black box“ war. In nächster Zeit wird es aber Entscheidungen geben müssen.

    Mein Vorschlag zu 1.:
    Wiederherstellung zumindest des Weißen Saales (mit Treppe), des Rittersaales, der Roten Kammer, der Roter- und der Schwarzer-Adler-Kammer, der Bildergalerie, der Braunschweigischen und der Kleinen Galerie, des Elisabeth-Saals, des Bunten Gangs, des Garde-du-Corps-Saals, des Thronzimmers, des Großen Säulensaals, des Marmor- und (mein Favorit: ) des Pfeilersaals, des Sternsaals, des Speisesaals und aller Treppenhäuser.

    Die Schloßkapelle ist laut Tagesspiegel ja schon im Stella-Entwurf vorgesehen (ich hoffe, es stimmt). Schade, daß die Erasmus-Kapelle zur Spreeseite hin lag!

    Mein Vorschlag zu 2.:
    Zwar strenge Beachtung des Grundrisses, aber eine ganz nüchterne Ausgestaltung („museums-weiß“), denn eine starke historische Ausgestaltung stößt auf unüberwindliche Widerstände und verbaut evtl. sogar die Möglichkeit zu einer innenarchitektonischen Weiterentwicklung.)