Potsdam: Wiederherstellung historische Innenstadt (Projekte)

  • Die Frage, was daran so hässlich sein soll, bleibt unbeantwortet.

    Ziegelsichtigkeit ist in diesem Nahbereich untypisch und passt auch nicht, wie in der Nachbarschaft ein Haus (im Block III m. E.) beweist.

  • Diese Debatten haben wir in Potsdam vor 10 Jahren geführt und mit großer Mehrheit entschieden. Es gibt Leitfassaden und die anderen Füllbauten haben sich a) an den Leitfassaden zu orientieren und b) sich zurückzunehmen, damit die Leitfassaden strahlen können. Wir sind ja gottlob nicht in Berlin, wo man jede Entscheidung, und sei sich auch mit noch so großer Mehrheit gefallen, in Dauerschleifen-Debatten laufen läßt.

    Ziegel hat in der Potsdamer Altstadt nichts zu zu suchen, wenn man vom Holländerviertel als Sonderfall absieht. Üblich sind Sandstein oder Putz.

    Deine Assoziationen "III. Reich/DDR" würden erstens in Potsdam nicht geteilt und stellten zweitens auch keinen Makel dar. Wir haben einige DDR-bauten in der Innenstadt aus der Stalinzeit, die sich ganz gut machen. Auch das sind typisch Berliner Debatten.

    Der Palazzo Barberan da Porto in Vicenza (Andrea Palladio)
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    Der Palast Barberan da Porto in Potsdam (Christian Ludwig Hildebrandt)
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    Zeitgenössische Darstellung (Johann Friedrich Nagel)
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  • Ich finde das „Nationale-Bautradition-Gebäude“ bereichernd. Wegen der Zeitschicht, die es suggeriert.

    Wer am Dresdner Neumarkt oder am Domrömer-Projekt in Frankfurt war, wird feststellen: es fehlt an der Zeitschicht 50-er bis zumindest 80er. Entweder sind die Gebäude „Vorkrieg“ oder (es gibt Ausnahmen) klar als Nach-2000er zu erkennen - ob nun Retroangepasst oder zeitgenössisch-modern.

    Hingegen ein 1950er eingestreut „belebt“ die Szenerie meiner Meinung nach, gibt mehr Tiefe. So hätte ein Neubau in der frühen DDR aussehen können - die Stadt hätte sich auch ohne Bombenzerstöung weiterentwickelt. Irgendwie realistischer.

  • Konstantin … das mit der Assoziation zu unschönen Zeiten ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Aber ich kann es durchaus nachvollziehen was die anderen Foristen zu der Anmutung veranlasst hat.

    Aber wenn Potsdam so entschieden hat, und dass gottlob, dann wird das schon seine Richtigkeit haben.


    Ich glaube allerdings, dass so eine Fassadengestaltung heute, 10 Jahre später, so nicht mehr möglich wäre.
    Da sind wir, gottlob, dann doch etwas innovativer, inzwischen. 8)

    Baukunst …. Gebäude der 50 er Jahre findest Du in der Frankfurter Innenstadt zuhauf. Da muss man nicht noch 50er Jahre Reminiszenzen nachträglich am DomRömer einstreuen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Konstantin Aber wenn Potsdam so entschieden hat, und dass gottlob, dann wird das schon seine Richtigkeit haben. Ich glaube allerdings, dass so eine Fassadengestaltung heute, 10 Jahre später, so nicht mehr möglich wäre.

    Sogar mit über 80 Prozent in der SVV. Und die Mehrheit steht nach wie vor und hat vor nicht allzu langer Zeit den ehem. Staudenhof abgerissen.

    Eine solche Gestaltung wäre heute im Potsdamer Stadtzentrum nach wie vor möglich, der Wettbewerb war im übrigen vor vier Jahren (2022) und nicht vor 10 Jahren. Der Beschluß zur Wiederherstellung der historischen Mitte stammt von 1990. Und die Veranschiedung des Leitbautenkonzeptes 2010.

    In Berlin wäre natürlich etwas herausgekommen, was mit dem Bauplatz an der Kaiserstraße nichts zu tun hätte, da bin ich mir sicher. Aber deshalb haben die Stadtverordneten die Jury ja selbst gebildet und das nicht irgendwelchen Architektenjurys überlassen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    […] Wer am Dresdner Neumarkt oder am Domrömer-Projekt in Frankfurt war, wird feststellen: es fehlt an der Zeitschicht 50-er bis zumindest 80er. […]

    Das ist ja interessant zu hören.

    Fast die gesamte Randbebauung des Römers und des DomRömer-Projekts ist 50er und 80er Jahre und wird von Rekonstruktionsbeführwortern auch gern in Frage gestellt.

    Sorry, ich schweife von Thema ab.

    Ich bin aber mal gespannt, wie in Potsdam die Debatte nach der Fertigstellung des Quartiers weiter geht.

  • Nach dem Quartier IV kommt nur noch Quartier V. Und hier sind die Entscheidungen über Leitfassaden auch schon getroffen. Ich erwarte da keine grundsätzliche Neudebatte ausser der Kritik derjenigen, die immer schon gegen die Wiederherstellung der Potsdamer Mitte waren. Die sind zwar immer laut, haben in der Stadtverordnetenversammlung bei der letzten Wahl aber eher verloren.

    Für die Klassenkämpfer bleibt ja auch noch das Garnisonkirchenthema, das aufgrund der Haltung der Kirche auch bleiben wird. Aber dann sind die linken Gruppen auch beschäftigt, das ist ja auch eine gute Nachricht.

  • Neubau Katholische Haus (Gutenbergstraße 81)

    Merlin hatte das BV vor gut einem Jahr hier vorgestellt.

    Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung des Projektes: Im Holländischen Viertel wird eine der letzten Baulücken geschlossen. An der Gutenbergstraße 81, gegenüber dem Bassinplatz (DAF-Karte), errichtet die Katholische Kirchengemeinde Allerheiligen das „Katholische Haus“ als Pfarrei- und Gemeindezentrum. Darin sind neben Büros und Gemeinderäumen auch ein Saal mit 100 Plätzen sowie ein ehrenamtlich betriebenes Café geplant, im Hinterhaus entstehen zwei Wohnungen für Geistliche. Es soll ein offenes Haus werden, das als Ort der Begegnung dient.

    Architekten sind van geisten.marfels aus Potsdam. Diese sehen ein Gebäude in Holzbauweise und mit Solaranlage vor. Zur Straße hin wird das Gebäude mit einer Klinkerfassade mit Sprossenfenstern und Dachgaube nach historischem Vorbild versehen. Der von der Straße nicht direkt einsehbare Seitenflügel und ein Hinterhaus werden mit Holzfassaden ausgeführt. Der Neubau soll 7,5 Mio. € kosten.

    Der erste Spatenstich fand mittlerweile statt, und zwar bereits im November 2025. Mitte Mai dieses Jahres war Grundsteinlegung. Für Anfang 2028 ist nach aktuellem Stand die Fertigstellung geplant.

    Aktuelle eigene Bilder der Baustelle:

    katholischeshaus_potsdam03.jpg

    katholischeshaus_potsdam05.jpg

    katholischeshaus_potsdam04.jpg

    Hier nochmal die beiden Visus:

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    © van geisten.marfels

    katholischeshaus_potsdam02.jpg
    © van geisten.marfels

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Na ja, der Entwurf ist nach Endells und Architekturfans Einlassungen für den Molkenmarkt allenfalls Mittelmaß. Eigentlich noch weit darunter. That's the point.

    Am Molkenmarkt gibt es keine Rekonstruktionen. Hier wurde eine aufwändige Rekonstruktion mit einer zurückhaltenden, aber sehr klassischen Fassade kombiniert. That's the point.

  • ^ Was sollte da auch rekonstruiert werden? Ich meine mich mich erinnern zu können, dass zumindest der Jüdenhof rekonstruiert werden soll. Und damit stimmt meine Aussage wieder. Punkt!

  • Da eben am Molkenmarkt nichts rekonstruiert wird, ist der Anspruch an die stadtbildprägenden Neu-Entwürfe im Areal Molkenmarkt entsprechend höher und wird für manche nicht eingelöst.

    Hier in Potsdam gibt es jedoch sehr aufwändige Rekonstruktionen, die der innenstädtischen Lage Gewicht verleihen. Die Neu-Entwürfe, wie die hier diskutierte Fassade, sind nur Ergänzungen und müssen demnach weniger leisten als am Molkenmarkt.

    Außerdem macht es natürlich in der wirtschaftlichen Betrachtung einen Unterschied, ob der Bauherr eine Fassade zu rekonstruieren hat oder nicht (Mischkalkulation).

  • Kannst du ausführen, wo du diese "Mängel" siehst? Mir gefällt manches besser als in der Visu, anderes schlechter. In Summe gleicht es sich meiner Meinung nach aus.

  • ^ … Danke Tomov , die dort gezeigte Visualisierung des „ hässslichen Entleins“, ich nenne es jetzt ganz einfach so, hat dem tatsächlich gebauten, herzlich wenig zu tun. Das fängt bei der horizontalen Dreiteilung der Fassade an, man hat einfach das zweite Gesims weggespart, geht über die Verwendung der billig aussehenden weissen Fensterrahmen, in der Visualisierung waren es dunkle, und hört mit dem Fallrohr, von dem auf der Visu nichts zu sehen ist, auf. Da hilft auch der Hinweis von Konstantin , dass die Ergebnisse seit Jahren bekannt seien, was gebaut wird, nicht weiter, wenn die Umsetzung dann Meilen hinter der Visualisierung zurückbleibt. Schade auch.

  • Fangen wir mit den Fallrohren an. Ohne die geht es ja wohl schlecht. Dass sie in Visus nicht dargestellt werden, ist wirklich kein neues Ärgernis.

    Ja, das mittlere Horizontalgesims wurde weggelassen, das finde ich auch schade.

    Die Farbe der Fensterrahmen stört mich nicht, Geschmackssache.

    Dafür sind im Erdgeschoss die Lisenen mit Konsolen hinzugefügt worden und die Abstufung in drei Farbtöne, was ich beides als sehr wohltuend empfinde.

    Zu ergänzen ist, dass hier Mieten von 15 Euro/m² angeboten werden. Der Durchschnitt für Neubau liegt in Potsdam bei über 20 Euro. Aber auch jenseits dessen finde ich das Ergebnis - für heutige Verhältnisse! - hervorragend und würde mir das als Standard in deutschen Städten wünschen.

    Nicht selten müssen wir hier im Forum Wohnhäuser zur Kenntnis nehmen, die teurer vermarktet (und nicht selten auch teurer gebaut!) werden und dennoch minderwertiger aussehen. Mit ein paar klassischen Gestaltungsregeln kann man, das zeigt mir dieses Beispiel, auch mit geringen Mitteln eine wirklich ordentliche Wirkung erzielen.

  • Die vollständige Farbgestaltung liegt am Alten Markt in den Händen der Unteren Denkmalschutzbehörde, weil die Altstadt ein Denkmalbereich ist. Das betrifft auch die Neubauten. Da der Palast Barberan da Porto erbsengrüne Fenster bekommen hat sollten es hier weisse sein. Ich empfinde weiße Fenster nicht als Qualitätsmangel.

    Grundsätzlich sind die Häuser der Altstadt in Potsdam Mehrfarbig: Rücklagen-, Vorlagen und Auszeichnungsfarbe. Diese Vielfals versucht die Denkmalpflege auch in den Neubauten - wenigstens zum Teil - zu verankern.

    Interessant wird sein, welche Farbe der Palast erhält. Historisch war den Bau einmal erbsengrün.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Mangel liegt nicht so sehr im Entwurf, sondern in der sehr schlechten Ausführungsplanung und der Ausführug selbst. […]

    Dekoratives Anführungszeichen

    […] Ich empfinde weiße Fenster nicht als Qualitätsmangel. […]

    Ihr könnt gern der Auffassung sein, dass die Gestaltung, oder die Farb- und Materialwahl des Gebäudes schlecht ist, aber was hat eine Farbauswahl mit einem „Qualitätsmangel“ zu tun und eine abweichende Gestaltung mit einer schlechten Planung, oder Ausführung?

    Ihr suggeriert hier handwerkliche, oder planerische Mängel, obwohl es offenbar nur um Gestaltung und Geschmacksfragen geht.

  • Der ursprüngliche Entwurf hatte eine klassische Eleganz mit einfachen Mitteln. Da ist es wichtig, dass jedes Detail in der Ausführung stimmt. Verschlechtert wurde der Entwurf in der Ausführung durch folgende Maßnahmen:

    • Ursprünglich waren drei gleichwertige, schmale Gesimse vorgesehen. Das Gesims oberhalb des 2.OG wurde eingespart. Das Gssims der Traufkante wurde verdoppelt und das Gesims oberhalb des EG mutierte zu einer dicken Dämmwurst.
    • Dämmstoffklumpen wurden als 'Kapitele' im oberen Teil des Erdgeschosses eingebaut.
    • Farbunterschied der Rücklagen zu groß. Besonders der dritte, dunklere Farbton im EG in Kombination mit der Materialität WDVS erscheinen ziemlich unelegant.
    • Die Fensterfarbe wurde geändert.
    • Auf die zusätzliche Rücklage oberhalb der Fenster wurde verzichtet.
    • Fensterbrüstungen haben eine Handlaufstange erhalten. Es sieht aus, als wurde verzinkter Stahl verwendet.
    • Die schon von Camondo erwähnten Regenfallrohre auf der Fassade sind natürlich ebenfalls schlimm.

    Eine vernünftige Umsetzung des Entwurfs hätte nicht mehr Kosten verursacht. Es wäre aber ein Verständnis für eine Ästhetik erforderlich gewesen.

    Das Ergebnis sieht einfach piefig aus.

  • Ich frage mich schon, wie man sich ernsthaft anhand dieses Beispiels so aufregen kann.


    Was Potsdam in dieser zentralen Gegend macht ist vorbildlich. Ich ärgere mich nur, dass ich da so selten hin komme.