...wie ich letztens auf der Suche nach ein paar sommerlichen Schnabel- oder Schnallenschuhen so die Petersstraße entlangflaniere,
da schaue ich doch plötzlich in die Röhre:

...bzw. in ein Kaffeehaus!

Wie konnte es nur dazu kommen...!?




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Erbaut 1915/16.


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Zur Zeit wird das EG für einen neuen Mieter umgebaut...

...dabei wurde die Zwischendecke:


entfernt, so dass die alte Kaffeehaus-Architektur wieder zu erkennen ist.


...zurück in die 1920er:
Wenige Jahre nach Eröffnung des Kaffeehauses "Drei Könige" erfolgten bereits kleinere Umbauten.
Während auf dem Bild der Fassade oben im Beitrag noch alle Fenster im EG neben dem ganz links gelegenen Eingang dem Cafe vorbehalten waren,
ist auf dem folgenden Bild der Einbau einer kleinen Konditorei zu bemerken:

Im Angebot:
"Edle Torten, Kuchen, Eisbomben, Figureneis und Pralinen, auf Wunsch ist Pückler-Eis bis 12 Uhr nachts zu erhalten."
Und so sah es drinnen aus:

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Regale, Wand und Leuchter jetzt im Art-Deco-Stil gestaltet, hinten eine kleine Tür, die ins Cafe führte.

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Dementsprechend erfolgten auch im Kaffeehaus Veränderungen...

Zustand zur Eröffnung, das vierte Fenster rechts im Bild angeschitten,
anschließend nach Umbau mit Trennwand zur Konditorei:

Eingangstür ins Cafe ab 1916:

Links neben der Tür der Bereich, in dem die Konditorei eingebaut wurde, rechts eine Wanddekoration, deren Mittelteil wahrscheinlich dieser Imkermeister war (eindeutig zu erkennen sind jedenfalls die vier kleinen Bienchen):

Nach dem Umbau:

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Mittig die neue Konditorei mit der kleinen Tür neben dem Haupteingang, darüber und rechts neue Art-Deco-Wandbilder.

Vermutlich wurden bereits bei dieser Neugestaltung Teile der alten Dekoration ins Treppenhaus verlegt, wo sie sich bis heute erhalten haben:

Direkt im Eingangsbereich befinden sich noch 2 weitere Majolika-Reliefs, die möglicherweise von Anfang an dort platziert waren und die Funktion als Messe-Handelshaus symbolisieren sollten.


Zurück ins Cafe, andere Seite, Originalzustand:

An der Fensterseite zwei Felder mit Majolikas, dann anschließend Fake-Fenster.

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Papagei im Vergleich, der Musikant ist wohl nicht mehr vorhanden,
die Deckengestaltung blieb unverändert und bis heute erhalten...



Auch auf diesem Bild ist sie gut zu erkennen:




Von größeren Kriegsschäden blieb das Gebäude verschont, in den 50ern wurde es weiter als Messehaus genutzt:

Die über der ersten Etage befindlichen Köpfe wurden bei passender Gelegenheit noch abgeschlagen,
vielleicht zur Inthronisierung des Herrn Honecker...




In den 90ern machte sich dann ein Schuhgeschäft im EG breit...

Vermutlich wurden in diesem Zusammenhang die an dieser Stelle völlig sinnfreien Arkaden angelegt,
die Decke mit einer Rolltreppenanlage zerlöchert und diese zauberhafte Zwischendecke eingezogen:



Nochmal zur Erinnerung:

Egal, es handelt sich ja nur um ein stadt- und messegeschichtlich bedeutsames Baudenkmal, das ärgerlicherweise den Krieg überlebt hat,
da muss man nicht so genau hinschauen...
Im Hinterhof...

...des Vorgängergebäudes befand sich übrigens ein Pferdestall.

Wie aus ungewöhnlich gut informierten Kreisen zu erfahren war, besteht hier nicht die Gefahr einer denkmalgerechten Sanierung.
Wer also einen Blick ins ehemalige Kaffeehaus werfen möchte, muss sich sputen!

...denn demnächst verschwindet alles wieder unter einer neuen geschmackvoll drangeklatschten Abdeckvorrichtung
und die Kundschaft wird nicht unnötig vom Ramsch in den Warenverteilern abgelenkt.

