Beiträge von gardelon

    Im Gegensatz zur Alten Oper ist die Begründung für den Denkmalschutz wohl zumindest umstritten.


    Warum? Die alte Oper ist historistische Durchschnittskost, wie man sie in ganz Europa, Nord- und Südamerika, Russland und Australien in jeder mittleren und großen Stadt dutzendfach findet. Du und einige andere scheinen den Fehler zu machen, aus persönlicher ästhetischer Sympathie einen absoluten kunsthistorischen Wert abzuleiten. Dass Du persönlich diesen Bau irgendwie schön und jenen Bau irgendwie hässlich findest, ist kein überzeugendes Argument, wenn es um Fragen des Denkmalschutzes geht. Im frühen 19. Jahrhundert wurden gotische Kirchen hundertfach abgerissen, als Ställe oder Lagerhäuser benutzt, weil kein Mensch damit ästhetisch etwas anfangen konnte. Im späten 19. Jahrhundert betrachtete man annähernd die gesamte Architektur des Barock als eine bizarre, geschmacklose Verfallskunst, für die Europa für sich zu schämen habe. Im mittleren 20. Jahrhundert nun wurde die historistische Architektur fast geschlossen als minderwertiger, einfallsloser Kitsch und urbanistisches Totalversagen betrachtet, das nach Belieben zu zerstören eine Wohltat für die Städte darstelle. Heute ist es eben gerade en vogue, die Architektur der 1950er-1980er Jahre als wertlosen Schrott zu betrachten und deren Vernichtung zu fordern. Ich gehe jede Wette ein, dass sich innerhalb einiger Jahrzehnte der Wind wieder dreht und man im Jahr 2050 bitter beklagen wird, dass die puristische Architektur der 1950er und 1960er Jahre flächendeckend zerstört wurde, um sie durch die unsägliche Architektur des frühen 21. Jahrhunderts zu ersetzen - und im Jahr 2100 wird es dann wieder anders aussehen und man wird zum Schluss kommen, dass die zeitlos elegante Architektur des frühen 21. Jahrhunderts einen besonderen urbanen Schmuck darstelle.


    Kurzgefasst: Bewertungsmoden, was die Einschätzung eines Architekturstils angeht, kommen und gehen zuverlässig im Rhythmus weniger Jahrzehnte. Jede Generation findet phantastisch, was ihre Großväter und schrecklich, was ihre Väter gebaut haben. Mich persönlich spricht das Philosophicum ästhetisch ganz und gar nicht an - aber ich verabsolutiere meinen persönlichen Geschmack nicht zum Maßstab der Erhaltungswürdigkeit und erkenne an, dass es sich um ein für seine Zeit technisch innovatives Bauwerk handelt, das die Durchschnittskost seiner Zeit in vielem übertrifft und das ein bestimmtes architekturästhetisches Prinzip seiner Zeit in besonderer Reinheit verkörpert. Ich würde es nur sehr ungerne sehen, dass ein Bauwerk, das später vermutlich einmal als besonders bemerkenswertes Beispiel seiner Zeit eingeschätzt und vielleicht auch ästhetisch geschätzt wird, durch irgendeinen Durchschnittskasten ersetzt wird, der keine Besonderheiten aufweist, den wir heute ganz nett finden, den aber in 50 Jahren jeder als belanglos empfinden wird.

    Es ist jetzt aber schon Korinthenkackerei, eine kulturell, historisch und geographisch überwiegend europäische Stadt nicht zu Europa zu rechnen, weil sich ein paar ihrer Außenbezirke auf asiatischem Gebiet befinden ;)


    Was mich an Moskau übrigens irritiert ist das offensichtlich vollständige Fehlen einer erkennbaren Stadtplanung. Moskau wirkt nicht wie eine zusammenhängende, organische Stadt, sondern wie ein wüster Haufen zusammenhangloser Solitäre, die völlig zufällig in die Landschaft geworfen wurden. Die Neubauprojekte der letzten Jahre sind zwar, was die schiere Masse und die Dimensionen angeht, beeindruckend, aber zum einen größtenteils entweder einfallslose Billigware oder grauenhafter Kitsch bis an die Schmerzgrenze (Triumphpalast...). Allerdings ist das ja kein spezifisches Moskauer Phänomen, sondern trifft auf nahezu alle Großstädte der einstigen sowjetischen Einflusssphäre nach 1990 zu - auch in Prag oder Budapest flößt einem die in den letzten 20 Jahren entstandene Bürosilo- und Gewerbegebietsperipherie nacktes urbanistisches Grauen ein, wobei der Kontrast dort noch stärker ist, weil es sich dabei um Städte mit einer sehr schönen, dichten und urbanen Innenstadt handelt, was man von Moskau offensichtlich nicht gerade sagen kann.
    Wenn ich in nächster Zeit einmal nach Russland reise, reizt mich St.Petersburg jedenfalls wesentlich mehr als Moskau.

    Sehr schöne Bilder, aber eine kleine Korrektur: Größte Stadt Europas ist nicht Moskau, sondern Istanbul mit offiziell 13 Millionen Einwohnern in der Kernstadt und 22 Millionen im Großraum.


    Alles in allem macht Moskau auf mich einen ziemlich tristen Eindruck, es scheint keine Stadt mit besonders hoher Lebensqualität zu sein. Insbesondere sieht es mE nach einer sehr wenig fußgängerfreundlichen Stadt aus - welche Erfahrungen hast Du in der Hinsicht gemacht?

    Erschlagt mich für den Kommentar, aber ich fand das Bestandsgebäude gar nicht so übel, es gehört(e) mE definitiv zu den besseren Beispielen seiner Zeit und hätte mit ein wenig Auffrischung sehr schmuck werden können. So erfreulich auch der Bau eines hübschen neuen Wolkenkratzers ist, so bedauerlich ist es doch mE, dass er nicht an einer Stelle entsteht, wo er einen der unzähligen viel, viel schlimmeren Bestandsbauten der Frankfurter Innenstadt ersetzen könnte.

    In der "Altstadt" hast Du allerdings sehr geschickt die paar wenigen erträglichen Ecken herausgepickt ;) Trotzdem schöne Bilder, vor allem von List, das ich bisher kaum kannte. Mir kam Hannover bei bisherigen Besuchern zwar immer ziemlich langweilig, aber angenehm und unerwarteterweise sogar ganz hübsch vor, insbesondere die vielen Backsteinbauten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wahrscheinlich keine schlechte Stadt, um seinen Ruhestand zu verleben.

    Furchtbar. Wie kann man eines der interessantesten Bauwerke Frankfurts nur so kaputtmachen? Die neue Fassade ist zwar nicht ganz schlimm, aber sie ist öde und beliebig und macht aus einem herausragenden Gebäude dröge 08/15-Ware. Nachdem man auch schon das Selmi-Hochhaus verschandelt hat, gibt es in der Frankfurter Skyline ja nun praktisch gar keine dunklen Kontraste mehr, sondern fast nur noch silbergrauen Einheitsbrei.
    Das Marriott-Hochhaus war für mich sowohl seiner Kubatur als auch seiner Fassadengestaltung nach eines der interessantesten Hochhäuser Deutschlands, noch dazu historisch schützenswert, weil es eines der allerersten Hochhäuser dieser Höhe in Europa darstellte. Was würde die Öffentlichkeit dazu sagen, wenn man vorschlüge, eine architektonisch und kulturhistorisch hochinteressante gotische Kathedrale mit einer Alu-Fassade zu überdecken?
    Ich dachte eigentlich, dass man in Deutschland mittlerweile etwas sensibler mit schützenswerter historischer Bausubstanz umginge...

    An sich alles recht hübsch, aber ich finde es beim Betrachten kleiner und mittlerer amerikanischer Städte immer wieder irritieren, wie vollkommen ausgestorben die Straßen sind. Den Fotos nach zu urteilen wirkt es, als ob es wirklich überhaupt kein öffentliches Leben gäbe, als ob jedes Gebäude eine eigene, isolierte Insel wäre, die keinen Bezug zur restlichen Stadt hat.

    Definiere bitte historisierender Kitsch !


    "Historisierender Kitsch" - Künstlerisch anspruchslose Architektur, deren Zielsetzung vor allem darin besteht, etwas oberflächlich Hübsches, Entzückendes zu schaffen und sich zur Erreichung dieses Ziels (Bzw. aufgrund von Einfallslosigkeit und künstlerischer Impotenz des Architekten) eines eklektizistischen Mischmaschs zusammengeworfener Einzelteile verschiedener historischer Baustile bedient, deren Möglichkeiten bereits in einer vergangenen Epoche ausgeschöpft wurden, sodass mit ihnen keine neuartigen, innovativen Effekte mehr zu erzielen sind. Entscheidend für den Erfolg solcher Architektur ist der Anspruch, dass für ihr Verständnis und ihre Wertschätzung kein intellektueller Prozess, keine intensive Auseinandersetzung notwendig ist, sondern jede Hausfrau nach zwei Sekunden ausrufen kann "Ach, ist das aber reizend!". Besonders stark ausgeprägt waren diese Merkmale in der minderwertigen, historistischen Gründerzeitarchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Falkoniergasse und Co fügen sich da nahtlos ein.


    Objektbezogene Kritik ? Details?


    1.) Wie ich schon im Frankfurt-Forum ausführte: Kleinteiligkeit ist im Zentrum einer modernen Millionenstadt völlig fehl am Platze, sie behindert die Funktionsfähigkeit und Effizienz der innerstädtischen Strukturen.


    2.) Die historisierenden Dekorationselemente sind seit ungefähr 200 Jahren ausgelutscht und bis zum Überdruss verbraucht, damit ist nichts Innovatives und Neuartiges zu schaffen, sondern nur die tausendste Kopie der Kopie der Kopie der Kopie der...


    3.) Die Gebäude sind für ihre zentrale Lage viel zu niedrig (Vielen Dank an die idiotische Berliner Traufhöhenverordnung...).


    4.) Allem Anschein nach wird alles, was sich in den Gebäuden ansiedeln mag, dem obersten Preissegment angehören, das bedeutet - die Münchener Lenbachgärten lassen grüßen - meistens absolute Sterilität und Leblosigkeit. Ein weiteres Stück toter Stadtraum erwartet uns.


    5.) Die Eintönigkeit von Kubatur und Farbgebung langweilt zu Tode.

    oder nur graue Hochhausklötze wie es z.B. in New York City der Fall ist


    Bitte was? Flatiron Building? Empire State Building? Chrysler Building? MetLife-Building? Das UNO-Hochhaus? AT&T Building? Trump Tower? Die neuen WTC-Türme? Etc., etc...
    New York hat nun wahrlich so ziemlich das Gegenteil einer monotonen, uninteressanten Skyline.
    Ich stimme Dir allerdings zu, dass die Frankfurter Skyline insgesamt ebenfalls eine hohe Qualität und viel Abwechslung zu bieten hat, qualitativ ist sie mE immer noch die mit Abstand beste Europas, weit vor La Defense und Rotterdam (Allerdings holt London mit großen Schritten auf und wird Frankfurt wohl sowohl quantitativ als auch qualitativ irgendwann übertreffen - ein 12-Millionenballungsraum gibt einfach mehr Entwicklungspotential her als ein 4-Millionenballungsraum). Wie Bionic sehe ich aber ebenfalls in Frankfurt seit ein paar Jahren einen Trend zu mehr Monotonie - Stichwort Mäcklerisierung. Park Tower, Opernturm, T185, die Maintor-Hochhäuschen: Alle für sich genommen hübsche, qualitätvolle Gebäude, aber irgendwann reicht es auch mal mit den immergleichen klassizistisch orientierten, hellen und glatten Natursteinfassaden. Vielleicht sollte man Mäckler in Frankfurt zehn Jahre Berufsverbot erteilen, um wieder etwas Pepp in den Laden zu bekommen ;)


    Der T185 ist nun gewiss kein schlechtes Gebäude: Für europäische Verhältnisse anständige Höhe, hochwertige Ausführung, urbane Qualitäten durch die geschlossene Sockelbebauung, usw. Und dennoch: Das alles ist so zahm, konventionell und schon tausendfach gesehen, dass man bei jedem pflichtbewussten "Hübsch, hübsch!"-Ausruf ein aufziehendes Gähnen unterdrücken muss. Mich beschleicht ja ernstlich die Befürchtung, dass man diese Mäckler-Einheitskost in dreißig Jahren als so langweilig und trostlos empfinden wird wie heute irgendwelche Chruschtschow-Platten und nach der Abrissbirne rufen wird, um sie durch irgendetwas Lebendigeres, Einfallsreicheres zu ersetzen.


    Naja, freuen wir uns auf den Baustart der EZB ;-)

    Die ursprüngliche Idee der Donau-City, ein modernes Stadtzentrum mit Hochhäusern zu schaffen, war sehr gut.


    Jein. Ein modernes Zentrum mit Hochhauscluster - gut. Aber dieses moderne Zentrum mit Hochhauscluster am Ende der Welt auf der grünen Wiese in einem schwach besiedelten Außenbezirk zu bauen - weniger gut. Niemanden kann es doch wirklich überraschen, dass bei einer solchen Lage ein steriler und außerhalb der Bürozeiten klinisch toter Murks nahezu ohne Verbindung zum restlichen Stadtraum entstanden ist, woran auch ein weiterer Wolkenkratzer nichts ändern wird. Die meisten Wiener nehmen den 21./22. Bezirk ja gar nicht mehr als wirklich zu Wien gehörig wahr. Dieses moderne Zentrum mit Hochhauscluster hätte in die inneren Bezirke gehört, vielleicht um den Donaukanal.


    Die DC Towers werden fabelhaft aussehen, aber leider eher eine Art isolierte Skulpturen bleiben statt lebendige Teile des Stadtorganismus zu werden.

    RMA. Geht´s noch eine Nummer pathetischer und unsachlicher?


    Eine Tatsache ist nun einmal, dass die Altstädte von traditionsreichen deutschen Handelsmetropolen wie Köln, Frankfurt oder Nürnberg ihre städtebaulichen Konturen im Wesentlichen im 15./16. Jahrhundert gewannen, als diese Städte etwa 30 000-50 000 Einwohner hatten. Was für solche Größenverhältnisse ausreichend war, erwies sich schon im 19. Jahrhundert als quälende Belastung für die Entwicklung der Stadt, als diese sich im Zuge der Industrialisierung verdoppelten und verdreifachten. Wer Photographien und Berichte der Lebensverhältnisse in den brechend überfüllten, verdreckten, wirren und verwinkelten Altstadtgassen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gesehen hat, wird sich weiß Gott nicht wünschen, unter solchen Bedingungen leben zu müssen.
    Dass die Gebäude im 19. Jahrhundert immer größer und höher wurden und teilweise die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Strukturen zerstört und erweitert wurden, war nackte Notwendigkeit - und übrigens bis ins 20. Jahrhundert hinein auch für niemanden ein Problem. Wenn im Mittelalter oder der frühen Neuzeit ein Stadtviertel niederbrannte, dachte selbstverständlich niemand daran, irgendetwas zu rekonstruieren. Alle Gebäude wurden durch hochmoderne Neubauten ersetzt, in den Maßen, die der aktuellen Stadtgröße angemessen waren.
    Nun hat der Krieg in Deutschland vollendete Tatsachen geschaffen und die meisten Altstädte ausradiert. Originale kunst- oder kulturhistorisch interessante und schützenswerte Bausubstanz gibt es kaum noch irgendwo. Es stellt sich also die Frage, ob man dieses kriegsbedingte Vakuum dadurch füllen will, dass man moderne oder halbmoderne Bauten in den Formen und Maßen der kleinstädtischen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts schließt oder dadurch, dass man Gebäude schafft, die den Bedürfnissen moderner Millionenmetropolen entsprechen. In den meisten deutschen Städten hat man sich leider für den ersten Weg entschieden, was in ihrem Erscheinungsbild zu zwei kuriosen Besonderheiten führt: Erstens sind die Zentren deutscher Großstädte meist geprägt von potthässlichen Nachkriegsprovisorien, die den Grundriss und die Maße spätgotischer Bürgerhauser beibehalten haben. Und zweitens wirken deutsche Großstädte dadurch meistens in ihrem Mittelpunkt am kleinstädtischsten und provinziellsten (Was ja nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die dort vorherrschenden Stadtstrukturen geschaffen wurden, als es sich um Nester von wenigen tausend Einwohnern handelte) und werden schlagartig urbaner und großstädtischer, wenn man in die sie umgebenden Gründerzeit- und Jugendstilviertel kommt (Was auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die Städte zur Zeit der Entstehung dieser Viertel bereits veritable Großstädte waren).
    Wenn wir hier von einer Stadt wie Nürnberg sprechen würden, in der unmittelbar nach dem Krieg ein großer Teil der Altstadt mehr oder weniger originalgetreu rekonstruiert wurde - gut, da ließe sich reden. Aber in Frankfurt?!? Gerade die Traditionalisten hier pochen ja immer wieder darauf, dass Architektur sich der Umgebung anpassen müsse. Nun, und in Frankfurt sieht die Umgebung so aus, dass es sich um eine hochmoderne, wolkenkratzergeprägte Finanzmillionenmetropole handelt, für die folglich großflächige, moderne und hohe Bebauung angemessen wäre statt der kleinteiligen Kitschillusion einer Kleinstadtidylle, die es in der Realität seit 150 Jahren nicht mehr gibt. In Frankfurt muss jede kleinteilige vormodern orientierte Bebauung ein völlig isolierter und exotischer Fremdkörper bleiben.


    janpmw.

    Lieber kleinteiliger Kitsch, was einen zum Aufenthalt einlädt, als irgendwelche HÄSSLICHEN, ERDRÜCKENDEN und BRUTALISTISCHEN Betonklötze


    Es geht hier vorrangig um die Stadtstruktur und nicht so sehr um die konkrete architektonische Gestaltung der einzelnen Gebäude. Allerdings finde ich, dass die Architektur der letzten 10 Jahre die im Durchschnitt eleganteste und schönste Architekturepoche seit dem Jugendstil ist und mit "brutalistischen Betonklötzen" nur sehr selten etwas zu tun hat. Im Übrigen empfinde ich persönlich die typisch mitteleuropäische Altstadtbebauung aus Spätgotik und früher Neuzeit als bedrückend, eng und muffig und fühle mich in Vierteln des 19., 20. und 21. Jahrhunderts erheblich wohler - aber jedem sei sein Geschmack unbenommen.

    Ich hoffe auf baldige Auffüllung der linken Bildhälfte.


    Da wird nichts mehr kommen. In der Donaucity sind außer den beiden DC-Towers keine nennenswerten Hochhausprojekte mehr geplant, was ich allerdings ohnehin wenig bedaure, stellt die Donaucity doch städtebaulich mehr oder weniger eine Totalkatastrophe dar, sodass man sich nur wünschen kann, dass künftig Hochhäuser in innenstadtnäheren, urbaneren Gegenden entstehen...

    Wirklich schade. Eine Schönheit war das technische Rathaus ja nun nicht gerade, aber alleine durch seine Kubatur und Höhe dem Zentrum eines 2-Millionenstadtraumes angemessener als der kleinteilige Kitsch, der uns nun erwartet und schon für die Innenstadt einer Kleinstadt eher unzureichend wäre...

    Diese sich im Ostend immer mehr konzentrierende Backsteinarchitektur gefällt mir wirklich ausgesprochen gut, scheint - meinen letzten Frankfurtbesuchen nach zu urteilen - auch städtebaulich gut zu funktionieren und die Gegend erheblich zu beleben. Heute ist es kaum noch vorstellbar, was für eine trostlose Ecke das Ostend noch vor 10-15 Jahren war. Ein bisschen mehr Abwechslung in puncto Gebäudehöhe würde der weiteren Entwicklung freilich nicht schaden.

    Hm, ich bin von der Fassadengestaltung sowohl des Sockelbaus als auch des Turmes doch ein wenig enttäuscht. Der Sockelbau mag ja hochwertig verkleidet sein, wirkt aber leider doch schrecklich monoton und wirkt auf den ersten Blick wie ein mittelmäßiger Zweckbau der 50er Jahre. Wenn das Gebäude im Laufe der Zeit durch Wind und Wetter dunkler wird und erste Schäden entwickelt, fürchte ich, dass das von Straßenniveau aus sehr trostlos wirken könnte.
    Auch der Wechsel aus 70er Jahre-Braun und Schwarz auf der Turmfassade überzeugt mich nicht so recht. Der gläserne Mittelteil des Turms rettet zum Glück noch einiges, gibt ihm zumindest aus der Frontalperspektive etwas Leichtigkeit und Transparenz. Ohne diesen Glasteil würde der Turm schon arg den Eindruck einer massiven Festung erwecken. Ebenso scheinen mir rund 200 Meter etwas zu niedrig, um bei einer derart wuchtigen Basis elegant wirken zu können, mindestens 250 hätten es ruhig sein dürfen.
    Alles in allem bin ich zwiegespalten: Einerseits eine sehr interessante Form, andererseits eine bedrückend öde Fassade und suboptimale Größenverhältnisse.

    Wahnfried. "Frankreich wollte einige Deutsche Gebiete sich einverleiben und hatte Preussen den Krieg erklärt."


    Das ist eine höchst aberwitzige Interpretation der Geschehnisse von 1870. Die Emser Depesche und die daraus ersichtliche verbissene Anstrengung Bismarcks, unbedingt einen Krieg zu provozieren, wird dir aber ein Begriff sein, oder nicht?


    "und ja der Friedrich der Große hatte einen Agression und Raubkrieg geführt, dem dann zwei Habsburger Revanche-Kriege folgten."


    Und daraus leitest du nun was genau ab? Wenn ich einen Passanten umbringe und dessen Angehörige daraufhin einen Racheakt an meinen Familienmitgliedern verüben, wird meine Tat dadurch nachträglich legitimiert?


    Berolina. "Was sagst Du übrigens hierzu? Dieses Denkmal wurde Anfang der 1990er Jahre neu errichtet und durch "Queen Mum" eingeweiht.
    http://wissen.spiegel.de/wissen/doku...rubrik=politik "


    Ich halte dieses Denkmal für einen Skandal - was sonst?

    "Massenmordende Generäle" sind ein schöner Pleonasmus. Aber lassen wir das.
    Außerdem bin ich durchaus der Meinung, dass der politische und soziale Kontext von Architektur ein integraler Bestandteil in Planung und Diskussion sein muss. Einer quasi-autistischen Betrachtungsweise, die Gebäude als kontextfreie Gesteinsformationen im luftleeren Raum betrachtet, kann ich wenig abgewinnen.

    Diese Benennungen stammen aber i.d.R. aus der Zeit vor 1945. Wenn man diese etablierten Namen aus nostalgischen Gründen beibehalten will, mag das noch hingehen (Auch wenn ich Umbenennungen gelegentlich für angebracht hielte). Wenn heute aber eine deutsche Stadtverwaltung den Beschluss fassen würde, eine neue Straße nach einem Heerführer der Aggressions- und Raubkriege von 1870 oder 1914 zu benennen, würde ich das in der Tat als höchst alarmierendes Indiz für die politische Atmosphäre betrachten.
    Welches Signal sendet man denn aus, wenn man im Jahre 2009 in einem feierlichen Akt Standbilder für Mörder enthüllt, die dort seit Jahrzehnten nicht mehr gestanden waren, ohne ihre schwierige historische Bedeutung auch nur am Rande zu thematisieren? Wenn das Schule macht, kann so etwas der Beginn einer neuen öffentlichen Wahrnehmung sein, in der Krieg als ein ganz normales politisches Instrument betrachtet wird, über das nicht weiter diskutiert werden muss.

    Die Bertelsmann-Stiftung geht bis 2020 von einer Schrumpfung Berlins um 0,5% aus, die Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht in ihrer pessimistischsten Prognose von einer Schrumpfung von 5,1% bis 2030 und in der wohl realistischsten Basisprognose von -1,1% aus. Wo da zusätzliche 200 000 Einwohner herkommen sollen (Zumal keinerlei wirtschaftlicher Fortschritt in Berlin erkennbar ist), bleibt mir schleierhaft. An einen starken Anstieg der Geburtenraten glaube ich kaum, wäre mE auch nicht wünschenswert: Deutschland ist heute schon irrsinnig dicht besiedelt, ein Bevölkerungsrückgang und eine Ausweitung naturbelassener Flächen würden die Lebensqualität hier eher erhöhen. Wenn man unbedingt Bevölkerungswachstum in D will, wäre eine Überwindung xenophober Ressentiments und eine Lockerung der Einwanderungsbedingungen der einzig realistische Weg.


    Zum Rossi-Entwurf: Was hat dir denn daran nicht gefallen? Ich finde ihn überaus gelungen, von einem Schnellschuss kann hier mE gar keine Rede sein.