Beiträge von dj tinitus

    Rundling:

    zur sportoberschule:
    es ist mir völlig schleierhaft, wie man sich anhand einer grafik erdreisten kann, die qualität eines komplexen entwurfs und darüber hinaus gleich noch die sinnhaftigkeit von wettbewerbsverfahren beurteilen zu wollen.

    ich hege die hoffnung, dass du bei der einschätzung von menschen weniger oberflächlich bist. dann nimm dir dies bitte auch zum massstab für deine künftigen kommentare über architektur. danke!

    aus zeitgründen leider nur eine kurze antwort:

    das gebäude hat bei jeder umnutzung umbauten erfahren, die dem jeweiligen zweck dienten. diese tradition wird jetzt mit den gläsernen sky-bars des hotels fortgeführt.

    stilistisch betrachtet bilden die gläsernen staffelgeschosse die horizontale klammer zwischen kosmoshaus und neubau, während der vertikale gläserne einschub zwischen kosmoshaus und der rekonstruierten fassade entlang des pleissemühlgrabens als scharnier zwischen den beiden gebäudeteilen fungiert.
    ich finde die lösung funktional wie ästhetisch stimmig.

    und um auf deine frage zurückzukommen: auch ehrlicher, als hinter, über und neben einem nutz- und fensterlosen giebel-aufbau aus den 20ern etwas basteln, was der neuen funktion des neuen kosmoshauses-ensembles weniger gerecht werden würde.

    Rundling:
    deine einschätzung kann ich nicht teilen.

    ich halte es für konsequenter und ehrlicher,
    - erstens die historische fassade in ihren ursprünglinglichen zustand zurück zu versetzen,
    - zweitens dabei nachträglich hinzugefügte aufstockungen zu entfernen
    - und drittens diese durch erkennbar moderne aufbauten zu ersetzen.

    der zustand vor der sanierung

    https://model2.de/light/3325/047217_115d8be7b4chu.jpg

    entsprach nicht dem original. ich kenne keinen grund, wieso er hätte konserviert werden sollen.
    in der neufassung sind nun erstmals originale und später ergänzte bestandteile klar unterscheidbar.

    auch wer mit den modernen aufbauten nichts anzufangen weiss, wird somit künftig wieder die originale spätklassizistische fassade wahrnehmen können.

    ich halte das für einen grossen fortschritt und eine hervorragende sanierungsleistung.

    genau so ist es.
    gut gemacht, wird sich auch der der alte bahnviadukt im parkbogen ost zu einem stadtteilprägenden anziehungspunkt entwickeln.

    Saxonia:
    knattert ein laster gegen einen straßenbaum, wird der baum demoliert, nicht aber der himmel darüber. kracht ein brummi gegen einen brückenpfeiler, kann die statische sicherheit der gesamtem darüberliegenden brücke beschädigt werden.
    ich hoffe, du hast den unterschied jetzt verstanden.

    DaseBLN:
    bei planung und genehmigung eines projekts wie der eisenbahnüberführung berliner strasse geht es nicht darum, wie oft es dort in der vergangenheit zu schweren kollisionen gekommen ist. (vermutlich nie, sonst wäre längst zuvor gehandelt worden.)
    sondern darum, wie das risiko einer kollision - und dessen auswirkung auf das gesamtbauwerk - für die zukunft minimiert werden kann.

    sie dir die genieteten pfeiler der alten brücke an:

    http://www.stadtbild-leipzig.de/Baustelle/Abri…se_210812_5.jpg

    beachte dabei besonders die verjüngungen am fuss der pfeiler. im unteren bilddrittel sind stümpfe zu sehen, die deutlich erkennen lassen, dass es sich bei diesen pfeilern um kaum mehr als bessere strassenlaternen gehalten hat.

    und nun vergleiche dies mit den säulen der neuen brücke:

    http://mw2.google.com/mw-panoramio/p…m/119728796.jpg

    du erkennst sicher sofort:
    - anderes material
    - andere form
    - andere dimensionierung
    - andere gründung
    - andere lager

    all diese entscheidungen wurden nicht an drei wochenenden und nicht aus abrisswut oder kostengründen getroffen.

    da sind ingenieure am werk, die ihr metier beherrschen. deren arbeit sollte man respektieren. man mag ihre lösungen "technokratisch" nennen - aber sie führen dazu, dass wir auf unseren strassen und schienen sicher und schnell unterwegs sein können.

    lguenth1:

    du antwortetest:

    "Ich kann es nicht mehr hören, wenn die von der DB immer angeführte mangelnde Anpassungsfähigkeit an die heutigen Anforderungen kritiklos übernommen wird."

    "Und Dein anderes entscheidendes Argument für den Totalabriss der technischen Denkmale der Eisenbahngeschichte ist die Möglichkeit von Kollisionen mit Twingos und LKW? Bei Brücken, die teilweise 150 Jahre überstanden haben?"

    auf diesem niveau macht eine diskussion keinen sinn.
    andere meinungen finde ich belebend, jedoch nicht das ignorieren von physikalischen gesetzen und sicherheitsrisiken. wenn darauf deine verschwörungstheorie von einer angeblich abrisswütigen deutschen bahn ag beruht, kann ich nur noch mit einem augenzwinkern sagen:

    sei froh, dass du recht hast - aber die fachleute recht bekommen.

    deine bemerkung über die weltweit erste untergrundmesshalle ist aber für einen, der sich kompetenter als das landesamt für denkmalschutz hält, schon arg bedenklich...

    ...andererseits lässt sie erahnen, worum es dir bei der bewertung eines bauwerks wohl hauptsächlich geht: um dessen ästhetik. als privatmeinung ist das völlig okay. aber gerade bei technischen denkmalen - wie brücken - gilt es noch andere faktoren zu beachten:

    so konnte das ottendorfer viadukt von 1852 nicht den anforderungen an druck- und lastenverteilung des heutigen verkehrs angepasst werden. statt mit 70 km/h werden die züge über die neue brücke mit 120 km/h rollen können.

    und bei innerstädtischen gusseisernen überführungen wie der berliner brücke in leipzig kommt zu oben genannten problemen noch folgendes hinzu: rast ein twingo gegen einen der brückenpfeiler in der strassenmitte, ist er tot. knallt ein 40-tonner dagegen, ist die brücke hin.

    völlig zurecht will kein planer und kein bauherr für so etwas verantwortung tragen. und darum werden solche konstruktionen durch brücken mit grösserer spannweite ersetzt.
    (ich hoffe, du fühlst dich nicht auch noch kompetenter als statiker oder verkehrssicherheitsexperten.)

    bleiben also noch zwei kritikpunkte.
    zum einen die ästhetische wirkung neuer brücken. hierbei sind wir uns wohl einig, dass diese die ausstrahlung der alten brücken oft nicht adäquat ersetzen.

    und zum anderen, dass alte brückenbauwerke unwiederbringlich verschwinden. bei genutzten trassen trifft dies zu. auf stillgelegten strecken kann derartigen bauwerke jedoch ein ein zweites, mehr als würdiges leben beschieden sein, wie beispielhaft dieses projekt zeigen soll:

    http://www.leipzig.de/bauen-und-wohn…/parkbogen-ost/

    das wird für den leipziger osten eines der besten stadtentwicklungsprojekte überhaupt.
    die (auch durch den bau des citytunnels nicht mehr benötigten) bahnschneissen und -brücken werden zu jogging- und radwegen umfunktioniert.

    so sieht für mich die perfekte verbindung von stadtentwicklung und denkmalschutz aus.

    @dunkel ich:
    danke für den link.
    wenn du den artikel noch mal liest, wirst du deine meinung hoffentlich ändern. oder hältst du dich für kompetenter als der referent für technische denkmale beim landesamt für denkmalschutz, welches dem abriss zugestimmt hat?

    und auch generell sollte man sich bei brückenabrissen die frage stellen, warum dies geschieht. weil irgendjemand "wüten" will? das ist doch absurd.

    vor solchen projekten wird im vorfeld von verschiedenen instanzen jahrelang geplant und berechnet, geprüft und gerechnet um die optimale variante zu finden.

    (@ lguenth1: beim abriss der eisenbahnbrücken über die berliner strasse spielte neben ihrem verschleiss und dem umstand, dass mehr als die hälfte der gleise nicht mehr benötigt wird, auch eine rolle, dass die neue brücke ohne unfallträchtige zwischenpfeiler in der strassenmitte auskommt.)

    man kann doch nicht einfach vernunft durch traditionsbewusstsein ersetzen.

    in diesem zusammenhang finde ich es übrigens interessant, dass bei vergleichbaren projekten auf und über bundesautobahnen die toleranzschwelle offenbar höher liegt.
    das mag zum einen am image der deutschen bahn liegen (für die wut auf staus auf der autobahn gibt es keinen adressaten).
    aber vor allem daran, dass ersatzneubauten der deutschen bahn oft nicht an die ästhetische qualität der vorgängerbauwerke heranreichen.

    diesen kritikpunkt halte ich in vielen fällen für berechtigt.

    aber auch nicht in allen. so könnte ich nicht nachvollziehen, dass die db ag beim abriss des untergrundmessehauses unterm markt "gewütet" haben soll, weil statt dessen die neue, in allen belangen bessere unterirdische s-bahn-station entstand.

    sehr richtig.
    ich bin ebenfalls der auffassung, dass eine liste, welche nicht zwischen totalabriss und teilabriss unterscheidet, eine bestenfalls irreführende aussagekraft besitzt.

    es macht doch einen fundamentalen unterschied, ob ein bauwerk verschwindet oder nach teilabriss (z.b. von aufstockungen, vereinfachten dachlandschaften, maroden balkonanlagen, etc.) und anschliessendem neuaufbau näher am originalerscheinungsbild ist, als zuvor.
    die sanierte innenstadt mit speck`s hof, karstadt, barthel`s hof, hauptbahnhof, demnächst mit kosmos-haus und der hauptpost ist heute eine ansammlung solcher "teilabrisse" - zum glück.

    wie irreleitend es darüber hinaus ist, von der burg bis zur bahnsteigkante alles in einen topf zu werfen, zeigt auch die bemerkung von lguenth1: "vor allem die db ag hat hier gewütet".

    hat sie mitnichten.
    vielmehr wurden brücken, bahnsteige und bahnhöfe den heutigen anforderungen bezüglich traglast, sicherheit und barrierefreiheit angepasst. was wäre denn die alternative gewesen?

    alles in allem: um auch künftig ernst genommen werden zu können, wäre es fatal, denkmalschutz einfach mit dem erhalt des status quo gleichzusetzen. jedes baudenkmal und jede veränderung an ihm verdient eine individuelle abwägung. mit einer schludrig zusammengewürfelten liste wird man diesem thema nicht gerecht.

    LEurban:
    du könntest auch nur auf flächen gebäude errichten, die dir gehören und zur bebauung zur verfügung stehen.

    und es gibt auch ecken, wo man nur staunen kann, dass dort überhaupt jemand bauen will.

    Rundling:
    ja, die humboldtstraße 10a bekommt strassenseitig kleine balkone. anders würden die zu sehenden aussenleuchten und -steckdosen ja auch keinen sinn ergeben. sie sind den drei kleineren, nur strassenseitigen wohnungen der unteren etagen zugeordnet, welche sonst gar keinen balkon hätten. und sie sind so klein, w e i l sie sich an der grösse der umliegenden erker orientieren.

    wer sich dort eine wohnung leistet, hat sicher auch knete für ein eigenes fahrrad.

    zum projekt:
    ganz schön massig. dass man für das geld dann nicht über einer kneipe wohnen will, kann ich verstehen. (der grieche wird nach meinen informationen in die holbeinstrasse umziehen.) die kleine marina wirkt ganz gut - und wird als netter nebeneffekt den wellengang bei bootsverkehr auf der weissen elster entschärfen.

    leider wird hier ja sehr selten über wohnungsgrundrisse gesprochen. trotzdem ganz kurz: durch den abriss und neubau als l-förmiges gebäude mit bootsanleger können (fast) alle wohnungen balkone oder terrassen mit wasserblick erhalten. das ist schon clever gelöst.
    (und übrigens besser als bei anderen projekten entlang des flusses.)
    wie das ganze letztlich wirken wird, vermag ich anhand der bisher bekannten bildchen nicht zu beurteilen.

    super quelle.
    den gesamten artikel mit all den dümmlichen phrasen ("ins nationale verklemmte denken", "zugerammelte grenzen", "falsche austeritätspolitik") zu posten, war dir wohl selbst zu peinlich? kann ich verstehen...

    im grunde steht in der "liz" aka ralf-juhlke-blog doch seit 10 jahren jeden tag der gleiche artikel. egal, worum es geht - schuld hat die cdu. kein wunder, finanziert er sich doch über bannerwerbung von den allen-alles-versprechern "linken" und "grünen". da kann man nichts seriöses erwarten:

    montags sollen die grossstädte wachsen.
    dienstags dürfen die dörfer nicht ausbluten.
    mittwochs müssen die mittelzentren gestärkt werden.

    und donnerstags halt kleinere städte besser an grössere angebunden werden.

    ja, wer hat denn das mitteldeutsche s-bahn-netz samt city-tunnel durchgesetzt und finanziert? das war die pöhse landesregierung. die "linke" ob-kandidatin hat noch vor der letzten leipziger wahl 2013 (!) getönt: "mit mir hätte es den city-tunnel nicht gegeben!"
    und wer ist denn gegen praktisch jeden straßenneu- und ausbau? das sind doch die "grünen" hufeisennasen-freunde.
    die thematik vom kopf auf die füsse gestellt: wie gut, dass in diesem land die bremser nüscht zu sagen haben.

    du siehst, "liz"-artikel eignen sich sehr schlecht als quelle. da fliegen einem die argumente so richtig um die ohren.

    besser wäre: selber denken.
    dann fällt auch auf, dass jeder nun mal nur an einem ort sein kann. dass jeder euro nur einmal ausgegeben werden kann. und: dass jeder euro vorher erwirtschaftet werden muss.

    Odysseus:

    die alte waage war nach dem krieg ein totalverlust. nachdem das gelände einige jahre brach lag, wurde das gebäude 1963/64 wiederaufgebaut (auf dem foto rechts):

    http://stadt-leipzig.htwk-leipzig.de/alte-waage/tl_…iles/Bild_1.JPG

    ansonsten kann man resümieren, dass der eindruck erhaltener bausubstanz oftmals das resultat sehr guter sanierungen ist. (die dachlandschaften der beiden linken häuser auf dem obigen foto wurden auch erst nach der wende wiedererrichtet.)

    als beispiel für die in summe stadtbildprägenden veränderungen sei das haus erich-zeigner-allee 11 angeführt.
    vor der sanierung:

    http://static.panoramio.com/photos/original/104538070.jpg

    nach der denkmalgerechten sanierung:

    http://limes-leipzig.de/wp-content/upl…ZA_11__AA_2.jpg

    rückseite nach der sanierung:

    http://limes-leipzig.de/wp-content/upl…tenansichtl.jpg

    mein eindruck: solche sanierungsleistungen schaffen ihrerseits akzeptanz für zeitgenössisches bauen auf brachen - was das stadtbild bestenfalls doppelt belebt.

    ich halte die kritik an den neuen "kitas" aus folgenden gründen für überzogen:

    erstens werden die "kitas" dringend gebraucht.
    nicht in drei jahren, sondern jetzt. kellerlose flachbauten zu errichten ist der schnellste weg, dieses ziel zu erreichen.

    zweitens müssen förderrichtlinien eingehalten werden.
    bei gebäuden mit mischnutzung würden planung und finanzierung unnötig verzögert und verkompliziert. ein kinderspielplatz scheint mir dabei letztlich allemal wichtiger als mehr pkw-stellplätze.

    drittens ergibt sich aus dem ursprünglichen namen "kindergarten".
    danach brauchen diese einrichtungen grosse grüne aussenbereiche zum spielen und toben. dabei gilt der grundsatz: kurze beine, kurze wege. der beste weg zum spielplatz ist der kürzeste. wie cowboy bereits sinngemäss anmerkte: hauptsache, den kindern gefällt es. davon ist wohl in allen hier kritisierten fällen auszugehen. und das ist dann letztlich auch gut für die eltern...

    zusammengefasst zu hier kritisierten "kita" in der gohliser strasse:
    sie wird gebraucht. den kindern gefällt sie. und es hatte sich gegen ihre errichtung sogar bereits eine "bürgerinitiative" zum erhalt der brache gebildet. unterm strich war es das vernünftigste, schnell loszubauen. bei 570 000 einwohnern bekommt man sowieso nie alle unter einen hut. ein höherer neubau mit mischnuzung hätte nur zu mehr zeitlichen und finanziellen problemen geführt - und den inzwischen üblichen kritikern (zu viel lärm, zu viel verkehr, zu viel verschattung, warum hier und nicht woanders) noch mehr anreize zum (weh-) klagen gegeben.

    bei den "kita"-neubauten wird in erster linie im sinne der kinder und ihrer eltern gehandelt. und das ist meiner meinung nach auch völlig okay.

    kleiner sidekick:

    noch vor ein paar wochen wurden hier "relativierung" und "verharmlosung" quasi als dumm, dreist und gefährlich gebrandmarkt.
    jetzt von den damaligen mahnern selber munter verharmlost (cg-gruppe) und relativiert (eisenbahnstrasse).

    anderen etwas vorzuwerfen, was man selbst betreibt, halte ich für keinen guten stil.
    zu einem diskussionsforum gehört die freie meinung. von mir aus auch polarisierung und polemik. aber dann halt immer - und nicht nur, wenn es einem gerade in den kram passt.
    sonst würde das hier in richtung fdj-wandzeitung gehen...

    valjean kann ich gut verstehen.

    stormcloak:
    der begriff "ghettoisierung" ist historisch wie inhaltlich unpassend. selbst wenn man dabei bleibt, muss man sich doch mal damit auseinandersetzen, wie es zu solchen entwicklungen kommt. am besten ohne gentrifizierungs-folklore, denn sie verstellt bei diesem thema nur den blick auf die fakten.

    egal, ob londoner east end, duisburg-marxloh oder xyz - punktuell hohe kozentrationen an ausländern lassen sich nicht allein durch zuwanderung erklären. (in du-marxloh lag der ausländeranteil 1975 bei 18,9 %. heute - ohne nensenswerten einwohnerzuwachs des stadtteils - stellen memimigri 64 der örtlichen bevölkerung.) das war und ist nur möglich, weil viele deutsche von dort wegziehen. und das bestimmt nicht, weil die miete zu billig war. krass ausgedrückt: wer kann, haut ab.

    wer hat diese menschen jemals nach dem "warum?" gefragt? keiner. weil niemand die antworten hören wollte. das ist auch ein teil jener realitätsverweigerungsblase, die gerade platzt.

    auf leipziger low-level gemünzt: im ach so aufgesetzt multikulti-affinen connewitz liegt der ausländeranteil weit unter dem anderer stadtteile. ist grünau deshalb jetzt "bunter" als connewitz? und wenn ja: warum ziehen dann connewitzer angebliche refugee-wellcomer nicht ins buntere und billigere grünau, um nun endlich vor ort allseits grenzenlose hilfe leisten zu können?

    ich habe da so eine ahnung.

    aber ich interessiere mich selbstverständlich auch für jede ausrede...

    laut melderegister hatte die stadt bereits im letzten jahr mehr einwohner als am stichtag 3. oktober 1990 leipzig + alle seither eingemeindeten orte zusammen hatten:

    http://www.sz-online.de/sachsen/leipzi…hl-3215251.html

    auch wenn das mitunter nicht gern gelesen wird: im melderegister stehen alle, die hier angemeldet wurden - auch jene, die sich beim wegzug nicht abgemeldet haben. wie der letzte mikrozensus gezeigt hat, kann sich daraus im laufe der jahre eine beträchtliche differenz zur tatsächlichen einwohnerzahl entwickeln.
    (für lemonhist.: das ist keine "lügenstatistik".)

    auch wenn dies einkalkuliert werden muss, bleibt der trend eindeutig. besonders erfreulich ist dabei der geburtenüberschuss.

    zur erinnerung:
    noch vor ein paar jahren organisierte die lwb kostenlose kaffeefahrten für rentner aus dem ruhrgebiet, um für einen umzug nach leipzig zu werben und dadurch den bevölkerungsrückgang zu stoppen. heute wächst die einwohnerzahl - und der altersdurchschnitt sinkt.

    also wenn das projekt zehn jahre später immer noch dein interesse weckt, kann diese diplomarbeit einer kunststudentin so schlecht ja nicht gewesen sein.
    (ihre intention lässt sich übrigens auf der homepage unter "konzept" nachlesen. alles okay. es ging ihr nicht um die sehnsucht nach mehr russenbauten, eher im gegenteil.)
    ich hatte das - völlig unbelesen und unbedarft - damals schon so in etwa interpretiert und fand die aktion ganz gelungen.

    zum russenbau: wenn dort gute wohnungen entstehen, warum nicht? aus dem ding wird dank sanierung und aufstockung mehr gemacht als aus vielen ddr-plattenbauten, die näher am stadtzentrum liegen.

    und unabhängig davon noch mal kurz zurück zu neonreklamen: ich halte mich für unanfällig gegenüber ddr-ostalgie. die zone war trist und grau. aber gerade um das zu kaschieren (und obwohl es nichts zu bewerben gab), entstanden damals einige grandiose stilblüten an neonreklamen, die es meines erachtens zu erhalten gilt.
    das betrifft nicht nur die "löffelfamilie" und den "blauen mond" auf dem wintergartenhochhaus. sondern auch die geradezu kindlich-naiven leuchtbänder auf den alten brühl-platten, welche in einem eingemauerten land dennoch weltoffenheit versprühen sollten. meines erachtens werden die "höfe am brühl" erst dann fertig gestellt sein, wenn diese neonschriften endlich (und vertragsgemäss) von den dächern leuchten.

    dr. jürgen schneider wollte thiemes hof in ein einkaufs- und geschäftszentrum verwandeln. als es mit seinen eigenen geschäften bergab ging, nahm der zampano auf das grundstück noch bis zum anschlag hypotheken auf.

    gerade diese grundstückshypotheken verhinderten später eine wirtschaftlich tragfähige sanierungslösung für den immer weiter verfallenden komplex. der nachfolgeeigentümer mib ging pleite, einzelne gebäudeteile stürzten ein.

    und um den bogen zu den wohnungspreisen zu spannen:
    auch dieses beispiel zeigt mal wieder, dass man wohnungen einerseits nicht unter ihren bau- bzw. sanierungskosten anbieten kann, und andererseits auch nicht über jenen preisen, welche die käufer bereit sind zu zahlen.

    wer in czermaks garten einziehen wird, tut dies freiwillig. weil er die wohnung schön findet und sich die preise leisten kann. (und vorher war dort brache, also wurde nicht mal jemand "gentrifiziert".) von daher halte ich eine diskussion über die preise für unsinnig.

    wer sich ein häuschen bauen will, baut sich eins.
    wenn das innerhalb der stadt nicht möglich wäre, dann ausserhalb.
    und das würde dann unter anderem zu noch weiteren wegen und noch mehr verkehr führen.

    zum konzept: schaut mit seiner gliederung in 3 bereiche ganz gut aus. das beste sind meines erachtens die kleinen pfade, welche zwischen den grundstücken hindurch auf die grünachsen führen.

    Stahlbauer: volle zustimmung.

    ganz allgemein (und ausdrücklich nicht auf forumsteilnehmer gemünzt):
    bis vor ein paar jahren wurde noch eine "perforierung der stadt" durch abrisse beklagt. einerseits wegen ihrer auswirkung auf das stadtbild, andererseits, weil dadurch lärm und staub in innenhöfe eindringen und ganze wohnlagen irreparabel unattraktiv machen würden.
    als notlösung wurden damals verschiedene formen der zwischenbegrünung ausprobiert.

    nunmehr setzt eine neuverdichtung durch wiederbebauung der grundstücke ein. prompt werden solche - nie für die ewigkeit gedachten - hundeklos mancherseits zu angeblich wertvollen biotopen hochgejazzt.

    wenn man die ausgangsdiskussion bedenkt, kann man sich darüber gleich doppelt wundern. und damit könnte man es im grunde auch belassen...