Beiträge von Smuerre

    Zum Thema Loux kann ich mich „Ziegel“ nur anschließen. Fraglich ist für mich jedoch der Formatwechsel der Fenster im Erdgeschoss. Wie leicht wäre es gewesen, diese Zone im Erdgeschoss anders zu behandeln als den Rest des Gebäudes – schon wäre der Unterschied deutlich weniger aufgefallen und hätte eine gewisse Logik erhalten. Das hätte der Fassade insgesamt mehr Ruhe und Kohärenz verliehen.

    Und da nun zumindest gestern im Bundestag der „Bauturbo“ beschlossen wurde, müssen wir uns künftig ja keine Sorgen mehr um Maßstäblichkeit und Einfügung machen. Ich denke die Telefone in der Verwaltung laufen schon heiß – Ironie aus.

    Ich habe ja lediglich versucht, die rechtlichen Grenzen des § 34 BauGB aufzuzeigen – aus meiner Sicht kommt dieser Aspekt in diesem Forum oft zu kurz (meine persönliche Meinung). Das soll allerdings nicht die häufige Leidenschaftslosigkeit vieler in Leipzig tätiger Architektinnen und Architekten rechtfertigen. Was hier stellenweise gebaut wird, ist gestalterisch teils erschreckend schwach und zeugt von einer zunehmenden Unlust, überhaupt noch einen Stift in die Hand zu nehmen und sich ernsthaft Gedanken zu machen, bevor der erste Strich aufs Papier gesetzt wird.

    Potsdam hat nach meinem Kenntnisstand seine schützenswerten Stadtgebiete durch Gestaltungssatzungen geregelt – ein Instrument, das übrigens auch die Sächsische Bauordnung vorsieht. Um solche Satzungen aufzustellen, braucht es jedoch erstens den gestalterischen Willen und die Kapazitäten in der Stadtverwaltung, zweitens das Durchhaltevermögen, um die unvermeidlichen Stadtratsanträge zu überstehen, und drittens einen langen Atem, um die anschließenden Klagewellen der Bauwilligen auszuhalten.

    Die Stadt Leipzig hat glaube ich nur eine entsprechende Satzung und diese liegt auf der Innenstadt innerhalb des Rings.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Es wäre aber herrlich und würde geradezu für Panik unter der Architektenschaft sorgen, wenn auch mal die Norm, dass sich ein Bau nach § 34 BauG "in die Eigenart der näheren Umgebung einfü[gen]" muss, ernsthaft Teil der Genehmigungsprüfung würde.

    Naja, ich würde an dieser Stelle einmal frech unterstellen, dass sich dieser Neubau sehr wohl in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt – zumindest, wenn man die Maßstäbe des § 34 Abs. 1 BauGB zugrunde legt.

    Über das Treppenhaus ließe sich bei genauerem Hinsehen sicher streiten, insbesondere im Hinblick auf das Kriterium der überbaubaren Grundstücksfläche. Insgesamt sehe ich hier jedoch keine planungsrechtlichen und seriös begründbaren Versagungsgründe.

    Der § 34 BauGB enthält bekanntlich keine Vorgaben zur Gestaltung eines Gebäudes, weshalb es der Gemeinde freisteht, eine entsprechende Planung oder Gestaltungssatzung zu erlassen – sofern ein bestimmtes Erscheinungsbild gewollt ist. Solange sich ein Neubau innerhalb der dort genannten Beurteilungskriterien bewegt, ist aus planungsrechtlicher Sicht zwingend eine Baugenehmigung zu erteilen.

    Auch das häufig bemühte Argument, das „Ortsbild“ dürfe nicht beeinträchtigt werden, halte ich in diesem Zusammenhang für wenig tragfähig. Nach allgemeiner Rechtsprechung setzt dies zunächst das Vorhandensein eines einzigartigen und schutzwürdigen Ortsbildes voraus – eines Ensembles also, das so einheitlich und harmonisch ist, dass es tatsächlich beeinträchtigt werden könnte.

    So etwas mag man vielleicht in der Altstadt von Wernigerode oder vergleichbaren Orten finden, doch in Leipzig, selbst im Waldstraßenviertel, fehlt mir hierfür ehrlich gesagt die Fantasie. Die bisherige Genehmigungspraxis hat dort schließlich schon zahlreiche architektonische Fremdkörper hervorgebracht.

    Danke für die aktuellen Bilder! Ich bin neulich selbst vorbeigelaufen und muss sagen: Der Vorplatz an der Dieskaustraße tut in seinem jetzigen Zustand schon richtig gut. Auf den Sitzstufen hielten sich tatsächlich Menschen auf – und das sogar an einem Sonntag. Ich bin gespannt, wie es nach der endgültigen Umgestaltung und der neuen Straßenführung wirken wird.

    Kunst am Bau? Nun ja, die Ringe wirken fast schon wie ein kleiner Vorgeschmack auf die Olympiabewerbung ;)

    Die aktuelle Bepflanzung ist insgesamt gelungen, und ich freue mich schon darauf, wenn bald auch die Bäume richtig groß werden.

    Was mich allerdings bis heute stört, ist die merkwürdige Abtreppung im Dachgeschoss der Nordfassade. Sicher, da wurde Material gespart – aber gestalterisch ist das ein Graus, zumal man diese Seite auf dem Weg nach Süden immer im Blick hat.

    Mit dem Fassadenmaterial selbst kann ich gut leben, auch wenn eine heterogenere Gestaltung – wie in den Visualisierungen angedeutet – sicher charmanter gewesen wäre.

    Alles in allem ist dort schon ein ziemliches „Ufo“ gelandet, aber WOLTERECK FITZNER Architekten haben insgesamt einen guten Job gemacht.

    Ein herzliches Hallo an alle,

    nach längerer Zeit des stillen Mitlesens möchte ich mich heute mit meinem ersten Beitrag einbringen. An dieser Stelle: Vielen Dank für die fundierten Diskussionen an den verschiedenen Stellen, welche mir in den vergangenen Jahren wertvolle Einblicke ermöglicht haben.

    Ich teile die zuvor geäußerte Einschätzung weitgehend. Das Dialogverfahren war eine seltene Chance, eine ehemalige Industriebrache städtebaulich neu zu qualifizieren. Über die Zweckmäßigkeit einer privaten Schulnutzung lässt sich sicher streiten, ebenso über die LVZ-Berichterstattung, die zuletzt deutlich ambivalenter wurde.

    Ein Konzept mit einem Drittel gestalteter, hochwertiger Freifläche in Kombination mit Bebauung hätte meiner Ansicht nach spürbaren Mehrwert für den Stadtteil geschaffen – deutlich mehr, als es die Flächen derzeit leisten.

    Die aktuelle Situation ist bekanntlich durch Aufschüttungen aus dem Flughafenbau sowie Keller- und Altlastenflächen geprägt. Großbäume können sich dort kaum entwickeln, weshalb die ökologische und freiräumliche Qualität aus meiner Sicht sehr begrenzt bleibt.

    Gerade im Sinne der doppelten Innenentwicklung ist daher Qualität wichtiger als Quantität: Ein professionell geplanter Park auf Teilflächen könnte ökologisch wie sozial viel mehr leisten, während eine gut eingebundene Bebauung die städtebauliche Struktur sinnvoll ergänzen würde.

    Das die Stadt Leipzig daran interessiert ist, Lösungen zu entwickeln, zeigt das (meines Erachtens gelungene) Beispiel der Entwicklungsperspektive für die Flächen an der Kuhturmstraße, deren Potenziale bislang leider nur eingeschränkt ausgeschöpft sind. Gleichwohl die Situation hier einfacher war, da die Fläche im Eigentum der Stadt gelegen sind.

    Ich freue mich darauf, künftig aktiv mitzudiskutieren.