Rhein-Main-Link
oder : irgendwoher muss der Strom für die schicken Rechenzentren ja kommen..
Nachdem es in den letzten Jahren ja sporadisch Zeitungsartikel über den Verlauf der Trasse gab (oder wo die Trasse nach Ansicht der Kommunalpolitik auf keinen Fall verlaufen soll), hat der Bauherr Amprion inzwischen die Trasse, mit der er in das Planfeststellungsverfahren gehen will, zwischen Eppstein und Riedstadt 'flurstückgenau' festgelegt. Entsprechend ist man Anfang März damit zwischen Wiesbaden, Hofheim und Hochheim auch schon auf Roadshow gegangen.
Da es zu dem Thema hier im Forum bisher kaum etwas gibt, erstmal eine Zusammenfassung von der Webseite von Amprion ( Link: amprion.net/Netzausbau/Unsere-Projekte/Rhein-Main-Link/ ).
Rhein-Main-Link ist ein 'Energiekorridor' und soll im Endausbau eine Leistung von 8 GW Windstrom von der Nordsee-Region ins Rhein-Main-Gebiet und Rhein-Neckar-Gebiet bringen können.
Zu diesem Zweck werden auf dem größten Teil der Strecke vier 525 KV Gleichstromleitungen nebeneinander verlegt - jede Leitung überträgt 2 GW.
Dabei besteht jede einzelne Leitung aus drei Erdkabeln - Plus, Minus und Rückleiter ( Reserve ?) - Kabel. Also insgesamt 12 Kabel parallel.
Jedes einzelne Kabel hat einen Durchmessser von 14 - 16 cm und ein Gewicht von 40 - 60 Kg pro Meter.
Geliefert werden die Kabel auf Spulen in so etwas über 1 Km Stücken - das gibt eine Menge Schwertransporte.
Da das übrige Stromnetz ja auf Wechselstrom ist, braucht man Netzverknüpfungspunkte (NVPs) - vulgo Konverter, die aus Wechselstrom Gleichstrom machen und umgekehrt. Fünf davon sind vorgesehen - im Norden einer so grob südlich des Jadebusens, wo die Leitung wohl auch mit aus der Nordsee kommenden Gleichstrom-Kabeln verknüpft werden soll.
Im Süden sind es vier - zwei im Rhein-Main-Gebiet ( Kriftel und Hofheim-Marxheim). Die beiden anderen südlicher. einer im Bereich Hessisches Ried ( Umgebung von Gernsheim/ Biblis ) und einer in Bürstadt ( wo ehedem das KKW Biblis mal 2,6 GW eingespeist hat ).
Der Flächenbedarf eines solchen NVPs wird mit 10 ha angegeben. Der im Norden wird vermutlich größer sein, da er ja vier Leitungen versorgt.
Der Kostenrahmen für das gesamte Projekt wird mit 15 Mrd. EUR + X angegeben.
Bauverfahren:
Bei der ( wohl noch billigere ) offene Bauweise gräbt man einen Graben von 1,8 Meter Tiefe und 5- 6 Meter Breite pro Leitung. Die Leerrohre für die Kabel werden dann in Flüssigboden in 1.4 - 1,6 Meter Tiefe verlegt. Insgesamt braucht man temporär 65 - 75 Meter Breite für Baustrassen und den Bodenaushub. Was man hinterlässt, ist ein Schutzstreifen von 30 - 40 Meter Breite mit eingeschränkter Nutzbarkeit.
Bauen darauf ist tabu, aber auch Bäume und alles, was tiefe Wurzeln hat wie etwa Weinstöcke. Betroffene Landwirte sind skeptisch, wie weit sich dies landwirtschaftlich nutzen lässt. Zum einen wegen dem Flüssigboden, der halt auch Zement enthält (einen tragfähigen Untergrund braucht man bei den Kabelgewichten schon). Zum anderen haben diese Kabel natürlich auch einen Widerstand und erwärmen den Boden um 1 - 2 Grad.
Muss man die Kabel tiefer verlegen, etwa um Verkehrstrassen, Gewässer oder schützenwerte Gebiete zu durchqueren, greift man zur geschlossenen Bauweise.
Dies ist entweder die Horizontal Directional Drilling (HDD) - Methode, mit der man so bis einen Kilometer kommt.
Weiter wohl nicht, weil man ansonsten die Kabel nicht mehr in die Leerrohre eingezogen bekommt, ohne sie über die Streckgrenze zu bringen.
Wenn es denn weiter als einen Kilometer sein muss, greift man zu Methoden des Tunnelbaus.
Zeitplan: nach Link hessenschau.de/wirtschaft/rhein-main-link-verlauf
Im Laufe des Jahres 2026 möchte man die Planfeststellungsunterlagen für alle hessischen Abschnitte fertigstellen, um in 2028 mit den Bauarbeiten anfangen zu können. Vorab laufen aber schon Baugrund-Erkundungen.
Ab 2033 sollen dann die ersten zwei Gigawatt aus Windparks durch die Leitungen nach Bürstadt (Bergstraße) fließen.
Die Leitung nach Hofheim-Marxheim (Main-Taunus) soll 2035 fertig sein. Die Inbetriebnahme der Leitungen nach Kriftel (Main-Taunus) und Biblis (Bergstraße) ist für 2039/2040 geplant.
Man will allerdings alle vier Leitungen auf einmal bauen - wobei dann halt für die später vorgesehenen Leitungen nur die Leerrohre verlegt werden.
Verlauf der Trasse : Link (https://www.amprion.net/Netzausbau/Uns…_zugangsabfrage)
Von södlich des Jadebusens südöstlich durch Niedersachsen ( drei Planfeststellungsabschnitte ). In der Gegend von Hameln schwenkt der Verlauf auf süd-südwest und geht durch das östliche NRW ( ein Planfeststellungsabschnitt ).
Hessen ( sechs Planfeststellungsabschnitte ) wird im Kreis Waldeck-Frankenberg erreicht - dann geht es Richtung Süd östlich an Gießen vorbei.
Zwischen Butzbach und Bad Nauheim geht es dann wieder Richtung Südwest - durch den nördlichen Hochtaunus-Kreis und den östlichen Zipfel des Rheingau-Taunus-Kreises.
Der Main-Taunus-Kreis wird bei dem Eppsteiner Stadtteil Niederjosbach erreicht. Dann geht es westlich von Bremthal ( zu Eppstein ) und Wildsachsen ( zu Hofheim ) weiter Richtung Süd.
Zwischen Wildsachsen und Breckenheim ( zu Wiesbaden ) sollen dann die Leitungen nach Kriftel und Hofheim-Marxheim abzweigen - die Hauptleitung quert die A3 und auch die Schnellbahntrasse, die ja in der Gegend im Tunnel verläuft.
Weiter geht es zwischen Wallau und Nordenstadt, westlich an Delkenheim vorbei Richtung Hochheim.
In Hochheim hatten ja die ersten Planungen, die vorsahen, daß man sich in der offenen Bauweise quer durch die Weinberge arbeiten wollte, für einigen Aufruhr gesorgt. Inzwischen will man die Weinberge zwischen Kostheim und Hochheim in der geschlossenen Bauweise queren. Dann geht es über die Mainwiesen Richtung A671-Mainbrücke, bei der der Main untertunnelt wird.
Die Trasse folgt dann der Linie A671, Mainspitz-Dreieck und A60, die zwischen Ginsheim und Bauschheim gequert wird.
Dann geht es weiter Richtung Trebur, was östlich umgangen wird, bis zu den Riedstädter Stadtteilen Wolfskehlen, Goddelau und Crumstadt - so etwas östlich des Kühkopf.
Persönliches Fazit:
Das gibt für das westliche Rhein-Main-Gebiet Baustellen, die mit dem Bau der Schnellbahnstrecke nach Köln in den 90ziger Jahren vergleichbar sind. Allerdings wird man nachher weniger davon sehen.
Ob der Baubeginn tatsächlich 2028 sein wird ? Man mag es bezweifeln..