Beiträge von RMA

    Man kann an den wenigen neuralgischen Punkten ja auch sehen, wie gut entsprechende Angebote angenommen werden, siehe etwa das Fischerplätzchen mit dem Langosch, dem Moloko oder dem Naiv – in dieser Intensität stelle ich mir altstädtisches Leben vor und so kennt man es auch aus intakten Altstädten. Im ganzen Quartier zwischen Fahrgasse bis hin zum Ex-Degussa-Areal ist es aber ansonsten eine einzige hochnotpeinliche Wüstenei, wo bis auf wenige Ausnahmen um 22.00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt sind. Das mag der Zweck neo-biedermeierlicher Vorstellungen der 1950er Jahre gewesen sein, es passt aber nicht mehr in das hier und jetzt.


    Dem, was Schmittchen sagt, ist wenig hinzuzufügen. Minimalforderung darf flächendeckende gewerbliche Nutzung der Erdgeschosse im Altstadtbereich sein, was ohne Neubau überwiegend nicht machbar sein dürfte. Und anstatt die halbe Innenstadt mit Baumreihen, Grünanlagen, Radwegen und Spielplätzen zu tapezieren, was im genannten Areal den Spießigkeitsfaktor noch erhöht sollten sich die verantwortlichen Politiker lieber einmal Gedanken machen, was wirklich vonnöten wäre. Bei dem ganzen Konzept ist schwer zu glauben, dass es von einer Partei verantwortet wird, die mal gegen das Establishment Sturm lief. :nono:

    Erstaunlich finde ich ja, dass man bei den E-Kinos nur um- und nicht neu baut bzw. nach gelten Bauvorschriften letzteres sogar muss. Die Bausubstanz sieht unglaublich marode aus, im Erdgeschoss scheint man den Maßen nach sogar Ziegel der Vorgängerbauten wieder verwendet zu haben.

    Hm, Schöne Aussicht 10 gibt es gar nicht, Schöne Aussicht 9/10 ist ein Doppelhaus. Die Parzelle ist historisch und wurde gegen 1810 erstmals bebaut, Vorkriegs-Hausnummer 9, auch wenn das Gebäude bis auf das Erdgeschoss herab (im Gegensatz zu den östlichen Nachbarhäusern) ein Neubau der Nachkriegszeit sein dürfte, eventuell wurde aber der alte Keller inkorporiert.

    Die Kritik bezüglich des fehlenden Wetterschutzes und des merkwürdigen Dachaufbaus kann ich schon teilen. Da ist Design über Funktion gegangen – gerade in Anbetracht des Vorgängerbaus mit seinen Arkaden schade. Beim Dach frage ich mich auch, wie da manches funktionieren soll, gerade wenn ich an so Starkregen wie erst gestern nachmittag denke, derer es in der Lebensdauer dieses Objekts sicher nicht weniger geben wird.


    Die Gliederung ist derweil recht klassisch, lobenswert horizontal und vertikal regelmäßig und sogar mit angedeutetem Mezzanin mittels der Attika. Leider ist die Seite zur Liebfrauenstraße so einfallslos wie bei einem Parkhaus, glücklicherweise ist der Rest nicht so geworden. Die Steinfassade zumindest zur Nordwestecke pilasterartig herunterzuziehen hätte der Gesamtwirkung aber in der Tat gut getan. Gerade an dieser Stelle ist es für das Auge irritierend, dass das Gebäude in der Luft hängt.


    Die Passage schließlich ist in meinen Augen mit die größte Verbesserung gegenüber dem Vorgänger, der an dieser Stelle typischen Nachkriegsmief ausstrahlte und in der Dimensionierung mittlerweile für die Zeil völlig unangemessen war. Dagegen ist die neue Passage architektonisch auf der Höhe der Zeit und harmoniert auch hervorragend mit der neuen Straßenoberfläche der Zeil.

    Das Astor ist außerdem weit davon entfernt, ein OV-Kino zu sein. Für mich passt deren cineastischer Anspruch auch irgendwie nicht damit zusammen, ein derartig kleines Angebot an OV-Filmen zu haben. Und damit meine ich jetzt nicht speziell englische Filme, sondern generell den Vorzug von (ggf. untertitelten) originalen Sprachfassungen – wie es vielerorts im Ausland die Regel darstellt.

    Ich habe mir das Ganze heute auch von nahem angucken können, die bisherige handwerkliche Qualität der Ausführung ist wirklich rotzerbärmlich. Neben zunehmenden Gruselentwürfen irgendwie symptomatisch für die Geschichtsvergessenheit der Post-Schwarz-Ära, dass man derart mit einem Bauwerk umgeht, dem Frankfurt am Main im weitesten Sinne seine Existenz verdankt.

    Und wieder eine Chance vertan, die Dachlandschaft zu verbessern – siehe Vordergrund gegen Hintergrund. Auch sonst bleibe ich trotz hochwertiger Materialität und handwerklicher Qualität im Detail dabei, tolle Architektur sieht anders aus. Kubatur und Gliederung würde ich bestenfalls als langweilig bezeichnen.

    Was für eine grandiose Idee mit der Änderung der Bebauungspläne, dann wäre das, was im Westend vor bald 50 Jahren passiert ist Kindergeburtstag anbetrachts der nicht vorhandenen Qualität des zeitgenössischen Geschosswohnungsbaus. Endlich würden dann auch die letzten flächenhaft erhaltenen Altbauviertel der Stadt ruiniert. Tokyo ahoi...

    Die orangen Fliesen waren nicht retro, das war der bauzeitliche Zustand im Geschmack der Entstehungszeit des Tiefbahnhofs, also der späten 1970er Jahre. Der Zustand bis jetzt entsprach also vielmehr dem Wohnzimmer von Mutter oder eher schon Großmutter, in dem immer noch die Lavalampe steht...

    Das Haus Antonstraße 12 gehörte stilkritisch in die Zeit um 1825, also wohl die erste Schicht der Bebauung nach der Entfestigung. Derartige Sanierungen auf Westniveau sieht man bei euch selten, umso mehr fällt es hier auf.

    Und damit fällt ein weiteres wirklich und an der Stelle wohl auch problemlos erhaltenswertes Gebäude der Nachkriegszeit in Frankfurt am Main – aber Hauptsache, der Denkmalschutz ist mit Bundesrechnungshof und pseudointellektuellem Zeitschichten-Bullshit beim Senckenberg-Museum beschäftigt. :nono:

    Das Gebäude weckt Assoziationen an die 1964 in Chicago errichteten "Marina Towers" bzw. "Marina City" in Chicago (179m), die ihrer Zeit voraus waren und zum Landmark wurden. In Augsburg wurde 1972 bei dem 115m-Hotelturm ein ähnliche Maiskolben-Formensprache aufgegriffen. In dem Gebäude steckt also mehr Chicago als Miami.


    Danke für diese Hinweise. Diese Gebäude waren ihrer Zeit in der Tat um Jahrzehnte voraus, erstaunlich, dass die Architektur der 1970er Jahre dann auf breiter Front einen so völlig anderen Weg eingeschlagen hat. Das Augsburger Beispiel kannte ich noch gar nicht, es ist soeben zu meinem Lieblingshochhaus (gut, mit dem IBCF) der 1970er Jahre in Deutschland avanciert.


    Das wahre Vorbild von Kaminiarz & Cie scheinen aber in der Tat die Marina Towers zu sein. Dass der Architekt Bertrand Goldberg Anfang der 1930er Jahre in Deutschland am Bauhaus studierte, bevor er von den Nazis aus dem Land gejagt wurde, zeigt wieder mal, wie tief die Nachwirkungen der unseligen 12 Jahre bis heute sind. Hinsichtlich des Materials der Marina Towers ist leider nichts herauszufinden, den Bildern nach scheint es sich einfach um einen hellen Anstrich einer Sichtbetonfassade zu handeln.

    Wo Du recht hast... Könnte aber auch sowas wie die Fassade vom LEO sein.


    An den „Textilbeton“ des LEO dachte ich spontan auch. ;) Theoretisch könnte es aber auch Carrara-Marmor (Prä-Facelift BHF-Bank ahoi) oder ein weißer (z. B. Mount Airy) Granit sein. Wenn man den jetzt zur Verfügung gestellten größeren Renderings halbwegs vertrauen kann, sieht man definitiv keine Verfugung einer Verkleidung, was tatsächlich auf eine spezifische Sichtbetonfassade hindeutet. Dennoch müsste diese mit einer Art Folie überzogen oder lackiert sein, um eine derartige Wirkung zu erzielen. Gibt es dafür (ggf. auch international) Vergleichsbeispiele?

    Ich weiß nicht, wenn man die Fassade sieht, scheint es schon konzeptuell zu sein, dass die großen Flächen wie eine Art Leinwand die Umgebung wiedergeben. Bei einer größeren Höhe und damit verbundenen vertikalen Streckung der Fassaden wäre dieser Charakter wohl verloren gegangen, zumal diese an sich ja jetzt nicht besonders aufregend ist. Abgesehen davon ist das Gebäude auf weiter Flur das Höchste und wird dies wohl auch für lange Zeit bleiben, weswegen es trotz der relativ geringen vertikalen Entwicklung klar als landmark hervortritt.

    Sehr gut, endlich mal wieder ein Hochhausentwurf mit Qualität, nachdem letztere in jüngerer Zeit stetig den Bach runterging. Ein schönes in your face an all die Greisenbüros, die meinen, den Grusel der 1970er Jahre aus ihrer Jugend nun wiederbeleben zu müssen. Von mir aus hätte an dieser Stelle die Grundstruktur sogar noch eine Nummer weniger linear sein können, aber sowas ist vermutlich nur bei überwiegend gewerblich angelegten Hochhäusern mit differenzierterer Nutzung möglich.


    Was ich mich frage, das dominierende Weiß der Fassade, was soll das denn für ein Material sein? Es kann sich ja hier eigentlich nur um eine Art Beton handeln, oder?

    Das Problem ist hier, dass die völlig autonom agierenden Entscheidungsträger eine winzige Gruppe von Leuten sind, auf die aufgrund des Stiftungscharakters de facto kein Einfluss genommen werden kann. Das stellt eine Besonderheit dar, die man so wahrscheinlich nicht einmal in der Freien Wirtschaft vorfindet. Auf äußerst unglückliche Weise fällt dies mit der Wahl des Architekten sowie dem zuständigen Denkmalpfleger zusammen, die theoretisch Schulfreunde sein könnten. Dadurch hat das ganze Projekt eine ähnliche Legimitation wie die Olympiabauten in Sotschi.


    Wenn ich allerdings sehe, was manche der Mitglieder der Senckenbergischen Stiftung respektive die ihnen zugehörigen Firmen und Organisationen an anderer Stelle für die Stadt schon Gutes getan haben, frage ich mich, wie sie spätestens mit den jetzt zu sehenden Visualisierungen noch ruhig schlafen können – wenn sie sie denn gesehen haben.

    Das Amtsblatt Nr. 7 / 2014 vom 11. Februar 2014 enthält auf Seite 132 eine Ausschreibung des Hochbauamtes bezüglich „Staufenmauer, Fahrgasse – Restaurierung von Mauerwerk –“ respektive der Leistung „Restaurierung von Mauerwerk ca. 38 m lang, 7,5 m hoch Mauerstärke ca. 1 m, vorderseitig Vollbearbeitung, hinterseitig Teilbearbeitung“. Als „Beginn der Ausführung“ wird der 12. Mai 2014 genannt, weswegen der Gerüstaufbau sicher dieser Maßnahme zugehörig ist.


    Die von dir angesprochene Umgestaltung ist Teil des Programms „Schöneres Frankfurt“, das bis in das Jahr 2009 zurückreicht und gegenwärtig bis einschließlich 2014 budgetiert ist. Die spezifische Planung findet sich hier (vgl. Anlagen mit Plänen & Visualisierungen). Leider weist PARLIS den Mangel auf, dass es keine Versionsgeschichten oder Diff-Links gibt, zumindest war die letzte Aktualisierung des Sachstands am 21. April 2014, was zumindest nahe legt, dass die Restaurierung der Mauer mit der Gesamtplanung in Zusammenhang steht.