Beiträge von Gutmensch

    Der ganze Potsdamer Platz ist doch für'n Ar***. Er ist und bleibt ein Retortenbaby. Man wird den Platz wohl über die Jahrzehnte integrieren müssen. Also mal hier und da etwas abreißen und verändern, damit er halbwegs in der Stadt ankommt und als normal wahrgenommen wird.

    Der Name "The Playce" hilft da nicht gerade. Ähnlich intelligent wie "The Mynd" am Alex. Das mit September als Eröffnungstermin scheint aber schon länger klar zu sein.

    Eine der größten Schwachstellen des Potsdamer Platzes ist die Gabriele-Tergit-Promenade, die ich immer scherzhaft "Hitlers Westwall" nenne. Dort könnte man mit wenig Mitteln viel erreichen. Das Grundkonzept als Chillout-Zone ist gar nicht mal so schlecht. Aber weg mit dem Westwall. Dafür eine fußgängerfreundliche Grünanlage und zwei bis drei Gastro-Pavillions über die ganze Strecke verteilt, wo man es sich gemütlich machen kann. Und noch ein kleiner Spielplatz für Kinder. Die Wippen kommen weg. Warum sind die eigentlich kein Fanal für die Einheitswippe?

    Man muß sich schon fragen, was sich die Stadtplaner bei dieser Promenade gedacht haben. Ein bißchen herrichten und schon ist der Potsdamer Platz viel besser inszeniert.

    Warum hat man dazumalen den Platz nicht geschlossen? Warum hat man diese Lücke am früheren Bahnhof freigelassen? Der Potsdamer Platz ist ein typisches Beispiel für die Hirngespinste moderner Architekten. Ein Stadtviertel ist eben kein Event oder Marketing, sondern funktioniert gewissermaßen nach ehernen Gesetzen. Das Haus von David Chipperfield nahe dem Tiergarten ist eines der wenigen, wo man das Gefühl hat, in einem normalen Stadtviertel zu sein. Man hätte auf dem gesamten Areal ein paar mehr Vertreter der klassischen Moderne hinpflanzen sollen. Dann würde der Platz auch legitimer wirken. Und die drei vorhandenen Vertreter direkt am Platz hätten etwas weniger amerikanisch ausfallen können.

    So schön diese Architektur auch ist, in Berlin wirkt sie irgendwie fremd und exotisch.

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    Die Architektur war nicht böse, sie war zu der Zeit ja sogar revolutionär und weltweit beachtet.

    Nur die Auftraggeber waren halt Ar*******er.

    Sind hier einige wieder im Axel-Springer- und McCarthy-Modus?

    Die Auftraggeber von Architektur in der Nazizeit, im Kaiserreich und in Preußen waren nach dieser Definition auch Arschlöcher. Trotzdem wird die gute und historisch wertvolle Architektur aus dieser Zeit zu Recht erhalten. Gleiches gilt für die Pharaonen und die Pyramiden.

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    Per Definition ist ein Staat der solche Gewalt gegen sein eigenes Volk anwendet ein Terror-Staat.

    Von daher ist der politische Wunsch den Bestand der Bebauung aus dieser Zeit der kommenden Bebauung überzuordnen mindestens zu hinterfragen, zu diskutieren und in Kontext zu stellen.

    Die DDR war eine progressive, sozial ausgerichtete Diktatur, kein Terrorstaat. Das sind/waren z.B. Libyen oder die USA. Man denke nur an das Drohnenprogramm.

    Ich bin immer wieder schockiert über dieses primitive Weltbild der kalten Krieger.

    Die Hochhauspläne am Alex muß man dialektisch sehen. Denn aktuell sind ja zumindest zwei 150er vorgesehen. Von daher ist es angemessen, auch 130er zu bauen und das Hotel Stadt Berlin nicht zu deklassieren.

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    Man darf auch ruhig mal akzeptieren dass andere die Fernsehturm Argumentation nich nachvollziehen wollen.

    Mir ist die Sichtbarkeit des Turms ziemlich egal. Ich brauche ihn nicht um zu wissen dass ich in Berlin geboren bin und lebe.

    Du wirst dich wundern, aber die meisten anderen hier werden den Fernsehturm ebenfalls nicht brauchen, um zu wissen, wo sie leben.

    Aber seine Sichtbarkeit von neuralgischen Punkten hat schon einen gewissen Wert. Ich persönlich wäre voll zufrieden, wenn man neben den 130 und 150 Metern auch noch 140-Meter-Türme etabliert. Dann hat man die perfekte Welle. :)

    Der Alexanderplatz und Umgebung sind nun mal DDR und Ostberlin pur. Diese Ästhetik sollte man nicht leichtfertig aufgeben, um einen x-beliebigen Busineß- und Konsumdistrikt zu schaffen. Vielleicht sollten sich die "Unrechtsstaatler" mal etwas genauer mit der DDR und BRD auseinandersetzen. Dann kommen sie vielleicht auch besser mit dem Alex klar.

    Bin immer wieder fassungslos, wie man solche Argumente vor sich selbst durchgehen lassen kann. Der Brunnen wird eben örtlich rekonstruiert. Man muß hier nicht den sprachlichen Erbsenzähler spielen. Es ist klar, worum es geht. Oder glaubst du im Ernst, ich würde das von dir unter "Reko" Suggerierte verstehen? Reko steht in diesem Zusammenhang natürlich für eine Rekonstruktion des Stadtbildes.

    Vom Russengranit wissen ich und vermutlich 99% der Besucher nichts. Die Nachkriegsgeschichte besteht nun mal vor allem darin, daß der Brunnen versetzt und das Schloß gesprengt wurde. Diese Geschichte wird noch einmal ein ganzes Stück unkenntlicher gemacht, wenn man den Brunnen transloziert. Der jetzige Brunnen ist gewissermaßen der Grabstein des alten Schlosses.

    "Biedermeier" ist eine Metapher, keine historische Einordnung. Auch Disney ist eine Metapher - für Künstlichkeit.

    Dieses zweckgerichtete Dummstellen und Verdrehen sind mir immer wieder ein Rätsel. Denn man kann ja gerne für die Translozierung sein. Aber daß hier Ideologie am Werk ist, sieht man sehr schön an der gewollten und herbeikonstruierten Argumentation oben.

    Und natürlich werden durch eine Translozierung die letzten 50 Jahre ignoriert. Wie kann man das nur leugnen?

    Zur Realsatire wird für mich aber dieses Zitat:

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    Aber das vom Senat "Rathausforum" genannte Areal wird ja ohnehin umgebaut und postmodern modernisiert - warum sollte man hierbei nicht auch ein Wasserspiel neu entwerfen. Es ist doch pure Nostalgie, sich der Versetzung zu wiedersetzen, die an der Breiten Straße viel größere städetbauliche Wirkung entfalten würde als am RF. Die dominante Achse durch den Fernsehturm wirkt auch ohne Schloßbrunnen und würde auch mit einem anderen Wasserspiel wirken.

    Das erste Argument kann man genauso gut auf einen neuen Brunnen neben dem Schloß anwenden. Auch der Nostalgievorwurf ist hochgradig realsatirisch, da ja gerade die Versetzung realitätsfremd ist und ein altes idyllisches, orthodoxes Schloßumfeld simuliert werden soll.

    Und die größere städtebauliche Wirkung hat der Brunnen nun mal mehr als offensichtlich vor dem Rathaus. Wie kann man das leugnen? Die Gegend an der Breiten Straße ist ziemlich trostlos, und der Brunnen würde dort zur Randnotiz werden. Der Brunnen auf dem Rathausforum wirkt ja auch deshalb so gut, weil man von dort aus perfekt zum Fernsehturm und Roten Rathaus sehen kann.

    Ich kann ja die Traditionalisten ein Stück weit verstehen, aber man sollte nicht derart die Realität verzeichnen. Es ist verräterisch und läßt auf eine gewisse Fixierung schließen, wenn man die Argumente der Gegenseite auf Biegen und Brechen entstellt.

    Ich verstehe nicht, wie man eine idealisierte Vergangenheit/Tradition derartig zum Fetisch machen kann. Ich bin auch sehr für eine Stärkung der Tradition. Aber eben nicht mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste.

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    Nichtsdestotrotz is meine gegenwärtig größte Hoffnung für die Gegend ein zu 100% fassadengetreuer Wiederaufbau der Bauakademie.

    Den halte ich z.B. auch für sehr geboten. Es geht also keineswegs darum, Tradition, da wo sie schön und sinnvoll ist, zu verhindern. Ich bin auch ein Gegner der Wippe. Besser wären die Kolonnaden plus ein kleines modernes Einheitsdenkmal, da wo früher der Wilhelm zu Pferde ritt.

    Ein "Humboldtbrunnen" wäre wohl das Beste für das Schloß, da es ja nun längst kein reines Schloß mehr ist, sondern noch mehr Museum als schon in den Zwanzigern. Die Bedürfnisse bzw. Erfordernisse haben sich eben gewandelt. Jetzt brauchen wir einen Brunnen für ein Museum.

    Hat jemand Ideen, wie man in so einem Brunnen humboldtsche Themen unterbringen kann? Ich kenne mich da mit den Möglichkeiten und historischen Traditionen der Brunnengestaltung nicht aus.

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    Mit dem gleichen Recht auf dem Schloßplatz eine Neuinterpretation des Brunnens zu fordern kann man dies auch für den Platz an dem namenlosen Platz zwischen Marienkirche und Rathaus tun. Hier könnte die Moderne ja viel angemessener zeigen, daß sie solche Bauaufgaben lösen kann. Der amtierende Müllemeister hatte diese Lösungsvariante ja schon angedeutet.

    Das Argument ist prinzipiell richtig. Aber es ignoriert eben die Geschichte nach 1945. Ich hätte erst mal gar nichts gegen diese Option, aber sie ist eben schwächer, da viel mehr Wirbel gemacht wird. Man produziert eine unnötige Entfremdung auf dem Rathausforum. Und warum soll die Moderne nicht am Schloß zeigen, was sie kann? Solche Kontraste sind doch auch viel "erotischer", spannender und passen viel besser in unsere Zeit. Das zeigt sich immer wieder ziemlich eindrucksvoll. Beide Seiten gewinnen durch solche Kontraste, da man sich durch den Gegensatz stärker an der klassischen Schönheit der Gebäude erfreuen kann und gleichzeitig die Moderne stärker strahlen kann, als wenn sie unter sich wäre.

    Beispiele gibt es viele: Reichstag und Kuppel, Zeughaus und Pei-Bau, Gedächtniskirche und Eiermannbauten, Fernsehturm und Marienkirche.

    Ich verstehe ja grundsätzlich die Traditionsfraktion, zu der ich mich letztlich auch zähle. Aber diese Biedermeiersehnsucht am Schloß ist meines Erachtens kontraproduktiv und schafft eine konservative Form von Künstlichkeit.

    Man zerstört mit dieser Variante mehr, als man wiederzugewinnen glaubt.

    Die Linken haben meines Erachtens ein neurotisches Verhältnis zur Vergangenheit, wie man an der Schloßdebatte sah und am Umgang der DDR mit den "Altlasten". Aber ich will jetzt eben auch nicht das neurotische Verhältnis der Konservativen zur Geschichte, die mit Brüchen und der Moderne nicht klarkommen und ohne Rücksicht auf Verluste ein künstliches Altberlin anstreben.

    PS: Warum willst du der Moderne mutwillig Aufgaben zuschanzen, wo bereits eine funktionierende Lösung besteht? Und warum kann die Moderne auf dem Rathausforum angeblich viel angemessener zeigen, was sie drauf hat? Das ist eine willkürliche Konstruktion. Am Schloß kann die Moderne viel besser zeigen, was sie kann. Das Rathausforum ist mit dem Fernsehturm und den Plattenriegeln etc. bereits ziemlich modern. Da schafft der Neptunbrunnen eine angenehme Erdung.

    Und zwischen Schloß und Marstall geht es eben wieder ziemlich historisch zu. Da schüfe ein moderner Kontrast eine neue Spannung. Sorry für die Polemik, aber dieser Reko-Talibanismus zeigt eben sehr deutlich sein Gesicht, wenn ihm etablierte moderne Traditionen und Befindlichkeiten völlig schnuppe sind und man mit aller Gewalt wieder ins historische Märchenland zurück will.

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    Berlin kann notfalls auch gut mit zwei Neptunbrunnen leben. Es gibt ja auch mehrere Zoos, Opern etc. Von wegen Teilung und Wiedervereinigung und so...

    Du hast es erfaßt. Ein guter Einwand. Und man fragt sich erneut, was an Berlin so schwer zu verstehen ist. Berlins spezifische Geschichte ist sein Schatz und seine Identität. Auch in anderen Debatten haben wir ja irgendwelche Zugezogenen aus Villingen-Schwenningen, die wollen, daß Berlin eine "tolle Weltstadt" wird und endlich auch so aussieht wie alle anderen Weltstädte auch.

    Dabei ist an Berlin ja gerade so interessant, daß es so ungewöhnlich ist.

    Die Vorschläge für einen "Humboldtbrunnen" finde ich gut. Das hatte ich auch schon gedacht. Und wo ist überhaupt die Sehnsucht nach etwas Neuem, wie es eigentlich für eine Stadt wie Berlin typisch war? Berlin hat mal Maßstäbe gesetzt. Also sollte man auch mal etwas Neues, Kreatives wagen. Das Thema des Humboldtforums sind ja die außereuropäischen Kulturen. Es wäre also auch ein Brunnen denkbar, der sich darauf bezieht.

    Ein interkultureller Brunnen würde sicherlich auch die Grünen begeistern, für die ja schon das christliche Kuppelkreuz eine enorme Zumutung war. :) Aus derselben Ecke müßten wir dann aber vielleicht auch Rassismus- und Exotisierungsvorwürfe hören. Man könnte Allegorien der Kontinente oder der größten Flüsse der Kontinente in so einem Brunnen unterbringen.

    Also ein Humboldtbrunnen wäre schon etwas. Na ja. Und ich bin wieder mal fassungslos, wie man eine solche Poesie nicht wertschätzen und begreifen kann. Das wäre ja eine wunderschöne Neukomposition des Stadtbildes unter Einbezug der historischen Verwerfungen. Genau so sollte Städtebau sein.

    Man sieht an diesen Debatten, daß es tatsächlich häufig nur um den schnöden Kampf rechts gegen links und umgedreht geht. Das sind sozusagen Stellvertreterkriege, wo sich jede Seite noch mal ihrer Auserwähltheit und moralischen Richtigkeit versichert. Das Gefühl hat man jedenfalls bei manchen Leuten der Translozierfraktion, die mit der Umsetzung auch gleich das schlimme SED-Unrecht etc. wieder rückgängig machen wollen. Das ist sozusagen Kalter Krieg im Städtebau.

    Einige Linksparteileute sind sicherlich ähnlich drauf. Aber die besseren Argumente liegen mehr als offensichtlich aufseiten der Status-quo-Befürworter.

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    Tragen wir nicht alle Riesenrucksäcke voller eigener Vorurteile mit uns herum? Deshalb werden wir in diesem Forum nie einen Konsens erreichen, wohl aber können wir eine respektvolle Neugier auf andere fundierte Standpunkte entwickeln. Jedenfalls werden die Verantwortlichen des Berliner Senats sich weniger mit individuellen Gefühlslagen und Argumenten befassen, sondern schlicht nach Kriterien ihres eigenen Machterhalts entscheiden. Vielleicht gibt es dann allseits akzeptierte Entscheidungen, vielleicht auch hinter den Kulissen Kuhhändel und faule Kompromisse.

    Eine echte Debatte in der realen Welt fand meines Wissens eigentlich noch nicht statt. Und in der Tat wird die Realpolitik entscheiden. Die Linke wird dagegen sein. Die anderen linken Parteien vermutlich auch. Und damit hat sich die Sache schon.

    Anscheinend wünscht man sich in Berlin einen neuen BER. Ich meine, das Ding steht, es funktioniert. Der Schloßplatz sieht kacke aus und sähe mit Brunnen noch merkwürdiger aus. Vor allem, wenn man keinen Ersatz für's Forum hat. Was soll das?

    Das ist typisch deutsch. Realitätsferne Pseudodebatten. Der Brunnen wäre im Moment am Schloß völlig deplatziert, da das Umfeld nicht stimmig ist.

    Wir holen die Siegessäule auch nicht wieder auf den Königsplatz oder wie der früher hieß.

    Nach Artys fulminanter Argumentation müßten wir alles Mögliche zerstören, weil es angeblich keinen Wert hat. Das ist so extrem schlicht. Alle NS-Bauten müßten weg. Die Stalinallee müßte weg. Wer bestimmt den Wert? Sozialistische Bauten sollen ja nicht schön sein, sondern einige sind immerhin doch so gelungen und repräsentativ, daß sie unbedingt erhalten werden müssen.

    Ich kann es wie gesagt verstehen, daß man ein schönes Schloß haben und die Historie wiederhaben will. Man sollte dabei doch aber auch kurz mal den Verstand anschalten, statt einem Reko-Talibanismus das Wort zu reden.

    Das größte Argument für den Neptunbrunnen stellt gerade der Respekt vor dem Schloß und seiner Sprengung dar. Ich will keinen Friede-Freude-Eierkuchen-Städtebau, der die verzwickte Geschichte ausradiert.

    Ich setze mich selber viel mit linkem Gutmenschentum auseinander. Aber rechtes Gutmenschentum ist nicht besser. Das ist nur eine andere Gesinnungsethik.

    ^^ Finde ich an sich ja auch naheliegend. Aber eben nur das. Guckt man genauer hin, bietet sich ein Kompromiß an. Neptunbrunnen bleibt. Schloßbrunnen wird wie auch immer "rekonstruiert".

    Oder willst du auch das Schloßportal vom Staatsratsgebäude reintegrieren?

    Es ist einfach albern - und es kostet. Und es gefährdet die wertvollen Figuren des Brunnens etc.

    Es gibt einfach eine viel bessere Lösung, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.

    Ich begreife es einfach nicht, wie man nicht sehen kann, wie reizvoll ein "Doppelbrunnen" wäre. Das hätte auch etwas von historischer Poesie. Warum muß man so zwanghaft mit Geschichte umgehen? So holzschnittartig?

    Hat hier jemand eine Idee, wie eine sinnvolle Brunnenreplik am Schloß aussehen könnte oder sollte?

    Der Brunnen wird sowieso nie versetzt werden. Das ist meine Prophezeiung. Denn er wäre schlicht langweilig am Schloß. Die meisten Ostberliner und auch manch Westberliner würden das kacke finden. An dem Beispiel zeigt sich mal wieder schön, was Ideologie ist. Und daß man mit plumpem Traditionalismus genauso wenig gewinnt wie mit plumpem Modernismus.

    Auch das Schloß bzw. der Platz würde mit einem neuen Brunnen aufgewertet, da so erst die Bezüge richtig auffallen. Das wäre sozusagen eine gelungene Wiedervereinigung und keine städtebauliche Siegerjustiz. Das Schloß bringt ein traditionelles Megagewicht in die Gegend und wirkt auf mich fast schon ein bißchen zu bieder und langweilig. Da täte ihm ein ironischer Wink an der Seite durchaus gut.

    Ich finde Tradition auch schön, aber sie kann eben auch bieder und spießig wirken - je nach Kontext. Ein neuer Brunnen würde die Sache auffrischen und ein neues Kapitel hinzufügen.

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    Naja - zur Kompensation haben wir ja die National-Sozialismus-Paranoia. Oder was?

    Völlig richtig. Die Linken leiden an Nazi-Paranoia, und die Rechten an Sozi-Paranoia. Du solltest dich mit letzterem Punkt auseinandersetzen.

    Denn du instrumentalisierst dieses Projekt für eine Art Aufrechnerei. Dabei ist das NS-Exilantentum wohl nur sehr schwer mit den DDR-Flüchtlingen vergleichbar, die ja nur nach drüben flüchteten und dort häufig auch Verwandte hatten.

    Es besteht meines Erachtens auch aus anderen Gründen ein viel geringerer Handlungsbedarf für ein "Parallelmuseum" für DDR-Flüchtlinge.

    An alle: Den einen oder anderen Querverweis kann eine Diskussion ruhig aushalten, solange man insgesamt am Thema bleibt. Da müssen sich natürlich alle am Riemen reißen.

    Nach Einsicht der anderen zwei Entwürfe muß ich sagen, daß ich sehr zwiegespalten bin. Sie scheinen alle drei etwas Gutes an sich zu haben. Die stärkste und beste Geste scheint mir diese hier zu sein:

    https://img.cdn.baunetz.de/img/2/6/3/5/6/…b806c2715c.jpeg

    Das wäre ein wirklich neues Gebäude, das die alte Ruine gut in Szene setzt. Das kommt mir irgendwie besser vor als dieser Ruinensolitär beim Gewinner. Zumal wir das Solitärkonzept schon am Breitscheidplatz haben.

    Dieser Entwurf gefällt mir auch:

    https://img.cdn.baunetz.de/img/2/6/3/5/6/…65fd39a390.jpeg

    Weckt lustigerweise Assoziationen an den Palast der Republik.

    Schwierige Entscheidung. Vielleicht kann hier ja noch jemand den erwähnten Japaner-Entwurf ausfindig machen und einstellen.

    Bildquellen: Baunetz

    [mod]Links zu den Bildern korrigiert. [/mod]

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    Wenn das Ergebnis dann aber destruktivistische Hässlichkeit, bürgerliches Unverständnis und absichtsvolle Zerstörung des Geschichtsbewusstseins ist, rate ich dringend ab vor solchen Experimenten

    Genau deshalb lehnst du vermutlich wie ich die plumpe Verlegung des Neptunbrunnens ab. Wer will schon die destruktive Häßlichkeit, die dann auf dem Rathausforum entstünde? Wer will diese absichtsvolle Zerstörung des Geschichtsbewußtseins? Dieses bürgerliche Unverständnis?

    Ich bin froh, dich auf meiner Seite zu haben.

    PS: Schade, daß die Traditions-Pharisäer keinen ganzheitlichen Zugang zum Thema Geschichte haben. Sie begreifen wohl nicht, daß auch nach 1945 Geschichte geschrieben wurde. Wer solch einen selektiven und ideologischen Zugang zum Thema Geschichte hat, kann kein guter Städtebauer sein.

    Da bestehen überraschende Ähnlichkeiten zum sozialistischen Städtebau, der pauschal auch eine Geschichtsepoche denunziert und degradiert hatte. Und auch diese Leute sind damit nicht wirklich durchgekommen und haben Kirchen und andere Repräsentationsbauten stehen lassen und in den Achtzigern leicht umgesteuert. Die reine Lehre war dann eben doch etwas weltfremd.

    Ich hingegen möchte einen ganzheitlichen Städtebau, ich bin also auch für eine Wiedergewinnung des Schloßplatzes - nur eben nicht so derartig plump und destruktiv wie die Translozier-Fraktion. Auch ich bin sehr für Ästhetik, aber eben nicht wie eine biedermeierliche Spießerästhetik.

    Ein Schloßbrunnen 2.0, ein Fortsetzungsbrunnen wäre spannend. Im Zeitalter von Netflix scheint das sowieso geboten. :) Man könnte die Figuren auf dem Brunnen durchaus in modernen Sinnzusammenhängen zeigen. Es könnte auch einen Wettbewerb (unter Kindern) geben, was die neuen Figuren machen oder darstellen sollen.

    Man kann Geschichte auf viele verschiedene Weisen wieder zurückgewinnen. Niemand ist zu einem Spießer-Traditionalismus gezwungen.

    ^^ Da hast du aber ziemlich komplett an meinem Beitrag vorbeigelesen.

    Dein "Argument" impliziert ja, daß alle "Dominanzgesten" der DDR somit hinfällig sind und abgeräumt werden können.

    Die Monarchie hat sich durch den ersten Weltkrieg übrigens auch selbstzerstört. Befürwortest du also den Abriß diverser Gebäude der wilhelminischen Zeit? Das wäre nur konsequent, und ich gehe mal davon aus, daß du das tatsächlich so anstrebst, da deine Argumentation sonst völlig irrational und zweckgerichtet wäre.

    Die sogenannte "Plattenbauhölle" am Rathausforum gehört meiner Meinung nach unter Denkmalschutz. Nicht weil sie so schön wäre, sondern weil sie DDR pur darstellt und sehr gut Ostberlin veranschaulicht, in sich stimmig ist. Ein Abriß dieser Bauten ist sowieso fern jeder Realität.

    Mir sind dieses historische Banausentum und diese mutwillige Zerstörung der Berliner Identität um einer Ideologie willen immer ein Rätsel. Da unterscheiden sich die Traditionsfanatiker kaum vom DDR-Nachkriegsstädtebau.

    Berlin war mal geteilt. Und es ist ein großer Schatz, daß man dies auch architektonisch sehen und fühlen kann. Wer diesen Schatz zerstören will, hat Berlin einfach nicht verstanden und agiert ähnlich wie irgendwelche Islamisten, die Buddha-Statuen zerstören.

    PS: Der Brunnen steht übrigens nicht am Alex, sondern auf dem Rathausforum. Der Alex liegt jenseits des Bahnhofs.

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    Aus meiner Sicht wirkte der Neptunbrunnen dort schon immer vollkommen verloren und deplatziert und das noch bevor ich wusste, dass der eigentlich neben das Schloss gehört. Da kann ich ich Bauaesthet nur zustimmen.

    Einen respektlosen Umgang damit durch die Umnutzung als Abenteuerspielplatz und die Verdrängung/Auslöschung vorkriegsdeutscher Geschichte, passt natürlich zu dem Herr Born von der Linken.

    Der N-Brunnen bildet eine schöne Achse mit Rathaus und Fernsehturm. Und er ist gelebte Nachkriegsgeschichte Berlins. Er zeigt, wie man im Osten mit dem Monarchie-Erbe umgegangen ist. Er ist gewissermaßen auch Denkmal der Schloßzerstörung. Ähnlich wie das Portal am Staatsratsgebäude.

    Es handelt sich also um einen unglaublichen historischen Schatz, und es wäre banausenhaft, ihn einfach wieder neben's Schloß zu stellen, als wäre nichts gewesen.

    Die Geschichte Berlins ist verzwickt. Und genau so sollte sie auch erkennbar sein.

    Mal ganz abgesehen davon, daß auch der häßlichste Bau, wenn er Jahrzehnte steht, Identität und Heimat ausmacht. Den Neptun-Spin der SED kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Mir käme eher ein Brunnen am Schloß deplatziert vor angesichts der Tristesse des Ortes (Breite Straße).

    Der Neptunbrunnen muß unbedingt dort bleiben, wo er ist. Auf dem Schloßplatz selber sollte man meiner Meinung nach eine ironische Replik des Brunnens platzieren. Warum nicht eine abstrakte Struktur mit geometrischen Körpern. Noch besser wäre vielleicht eine Ironisierung, indem man die Figuren des Originalbrunnens neu inszeniert, in völlig anderen Posen, vielleicht mit Tablet, Smartphone und dergleichen. Alles in diesen barocken Formen. Eine dieser Nixen oder Frauen macht ein Selfie mit Neptun.

    Das stelle ich mir sehr lustig vor. Das hätte Witz und wäre für Berlin angemessen. Eine Info-Stele informiert über den Kontext und die Geschichte. Hipsterbart fällt mir noch ein. Sonnenbrille. Da könnte man viel Lustiges herbauzaubern für so einen neuen Schloßbrunnen. Und so hätte man gleich eine neue Hybrid-Sehenswürdigkeit. Ein Touristenerlebnis, einen typischen Berolinismus.

    So etwas braucht Berlin statt eines langweiligen "Kahlschlag-Traditionalismus". Die Traditionalisten sind leider häufig ähnlich humorlos und verbissen wie die Modernisten. Nur eben andersherum. Was es braucht, ist ein ganzheitlicher Städtebau, der versucht, möglichst das Beste aus allen Epochen, Fragmenten herauszuholen, statt einer Ideologie zu frönen.

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    Die Schlange wäre ohne die Autobahn auch nicht mehr dasselbe. Diese Kombination ist sicher mit der Grund, wieso das ganze unter Denkmalschutz steht. Sonst wärs ja nur ein riesiger Wohnkomplex.

    Warum steht diese Ausgeburt des Futurismus unter Denkmalschutz, aber die Volksbank am Olof-Palme-Platz kann einfach so abgerissen werden?

    Wenn die Autobahn da weg ist, kann man sich schöne neue Dinge für die Bewohner dieses Komplexes ausdenken. Ich befürworte den Abriß am Breitenbachplatz, weil das ja ein schöner, repräsentativer U-Bahnhof ist. Den Platz sollte man auch genießen können. Die Autobahn ist eine typische Fehlplanung aus der Zeit, als man noch ziemlich angenebelt war von den technischen Möglichkeiten, aber die ästhetischen Auswirkungen unterschätzte.

    Natürlich wird sich der Verkehr neue Wege suchen. Man muß aber auch die Zunahme des Radverkehrs und der E-Mobilität mit einkalkulieren. Den Radverkehr wird man jedenfalls nicht steigern, wenn man die Relikte des Auto-Zeitalters unter Denkmalschutz stellt.

    Wenn man so sehr an futuristischen Bauten hängt, sollte man sich viel lieber um das ICC kümmern. Das gehört wirklich unter Denkmalschutz und ist als Westberliner Original nicht zu unterschätzen.

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    Das einzige, was mich doch etwas stört, sind die gläserenen Balkone, die in ihrer dünnen Leichtigkeit irgendwie nicht dazu passen bzw. instabil und wie angeklebt auf mich wirken (oder so ähnlich...).

    Stattdessen wären Steinbrüstungen oder Gusseisen vielleicht besser gewesen.

    Gerade die gläsernen Balkone sind für mich die perfekte Wahl, um dem Schultes-Bau den richtigen ästhetischen Spin zu geben. Dadurch bekommt das Gebäude erst richtige Eleganz. Ein ähnlicher Effekt wie bei der DZ-Bank am Pariser Platz.

    Das ist jedenfalls richtig schöne expressive moderne Architektur, wie man sie sich wünscht. Architektur, die auch in hundert Jahren noch stehen bleiben könnte. Bei vielen heutigen modernen Bauten sieht man ja schon unwillkürlich die Abrißbagger anrücken. Vieles scheint nur noch Fast-Food-Architektur zu sein, Investitionsmasse bis zum nächsten Abriß nach ein paar Jahrzehnten.

    Und der Schultes zeigt schön, daß es auch anders geht. Steinbalkone bzw. -brüstungen würden eher einer Bunker-Ästhetik Vorschub leisten. Und Gußeisen empfinde ich auch als deplatziert bzw. dissonant.

    Der Moneo bringt die nötige Farbe auf den Platz und schafft einen gewissen Übergang zur Bauakademie. Mir gefällt er sehr gut. Insgesamt ist die Abstimmung der Bauten recht gut gelungen, was man am Anfang ja nicht unbedingt erwarten konnte, als es erst mal nur um die Staab-Bauten ging. Daß es insgesamt eher schlicht und zurückhaltend zugeht, ist doch die richtige Wahl für den Platz, oder?

    PS: Das Kanzleramt wird eher als Waschmaschine denn als Moschee bezeichnet, was meiner Meinung nach auch zutreffender ist.

    Solche Plätze sind nun mal de facto Unorte, da kann man intellektualisieren, so viel man will. Es ist noch nie gelungen, authentische Stadt mittels Nachkriegs-Investoren-Architektur zu erzeugen.

    Das richtige Wort für Stadträume wie Potsdamer Platz oder Mediaspree ist deshalb "Fastfood-Stadt". Oder auch "Wegwerf-Stadt". Diese Stadträume strahlen lediglich Funktionalität, aber rein gar nichts Erhabenes, Kultiges oder Wohlfühliges aus, wie das historische Stadtviertel aus der Gründerzeit oder früher tun. Modernisten, die das Gegenteil behaupten, scheinen für mich die Gender-Theoretiker des Städtebaus zu sein. Also viel akademisches Gefasel, das von der schnöden Realität krachend widerlegt wird.

    Wenn ein Stadtviertel schon "Entertainment-District" heißt, dann sagt das sehr, sehr viel aus. Dieses Viertel mag zwar aus rein funktionalen Gründen frequentiert werden, künstlich und unberlinersich wird es trotzdem bleiben. Das könnte man zumindest lindern, wenn man dort Wohnraum in markanten Gebäuden schafft, die tatsächlich etwas Neues, Bleibendes schaffen, die also ob ihrer Eigenart eine Legitimation schaffen. Das geht zu einem gewissen Grad auch mit moderner Architektur. Da muß dann aber eben mehr her als der übliche Investorenschrott. Und es muß eine liebevolle Komposition entstehen mit viel Wohnraumanteil.

    Nur wo wirklich gewohnt und gelebt wird und nicht nur residiert oder Geld angelegt, dort entsteht auch neue Stadt.

    Man kann ja hier an dieser Stelle mal auf den aktuellen "Tip"-Titel aufmerksam machen. Die Ausgabe ist wohl noch ein paar Tage im Handel.

    Die Titelgeschichte lautet ungefähr: "Ist das noch unser Berlin? - Investoren können in der Europacity bauen, wie sie wollen"

    Das dürfte einige hier erheitern. Aber es ist auch naiv, davon auszugehen, daß man auf so einem Areal "unser Berlin" bauen könnte. Hat das auf dem Potsdamer Platz geklappt?

    Wohl kaum, obwohl man sich dort sicherlich mehr ins Zeug legte.

    Wir werden uns wohl damit anfreunden müssen, daß "unser Berlin" eben auch Europacity, Mediaspree und Potsdamer Platz heißt. :)

    ^^

    Ich erinnere mich an einen "Focus"-Artikel über das Barberini in Potsdam. Und da meine ich ein Holzparkett auf den Bildern gesehen zu haben. Das zumindest läßt auch die Innenräume historischer anmuten, als sie es sind.

    Im Stadtschloß befürchte ich eine Art Kaufland-Ästhetik. Auch wenn das Innenleben modern gestaltet wird, so sollte man trotzdem eine würdiges Interieur schaffen, man kann auch mit modernen Mitteln eine Art Schloßfeeling herstellen. Opulenz kann man auch mit minimalistischen Mitteln und Designs zum Ausdruck bringen.

    Es sollte jedenfalls ein würdevolles Gegenstück zur Außenfassade entstehen, sodaß eine gewisse Spannung aufkommt.

    Was spricht denn dagegen, wenn man zumindest einen Raum des Schlosses rekonstruiert? Irgendetwas Passendes sollte man jedenfalls auch rekonstruieren und es vielleicht mit der Berlin-Ausstellung verbinden.

    Auch das würde zu einem gelungenen Gesamtbild beitragen. Mit der Zeit werden wir Deutschen vermutlich auch entspannter, sodaß man vielleicht in 20 Jahren auch einen Innenraum wiederherstellen will. Nur weil das Projekt am Anfang keine Innenrekonstruktion vorsah, muß man sich ja nicht sklavisch daran halten. Ich bin auch kein Freund der Monarchie oder einer kompletten Innenrekonstruktion, aber es wäre die Chance, ein Bauwerk mit mehr Identität und Identifikation zu schaffen.

    Also ich bin auch für den Wiederaufbau, aber die Erklärung im „Tagesspiegel“ ist in schlimmster Gutmenschen-Rhetorik abgefaßt, die diesem Projekt einen Bärendienst erweisen könnte und Ausdruck der zunehmenden Instrumentalisierung und Theatralisierung der deutschen Vergangenheit ist.

    Der Bau ist zu begrüßen. Die Unterzeichner der Erklärung wollen aber bauen, um Deutschland vor einer neuen Nazi-Machtergreifung zu bewahren. Sie feiern ziemlich penetrant ihr gutes Gewissen und ihre fortschrittliche Gesinnung. Man sollte diese Erklärung ruhig mal genau lesen. Das ist wirklich schwer auszuhalten, diese infantile Gesinnungsethik.

    Wenn diese Synagoge als Zeichen „ewigen Erinnerns“ und quasi für den Kampf gegen rechts aufgebaut werden soll, entwertet sie das. Hier sieht man wieder mal schön, wie dieses sensible Thema politisch mißbraucht wird. Stichwort AfD. Der muslimische Antisemitismus wird in dem Text der „engagierten Demokratinnen und Demokraten“ mit keinem Wort erwähnt.

    Ich finde das jedenfalls eklig, wie sich hier diese Leute produzieren und unverhohlen ihr politisches Busineß betreiben. Henryk M. Broder hätte seine Freude an dieser Erklärung.

    Ich bin dafür, daß man auch bei einer Vollrekonstruktion zumindest subtil erkennen können sollte, daß das ein Wiederaufbau ist. Bei der Dresdner Frauenkirche erkennt man das unter anderem an den historischen Ziegeln, die eingebaut wurden.

    Es gibt bestimmt Möglichkeiten, diesen Bau so zu gestalten, daß er auch auf etwas Vergangenes deutet. Für mich stellt sich der Genuß an historischen Rekonstruktionen erst dadurch richtig ein, daß man erkennt, daß die Bauten eine Leistung heutiger Generationen sind. Was hat man davon, wenn man an der Synagoge vorbeiläuft und sich nichts dabei denkt und glaubt, sie hätte schon immer da gestanden?

    Also eine gewisse Unperfektheit würde den Bau aufwerten.

    Wenn das so kommt wie in der Visu, sähe das doch absolut geil aus. Und es wäre wieder ein typischer Berlin-Bau, da der Original-Rest an der Hasenheide mit integriert wird. Das wird ein schönes Potpourri.

    Und dann kann man auch mal in echt studieren, was man am Leipziger Platz alles hätte besser machen können mit weniger Historiophobie. Es zeigt sich jedenfalls immer wieder, daß Berlin den historischen Rückbezug wie die Luft zum Atmen braucht. Da kann man noch so viel intellektualisieren und Winkel ziehen.

    Ich bin ja auch für ein möglichst öffentliches Gebäude, aber was hat ein Kindergarten genau da drin verloren? Ich würde meine Kinder da nicht gern reinstecken.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Karstadt kann alternativ ja auch die Mitarbeiter am Standort entlassen und sich dann auf den Standort Alexanderplatz konzentrieren. Vielleicht gefällt das dem Herren ja besser und entspricht mehr seiner politischen Einstellung.

    Karstadt = Westberlin
    Kaufhof = Ostberlin

    Am Alex steht ein Kaufhof, meines Wissens der größte Deutschlands.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wenn sich Berlin das leisten kann und will, immer größere Probleme selbst zu generieren, dann soll es sich ruhig auf dem Mittelmaß der Berliner Traufhöhe weiterentwickeln.

    Wer meint diese Entwicklungen heute ignorieren zu müssen, der muss auch vor künftigen Generationen die Verantwortung tragen.

    Klassischer Fall von Phantom-Argumentation. Um es mal diplomatisch auszudrücken.

    Mein Beitrag spricht nirgends davon, daß man am Alex die Traufhöhe anpeilen sollte.

    Es geht mir um die Art der Hochhäuser. Bitte keine Wolkenkratzer à la New York oder Shanghai hier in Berlin. Im Moment bedeuten Wolkenkratzer über 180 Meter eine Vergewaltigung der Stadt. Das Empire State Building in New York ist auch das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses.

    Dekoratives Anführungszeichen
    Zitat von Baukörper

    Berlin hatte auch schon mal über viereinhalb Millionen Einwohner und das ganz ohne Hochhäuser.

    Berlin hatte mal Anfang der Vierziger knapp unter 4,5 Millionen. :) Und das wohl auch nur nominal. Stichwort Zweiter Weltkrieg und Soldaten. Damals standen bereits das Ullsteinhaus, das Europahaus und diverse Türme in Siemensstadt und Tegel. :)

    Berlin ist Berlin. Wer so tut, als könnte man die Geschichte der Stadt und ihren derzeitigen Zustand ignorieren, liegt nicht nur falsch und wird dereinst eines Besseren belehrt werden, er wird auch an der Bevölkerung und den Parteien scheitern.

    Eine Stadt funktioniert nicht ohne deren Menschen.