Beiträge von Barackenpapst

    Stulli, die Ökosiedlung. Schön dick mit Styropor eingepackt und mit hässlichen Farben beschmiert (falls jemand den Stulli Cartoon in der Titanic kennt).


    Was heute schon so alles Öko heißen darf. Monotonie soweit das Auge reicht. Da haben wir ein Projekt mit 30 Einzelgebäuden.


    Kann mir jemand von den Fachleuten hier mal erklären, wieviel teurer ein etwas individuellere Planung (im gleichen System, mit den gleichen Bauteilen..) ist? Sagen wir mal, das kostet beim Architekten 50.000€ mehr, und in der Bauleitung nochmal 20.000€, weil der Typ etwas genauer hingucken muss.


    umgelegt auf die 100 Wohungen sind das 700€. Das muss doch wohl drin sein?


    Wie kommt es, das immer wieder dieses total serielle Bauen in Deutschland gepflegt wird? Das muss doch nicht sein.

    Dieser Thread hier zeigt ganz gut, wesshalb es eine Institution wie den Denkmalschutz geben muss.


    Passt irgend etwas nicht in den Zeitgeist, das Geschmacksurteil der Massen oder einen Verwertungsanspruch, dann wird es ganz schnell abgerissen.


    Die unmittelbare Vor- und Nachkriegszeit war extrem spannend. Überkommene Konzepte wurden zutiefst in Frage gestellt, es wurden ganz neue Denk- und Gestaltungsansätze geschaffen und mit neuer Technik umgesetzt. Der Mangel der Nachkriegszeit war schnell vorbei. Spätestens seit den frühen 60ern wurde weitläufig wieder "state of the art" gebaut.

    Das man, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, die "Großmannssucht" in Deutschland verpönte, führte in vielen Bereichen zu einer eigenen, zurückhaltenden Gestaltungssprache.

    Durch den großen Bedarf an neuen Gebäuden und die vielen verschiedenen Strömungen sehe ich Deutschland nach 45 als riesiges Versuchsfeld des neuen Bauens. Kein anderes Land auf dieser Erde hat eine stärkere Durchmischung und Vielfalt "moderner" und klassischer Stile. Es ist nur natürlich, das sich darunter auch die ein oder andere Perle befindet.


    Das können viele "mit nacktem Auge" nicht beurteilen. Es gehört zu den Aufgaben des Denkmalschutzes, diese Perlen zu finden und vor dem beiläufigen Urteil zu schützen.

    Einfach mal so im Vorbeigehen bemerkt: Hammer geile Teile, Mäusebunker und Hygiene Institut. Mich spricht sowas total an.


    Und um mal eine kleine Replik auf die Kritik an den Großsiedlungen der 70er zu bringen: Wir erleben eine Renaissance derselben, aber im Luxussegment. Und zwar bei den modernen Wohnhochhäusern.


    Wer mal oben aus einem der Plattenbautürme an der Leipziger Straße geschaut hat der weiß, das sowas durchaus Lebensqualität bieten kann.


    Zwei Beispiele dafür, das die Großsiedlung, Platte, Mietskaserne durchaus nicht gescheitert ist.

    Insgesamt natürlich eine tolle Entwicklung.


    Aber: einige der Projekte sind, wie so oft in Deutschland, einfach zu groß dimensioniert. Wenn ein ganzer Block, oder gleich zwei nebeneinander, mit einem monotonen Klotz bebaut wird, dann ergibt sich für mich nicht der Eindruck einer attraktiven Stadtbebauung. Es wirkt dann eher wie: Hauptsache schnell vollgebaut. Der Eindruck entsteht für mich auch in den neueren Bauabschnitten der Hafencity. Block neben Block neben Block. Das finde ich in Oslo, im Barcode Viertel, irgendwie besser gelöst. Die Grundflächen der einzelnen Gebäude sind zumindest kleiner, dadurch ergibt sich in einer Zeile mehr Abwechslung.

    Wenn es um die Frage alternativer Kultur und ihrer Räume geht, würde ich als Stadt schon versuchen, einen großen Teil davon zu erhalten. Das macht einen nicht unerheblichen Teil des Charmes von Berlin aus. Die Bebauung des RAW Geländes könnte hier mal wieder beispielhaft wirken.


    Ich habe mir neulich das NDSM Gelände in Amsterdam angeschaut. Hier steht das alternative Gartenlaubencafe neben dem Hightech Glas- und Stahlbunker eines Hilton. Daneben gibt es Hausbootsiedlungen, T-Shirt Druckereinen in alten Backsteinhäuschen, 100m hohe Bürogebäude, Containerdörfer in alten Fabrikhallen....


    Keine Ahnung wie das entwickelt wurde, aber was Konversionen alter Industriegelände angeht kann man sich gerne mal an den Niederlanden orientieren. Es ist wirklich beeindruckend gut. Gemessen an der Qualität der Neubauten steckt da auch eine Menge privates Geld drin.


    Was das RAW angeht: Ein paar schicke Büros, ein cooles Hotel, und ein schallisoliertes Mietshaus :-DD

    Was mir am Staab Entwurf gefällt ist, das der Altbau mit seiner charakteristischen Dachform weiterhin von der "Hauptstraße" aus sichtbar bleibt. Für mich war daran vorbei zu fahren immer ein besonderer Aha-Moment.
    Ganz allgemein sollte Berlin immer wieder offen seine Lücken und Geschichten zeigen. Historische Orte, und diese sind in Berlin oft nicht besonders alt, müssen nicht durch Blockränder zugestellt werden.

    Heftig schlecht. Hat mit dem Rendering wirklich überhaupt nichts mehr gemein. Das Budget war natürlich auch sehr knapp bemessen. Passend dazu der Name der ersten geplanten Ausstellung: Utopie und Alltag.

    Auf der Fischerinsel ergeben Rekonstruktionen - und das sage ich als Rekobefürworter - meiner Meinung nach keinen Sinn, da es anders als am Molkenmarkt und im Klosterviertel leider nichts mehr gibt, woran man anknüpfen kann. Die einzige Rekonstruktion, die ich mir auf der Fischerinsel vorstellen könnte, wäre das berühmte "Ahornblatt" von Ulrich Müther, welches Anfang der 2000er-Jahre völlig belanglosen Neubauten geopfert wurde:


    http://www.b-tu.de/great-engin…934-2007/projekte#c147325



    Was zur Berliner Stadtgeschichte dazu gesagt werden muss, beherbergte das Kleeblatt in den 90ern den Afterhour Club Walfisch von DJ Tanith :)


    Was die Kontroverse um den Baustil am Molkenmarkt angeht: Kleinteiligkeit ist ja schonmal gegeben. Und dann gibt es zwischen Moderne und Reko eine unendlich feine Abstufung. Was mir gut gefallen würde ist eine Schrägdachlandschaft. Am Schinkelplatz hat man damit ja schonmal klein angefangen. Darüber hinaus muss man die ersten Entwürfe abwarten. Es gibt für jeden Stil wahnsinnig schlechte wie gute Beispiele. Eine Reko wie in der Altstadt Frankfurts kann man nicht erwarten. Wir reden hier doch eher von Dresden Neumarkt Niveau. Und das haut mich wahrlich nicht vom Hocker.

    Danke für diesen fatastischen Beitrag! Ich selbst tendiere zu den Lösungen mit Hauptachse. Zwar kann man sich fragen, ob die BB in ihrem Äusseren so viel Aufmerksamkeit überhaut verdient, aber in ihrer Bedeutung tut sie es, und sie ist ein Ikone der alten BRD. Also soll man sie ruhig aus jeder Richtung heraus stellen. Was die Verteilung und Höhen des Campus angeht sehe ich keinen Entwurf, der etwas deutlich besser macht als alle anderen. Mir würden ein paar höhere Klötze gefallen, letztlich ist die Ausführung aber viel wichtiger.

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    Architekturelite war an diesem Machwerk nicht beteiligt, das ist offensichtlich. Sieht alles eher nach Kostenoptimierung aus.


    Viele Erweiterungen alter Bausubstanz haben mich in den letzten Jahren begeistert. Der Prägnanz alter Bau- und Gestaltungsweisen einen prägnanten modernen Konterpart gegenüber stellen funktioniert mE meistens gut.


    Diese fade Wulst, die sich über das Senckenberg Dach gelegt hat, ist das krasse Gegenteil. Nicht nur wird durch sie die alte Substanz zerstört, sie ist auch für sich genommen nicht sehr attraktiv. Man hat also eine Verschlechterung auf beiden Seiten geschaffen.

    Also vereinzelt wurden ja Designelemente implementiert, die über die Minimalkiste hinausgehen. Diese Putzdetails im Bild über mir finde ich per se nicht schlecht. In Kombination mit der restlichen Monotonie wirken sie aber hilflos überfordert. Genau wie das Eckgebäude mit den zwei erhöhten Geschossen. In einem anderen Kontext würde es durchaus cool und modern wirken, zusammen mit den Styroporschachteln wird es zur Beleidigung.
    Gleiches gilt für die spitz gewellten Balkone. Stände eine schicke Glasfassade daneben, oder roter Backstein, könnte man es als Understatement durchgehen lassen. Als Highlight ist es brutal trübe.


    Also, Gestalltungswille ist durchaus erkennbar, einiges geht über das Minimum hinaus. Es ist nur leider schlecht gemacht.

    Silesia, gar keine Frage das die Hafencity das spannenste Neubauviertel Deutschlands ist. Allein schon wegen der Lage am Wasser mit den Kanälen und der Speicherstadt. Die ersten Bauabschnitte haben auch sehr viel versprochen, sie waren das Aushängeschild. Je weiter fortgeschritten desto größer und monotoner werden die Blöcke aber.


    Rotterdam und Oslo habe ich als Beispiele gebracht, weil dort mit ähnlichem ökonomischem Potenzial in ähnlicher Lage gebaut wird. Rotterdam ist natürlich extrem "innovativ", genau das hat sich die Stadt auch auf die Fahnen geschrieben. Versuchslabor der modernen Architektur.


    Oslo ist noch besser vergleichbar. Was dort mmn. den etwas besseren Charme ausmacht sind die kleineren Grundstücke und vielfältigeren Fassaden.


    Die Hafencity macht mir aktuell den Eindruck, als wolle man dort möglichst viel möglichst schnell voll bekommen.