Prinzipiell will ich ja niemanden hier irgendwie zurechtweisen, nur, dass das nicht falsch verstanden wird.
Ich sehe hier halt noch weitere Verflechtungen und vor allem die Entwicklungen im Vorfeld, die anderen leider verborgen bleiben, weil sie diese Einblicke nicht haban können.
Definitiv ist es leider so, dass wirklich Stadtplanung in Offenbach NICHT stattfindet, sondern man NUR Investorenangeboten hinterher rennt. Dies auch bedingt durch die Struktur, die (da darf man sich auch nichts vormachen) durch jahrzehntelange Fehlplanung und fast durchweg falsche politische Entscheidungen selbt verursacht wurde. Dies setzt sich bis heute dahingehend fort, als daß bei der Frage der Haushaltskonsolidierung niemand der Verantwortlichen in Magistrat und Koalition mal fragt, was man selbst tun kann (die Begründung der aktuellen Nichtgenehmigung des Haushalts durch den Regierungspräsidenten sagt alles), sondern immer nur nach Landeshilfe geschrieen wird, obwohl gerade Offenbach schon verhältnismäßig viel mehr als andere Kommunen bekommen hat.
Allein mit Verzicht auf eindeutig verzichtbare Maßnahmen könnten auf einen Schlag jedes ein sehr guter zweistelliger Millinenbetrag eingespart werden.
Der Wilhelmsplatz wurde mit dem Bundeskonjunkturprogramm finanziert. Die Stadt hätte das selbst niemals gekonnt. Dementsprechend wurde leider die Vorplanung mit EInbeziehung des Bestands faktisch nicht gemacht. Statt dessen "tabula rasa" und nun eine Neugestaltung, die eine unnötige und teure Aufschüttung des Platzes beinhaltet, die historische Pflasterung komplett rausgerissen (bis auf ein paar Parkplätze), um neues Pflaster zu verlegen. Nun ist die Qualität dieses Pflasters mangelhaft (viele Beschwerden, gerade älterer Leute), die Einteilung für die Marktbeschicker "suboptimal" (von ca. 80 hat sich die Zahl derer auf etwa 60 reduziert, so bekommt man auch den "schönsten Markt im Rhein-Main-Gebiet" kaputt) und nicht zuletzt wurden die Hilfseinrichtungen für seh- und gehbehinderte einfach mal komplett vergessen... bzw. nach aktueller Berichterstattung geht ja für das Stadtplanungsamt die Ästhetik vor barrierefreiheit.
Es ist mittlerweile in politischen Kreisen ziemlich weit bekannt, daß die Stadt erhebliche Probleme hat, überhaupt noch Darlehen von Banken zu bekommen. Also nochmal, weil das ist "neu" und bisher wohl einmalig: die Stadt als Kommune bekommt in naher Zukunft nicht mehr so einfach wie bisher Kredite, weder von Helaba, noch von private Banken. Deshalb kann in Waldhof trotz Investitionsfreigabe des Regierungspräsidenten die Schule nicht weitergebaut werden. Faktisch ist die Stadt finanziell vollständig ruiniert.
In dieser Situation sind städtebauliche Entwicklungen, die eher aus der Hand geschüttelt werden und nicht genau kalkulierte werden (Zuzug bedeutet VERGRÖSSERUNG des Defizits) nicht mehr verantwortbar.
Das finanzielle Desaster, das der Hafen darstellt (auch hier 08/15-Architektur, mehr Mühe wäre eigentlich unabdingbar gewesen) ist nicht nur "schade", es kann den Ruin der stadteigenen Geseellschaft bedeuten. Die Stadt kann sich Planungen, die an anderer Stelle akzeptabel scheinen ("hauptsache es passiert etwas") schlicht nicht leisten, unter keinen Umständen.
Weshalb ich hier nun immer so abweisend reagiere, liegt auch an dem Entstehungsprozess dieser "Projekte", den ich immer miterlebe. Ich kann hier nur jedem, der sich dafür interessiert, raten, an der Bauausschusssitzungen teilzunehmen, am jeweiligen Donnerstag vor der Stadtverordnetenversammlung um 17.45 Uhr. Die Sitzungen sind öffenlich, am Anfang steht sogar eine Bürgerfragestunde.
Wenn man da erlebt, mit welcher Abwesenheit von Kenntnissen und teilweise auch Interesse der OB "glänzt", wundert sich über NICHTS mehr. Fragen der Stadtverordneten richten sich Nach Gemeindeordnung an den Magistratsvertreter (also hier bei Baufragen der OB), die von diesem auch zu beantworten sind. Im Zweifelsfall kann ein Mitarbeiter der Verwaltung für Detailfragen hinzugezogen werden.
In der Sitzung ist es aber immer so, das GLEICH an die Verwaltung "weitergegeben" wird oder die Stadtverordneten (aller Fraktionen!) direkt die Verwaltung fragen, weil jeder weiß, der OB hat seine Visionen, aber eigentlich keine Ahnung, was gerade gemacht wird.
Beispiel: Das berühmte, 49-seitige Gutachten zu Innenstadtneugestaltung (mit dem Hochhaus an Stelle des C&A). Nur Allgemeinplätze. Fast jeder Forumsteilnehmer, der hier in diesem Strang geschrieben hat, kann detaillierte Erkenntnisse vorbringen als dort geschrieben wurden und mit Sicherheit auch sinnvollere Vorschläge. Der OB hat in der Diskussion mit einem Stadtverordneten nach Abstimmung des zugehörigen Antrags (!) einräumen müssen, dass er dieses Gutachten noch nie gelesen hat.
Auf diesem Niveau läuft in Offenbach die Stadtplanung.
Der Masterplan ist ein längst überfälliger Schritt.Aber auch von der IHK initiiert und jetzt fast wieder von etablierten politischen Kräften (die schon lange in Verantwortung sind) kaputt diskutiert.
Vielleicht kann man mal einen Stammtisch einrichten. Ich hätte großes Interesse, mal mit anderen "Offenbachern" ausführlicher zu diskutieren.