Beiträge von Japher

    Wir sollten sofort alle deutschsprachigen Benennungen aus dem Stadtplan verbannen! Museums Island, Red Town Hall, Alexander Square, X-Mountain für Kreuzberg, Central District für Mitte usw. Das wäre doch was! Dann versteht jeder, was gemeint ist, ohne zu wissen, wo er eigentlich ist. Aber Hauptsache irgendwie "international" und es kommt kein ausländischer Besucher mit unserer Sprache und Kultur in Kontakt.
    Schade, wie alles verschleudert wird. Die Zeit schrieb neulich ironisch von New Berlin, doch genau darauf läuft es hinaus. :Nieder:

    Entstuckung am Helmholtzplatz

    Heute Morgen habe ich durch Bauplanen des gerade im Sanierung befindlichen Hauses an der Lychener Straße Ecke Raumerstraße (Helmholtzplatz) zufällig erkennen können, dass man dort offenbar die gesamte prächtige Stuckfassade abgeschlagen hat. Es handelt sich um dieses Gebäude Das gesamte Mauerwerk ist derzeit freigelegt. Die anwesenden Bauarbeiter wollten/konnten mir keine Auskunft geben, wie das Haus künftig ausehen wird. Auch hier hängt die Entstuckung wohl mit dem Anbringen einer Außendämmung zusammen, anders kann ich mir diesen barbarischen Akt nicht erklären. Was mich allerdings wundert ist die Tatsache, dass der Helmholtzplatz in einem Milieuschutzgebiet liegt und aufgrund dieser Tatsache Außendämmungen eigentlich nicht ohne Weiteres möglich sind.
    Selbst wenn es zu einer Wiederbestukcung kommen sollte: Das Original ist dahin.

    Die Wohnungen des Hauses werden übrigens auf der Seite http://www.lychener35.de zum Verkauf angeboten. Man liest dort von einer behutsamen und sorgfältigen Sanierung. Angepriesen wird die "traumhafte Stuckfassade".

    Das von der Gewobag geplante Wohnhaus in der Chodowieckistraße macht wirklich einen vernünftigen Eindruck. Nichts außergewöhnliches, aber wie Batō schon schrieb, es wirkt solide.

    Umso enttäuschender dagegen die übrigen Gewobag-Projekte. Vor allem die vom Büro HAAS Architekten entworfenen Bauten in der Schliemannstraße und Zehdenicker Straße sind völlig ambitionslose Lückenfüller. Versetzte Fenster und Farbfelder, wie in der Schliemannstraße, machen noch keine Architektur aus!
    Die Ähnlichkeit der beiden Entwürfe zeigt darüber hinaus, wie austauschbar sie sind. :mad:

    Die bei rbb gezeigte Fassadenansicht ist wenig aussagekräftig, da nur ein Ausschnitt zu sehen ist. Farblich scheint sie sich gut in die Bestandsbauten einzufügen. Was mich jedoch auf den ersten Blick stört, sind die riesigen Fensteröffnungen. Im Vgl. zum rechts liegenden Neubau am Leipziger Platz wirken diese völlig überdimensioniert.

    Ich finde es erstaunlich, dass die Entwicklung der Wilhelmstraße in einigen Beiträge ausschließlich aus touristischer Perspektive betrachtet wird. Berlin-Mitte ist doch nicht nur ein Touri-Park! Anstatt die Touristifizierung weiter voranzutreiben, die die Stadt für die Bewohner nicht lebenswerter macht, wäre es es m.E. angebrachter, die Umgebung als Wohnstandort zu stärken - gerade auch um der Verödung zu begegnen. Meinetwegen auch durch Verdichtung und Teilumbau der bestehenden Strukturen.

    Danke für die Bilder, Backstein! Nachdem Frau Lüscher neulich die Entwürfe für die geplanten Bauten am Schinkelplatz als gelungen bezeichnet hat, da sie streng und sachlich seien, fällt mir verstärkt auf, wie streng und sachlich tatsächlich alle großen Bauprojekte sind, die derzeit in Berlin entstehen. Nichts Schwungvolles, nichts Verspieltes, nichts Ausgefallenes. Das reicht hin bis zur Außengestaltung und langsam schlägt es mir als Bewohner dieser Stadt aufs Gemüt...(man schaue mal nach Kopenhagen - dort geht einem das Herz auf, wenn man durch die neuen Stadtviertel schlendert, so "lebensbejahend" wirken doch Architektur und Landschaftsgestaltung auf mich!)

    Und schon erstaunlich, wie das Unkraut auf Bild vier wächst und gedeiht - in solch prominenter Lage? :confused:

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das denkmalgeschützte Magazingebäude mit Fassadenstuck nun eine Außendämmung verpasst bekommt. Vielleicht geht es hier vielmehr um eine Innendämmung?

    Das Adidas-Plakat ist hinsichtlich seiner Dimensionen ein Skandal (im Übrigen auch augrund seines sprachlichen Auftritts - Deutsch kommt in den Werbeauftritten des bayerischen Sportartikelherstelles nämlich nicht mehr vor). Ich dachte es gibt ein Verbot für diese Art der Werbung an Häusern, wenn sie nicht tatsächlich saniert werden?

    Der Abriss des Hauses am Wittenbergplatz ist mal wieder ein Schlag ins Gesicht. Es ist eines der letzten am Platz, das vor 1918 errichtet wurde! :Nieder:
    Der Bauherr ist, wie auf der von ishis verlinkten Seite zu erkennen, übrigens auch für die anstehende Verunstaltung der Edelplatte in der Friedrichstraße 63 verantwortlich.

    ...und wann stößt dieser nicht enden wollende Hotelboom eigentlich mal an seine natürlichen Grenzen?

    Chandler: Ich besitze einen Hochschulabschluss und schätze meine Englischkenntnisse als sehr gut ein. Trotzdem hänge ich an meiner Muttersprache, da ich diese am besten beherrsche, sie zum Großteil meine kulturelle Identität definiert und ich mir ihrer Einzigartigkeit bewusst sind.
    Schade, dass die Mehrheit der Deutschen sich dieser Werte offenbar nicht bewusst ist und sich stattdessen völlig unkritisch der Konsumgesellschaft nach amerikanischem Modell unterwirft.
    Das ist doch absurd: du schreibst selbst, dass dir das Erlernen von Fremdsprachen nicht leicht fällt, aber dass in einem Berliner (!) Einkaufsmarkt fast alles auf Englisch ausgeschildert ist, nimmst du trotzdem als gegeben hin. :confused:

    Noch einmal ein Kommentar zur Sprachpolitik des neuen Centers.
    Die Stadt mag noch so international geprägt sein, doch verstehe ich nicht, allaboutmusical, warum ich als Bewohner der deutschen Hauptstadt deshalb auf meine Muttersprache verzichten soll. Diese englischsprachige Bevormundung, wie zuletzt in der albernen Wortschöpfung "Mall of Berlin" gesehen, zeugt für mich von Respektlosigkeit vor den Kunden, die doch allein nur darin begründet liegt, dass international agierenden Unternehmen ihre Absätze steigern wollen und dafür einen einheitlichen Absatzmarkt schaffen, der keine kulturellen und vor allem sprachlichen Unterschiede mehr kennt. Das ganze wird dann also cool, trendy und vor allem international verkauft.
    International wäre es dagegen für mich, die Mehrsprachigkeit zu pflegen.

    Da bleibt einem glatt die Sprache weg. Unabhängig von der Frage, ob dieser Standort nach einem Entwurf mit traditionellen Bezügen verlangt oder er aber auch eine moderne Formensprache verträgt, entscheidend ist erst einmal die Qualität des Entwurfs. Und die kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen.

    Die Fassadengestaltung könnte banaler nicht sein. Es sind keine Bezüge zur Umgebungsbebauung zu erkennen. Die Häuser könnten genauso am Hauptbahnhof oder neben der Multifunktionsarena nahe Ostbhf. entstehen. Völlig austauschbar und beliebig.
    Und sehe ich das richtig, dass sich die beiden linken Baukörper nahezu wie Zwillinge gleichen??? :nono:

    Der Baubeginn scheint nun unmittelbar bevorzustehen. Warum geht kein Aufschrei durch die Stadt? Warum wird die Bebauung eines solch prominenten Gurndstücks nicht breit diskutiert?

    Die Schwachsinnsbezeichnung "Mall of Berlin" ist nun offenbar tatsächlich der neue Name für das Einkaufszentrum am Leipziger Platz wie dem offiziellen Internetauftritt zu entehmen ist.
    Ich sehe auch schon die "Fashion Stores", "Coffee Bars" und den "Food Court" im "Basement" vor Augen. Na wenn das kein echtes Stück Berlin wird!

    Dekoratives Anführungszeichen

    Diese Bauten sind für die Innenstadt denkbar ungeeignet, da es keine belebende Funktionen im EG gibt - pure Wohnsilos. Während die verzierten Bauten der Karl-Marx-Allee der 1950er Jahre mit Läden und Cafes im EG zu meinen und meiner Frau Lieblingsorten Berlins gehören, die gerade mit Denkmalstatus versehenen Blöcke sind eine städtebauliche Fehlentwicklung, die nur jedem Stadtbesucher die Wege länger und unattraktiver macht.

    Diese Bauten stehen aber nun mal - auch wenn sie nicht mehr heutigen gängigen städtebaulichen Vorstellungen entsprechen - für eine bestimmte Epoche der Stadtbaugeschichte. Nur weil sich der Geschmack ändert, sollte man nicht gleich Tabula-rasa-Forderungen aufstellen.

    Übrigens wurden die Blöcke im Gebiet der Karl-Marx-Allee, 2. Bauabschnitt nach dem Konzept des Sozialistischen Wohnkomplexes geplant. Dieser sah vor, wie hier auch geschehen, Kindergärten und Schulen in den Blockinnenbereich zu verlegen und Nahversorgungszentren in fußläufiger Nähe zu errichten - für die Bewohner selbst also alles in allem ein fußgängerfreundliches Konzept.

    Konstantin: Das Berliner Denkmalschutzgesetz verdeutlicht, dass es bei Unterschutzstellungen um weit mehr als ästhetische Gesichtspunkte geht: "Ausschlaggebend für die Einstufung als Baudenkmal ist ein öffentliches Interesse, das Objekt zu erhalten. Dieses Interesse kann geschichtlich, künstlerisch, wissenschaftlich oder städtebaulich begründet sein."
    Ästhetische Beurteilungen unterliegen immer dem Zeitgeschmack (Beispiel Stuckfassade). Wie will man hier objektive, allgemeingültige Kriterien formulieren?

    Deinen Eindruck, dass in Berlin großflächig WBS-70-Bauten unter Schutz gestellt werden, kann ich so nicht teilen. Meines Wissens nach steht bisher sogar kein mustergültiger Bau dieser Serie unter Schutz. Die Bebauung der Karl-Marx-Allee geht auf andere, ältere Serien zurück. Beim Ernst-Thälmann-Park handelt es sich um eigens für diesen Standort entworfene Bauten, die in dieser Form kein zweites Mal in der gesamten DDR entstanden sind (ein Hinweis übrigens auf den Gestaltungswillen).