Beiträge von LEt's go!

    Ich pflichte LEonline und PhilippLE bei. Zur Jüdischen Woche in Leipzig fand genau an der von LEonline beschriebenen Stelle ein Konzert statt.

    Die Ez-Chaim-Synagoge war mitnichten "nur" eine (übrigens von Gustav Pflaume) umgebaute Sporthalle. Sie war die größte Synagoge Sachsens und eine der bedeutendsten orthodoxen Synagogen Deutschlands, genoss sie doch einen ausgezeichneten Ruf, ob ihrer schönen Gesänge. Für den berühmten Kantor Nahum Wilkomirsky kamen die Menschen von Nah und Fern. So steht es zumindest in zahlreichen Überlieferungen geschrieben und auch der Nobelpreisträger Samuel Agnon geht in seinem in Leipzig spielenden Buch darauf ein.

    Ein größerer Verweis oder gar eine architektonische Bezugnahme wäre mehr als wünschenswert und durchaus angebracht. Aktuell steht dort nur ein Schild, das ins Leere weißt. Leider scheint es bisher von Seiten der Stadt kein großes Interesse daran zu geben.

    ^Weiß leider auch nicht, was das hier wirklich im Architekturforum soll?

    Osteuropäische Länder mit intakter öffentlicher Ordnung? Finde die Aussage etwas schwierig. Sind Belarus, Polen, Ungarn und Russland gemeint? Gerade in Hinsicht auf den Schutz meiner LGBTI-Community würde ich das verneinen. Viele Journalisten/innen und Frauenrechtler/innen wohl auch. Vielleicht kann man ja entscheiden wie viel dieser doch sehr politisch-aufgeheizte Beitrag mit Architekturprojekten in und um Leipzig zu tun hat?

    Die Frage, die sich mir stellt: Warum kein begründest Dach? Oder einen Entwurf, der ein bisschen mehr Aufenthaltsqualität schafft. Ist das für die Stadt zu teuer? Die Stadt selber möchte aller Orten begründe Dächer, gar begründe Fassaden, aber eigene Entwürfe hierzu legt sie nicht vor. Das ist schade. Erst vor wenigen Tagen hat mit dir Time-Line dazu interessante Artikel hochgespült. Grade in Vierteln die so dicht bebaut sind, müssen doch endlich mal moderne, zukunftsträchtige Entwürfe ran, welche die Aufenthaltsqualität verbessern. Die Eisi glüht schon jetzt im Sommer und es wir nicht besser werden!

    Zu den Ladengeschäften: Guter Punkt, leider gehen in meinen Augen aber Chancen verloren, mehr Vielfalt in reine Wohnquartiere zu bringen. Natürlicherweise sind Städte da am lebendigsten, wo man sich treffen kann. Gerade die kleinen Ladengeschäfte waren doch auch ein bisschen Leipzig-Charme. Was allein in der Lilienstraße an kleinen Geschäften verloren gegangen ist, sehe ich auch im Allgemeinen nicht so positiv. Quartiere definieren sich in meinen Augen oft genug über ihre Kleinunternehmen, seien es die alten Bäckereien, der ehemalige Sami-Markt in der Südvorstadt oder das neue hippe Käsegeschäft in Plagwitz. Der Entwicklung (vor allen in Städten wie Leipzig) wieder zu kleinen, nahen Geschäften einkaufen zu gehen, wird man damit nicht gerecht. Ich frage mich, ob die paar Wohnungen die man da gewonnen hat, nicht an der falschen Stelle geholt hat, und man Charme-Potentiale vergibt (zumal immer mehr Geschäfte öffnen und Kneipen wie das Dolly Dimple verschwinden und keinen neuen Ort finden).

    Ja ich meine die Eisenbahnbrücke über die Berliner Straße, Nähe Wittenberger. Sorry, etwas unpräzise.

    Zwar ist der Bahnhof nah, allerdings glaube ich kaum, dass Anwohner*innen der neuen Viertel 18min (laut google-maps) zu ihrer S-Bahn laufen wollen. Wenn dort wirklich noch neue Bürogebäude entstehen, gemeinsam mit den Stadtwerken, wäre durchaus Potential da von den nahegelegenen Gleisen zu profitieren.
    Zwischen Hbf und Gohlis ist genug Distanz für zwei S-Bahn-Haltepunkte an Delitzscher und Wittenberger. Ich sehe die Haltestelle auch eher vor/auf der Brücke als an der kniffligsten Stelle. Sicherlich zweigeteilt, falls man eine Haltestelle für RE oder potenzielle nicht-tunnelnde S-Bahnen schaffen möchte. Allerdings bin ich auch nicht vom Fach, weiß also nicht ob das realisierbar wäre. Aber sicherlich ein technisch größerer Aufwand als an der Delitzscher Straße.

    But in Nahverkehr we trust... :S Ich finde, da könnte man auch mal was komplizierteres wagen.

    ^

    Mir ging es um die Skizzierung zweier unterschiedlicher gesellschaftlicher Strukturen. Das hat nichts mit Karl Marx oder Kapitalismus-Kritik zu tun, sondern mit der Unvergleichbarkeit zweier Epochen. Also genau das Genteil von dem was Sie tun, lguenth1.

    Strukturen heißt: Architektonischer Historismus und politischer Imperialismus gehen Hand in Hand. Die Formsprache passte zur Weltanschauung; die Mittel, woher auch immer, waren da; zum Zweck reichte es.

    Ich habe nie behauptet alle moderne Architektur sei schön und hinter einfallslosen Fassaden mit Wohnungen im Luxussegment schlummert die finale Lösung, die Utopie und die Befreiung aller Völker. ;) Vielmehr sollte man sich die aktuelle (wie auch geschichtliche) Strukturen vor Augen halten, anstatt auf einem Auge blind mit Wehmut an die gute alte (Architektur)Zeit zu erinnern und Besucher/innen in Bögen um moderne Architektur durch die Stadt zu führen... Wir ärgern uns ja heute auch nicht mehr, dass 1890 nicht mehr im Barock gebaut wurden ist. Ich sehe diese, in meinen Augen, Verklärung einfach kritisch, denn damit wird man den kommenden Herausforderungen der Stadtplanung nicht gewachsen sein.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die Frage ist interessant, aber völlig falsch beantwortet. Die identitätsstiftenden Bauten aus der Kaiserzeit - vom Gerichtsgebäude über den kommunalen Schulbau bis zum Gründerzeitbau - wurden nicht durch Ausbeutung der Arbeiter oder Einnahmen aus den wenigen deutschen Kolonien finanziert. Die Steuerbelastungen waren damals äußerst gering, und die Kolonien eher ein Zuschussgeschäft. Auch die stadtbildprägenden Gründerzeitbauten waren keine Prestigeobjekte schwerreicher Industriemogule, sondern häufig Mietskasernen für den kleinen Mann. Selbst die immer noch großartigen Wohnanlagen aus den zwanziger Jahren wurden in Zeiten größer Not errichtet.

    Bitte? Womit wurden die Gründerzeitbauten sonst finanziert? (Außer die paar Lotterien die es gab, zur Teilfinanzierung von Großprojekten)
    Es ist nun leider ein Fakt, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Armut lebte und nur eine vergleichsweise kleine Mittelschicht existierte. Die Steuerpolitik des Kaiserreiches war Teil der Klassengesellschaft und diese war von Grund auf ausbeuterisch. Da gibt es nichts zu verklären. Industrielle haben die Eisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden finanziert und wie kamen deren Gewinne?
    Ausbeutung funktioniert nicht nur über Steuern. Die absurd niedrigen Löhne bedeuteten maximale Gewinne und sind ebenso Teil dieser schon erwähnten Klassengesellschaft gewesen, deren Profiteur/innen dann im schicken Waldstraßenviertel, dem Vorderhaus, der Beletage oder auf der Kaiser-Willhelm-Straße gewohnt haben.

    Arbeiter/innen lebten in einfacheren Häusern (bspw. Albert-Schweizer-Straße, Mühlstraße, Viktoriastraße oft nicht weit von Eisenbahnstrecken). Ein weiteres Gesicht der Ausbeutung: eine Familie in einem Raum oder Zimmer - diese wurden im 12 oder gar 8h-Takt gewechselt (also nur zum Schlafen). Teilweise lebten arm und reich unter einem Dach: nur eben arm im Dachboden und reich unten in der Beletage. Der "kleine Mann" kannte sicher keine Wohnung nach unserem heutigen Verständnis. Selbst der Mittelstand lebte oft genug in Wohngemeinschaften. Das ist die Kehrseite der schönen Fassade. Also, das beantwortet ganz bestimmt die Frage, wie solche Bauten finanziert werden konnten.

    Diese Formen der Wohngemeinschaft muss nicht unbedingt negativ sein (in St. Petersburg gibt es immer noch Kommunalkas) und ich würde sie anders als die Mietskaserne nicht zur Ausbeutung zählen. Dennoch verdeutlicht dies, dass sich die moderne Architektur an die moderne Wohnqualität angepasst hat und ein Vergleich (damals waren Häuser so schön und heute alle so hässlich) nicht so einfach funktioniert, wenn man die Funktionalität und Lebensqualität berücksichtigt oder wer würde gerne mit der damaligen Wohnsituation tauschen wollen, ohne Bad und ohne Klo? Wer mehrere Zimmer bewohnen will, muss halt Abstriche bei der Dekoration machen. Moderne Architektur kommt daher, dass der Großteil der Bevölkerung in dunklen Zimmern hauste. Große Fenster, helle Räume, und Wohnungen, die sich auch ärmere leisten können, das ist doch die Idee moderner Architektur. Unsere Demokratie ist eben keine Klassengesellschaft mehr.


    Zusatz zur Kolonie, abseits des Architekturthemas: Und dann die Mähr von der Kolonie. Diese waren ein Verlustgeschäft, weil die Waren so billig exportiert wurden. Es gab eine Zeit, da konnte man sich von einem Säckchen Muskatnüssen ein Haus im Amsterdamer Hafen kaufen. Der gleiche Preise wurde sicher nicht in der Kolonie erzielt, ihre Gewinnspanne demnach gering. Erst in Europa wurden dafür Unsummen bezahlt, der Gewinn eingefahren. Dazu kommt, dass die Schiffe nicht leer in die Kolonien kamen. Europäische Waren wurden in afrikanischen Kolonien gegen Sklaven getauscht, die in Amerika auf Plantagen zwangsarbeiten mussten und deren Ertrag wiederum wurde zurück nach Europa gebracht. Dieses Gewinn-Dreieck taucht im Saldo einer einzelnen Kolonie ebenso gar nicht auf.
    All diese Güter zum Aufbau dieser Kolonien, wurden in Europa gefertigt, subventioniert vom Staat. Davon sind die Löhne der Arbeiter/innen in Europa sicherlich trotzdem nicht gestiegen und trotzdem haben Unternehmer damit massive Gewinne gemacht.

    Schade, NU, dass du extra einen Bogen um die Geschichte machst. Diese Architektur gehört eben auch dazu, der Plattenbau hat tausenden Leipziger/innen den Zugang zu moderner Wohnqualität geebnet. Gerade die St. Trinitatiskirche, und ich bin sicherlich kein Kirchennarr, ist nun wirklich ein Beispiel für Qualität Moderner Architektur, trotz der Einfachheit mit vielen kleinen Details. Ohne Progressivität gäbe es auch keinen Barock, keinen Jugendstil, Art Deco usw.

    Natürlich gibt es, gerade um das Wintergartenhochhaus, genügend Beispiele für einfallslose Fassaden -das geht besser! Aber ist es nicht auch eine Frage der Mittel? Wer will sich eine 100m2 Wohnung für ein paar tausend mtl. leisten, nur damit Figuren an der Fassade und Blümchen ins Treppengeländer geschnitzt sind.

    Denn interessant ist auch die Frage, woher eigentlich das ganze Geld für die Prachtbauten kam: Ausbeutung der Arbeiter/innen, Imperialismus und Kaiserreich. Eine multilaterale Demokratie mit Mindestlohn (zugespitzt formuliert) kann sich sowas nicht leisten: Wahlen, Opposition, Handelsabkommen und Sozialleistungen sind die Prachtbauten heutiger Zeit und sind bei weitem schöner darin zu leben. Na und die wenigen mit dem großen Kapital wollen eben nicht auffallen. ;)

    Man sollte also nicht nur "stolz" die Fassaden zeigen, sondern auch die Geschichte dahinter erzählen und dann fällt das Romantisieren von den kleinen Details und Figürchen und Türmchen und Balkönchen der Vorkriegsarchitektur gleich n bissi schwerer. Auch wenn's hübsch anzuschauen ist.

    Stimmt, hier geht es um Architektur! Daher macht es auch keinen Sinn mit ideologischer Sprache über Architektur zu reden.

    Es gibt genügend Nazi-Wörter, die wir unbewusst verwenden ("Sonder-...", "fanatisch", "asozial", "auf-/hochziehen"), die aber durch die massive Propaganda einen dauerhaft neuen Sinn bekommen haben (gerne nachzulesen beim Dresdner Sprachwissenschaftler Victor Klemperer aus dem Jahre 1947 oder Sternberger/Stolz/Süßkind). Gerade aber "entartet" ist ein allgemein bekanntes Wort des Nazi-Jargons vor allem in Bezug auf Kunst und Architektur. Um das zu wissen braucht es auch keine "Sprachpolizei" - übrigens auch ein rechtfertigendes Wort aus neurechten und rechtspopulistischen Kreisen. Sprache formt Denken und umgekehrt.

    Ich muss sagen im Vergleich zu anderen Stadtteilen sehen die Neubauten im Musikerviertel viel "architektonischer" aus. Beispiel: Vrgl: Härtelstraße 10 mit Schwägrichenstraße 5 oder Ferdinand-Rhode-Straße 22/24. Zumindest werden Ideen bei der Planung und Gestalltung verfolgt, was man leider von manchen Neubauten in der Südorstadt nicht behaupten (oder sehen) kann.

    Danke Altbaufan_ für die Eindrücke!

    Gefällt mir gar nicht. Zwischen dem Ring Café und dem Mendelsohnhaus sowas Banales zu setzten ist traurig.
    Ich hätte mir hier tatsächlich eine Hotellösung gut vorstellen können, direkt an der Notenspur zwischen Peters, Grieg, Mendelssohn, Oper und Gewandhaus.
    Dort Wohnungen zu errichten, erachte ich als unüberlegt und falsch! Etwas Belebteres hätte besser gepasst.
    Scheinbar bekommt die Auguste-Schmidt-Straße auch keine Häuserfront, mal schauen wie das am Ende wirkt.
    Trotzdem Schade! Das Area hätte besser genutzt werden können. :Nieder:

    Mir gefällt die Idee schon lange aus dem "Platz der Friedlichen Rovolution" einen "Platz der friedlichen Religionen" oder "der Weltoffenheit/Toleranz" zu machen. Kirche Synagoge und Moschee an einem Platz, gibt's wohl kaum ein zweites Mal in Deutschland!
    Seitdem die Verkleidung dran ist, bin ich sehr angetan. Hätte nicht gedacht, dass diese so hochwertig und abwechslungsreich werden könnte. Vor allem bei Sonnenuntergängen wirkt die Kirche.
    Gerade weil die Kirche nicht unbedingt dorthin passt, passt sie nach Leipzig, immerhin passt die Katholische Kirche eher weniger ins (protestantische, linke) Leipzig. :lach:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wozu breite Gehwege? Vielleicht für die Freisitze? Und ein Boulevard (in dieser Form) passe auch gar nicht zu Leipzig. Nee, wenn dann nur zu Metropolen wie Berlin oder Hamburg.

    Ich glaube in diesem Fall bezieht sich der Gehweg-Begriff allein auf den von Fußgängern nutzbaren Bereich. D.h. wenn vom 10m-breiten "Fußweg" (oder Bereich zwischen Haus und Straße :) ), 7m Freisitz belegen, bleiben 3m Gehweg.
    Ich weiß nicht mehr genau die Zahlen, aber ich meine, dass sich die Wirte schon länger darüber beklagt haben und der vereinbarte Kompromiss die Gemüter nicht wirklich besänftigte.
    Man stelle sich vor, man würde im Barfußgässchen einen 5m breiten Gehweg festlegen...
    Ein bisschen kann ich den Frust der Wirte schon verstehen und ich hoffe, dass wenn der Bau fertig ist, sich wieder alles beruhig und neue Läden auf der Karli eröffnen und die Stadt hier keinen Fehler gemacht hat.
    Ich stimme Dir zu DAvE LE, wenn der Ausbau fertig ist wird das ein toller Boulevard wie er auch in Hamburg sein könnte, schade wäre es nur, wenn man deswegen seine Lebendigkeit opfert und er damit seinen Zweck verliert.

    Um polemisch zu werden: Wenn am Ende niemand drüber läuft, hätte man die Karli gar nicht erst ausbauen müssen.
    Um moralisch zu werden: Die Verbesserung sollte nicht zur Verschlechterung werden. ;)