Carolabrücke wird breiter
Wie die SZ heute berichtet, wird am Siegerentwurf von Fhecor/TSSB umgeplant: Die Stadtverwaltung hat die Mitglieder des Bauausschusses informiert, dass die Brücke breiter werden muss - statt der angegebenen 32,5 Meter knapp 1,5 Meter mehr. Die geplanten Breiten entsprächen nicht den Vorgaben. Die Radwege müssten breiter werden, ebenso der Sicherheitsabstand für die Masten. Zwischen Gleise und Rad-/Fußweg müsste überdies auch noch ein Geländer gebaut werden.
Auch die Verlegung des Radwegs von der Neustadt Richtung Altstadt sei demnach vorerst vom Tisch. Zur Erinnerung: Dieser ist westlich der Gleise geplant, sodass Radfahrer wieder zweimal die Gleise kreuzen müssen (hinter dem Carolaplatz und vor der Synagoge). Dies hatte u.a. der ADFC scharf kritisiert - alle anderen Büros hatten den Radweg Richtung Altstadt östlich der Gleise angeordnet. Vergaberechtlich sei es schwierig, den Radweg nun zu verlegen, heißt es.
Es hat also keine zwei Wochen nach Vertragsabschluss gedauert, dass massiv umgeplant wird und sich einer der größten Vorteile des TSSB-Entwurfs in Luft auflöst - nämlich die deutlich schmalste Brücke im Wettbewerb zu sein. Mit nunmehr 34 Metern ist TSSB kaum schmaler als die übrigen Entwürfe, die sich alle im Bereich der 35 Meter befanden - unter anderem auch deshalb, weil dort Geh- und Radwege sowie Sicherheitsabstände größer waren.
Dass die Schmalheit von TSSB auf Kosten der Sicherheit geht, war schon vorher klar. Dass die veranschlagten Breiten offenbar nicht genehmigungsfähig sind und dass das in all den Monaten der Diskussion niemandem auffiel, ist skandalös und lässt mich wirklich sprachlos zurück. Jeder Meter zusätzliche Brückenbreite kostet Geld. Damit dürfte auch die Kostenobergrenze nicht mehr haltbar sein. TSSB hat hier (mutwillig?) die Öffentlichkeit getäuscht mit einem schmalen Entwurf, der so nicht genehmigungsfähig ist. Und niemand in der Stadtverwaltung oder im Expertengremium scheint das aufgefallen zu sein. Ich bin gerade wirklich fassungslos.
Damit bekommt Dresden nun in Zeiten massiver Haushaltskürzungen eine überdimensionierte, massive Brücke,
- die sehr wahrscheinlich den Kostenrahmen sprengt
- die die höchsten Risiken in puncto Genehmigungsfähigkeit hat
- die wegen der Steigung nicht als vollständig barrierefrei gilt
- deren Radwegführung auf der wichtigen Achse Neustadt -> Altstadt/Uni höchstproblematisch ist
- die wegen der Überhöhe Blickbeziehungen einschränkt
- die im Gegensatz zu anderen Entwürfen auch keine Teileröffnung (zB für die Straßenbahnen) ermöglicht.
Na herzlichen Glückwunsch, liebe Stadtverwaltung und liebe rechte/rechtsextreme Stadtratsmehrheit. Damit ist das Brückenfiasko komplett und eine Jahrhundertchance verschenkt.