Beiträge von Hans Ebert

    nothor: Völlige Zustimmung! Leider scheint es tatsächlich so zu sein, dass der Denkmalschutz aus Ohnmacht gegenüber Konzernen, Institutionen und Vater Staat selbst "nach unten tritt". Das ist typisch, wenn einem ständig bei wichtigen Projekten der Wind aus den Segeln genommen wird und wenn man ständig mitansehen muss, dass alle Argumente versagen, wenn nur der falsche Bauherr an der Täte ist. Wirklich schade, zumal viele Menschen die Sache nicht so differenziert sehen und den Denkmalschutz in toto verdammen, obwohl das System und nicht der Denkmalschutz an sich falsch läuft. Dazu kommt noch, dass die Erfassungs- und Erhaltungskriterien nicht objektiv sind. Dass das schwierig ist, weiß ich selbst aus meinen Uni-Seminaren, nur manchmal wünsche ich mir auch etwas mehr Objektivität. Manchmal wundere ich mich schon, warum es bei einem Gebäude genügt, dass so ungefähr nur die Fassade noch alt ist, während beim anderen sogar die Türstopper auf Authentizität geprüft werden. Wem nützt ein komplett versautes Barockhaus mit Glasbausteinfenstern, bei dem gerade noch das Mauerwerk von 1750 ist? Dagegen sind Ensembles wie die Adamstraße schon durchgefallen, weil ein paar Neubauten dazwischen stehen (was bei fast allen anderen geschützten Ensembles auch der Fall ist).

    nothor: Du hast Recht, was die ungleiche Behandlung von Institutionen und Privatleuten beim Denkmalschutz angeht, zumindest habe ich denselben Eindruck wie Du in dieser Sache. Was nichts daran ändert, dass die Dämmung in der Schnepfenreuther Straße nicht hätte sein dürfen und zu Recht dagegen vorgegangen wurde.
    Das hätte ich mir hier auch gewünscht. Immerhin war das alte Landeskirchliche Archiv einer der bedeutenden Leistungen des Wiederaufbaus in Nürnberg, eingebettet in eine Parklandschaft am Wöhrder See mit fast komplett erhaltener bauzeitlicher Ausstattung.


    Ich bin gespannt, ob es einen Aufschrei geben wird oder ob sich mal wieder meine pessimistische Sicht einstellt, dass die Baukunst der 50er und 60er nach wie vor nichts gilt für die meisten. Wir werden uns nochmal umschauen, wenn das so weiter geht. Ich habe noch die Klagen vieler im Ohr, die heute über die Zerstörung der Gründerzeithäuser in der Nachkriegszeit bestürzt sind (zu Recht). Die Fehler wiederholen sich, die Menschen werden nicht schlauer.


    Das mit dem "Denkmalprädikat" sehe ich ähnlich. Schon öfter habe ich mitbekommen, dass ja hie und da der Denkmalschutz "elastisch" sei – sprich: Wenn der Eigentümer unbedingt will, dann kann das Gebäude weg, weil Nachnutzung schwierig oder Sanierung wirtschaftlich nicht zumutbar usw. usf. Wenn ich mir dann aber die Leute anschaue, die dem Denkmalschutz ständig die Kompetenzen und Finanzmittel beschneiden, dann wundert mich das nichts mehr. Die wohnen in einer geschmacklosen Neubauvilla mit Säulenportikus in Bogenhausen, fahren in den Urlaub nach Venedig und Florenz wegen der schönen Altstädte und glauben dann daheim in Bayern die stumpfsinnigen Argumente der Stammtisch-Klientel und der Wirtschaft bedienen zu müssen. So von wegen: "Was interessiert mich das alte Glump?" O tempora, o mores...

    nothor: Wow, danke für die schöne "Kunst am Bau"! Besonders das Mosaik ist klasse!! Erinnert an Miró mit diesen Phantasiegestalten aus geometrischen Formen. Schade, dass diese Kunstwerke so wenig bekannt sind und meist wenig beachtet werden. Umso wichtiger sie in Wort und Bild zu dokumentieren, bevor sie verschwinden. Der Denkmalschutz muss hier mehr tun - die Kunstgeschichte hört nicht 1933 auf.

    nothor: Danke für die Bilder und Deinen Beitrag! Sieht wirklich traurig aus. Ich hoffe, dass der Schaden einigermaßen repariert werden kann, auch der zerbrochene Firstgiebel. Ich gebe Dir Recht, dass man – anstatt nun allzu sehr zu bestrafen – vor allem dem Eigentümer Hilfestellung geben sollte, damit er sein Haus auf eine dem Denkmal würdige Weise saniert bzw. restauriert. Klar darf ein solches Vorgehen nicht ungesühnt bleiben, aber mit drakonischen Strafen gewinnt man keinen Blumenstrauß. Wenn sich die Besitzer gut beraten und in ihrem Wunsch nach Wohnkomfort und finanziellen Ersparnissen verstanden fühlen, dann unterstützen sie auch eher den Denkmalschutz.

    nothor: Danke für die aktuellen Bilder! Ja, Du hast Recht. Sehr einladened sieht das Gebäude im Augenblick nicht aus. Das liegt aber maßgeblich an dem verwahrlosten Zustand. Würde man das Haus in seiner ursprünglichen Farbigkeit wiederherstellen und z.B. die Schaufensterrahmen, Gitter und Dachteile aufpolieren, sähe das Ganze schon wesentlich attraktiver aus. Ich hab da mal was vorbereitet (Originalbild: © nothor)...



    Die Farbigkeit orientiert sich an Vorbildern der 1950er Jahre (z.B. Rio-Palast in Nürnberg). Sieht doch schon gleich viel hübscher aus, oder? Klar, das ist jetzt nicht nach Befund und ganz flott gemacht. Aber ich denke, man sieht, wie sehr sich ein solch scheinbar unattraktives Gebäude verändern kann, wenn es in seiner ursprünglichen, gepflegten Erscheinung daherkommt. Genauso wie die Immobilienwirtschaft müsste die Denkmalpflege mehr mit solchen Visualisierungen arbeiten. Weil die meisten Menschen einfach keine Vorstellung haben, wie ein solches Gebäude einst aussah und nach einer Sanierung wieder aussehen könnte bzw. was man damit auch anstellen kann. Ob eine Milchbar an dieser Ecke nun sinnvoll ist, sei dahingestellt. Ist nur so ne Idee, wenngleich eine sehr suggestive. Aber warum soll Denkmalpflege nicht auch mal suggestiv sein? Man muss die Phantasie der Leute anregen und sie aufklären, ohne dabei Gelehrtendeutsch von sich zu geben. Einfach zielgruppenorientiert argumentieren!

    Schwierig. Einerseits ist es m.E. richtig und wichtig, auch Denkmale in die Denkmalliste aufzunehmen, die – sagen wir – für viele Bürger auf Grund mangelnder Information eher "unzugänglich" sind; und weil gerade Bauten aus der Nachkriegszeit rasend schnell verschwinden, muss man hier auch schnell reagieren. Andererseits ist der Vorstoß mit Blick auf die aktuellen Vorgänge nicht glücklich. Man muss da, finde ich, differenzieren zwischen der Sinnhaftigkeit des Antrags für Woolworth und Kaufhalle (ist m.E. aus denkmalpflegerischer Sicht gegeben) und der Strategie, mit der diese Bauten in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden. Letztere ist, naja, nicht so doll. In jedem Fall stelle ich auch hier fest, dass die meisten Bürger nach wie vor ein konservatives Denkmalverständnis haben und hier von Seiten der Denkmalpflege noch viel Aufklärungs- und Marketingarbeit zu leisten ist. In jedem Fall finde ich es nicht klug, Denkmale auf Grund ihres Alters und ihres Reichtums an Schmuckelementen gegeneinander abzuwägen. Das Parkhotel hätte nicht verschwinden dürfen, keine Frage. Der Woolworth sollte es aber auch nicht. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht dieselben Fehler wie unsere Großeltern machen, indem wir das wegkloppen, was uns gerade nicht gefällt, nur damit unsere Enkel klagen, was die Altvorderen alles zerstört haben. Liest man sich Berichte (teils von namhaften Kunsthistorikern) aus den 50er Jahren über Bauten des Historismus durch, dann erschreckt man oft, dass man dieselbe polemische Rhetorik heute in Zeitungen, in Gesprächen und sogar in Fachbüchern wiederfindet – mit dem Unterschied, dass jetzt die Bauwerke der 1950er und 1960er Jahre diskreditiert werden.

    nothor: Ja, Du hast Recht, dass ist nicht der aktuelleste Stand zum Thema. Gottlob ist das ganze ja nun in geordnete Bahnen gelenkt. Mir ging es nur darum, dass da schon wieder hinter, naja, eigentlich vor den Kulissen rumpolemisiert wird, obwohl das m.E. gar nicht nötig ist. Ich finde es gut, dass die Bürger entscheiden dürfen und glaube, dass die Mehrheit dafür sein wird.

    Was da im Umfeld des Ratsbegehrens um die Wieder-Ausmalung des Rathaussaals gemauschelt und polemisiert wird, finde ich schon sehr erschreckend:


    http://www.nordbayern.de/regio…unden-brodelt-s-1.3436271


    Es geht mal wieder nicht um die Sache, sondern um Personalien und darum, dass dieser und jener glaubt, er käme bei irgendwas zu kurz. Das eigentliche Thema, die Wiederausmalung und das Ratsbegehren, treten in den Hintergrund. Das finde ich sehr schade. Auch wenn ich eine Rekonstruktion der alten Malereien nicht befürworte, finde ich es doch wichtig, eine Entscheidung über eine Ausmalung zu fällen und unterstütze daher grundsätzlich den Vorstoß der Altstadtfreunde. Ich hoffe, das wird was - soll das Volk entscheiden. Und wenn das Volk dann tatsächlich die Reko will, dann ist es gut und sicher ein interessantes Experiment.

    Fürth - Rodi-Kaufhalle in der Würzburger Straße

    Gestern berichteten die NN über die ehem. Rodi-Kaufhalle in der Würzburger Straße in Fürth:


    http://www.nordbayern.de/regio…iegsarchitektur-1.3470809


    In Google Maps findet man es das Haus hier:


    https://www.google.de/maps/pla…1e3!4b1!4m2!3m1!1s0x0:0x0


    Laut Stadtheimatpfleger könnte der Bau mit Flugdach, originalen Schaufenstern und Laderampe mit leicht trapezförmigem Portal noch aus den späten 1940er Jahren stammen - eine Seltenheit. Ob es Denkmalschutz gibt, ist ungewiss. Schade, denn Fürth ist ja leider nicht so reich an Baudenkmalen der Nachkriegszeit. Die Kommentare unter dem Artikel folgen mal wieder dem altbekannten Motto: "Was mir nicht gefällt, muss weg - und jeder soll das gefälligst genauso sehen!" Man sollte diese Kommentare gleichwohl nicht als repräsentativ sehen. Die Leser der Nürnberger Zeitungen wissen um die Qualität dieser Wortmeldungen. Man darf vielleicht also noch hoffen.

    harher: Weil sie nicht wollen. Wer jeden Tag damit beschäftigt ist, originale (!) Meisterwerke vor dem Verfall zu retten, hat keine Zeit und meist auch kein Verständnis dafür, etwas komplett Verlorenes neu zu malen. Zumindest würde ich die Leute im GNM (aus persönlicher Bekanntschaft) so einschätzen. Es gibt aber gewiss Restauratoren, die so einen Auftrag annehmen würden.

    Ich finde es gut, dass die Altstadtfreunde das Thema nochmal ins Gespräch bringen. So wie er jetzt ist, halte ich den Rathaussaal auch für einen Torso. Eine Rekonstruktion der Dürerschen Malereien kann ich zwar selbst nicht befürworten – ich fände eine moderne Interpretation des alten Bestandes am besten –, aber das möge das Wahlvolk entscheiden. Bin schon gespannt, wie sich die Sache weiterentwickelt!