Vielleicht mal etwas Soziologisches:
Altenburg hat es wahrscheinlich versäumt rechtzeitig nach der Wende Gewerbegebiete auszuweisen. Ich weiß, dass das erste in Nobitz entstand, es folgten Oberlödla und Windischleuba - wohlgemerkt alle mehr oder weniger mit Einzelhandel, das schwächte die Stadt, deswegen jetzt auch die bereits zweijährige Diskussion zur Ansiedlung des Modeparkes Röther im GG Nordost (ABG). Trotzdem hat sich in der Stadt eine Art Einkaufskultur erhalten, die man in Meerane, Glauchau und eigentlich auch Crimmitschau vermisst ...
Trotzdem hat das die Stadt geschwächt, z.B. ist expert Jäger vor ein paar Jahren auch ins GG Nordost umgezogen, der erst in der Innenstadt war, somit wird in der Stadt weniger auch von Gewerbetreibenden investiert und der Einzelhandel in den Umlandgemeinden bewirkt, dass weniger Leute auf der Stadtgebiet einkaufen also Geld in den Haushalt der Anrainerkommunen fließt - de facto weniger Geld für ABG.
Der größte Arbeitgeber in ABG ist der öffentlich Dienst, ich glaube so ca 400 das LRA und ca 300 Stadtverwaltung, danach kommt lange nichts ... mit je 160 Mitarbeitern Südost Fleisch, Fräger Antriebstechnik und ASS Altenburger. Alle anderen Firmen haben unter 100 Mitarbeiter (und die sind auch nicht zahlreich), es gab (gibt) also für gut ausgebildete kaum Chancen hier Arbeit zu finden (die Thüringer sind wahrscheinlich die Pendlernation schlechthin und ABG führt sie an). Langsam brauchen die Firmen wieder Leute, aber die Jungen sind weg und kommen nicht wieder. Hinzukommt das die die noch da sind (so ungefähr meine Generation) wenig für Jugendliche zu bieten bekommt, gut Music Hall (obwohl da häufig Heavy Metal gespielt wird), Kino, ein paar coole Kneipen, obwohl ich gehört hab das eine auch bald wieder zu macht. Die Discos sind alle außerhalb z.B. in Kotteritz (Dorf 3 km sö der Innenstadt), Schmölln (10 sw) oder halt Leipzig (50 km) und da fahren auch die meisten Altenburger zum Einkaufen hin (wieder schlecht für die Gewerbesteuer). Es gab mal eine geile Location, das Kanonenhaus, es ist allerdings 2008 abgefackelt und nicht wieder irgendwo aufgemacht worden.
Nun zum Gebäudebestand: Der Bürgermeister von Gößnitz hat es mal passend gesagt (sinngemäß): die Besucher unserer Stadt sollen einen positiven Eindruck haben, also bitte liebe Einwohner, saniert eure Häuser oder reißt sie ab!
Genauso verhält es sich überall - und ich will jetzt nicht ausschweifend von Meerane anfangen, deren baukulturelles Erbe in hübschen recht großen Fabriken des 19. Jhd bestand, die letzte wurde es vor 2 Wochen plattgemacht. Und die letzte schöne Ecke am Teichplatz ist jetzt mit dem "Höhlermuseum" verschandelt.
Naja wie dem auch sei, die Sache ist ja die, dass dort abgerissen wird wo Verkehr ist und in der Teichstraße ist das der gesamte Verkehr aus dem Süden, weitere betroffene innerstädtische Straßen sind Wallstraße, Burgstraße/Johannisstraße, vor allem auch Puschkinstraße und Luxemburg/Gabelentzstraße. Wer will an einer Hauptverkehrsader wohnen? Heute habe ich da erst mehrere Paradebeispiele gesehen, die Haupstraße schlechthin führt direkt über den Markt und zwar in Tetschen-Bodenbach, Bad Schandau und Gößnitz. Außerdem hör ich immerwieder von Leuten, die auf der Achse Leipzig-Zwickau verkehren, dass sie lieber durch die Innenstadt fahren als auf der Ortsumgehung. Geht mir auch so, aber weil ich nur ein Motorrad habe und die OU reizlos zum Überholen ist.
Ach ja und noch so ein Zitat: Jede Generation soll sich verewigen und hat damit die Legitimation Neues zu bauen (finde ich in einer Innenstadt wie ABG zwar unpassend, aber das denken halt viele)
Gut vielm Text, hoffe es hilft weiter und liebe Grüße an alle Mitdiskutierer und Mitleser.