Ist Länge wirklich alles? Die Forderung „mindestens 400 Meter, damit wir London übertrumpfen“ erinnert mich jedenfalls eher an einen gewissen anatomischen Größenvergleich als an Stadtplanung. Auch bei Hochhäusern gilt: Ein paar Meter mehr machen noch lange keine gute Figur.
Frankfurt braucht aus meiner Sicht keinen 400-Meter-Turm als Beweis dafür, dass die Banken genug Geld verdient haben. Entscheidend wäre, was ein solches Gebäude architektonisch und städtebaulich bietet: Welche Nutzung hat es? Wie fügt es sich ein? Und entsteht am Boden ein attraktiver Ort für Menschen oder lediglich eine beeindruckende Kulisse aus der Ferne?
Auch die pauschale Ablehnung der Clusterbildung überzeugt mich nicht. Gerade das Zusammenspiel mehrerer Türme schafft eine Skyline. Unterschiedliche Höhen, Formen und die Staffelung geben ihr Tiefe und Wiedererkennungswert. Ein Solitär kann ein großartiges Wahrzeichen sein; mehrere isolierte Türme ergeben aber noch lange kein überzeugendes Stadtbild.
Natürlich kann ein Cluster auch schlecht gestaltet sein. Wenn Türme sich gegenseitig verdecken, kaum Freiräume bleiben und auf Straßenebene eine abweisende Umgebung entsteht, ist Kritik berechtigt. Daraus folgt für mich aber, dass man die Cluster besser gestalten sollte – nicht, dass man sie grundsätzlich abschaffen muss.
Und ein kleiner Widerspruch steckt schon in der Argumentation: Einerseits werden Hochhäuser als kapitalistische Selbstdarstellung kritisiert, andererseits soll Frankfurt ausgerechnet einen besonders großen Glaspalast bekommen, um eine andere Stadt zu übertrumpfen.
Ich würde Frankfurt lieber an der Qualität seiner Architektur messen als am längsten Gebäude. Eine gute Skyline braucht Charakter, keinen Zollstock, keinen P****-Vergleich.