Beiträge von arnold

    Das Problem was Chemnitz aktuell hat: es gibt kaum hochwertigen und teuren innerstädtischen Wohnraum, der aus dem - wie Arwed es nennt - Einheitsbrei hinaus geht. Damit verliert Chemnitz aber auch zwangsläufig alle die, die es sich leisten können - nämlich Gutverdienende, die es in Chemnitz logischerweise auch gibt (Ärzte, Lehrer, Uni-Angestellte, etc.). Diese bauen dann entweder auf der Wiese vor den Toren der Stadt selbst oder ziehen direkt nach Leipzig und pendeln täglich. Diese Menschen nutzen dann nicht bzw. nur selten die Angebote der Innenstadt, die Kulturangebote der Stadt, die Museen, Restaurants und Grünflächen. Im Grunde dreht sich darum genau das große Problem der Chemnitzer Innenstadt. Eine Innenstadt mit geringer Kaufkraft entwickelt sich nach "unten" - und verliert immer weiter an Attraktivität. Davon abgesehen ist Chemnitz noch sehr weit davon entfernt, dass Gutverdiener und Geringverdiener bzw. die dazwischen um Wohnraum konkurrieren müssen. Ich kenne nicht die aktuellsten Leerstandszahlen in Chemnitz - aber irgendwas zwischen 14 und 19 Prozent müsste es sein. Und Laut BBSR ist das eine "schwere Leerstandskrise" (https://sciendo.com/pdf/10.1007/s13147-015-0361-8). Gentrifizierung wie sie in Berlin oder München stattfindet sollte natürlich um jeden Preis vermieden werden. Eine gewisse Gentrifizierung ist aber notwendig für die Entwicklung einer Stadt und die soziale Mischung der Bewohner. Und gerade bei den aktuellen Bauvorhaben um die Innenstadt herum, bietet es sich an, auf hochwertige Ausstattungen und höhere Mieten zu setzen.


    waldkauz: Gehst du gerne in die Innenstadt einkaufen? Und bezogen auf deine Antwort, warum?

    Ich hatte hier auch schön öfter über die Entwicklung dieses Bereiches nachgedacht… Dabei bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ein kompletter Rückbau der Gebäude nicht das Ziel sein sollte. So wie Rückbau generell nicht das Ziel in Chemnitz sein sollte - sonder Neubau und Verdichtung. Was ich mir dabei gut gefallen würden, wäre der Rückbau der flussseitigen Hintergebäude, eine Verdichtung in Richtung Straße aber trotzdem die Beibehaltung einer Durchlässigkeit in Richtung Fluss. Damit würde man die Chemnitz zugänglich machen, es wäre trotzdem eine Grünverbindung vorhanden aber man würde sich dennoch im Zentrum einer 250.000 Einwohner statt wähnen.

    Eigentumswohnungen und Townhouses?


    Hört sich nicht so an als wenn es was für die Mehrheit der Leute wäre..

    Chemnitz braucht ganz dringend hochwertige und teure Wohnungen im Zentrum. Von daher bin ich damit mehr als einverstanden. Eine Stadt braucht soziale Mischung - und dazu gehören auch Gutverdienende, die im Zentrum leben und die Angebote der Stadt, insbesondere der Innenstadt, nachfragen und nutzen.

    Ich kann es kaum erwarten - wenn bei anhaltendem demographischen Wandel vor allem in den Plattenbaugebieten - die GGG endlich in Schieflage gerät und die strategischen Fehler der letzten 30 Jahre aufgearbeitet werden müssen und entsprechende Verantwortungsträger hier Rechenschaft ablegen müssen. Ein derartiges Missmanagement ist wirklich unglaublich.

    ^^


    Du verwendest den Begriff der Urbanität in diesem Kontext falsch. Denn gerade der Kulturpalast schafft durch seine vielen unterschiedlichen Nutzungen und Funktionen eine sehr hohe Urbanität. Davon abgesehen ist der Kulturpalast seit seiner Sanierung ein wirklich schönes Gebäude. Die Frage bezüglich eines Rückbaus stellt sich zudem überhaupt nicht.

    ^ Finde ich nicht. Dresden braucht ganz massiv Dichte und Bebauung. Jeder Baukörper der eben nicht zugunsten einer Grünfläche abgerissen wird, ist wichtig für das Stadtbild. Würde sich die neue Lingnervorstadt auch auf die Fläche der Kantine ausdehnen, wäre ich damit einverstanden, würde das sogar sehr begrüßen. Der Rückbau für noch eine Grünfläche in einer gefühlt aus Grünflächen bestehenden Stadt macht nun überhaupt keinen Sinn.

    ^ Stimme ich vollkommen zu: Die Robotron-Kantine ist das geringste Problem. Eine Grünfläche an der Stelle erzielt meiner Meinung nach auch überhaupt keinen Mehrwert. An Grünflächen mangelt es in DD nun wirklich überhaupt nicht. Eine Kunsthalle - wie das ursprüngliche Konzept mal vorgesehen hat - schafft diesen Mehrwert aber definitiv und würde neben dem Hygiene-Museum ein zweites kulturelles Highlight in dieser sonst sehr dürftigen Gegend der Stadt bieten. Der Fokus sollte hier am Gelände nördlich der Lingnerallee liegen. Hier besteht dringend Handlungsbedarf, wenn man die Lingnervorstadt an die Innenstadt anbinden möchte.

    Die Deutsche Bahn lässt landauf, landab ihre Bahnhöfe vergammeln, größere Investitionen werden nur in gewisse Prestige-Bahnhöfe getätigt. Gerade im ländlichen Raum verwahrlosen die alten, oft wunderschönen Bahnhofsgebäude zusehends. Warum sollte es also in Berlin anders sein?

    Besser als die frühen, verschwommenen Entwürfe vermuten ließen aber für diesen Top-Standort leider ganz klar unter dem, was hier möglich gewesen wäre. Hier hätte man die Chance gehabt, wirklich Stadtreparatur betreiben zu können - im Blockrand bzw. in einer halboffenen Bebauung mit unterschiedlichen Fassaden - sehr gerne modern. Eine Weiterführung der Mittelstands-Meile hätte ich sehr begrüßt. Gerade der Getreidemarkt bietet doch hier wirklich vielfältige Möglichkeiten.

    Es war auch nicht mein Lieblingsentwurf aber ich finde, der Brunnen macht sich an der Stelle gut. Und bei der Eröffnung war für Chemnitzer Verhältnisse wirklich sehr viel los. Damit trifft er offenbar den Geschmack der Chemnitzer und das finde ich wichtig. Insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis.

    Für einen reinen Behördenstandort wäre die Fläche wirklich zu schade... Zumal es aus meiner Sicht in direkter Umgebung noch zahlreiche städtebauliche Fehlstellen gibt, die für einen Büro-Neubau bzw. eine Erweiterung des Landtages ebenfalls geeignet wären, ohne hier großflächig Entwicklungspotentiale für ein lebendiges Stadtquartier opfern zu müssen. Ich werde die Lage auch weiterhin als perfekt beschreiben - siehe meine Argumentation von weiter oben. Innerstädtisch existiert keine verfügbare Fläche mit derartigen Lageeigenschaften mehr. Dass das Gebiet entlang des Schützenhauses nicht das lebendigste ist, liegt ebenfalls an der geringen Dichte der Bebauung der gesamten Willsdruffer Vorstadt und somit auch Bevölkerung. Wo soll hier Belebung herkommen? Aus den Zeilen der 60er und 70er Jahre sicher nicht. Es wird so kommen wie du schreibst, ich finde es dennoch sehr schade und eine komplette Verschwendung der Ressource Boden in einer an Dichte armen Stadt.

    Das ruhige Hinterland habe ich an dieser Stell dennoch: In Richtung Packhofstraße bzw. Ostra-Allee wohnt es sich sehr ruhig. Die Devrientstraße sehe ich nicht als Problem und der 26er-Ring samt Bahntrasse wäre - wie im Stadtmodell - durch einen Hochpunkt entsprechend abgeschirmt. Weiterhin würde die Neubebauung natürlich entsprechende Grundrisse sowie lärmmindernde Einbauten ermöglichen (Verglasung). Die Lagevorteile - direkte Nähe zur Innenstadt, zur Elbe sowie in Richtung Ostra-Gehege - sowie ein möglicher Zwinger-Blick überwiegen hier aus meiner Sicht aber deutlich. Zusätzlich wächst der Anteil an E-Fahrzeugen stetig. Lärm wird hier in Zukunft selbst bei Beibehaltung der B-Straßen nicht mehr die gleichen Lagenachteile bedeuten wie heute.

    Wenn ich mir die Verkehrsmengenkarte im Themenstadtplan ansehe, finde ich allerdings sehr wenige Bereiche, in denen bei einer vergleichbaren Dichte neue Wohnbebauung geplant ist bzw. entsteht.

    Dresden verfügt noch immer über ein enormes Verdichtungspotential - auch in vermeintlich "ruhigeren" Gegenden der Stadt. Die neue Pirnaische Vorstadt entsteht auch in direkter Nähe zum Georplatz und der St. Petersburger Straße.

    Städtebaulich finde ich die Volumen für das Gebiet im Stadtmodell sehr gelungen und als lebendiges Quartier mit einer starken Funktionsmischung könnte hier ein attraktiver Stadtraum in bester Lage entstehen. Die unterschiedlichen Höhen und die starke Durchwegung haben schon fast einen gewachsenen Charakter. Sehr schade, dass man nun von diesen Plänen offenbar komplett abweicht und sich wieder einmal mit dem Minimum arrangiert. Für die Lage - gerade als Wohnstandort doch perfekt - wirklich eine vertane Chance. Sehr schade...

    Im Grunde stimme ich den Vorrednern zu: ein aktiver B-Plan für die kleine Fläche würde die städtebaulich komplett verhunzte Situation an dieser Stelle auf Jahrzehnte zementieren. Die Problemlagen wären nach wie vor die gleichen: Die St. Petersburger Straße verliert nichts an ihrer trennenden Wirkung und wird räumlich nicht kleiner und innenstadtverträglicher gestaltet; die betsehenden Hochhäuser entlang der Grunaer Straße werden nicht berücksichtigt und in eine zukünftig zu planendes Quartier integriert, genauso wenig wie der Pirnaische Platz. Hier fehlt - wie eigentlich immer in DD - ein strategischer Plan. Wo will die Stadt mit dem gesamten Gebiet in den nächsten 20 Jahren hin? Stückwerk führt hier nicht zu zufriedenstellenden Lösungen. Hier müsste das gesamte Areal südlich der Grunaer Straße, westlich des Großen Gartens, nördlich der Bürgerwiese sowie östlich des Altmarktes betrachtet werden.


    Im Gegensatz zu meinen Vorrednern macht aber aus meiner Sicht die Wiederanlegung der Lingneralleé hier überhaupt keinen Sinn. Die Allee würde am 50/60er Jahre Bau an der Ringstraße enden - wie man auf dem Plan von Civitas Fortis gut sehen kann. Eine Verlängerung hin zur Landstraße ist mehr als unrealistisch und einen Abriss des Karrees zwischen Ringstraße, Wilsdruffer Straße und Gewandhausstraße lehne ich ab. Hier handelt es sich um einen attraktiven Vertreter seiner Zeit, funktional und gestalterisch passend für die Stelle am Eingang in die Dresdner Innenstadt.


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    Aus meiner Sicht existieren zwei Möglichkeiten, hier wieder ein lebendiges Stück Innenstadt zu schaffen:

    1.) Beibehalten des aktuellen Querschnittes der St. Petersburger Straße jedoch unter Bebauung der mittleren Teile. Im Grunde wäre das dann ähnlich des Wiener Ringes bzw. der 2er-Linie, die parallel zum Ring in andere Richtung verläuft. Dann müsste man sich aber ernsthaft Gedanken um eine Verdichtung der Seiten des Pirnaischen Platzes machen und die Hochhäuser entlang der Grunaer Straße einbinden. Eine Umsetzung halte ich langfristig für möglich und realistisch.

    2.) Eine komplette - wie oben zu sehende - Reduzierung der St. Petersburger Straße und eine Neubebauung auf beiden Seiten. Aber dann macht die Lingnerallee dennoch keinen Sinn. Aus meiner Sicht ist dieses Szenario auch mehr als unwahrscheinlich. Keine politische Partei in DD würde diesen Plan tragen und - seien wir ehrlich - dem Dresdner wäre das wohl auch ein Eingriff in seine ganz persönliche Autofahrer-Freiheit.


    Szenario 1 stelle ich mir in etwa so vor:
    - Blockrandbebauung mit unterschiedlichen Höhen und einer differenzierten Dachlandschaft

    - kleiner Hochpunkt (ca. 60m) an der südöstlichen Bebauung (St. Petersburger Straße/ Grunaer Straße)

    - Einbindung der Hochhäuser in eine kleinteiliger Struktur, Verzicht auf gleichförmige Blockstrukturen

    - erweiterte Durchwegung des Quartiers in Form von Passagen und teilöffentlichen grünen Innenhöfen

    - lebendige Erdgeschosszonen durch verpflichtende Erdgeschossnutzungen für Kunst, Treffpunkte, etc.

    - Offenlegung des Kaitzbaches vor der neuen Bebauung


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    ^ Ich glaube eher die sächsische CDU hat hart daran zu knabbern, über Jahre hinweg, sämtliche Investitionen zurückgehalten und den ländlich-peripheren Raum komplett ihren Funktionen entzogen zu haben. Das rächt sich nun mit AfD, Freien Sachsen, dem Dritten Weg, etc. Plauen macht sicher Sinn. Allerdings wäre diese Erkenntnis schon vor 20 Jahren notwendig gewesen. Die Geister, die geweckt wurden, werden nun so einfach nicht mehr verschwinden. Totales Politikversagen einer neoliberalen Sachsen-CDU seit nunmehr über 30 Jahren.

    Zeitgenössische Architektur (die Moderne liegt ja mittlerweile hinter uns) möchte ich verteidigen: die ist natürlich in der Lage, Großartiges zu schaffen. Bei dem was hier entwickelt wird, wird es sich jedoch wohl um einfachste Investoren-Architektur ohne jeglichen gestalterischen Anspruch handeln. Aber du hast recht: noch kann ich darüber nicht urteilen ;) Warten wir mal die ersten Entwürfe ab.