Beiträge von aedificator

    Einige kurze Anmerkungen zu DaseBLN:

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    Mal abgesehen davon, dass ich eine städtebauliche Idee nicht unbedingt deswegen gleich eine regionale Ausprägung erfährt, nur weil sie an einem bestimmten Ort errichtet wurde


    Wenn es um einen bestimmten Ort geht, dann doch ;) Der Gedanke hinter dem Konzept mag universell gewesen sein, die konkreten Planungen schließlich – auch in Leipzig – waren ortsgebunden und stellen deshalb selbstverständlich eine regionale Interpretation derselben dar. Man darf doch nicht erwarten, dass es keine Ähnlichkeiten zwischen zeitgleichem Städtebau in verschiedenen Regionen gab. Historisch gesehen war das doch zu jeder Zeit der Fall. Ein römisches Forum in der kleinasiatischen Provinz hatte trotz frappierender Ähnlichkeiten mit einem zeitgleichen Forum in Spanien trotzdem regionale Besonderheiten und Anpassungen aufzuweisen. Als Höhendominante fungierte in Leipzig nun einmal das Brühlpelz-Hochhaus. Ein derartiges Gebäude mit dieser Anknüpfung an historische Handelstradition macht nur in Leipzig Sinn, Punkt.

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    stellt sich mir immer noch die Frage, wieso das kleine Leipziger Zentrum Platz für etwas zur Verfügung stellen soll, dass in ähnlicher Form aber konsequenter ausgeführt weiterhin en Masse in Ostdeutschland vorhanden ist.


    Warum Du Dir diese Frage überhaupt stellst, erschließt sich mir kein Stück. Ich würde zunächst gern wissen, wie Du darauf kommst, dass die leipziger Innenstadt zu klein sein könnte, für Architektur die dort seit über 40 Jahren steht. Es muss kein Platz „zur Verfügung“ gestellt werden, er wird bereits genutzt – ein kleiner Unterschied, nicht wahr? Und was wenn anstelle des Brühlpelz-Hochhauses etwas Neues gebaut wird? Hoffentlich bleiben wir davor gewahrt, dass es andernorts etwas Ähnliches, vielleicht sogar Konsequenteres moderner Architektur geben könnte!
    Irrelevant bleibt für mich also auch weiterhin, dass andernorts in der DDR in den 60er Jahren auch Städtebau betrieben wurde. Bei Deiner Argumentation nach dem Muster: ‚Anderswo gibt’s noch genug Besseres, also weg damit‘ bekomm ich förmlich Pickel! Da fällt mir tatsächlich, insbesondere weil Du so darauf beharrst, nichts mehr ein, außer Dir mein Entsetzen zu bekunden. Architektur hat für mich grundsätzlich ersteinmal das Recht, das man ihr unterstellt erhaltenswert zu sein und zwar unabhängig davon was andernorts zeitgleich passiert ist - gerade auch dann, wenn sie auf Jahrzehnte im Stadtraum verankert gewesen war.

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    Wir haben es hier dagegen maximal mit einem Fragment zu tun, dass für sich gesehen völlig nichtssagend ist


    Die Fragmentierung ist tatsächlich weit fortgeschritten. „nichtssagend“ ist aber definitiv über das Ziel hinausgeschossen. Das Brühlpelz-Hochhaus bleibt als Höhendominante bestimmend für diesen Teil der Innenstadt, sogar ohne die Weite des Sachsenplatzes und die Wohnhäuser zum Ring. Der kleine Vorplatz zur Reichsstraße samt dortigem Wohnblock gibt weiterhin immerhin einen kleinen Einblick in die Konzeption der Gesamtanlage.

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    entsprechend im architektonischen Rückblick, ob nun in epochenübergreifender Literatur, oder solcher, die sich explizit mit der DDR-Baugeschichte befasst, im Gegensatz zu anderen Leipziger Bauten der DDR Moderne zurecht mit Nichtbeachtung gestraft wird.


    Stimmt natürlich (wenn man das „zurecht“ wohlwollend überliest). Na und? Nicht alles erhaltenswerte muss seinen Weg in Fachliteratur gefunden haben. Keiner behauptet, dass das Brühlpelz-Hochhaus die Speerspitze moderner DDR-Architektur gewesen wäre. Muss man daraus nun direkt eine Legitimation für den Abriss ziehen? Mir erschließt sich das auf diese Weise keineswegs.
    Das Brühlpelz-Hochhaus als Teil des Sachsenplatzes ist ein repräsentatives und regional gefärbtes Beispiel modernen Städtebaus der 1960er Jahre in der DDR. Soweit wirst Du mir doch vielleicht zustimmen?! Größer würde der gemeinsame Nenner dann sicher auch nicht mehr werden, weil Du daraus eine Legitimierung für einen Abriss ziehst und ich einen Grund für den Bestand gewinne.

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    Ähnlich wie andere baugeschichtliche Epochen wird entsprechend auch die DDR mit ihren durchaus vielseitigen Baustilen langfristig nur mit ihren besten Bauwerken im Innenstadtbild vertreten bleiben.


    Völlig falsch. Entschuldig! Kriterium für den Erhalt von Bausubstanz vergangener Epochen war in der Geschichte seltener Qualität als Funktionalität. Kleinteilige mittelalterliche Architektur beispielsweise ist den großen Messehäusern- und höfen nicht gewichen, weil es anderswo bessere Beispiele gab und sie so verzichtbar wurden, sondern weil sie den Anforderungen an moderne Funktionalität nicht mehr entsprochen haben. Die Verluste des 2. Weltkrieges waren indes ebenso willkürlich wie Brände und andere Katastrophen.
    Weiterhin haben sich auch zahlreiche Bauten der Vorkriegs-Epochen im Innenstadtbild erhalten, die keinesfalls in jeder Hinsicht besonders und herausragend wären. Und auch das finde ich – ganz persönlich gesagt – sympathisch.

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    Der wesentliche Vorwurf gegen die von Ihnen diskutierten Gebäude bleibt aber, daß sie
    - die Raumkanten ignorieren
    - Hinterhöfe, Brandgiebel und Brachflächen freilassen
    - unegal über die Nachbargebäude hinausragen

    Soweit ich weiß, hat diese Situation auch keiner bestritten. Worin wir uns uneins sind und uneins bleiben werden sind zwei Dinge:
    1. Ist diese Situation ein architektonischer Makel.
    2. Muss diese Situation dringend geändert werden.

    Zu Ersterem wurde schon genug gesagt. Das Konzept, wie die (Innen-)Stadt als Organismus funktionieren soll, hat sich mittlerweile geändert. Zur Bauzeit entsprachen die von Dir angesprochenen Punkte durchaus dem Planungswillen. Rücksicht auf die bestehende Bebauung war nur in Maßen (etwa Straßenseitig zum Brühl) relevant. Als Solitär und im Kontext der Platzgestaltung war es überdies dringende Voraussetzung mit alten Raumkanten zu brechen und dabei neue zu etablieren.* Das Ergebnis, nämlich die von Dir angesprochen Punkte, mögen uns heute missfallen, zur Bauzeit wären sie als bewusste Instrumente zur Abgrenzung und Betonung moderner Stadtgestaltung zu bewerten. Man kann dies dem Ensemble (bzw. seinem Rest) mit den Maßstäben seiner Zeit nicht als mangelhaft ankreiden, weil nicht zur Diskussion stand, darauf Rücksicht zu nehmen. Diese „Ignoranz“ ist bitte auch nicht auf die ideologische Schiene zu reduzieren. Bereits seit den 20er Jahren gab es weltweit Überlegungen und Konzepte, die ähnlich rabiat mit bestehender Architektur umgehen wollten, die aber frei von ideologischen Motiven waren.

    Zu Zweitem wurde auch schon einiges gesagt. Es mag gute Gründe dafür geben, diese Situation als Missstand zu bezeichnen und beheben zu wollen. Ebenso darf aber auch akzeptiert werden, dass diese Punkte bei Teilen der Forumsgemeinde keinesfalls ausreichen um einen Abriss zu legitimieren. Unterstellungen, die hinsichtlich einer „Glorifizierung“ gehen, laufen hierbei übrigens völlig falsch. Man muss Architektur nicht mögen, um für ihren Erhalt einzustehen. Nüchtern betrachtet hat – für mich jedenfalls – das Brühlpelz-Haus einen historischen Wert: Als Teil einer regionalen Interpretation moderner Stadtgestaltung der 1960er Jahre. Weiterhin mag ich mich – und das ist eine ganz persönliche Meinung – mit manchen Interpretationen von „Stadtreparatur“** nicht anfreunden. Leipzig ist eine historisch gewachsene Stadt. Das darf man meinetwegen auch in Bezug auf die DDR-Architektur weiterhin sehen, anstatt einen (sicher auch begründbaren, aber fiktiven) Ursprungszustand in puncto Raumkanten wiederherstellen zu wollen.

    * Es ist ja nun auch nicht so, dass Raumkanten verpuffen. Durch Neubauten entstehen grundsätzlich immer Raumkanten, eben auch mal neue, die nicht identisch sind mit jenen der Vorgängerbebauung.
    ** Das Schließen von Kriegslücken mit dem Abriss von Nachkriegsarchitektur gleichsetzen zu wollen, stößt mir bitter auf.

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    Natürlich wäre die Rückseite des Messeamtes aus heutiger Sichtweise eine Katastrophe. War das zur Bauzeit allerdings relevant - eher nicht. Architektur kann nunmal nur selten die Anforderungen der Zukunft im weiteren Sinne erfüllen und sollte deshalb m.E. nach auch nicht an deren Maßstäben gemessen werden. Deshalb wird es auch niemals gelingen Vorgänger- und Nachfolgebebauung objektiv zu vergleichen, weil automatisch Maßstäbe angesetzt werden, die frühere Bebauung nicht erfüllen kann - weil sie das auch nie sollte. Dass die Marktgalerie das Karee besser schließt und keine Brandmauer offen lässt - geschenkt. Wäre das mit den Mittel der Architektur der 1960er Jahre auch möglich gewesen - sicherlich. Haben deshalb die DDR-Planer versagt? Würde ich jedenfalls nicht so sagen. Es wurde bedarfsgerecht gebaut (und hierfür ist der Bauherr relevant) und den zeitaktuellen Anforderungen gerecht geplant. Das unsere Anforderungen an Architektur heute andere sind, sollte jedoch kein Mangel vergangener Epochen sein, sondern ist lediglich Ausdruck einer veränderten Baukultur. Dass diese Veränderung folgerichtig zum (stellenweise auch hier im Forum geforderten) Komplettabriss oder großflächigen Tilgen von DDR-Architektur führen sollte, das würde ich gern anzweifeln ;)

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    So richtig schlau wird man aber erst, wenn man anfängt, Architektur im Kontext ihrer Zeit zu betrachten. Gärnter hat nämlich keinesfalls, wie Du offenbar irrtümlich annimmst, gesagt, dass das Messeamt der Marktgalerie gleichwertig wäre, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen wollen, dass Marktgalerie und Messeamt in ihrer jeweiligen Bauzeit nunmal als Durchschnittsarchitektur zu begreifen sind. Der wichtigste Unterschied liegt in der Vermeidung einer gegenseitigen Abwägung und Wertung von Architekturepochen. Eine Vorgehensweise, die sich in einer historischen Betrachtung grundsätzlich empfielt.
    Viele Missverständnisse hier im Thema rühren - so glaube ich - vor allem daher, dass manche in einer neutralen und sachlichen Betrachtung von DDR-Architektur automatisch eine Art "Glorifizierung" sehen. Das es darum aber nicht geht, wurde schon mehrfach deutlich geschrieben.

    -> Zu Grünau nochmal: Plattenbau war wirtschaftlich gesehen die einzig realistische Möglichkeit massenhaft modernen Wohnraum bereitzustellen.

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    Die "Reduzierung auf einige wenige besondere Exemplare", die aedificator beklagt, hat eben aufgrund der geringen Größe der Leipziger Innenstadt bis jetzt noch jede Bauepoche getroffen. Man soll also bitte mal nicht so tun, als ob hier aus politischen Gründen das ungewünschte Erbe einer verhassten Diktatur entfernt werden soll. Messeamt am Markt, EBL-Bürogebäude, Interpelz am Nikolaikirchhof, Brühlscheiben etc. sind ersetzt worden, weil sie den neuen Ansprüchen bzw. Nutzungen schlicht nicht gewachsen waren. Aus genau diesem Grund blieben wiederum ein Messehaus am Markt, ein Uni-Seminargebäude, ein Uni-Riese usw. stehen. Der stetige Neubau und Ersatz existierender Gebäude ist DAS Kontinuum der Baugeschichte der Leipziger Innenstadt. Wenn hier der bedingungslose Erhalt von Mittelmaß gefordert wird, entspricht das also der Forderung nach einer Ausnahme, wie sie bisher keiner baugeschichtlichen Epoche zugestanden wurde.


    Und dieses Kontinuum wird doch nicht gebrochen. Du hast doch selbst zahlreiche Beispiele genannt, die bereits verschwunden und durch Neubauten ersetz worden sind. Aber nur weil Abriss und Neubau zur Geschichte der Innenstadt zählen ergibt das noch keine Zwangsläufigkeit zum Abriss weiterer Bauten der DDR-Architektur. Mir wäre - ganz naiv gesagt - eine etwas neutralere und offenere Persepektive lieber, als wie sie hier von den meisten Autoren im Thema angestebt wurde. Nach Gründen zu suchen die einen Abriss rechtfertigen ist meiner Meinung nach kein angemessener Umgang mit dem Bauerbe allgemein - egal welcher Epoche. Bessere wäre grundsätzlich (und an vielen Stellen gelingt das ja schon dankenswerterweise) zu überlegen, wie dieser Teil der Architekturgeschichte unserer Stadt in unsere heutigen und modernen Ansprüche integrierbar wäre. Aus diesen Überlegungen das vermeintliche "Mittelmaß" von vornherein auszuschließen ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

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    ^ Dieses "städtebauliche Konzept" (ich würde es mal eher als Idee bezeichnen) ist in ähnlicher Form weiterhin in der Universitätsstrasse, am Georgiring und am Augustusplatz zu betrachten, außerdem gibt es das en Masse in anderen Stadtteilen, halbe Innenstädte sind Andernorts in dieser Form gebaut. Und da reden wir nur von Ostdeutschland, nicht vom gesamten Ostblock. Es besteht schlicht nicht die Gefahr, dass man diese städtebauliche Idee künftig nicht mehr erleben können wird.


    Ich sag doch gar nicht, dass ich Angst habe, man würde diesen Teil der Architekturgeschichte restlos tilgen wollen. Mir ist schon klar, dass zahlreiche Reste der DDR-Architektur im Stadtbild erhalten bleiben werden. Darum geht es ja auch gar nicht. Du wünschst Dir aber den Abriss dieses speziellen Bauwerkes. Das mag Dir zustehen, aber die Begründung dafür reicht für meine Seite nicht aus, sodass ich dir da nicht beipflichten will. Ich glaube es ist auch besser diesen Konflikt so stehen zu lassen, weil wir wohl da grundsätzlich verschiedener Ansichten sind. Viele Dinge mögen auch subjektiver Bewertung geschuldet sein. Manche stört ein solcher Fremdkörper - gerade auch wegen den mehrfach beschrieben städtebaulichen Unzulänglichkeiten im Hinblick auf aktuelle Anforderungen - andere erfreuen sich an Brüchen und der Sichtbarkeit wechselhafter Architekturgeschichte auch in diesem Kontex. Nehmen wir wie es ist und warten gespannt, wie sich dieser Teil der Innenstadt entwickeln wird. Mit dem Tempo, in dem es gerade Veränderungen gibt, darf man gewiss gespannt sein, wie sich die Situation in 5 oder 10 Jahren darstellt.

    Das gibt direkt Anschluss um auf Gärtners Anregung zu reagieren. Der Entwurf der Stadtbau ist natürlich mit meiner Argumentationsweise völlig inkompatibel, weil er die Fassadengestaltung an allen Stellen zerstört.
    Die Fensterbänder weichen einer große Glasfläche, die mit dekorativen Panelen belebt werden soll (und muss), welche mich an jene der Sanierung am Westplatz erinnern. Die großen Fensterfläche des Treppenhauses fällt einer Verkleidung zum Opfer und wird schließlich auf schmale Sehschlitze reduziert. Die Eingangssituation wird ebenfalls völlig umgekrämpelt. Statt einer Unterführung nun also ein kleines Glaskasten-Foyer. Die Veränderungen sind so stark, dass der ganze Charakter des Hauses abhanden kommt. Die ursprünglichen klaren und stringenten Linien sind verschwunden. Ein Abriss wäre nur unwesentlich schlimmer.

    ^ Ich möchte meinen langen Text von gestern nicht nocheinmal nachkauen, aber vielleicht eine kleine Ergänzung aus Anlass Deines Beitrags.

    Ich finde wir kommen in der Diskussion keinen Schritt weiter, solange Du darauf beharrst einen Qualitätsunterschied zwischen Historismus und DDR-Architektur zum Maßstab zu nehmen. Denn den gibt es rein objektiv nicht. Es waren völlig gegensätzliche Gestaltungskonzepte, die in der jeweiligen Entstehungszeit konsequent umgesetzt wurden. Die Ornamentik eines Gründerzeitlers ist an einem Bau der Nachkriegsmoderne (schon weitreichend auch der Zwischenkriegszeit) undenkbar, weil sie nunmal nicht den gestalterischen Ansprüchen genügen würde.
    Baufachlich ist der Brühlpelz solide gebaut und erfüllt alle qualitativen Ansprüche an diese Bauweise. Was Du unter objektiven Qualitätsunterschieden verstehst ist also vielmehr ein Geschmacksurteil darüber, welche architektonische Gestaltungsweise Dir mehr zusagt. Darunter zählt auch, welches stadtplanerische Konzept Dir mehr gefällt. Darüber kann man geteilter Meinung sein, keine Frage. Aber daraus eine objektive qualitative Wertung zu ziehen ist meiner Meinung nach nicht machbar.
    Das Bebauungskonzept der DDR sah zudem die Konstruktion eines neuen - als modern empfundenden - Stadtraumes vor. Unabhängig davon, wie Dir persönlich diese Art der Stadtgestaltung gefällt, haben die Ensembles um den Sachsenplatz diese Aufgabe zielgemäß erfüllt. Es war hier ja nicht das Ziel alten Stadtraum nachzubauen oder zu reparieren, sondern neue Konzepte umzusetzten. Wenn Gebäudekannten da nicht passen oder ein hoher Riegel in seiner Wucht und Dominanz gänzlich verschieden zum Straßengewirr der Kaiserzeit ist, dann ist das keine mindere Qualität in der Stadtgestaltung sondern konsequente Umsetzung gänzlich anderer Ansprüche. Das diese ohne Rücksicht auf Vorgängerbebauung erfolgt ist, darf heute zu recht bedauert werden. Was dauraus gewonnen wird, einen Reset durchzuführen, um einen nicht mehr existenten (und deshalb fiktiven) Zustand vermeintlich wieder herzustellen hat aber ebenso das Recht in Frage gestellt zu werden. Rein faktisch sind beides brachiale Maßnahmen, welche die unmittelbar vorangegangene Baugeschichte zugunsten neuer (bzw. vermeintlich alter) Konzepte ersetzen woll(t)en.
    Was ich sagen will: Die Diskussion dreht sich auch deshalb im Kreis, weil alles was als städtebauliche Mängel betrachtet wird, keine Mängel im eigentlichen Sinn sind, sondern lediglich Bestandteil eines gänzlich anderen stadtplanerischen Konzeptes. Kurzum: Die Architektur des Brühlpelz ist also nicht etwa minderwertig. Vielmehr passt Sie für viele hier nicht zu moderner Auffassung von Innenstadtgestaltung. Das akzeptiere ich voll. Die Schlussfolgerung daraus, nämlich das man sich deshalb wünscht es würde abgerissen, mag ich allerdings nicht so gern akzeptieren. Das ist dann auch keine Sache von Argumenten für die Besonderheit eines Baues, sondern jedenfalls für mich eine Sache der grundsätzlichen Einstellung darüber, wie mit Bausubstanz (egal welcher Zeit) umzugehen ist.

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    Da habe ich mich in der Tat reizen lassen. Aber wenn eine Diskussion (vielleicht sogar vorsätzlich) mit falschen Behauptungen ad absurdum geführt wird, dann vergeht der anfängliche Spaß am gegenseitigen Austausch.

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    Wenn dem so ist, worin genau besteht diese Besonderheit? Worin besteht beispielsweise der Unterschied zum zu gleicher Zeit und in gleicher Bauweise entstandenen Interhotel Unter den Linden - Abgesehen von der Anzahl der Etagen?


    Ich verstehe Deine Frage nicht. Ich fühle mich schon fast veräppelt. Ich habe nirgends behauptet, das Brühlpelz-Haus wäre bis auf den letzten Kiesel im Beton ein absolutes Unikum. Natürlich finden sich die Konstruktionsweise und auch gestalterische Elemente nicht nur ausschließlich an diesem einen Gebäude. Jede Stilepoche zeichnet sich ja nun einmal gerade auch dadurch aus, dass es Ähnlichkeiten in Konzeption, Material, Konstruktion und Gestaltungsmitteln gibt. Muss man das wirklich erklären? Das Brühlpelz-Hochhaus ist Teil einer Architekturgeschichte (logisch!), was natürlich auch bedeutet, dass es Kontinuitäten zu zeitgleicher Architektur der Region gibt… und als solches finde ich es erhaltenswert. Und weil ich die Frage schon förmlich lesen kann: Ja, das steht in keinem Widerspruch zu meiner Aussage, es handelt sich um ein überdurchschnittliches Stück Architektur. Zur Bauzeit hätte es durchaus die Möglichkeit gegeben standardisierter und kostengünstiger einen 11-geschossigen Riegel zu bauen, etwa in Plattenbauweise. Man hat sich aber offenbar bewusst dagegen entschieden. Weiterhin hat man nicht ausschließlich Wert auf Funktionalität gelegt (auch wenn das ein entscheidendes Kriterium gewesen sein mag (man muss sich nur einfache die Struktur im Inneren anschauen) sondern auch auf die Außenwirkung. Die Kachelbänder sind aufwändig und kleinteilig, auch die Fensterfront des Treppenhauses ist viel großflächiger als unbedingt nötig. Für die Eingangssituation hätte es gleichfalls einfachere Lösungen gegeben. Den städtebaulichen Kontext des Sachsenplatzes erwähne ich nur noch – darüber wurde genug geschrieben. Was will ich damit sagen: Überdurchschnittlichkeit drückt sich hier durch einen nicht funktional begründbaren und nicht standardisierten Mehraufwand in architektonischer Gestaltung aus. Mag es andere, zeitgleiche Beispiele von DDR-Architektur geben, auf die das gleichermaßen zutrifft? Mit Sicherheit – und mit Sicherheit auch nicht wenige. Macht das einen Unterschied? Meiner Meinung nach nicht.
    Ich denke wir hatten hierbei ein Missverständnis. Ich dachte, das Folgende wäre grundsätzlich klar gewesen, vielleicht aber auch nicht: Ich bin nicht der Meinung, dass ausschließlich die architektonische Spitze, sozusagen die herausragenden Sonderstücke und Prachtbauten der DDR-Architektur erhaltenswert sind, sonder auch jene Bauten, bei denen kleiner Brötchen gebacken wurden. Erhaltenswert ist auch nicht nur das, was sich vollends unterscheidet, sondern auch das, was sich ähnelt, also einen Eindruck zeitgenössischen Stils vermittelt.

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    Du bist weiterhin nicht darauf eingegangen, warum die kleine Leipziger Innenstadt als Architekturmuseum auch für Mittelmaß fungieren soll. Nicht nur ebendieses Mittelmaß, sondern weitaus wertvollere Gebäude sind im Lauf der Zeit in Leipzig Neubauten zum Opfer gefallen. Wieso soll da ausgerechnet für ein Gebäudeensemble eine künstliche Ausnahme gemacht werden


    Keine Ausnahme! Es wird doch endlich Zeit für einen grundsätzlichen Sinneswandel, bevor es zu spät ist. Natürlich wurde schon zu viel gute und beachtenswerte Substanz aus der ostdeutschen Nachkriegszeit abgerissen. Durchschnittliche Architektur dieser Zeit fällt auch Reihenweise entweder dem Abrissbagger oder der Unkenntlichmachung durch Sanierung zum Opfer. Was fehlt ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dieser architekturhistorischen Epoche – weggehend von der Reduzierung auf einige wenige besondere Exemplare. Auch unsere kleine Innenstadt verkraftet die Existenz mehrerer Bauten dieser Zeit, da mache ich mir keine Sorgen. Sie soll dabei auch nicht als Museum fungieren sondern einfach nur sein, was sie nun einmal ist: Eine Stadt mit reichhaltiger Architekturgeschichte, voller Brüche mit verschiedenen Baustilen und Bautypen. Dazu gehören doch auch selbstverständlich die Bauten der DDR-Zeit, mit all ihren Konflikten und Problemen – und zwar nicht nur die Wenigen, die -von wem auch immer- als nicht stören gesehen werden.
    Und aus dieser Hoffnung heraus erklärt sich auch der Drang zum Diskurs, der aus Deinem Wunsch nach einem Abriss des Brühlpelz-Hochhauses entstand.

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    Man Ey! Es wurde schon hinreichend erläutert, dass es KEIN PLATTENBAU ist. Das Brühlpelz-Haus ist in Stahlbetonsklettbauweise errichtet! Sich diesen Unterschied zu merken kann doch nicht so schwer sein?! Aber offenbar machst Du Deine Einschätzung sowieso nur an äußeren ästhetischen Gesichtspunkten fest. Wenn dem so ist, dann kannst Du es genauso tun wie klangprozessor und sagen, dass Du das Gebäude hässlich findest. Das erspart Dir das Suchen nach Pseudoargumenten.

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    aedificator: es reicht nicht nicht, bis zum Erbrechen zu Wiederholen, dass du anderer Meinung bist, man muss sie auch begründen, idealerweise ein wenig stringenter, als Einerseits zu fordern, nicht nur repräsentative und architektonisch wertvolle Bauten zu Erhalten und andererseits der Behauptung zu widersprechen, es handele sich hier um Dutzendware.

    Ich formuliere jetzt so freundlich, wie es noch geht. Meiner Meinung nach wurde inzwischen ausreichend begründet, weshalb das Brühlpelz-Haus nicht zwingend abgerissen werden sollte. Ich wiederhole es aber gern nocheinmal, weil es offensichtlich gern (und bewusst) ignoriert wird: "Das Gebäude ist intakt, es fällt nicht in sich zusammen. Es ist Teil eines Städtebaus, der heute nicht mehr aktuell ist, aber aufgrund seines architekturhistorischen Wertes bewahrt werden sollte. Der Aufwand in der Fassadengestaltung und auch die Konstruktionsweisen sind für die Entstehungszeit überdurchschnittlich. Das allein würde bei jedem Gründerzeitler locker ausreichen - nur seltsamerweise nicht bei DDR-Architektur?!"
    Was wurde bisher dagegen gehalten? Also welche Gründe sprechen für einen Abriss? Ich fasse kurz zusammen, sollte ich etwas vergessen, darf gern ergänzt werden:
    - Es widerspricht heutigen städtebaulichen Ansprüchen
    - Es ist "hässlich".*
    - Es gibt noch genügend andere "Platten".*
    - Es ist zu hoch.*
    - Der Flachbau daneben lässt einen Blick auf die (unschöne) Hofsituation zu.
    Kannst Du ansatzweise nachvollziehen, dass man zunehmend genervt reagiert, insbesondere bei den mit * gekennzeichneten "Argumenten"?
    Was für mich am entscheidensten ist - und so, und nicht anders muss hier doch der Diskurs funktionieren: Keiner der aufgezählten Gründe ist für mich hinreichend zwingend dafür, dass das Gebäude abgerissen werden muss.

    Und zum Schluss: Ich sehe keinen Widerspruch darin zu fordern, dass auch Durchschnittsarchitektur erhalten bleiben sollte und der Aussage, dass es sich hier eben nicht um Durchschnittsarchitektur handelt. Das eine muss mit dem anderen nichts zu tun haben. Vielmehr darf man diese beiden Aussagen wie folgt verstehen: Ich kann langsam nicht mehr hören, dass ein Argument für den Abriss sein soll, dass es sich um eine "Platte" wie jede andere handelt - das ist einfach unwahr! - Und selbst wenn, wäre das auch noch kein zwingender Grund, der einen Abriss rechtfertigen würde.

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    ich kann nicht nachvollziehen, wie man eine mit gewalt von oben herabgezwungende sitaution als bürger so hoch feiern kann? ih gesamt sachsen leidet die bevölkerung unter den veränderungen in ihren städten durch das ddr- regime. die wohlfühlatmosphäre ist für die menschen in chemnitz oder dresden (prager straße) trotz sanierungsversuchen gleich null. überall sehnt sich die breite masse diese "engen, verstaubten monotonen gassen" aus vorkriegszeiten herbei. jede stadt deutschlands beneidet uns um unsere zahlreichen "mittelmäßigen" sanierten gründerzeitviertel, tausende touristen kommen jedes jahr, um sich das in realität anschauen zu können.

    mit der fassade am richard-wagner platz, denke ich, schließt sich die argumentationskette sehr gut. hier wurde sich seitens der stadt bewusst pro ddr-architektur entschieden - zum erhalt des bau-kultur-erbes, auch im innerstädtischen bereich. niemand kann also behaupten, ddr-architektur würde stiefmütterlich behandelt werden. und es wurde schon x mal sehr gut aufgeführt, dass wir ganz andere erben der ddr im zentrum haben, die auch über die nächsten jahrzehnte erhalten werden. entweder man betreibt reperatur, dann aber konsequent, oder man lässt es bleiben. für eine gesamtwirkung an ddr-städtebau hätte man niemals die leipzig-information am sachsenplatz abreißen dürfen. so alleine ist der brühl-pelz nichts halbes und nichts ganzes, weder städtebaulich bringt es eine wirkliche botschaft rüber, noch ist es architektonisch etwas besonderes. wie bereits nachgewiesen.

    Ähm einige Sachen:
    - Keiner (ich am allerwenigsten!) hatte sich über das tolle Erbe an historistischer Architektur beschwert. Doch auch dort gibt es eine Verhältnismäßigkeit von Durchschnitt bis Überdurchschnitt (auch wenn ich bei solchen Einteilungen Bauchschmerzen bekomme). Und zu Recht wird sich dennoch bemüht möglichst Umfassend das Bauerbe dieser Zeit zu erhalten. Gleiche Betrachtungsweise fordere ich hier auch für jüngere Nachkriegs-Architektur ein - und zwar bitte ohne ästhetische Verunglimpungen, sondern mit mehr Neutralität und Sachlichkeit.
    - Die DDR-Zeit war eine dunkle Epoche, nicht nur im Hinblick auf Freiheit und Selbstbestimmung. Doch das zu Bewerten steht uns hier gar nicht zu. Hier soll ja kein Monument zur Erinnerung an eine sozialistische Diktatur erhalten bleiben, sondern an ein modernes Stadtplanungskonzept, das so nicht nur in Osteuropa umgesetzt wurde, sondern Ausdruck einer architekturgeschichtlichen Epoche in globalem Ausmaß war. Das Brühlpelz-Haus ist in diesem Kontext quasi Teil einer regionale Variante.*
    - "so alleine ist der brühl-pelz nichts halbes und nichts ganzes, weder städtebaulich bringt es eine wirkliche botschaft rüber, noch ist es architektonisch etwas besonderes. wie bereits nachgewiesen." Das ist nicht nachgewiesen, sondern Deine Meinung. Das ist ein kleiner Unterschied, der insbesondere darin zutage tritt, dass ich anderer Meinung bin ;)
    - nochmal: ich finde es völlig irrelevant wieviel DDR-Architektur andernorts noch erhalten ist. Es geht hier um ein konkretes Gebäude. Es kann doch nicht darum gehen, nur einen kleinen repräsentativen Rest zu bewahren und alles andere als unwichtig abzustempeln und abzureißen?!
    - "ich kann nicht nachvollziehen, wie man eine mit gewalt von oben herabgezwungende sitaution als bürger so hoch feiern kann?" Und in allen anderen baugeschichtlichen Epochen hat man basisdemokratisch Stadtplanung und Architektur gemacht? Das ist doch nun wahrlich kein Argument!
    *Die natürlich keinesfalls - das will ich nicht unterstellen - politikfrei war und natürlich durch den Staatsapparant instrumentalisiert wurde.

    ^ etwas off-topic, aber weil es in dem Verlinkten Artikel vorkommt, schreibe ich es ersteinmal hier: Auf der Karte ist auch ein geplanter Neubau auf dem jetzigen Busparkplatz am Bahnhof zu sehen, der mit (4) "Telekom Service Center" beschriftet wurde. Ist das jetzt konkret, oder ist die Beschriftung dort einfach falsch gesetzt?

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    vorab: das ganze ist eine phantom-debatte, da vom eingentümer ein abriss ja ganz offensichtlich nicht angestrebt wird.

    Genau! Soweit so gut, sollte man meinen. Ich bin vielleicht etwas enttäuscht vom Forum. Ich hab' immer den Eindruck gehabt, dass sich gerade hier sehr für den Erhalt von Bausubstanz eingesetzt wird. Selbst die (glücklicherweise häufig vorkommende) Sanierung von absoluten Durchschnitts-Gründerzeitlern wird immer groß gefeiert. Schade finde ich nun, dass dabei offensichtlich auch nach ästhetischen Kriterien beurteilt wird, was erhaltenswert ist - und was nicht(klangprozessor: "Mal davon abgesehen ist dieses Gebäude - rein subjektiv betrachtet - einfach hässlich."). Ich finde hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Für DDR-Architektur müssen wir, selbst wenn sie überdurchschnittlich ist (die Gründe hat LE Mon hist. dankenswerterweise angeführt!) immer neue schlüssige Argumente dafür liefern, warum man sie denn nicht lieber heute als morgen wegtilgen kann, während Durchschnitts-Historismus quasi per se erhaltenswert ist. Sinnvolle Argumente gab es zudem m.E. nach ausreichen: Das Gebäude ist intakt, es fällt nicht in sich zusammen. Es ist Teil eines Städtebaus, der heute nicht mehr aktuell ist, aber aufgrund seines architekturhistorischen Wertes bewahrt werden sollte. Der Aufwand in der Fassadengestaltung und auch die Konstruktionsweisen sind für die Entstehungszeit überdurchschnittlich. Das allein würde bei jedem Gründerzeitler locker ausreichen - nur seltsamerweise nicht bei DDR-Architektur?!

    Das Hauptargument für einen Abriss, also die städtebaulichen Passschwierigkeiten des Brühlpelz-Hauses wird auch nach der 10 Wiederholung nicht kräftiger. Um es nochmal zu betonen: Erhaltenswert ist nicht nur die Gestaltungsweise selbst, sondern auch der stadtplanerische Entwurf der mit der Anlage und bewussten Negierung historischer Raumkanten einherging. Erhaltenswert nicht, weil mir das besonders gefällt (darauf kommt es niemals an!), sondern weil er relevanter Teil der Baugeschichte Leipzigs ist, der sich auf diese Weise nicht nocheinmal wiederholt. Den Verweis auf andere DDR-Architektur in Leipzig oder andernorts, die es ja noch genug gäbe, kann ich auch nicht nachvollziehen. Der Verweis auf andere Bauten, die es noch gibt darf doch niemals(!) Kriterium dafür sein, ein spezielles Gebäude dem Abriss preis zu geben. Jedes Gebäude ist in seinem Kontext einzigartig, egal ob andernorts ähnlich gebaut wurde. (Soetwas gab es in jeder Bau-Epoche... prominentes Beispiel in Leipzig ist hier auch das Reichsgericht).

    Das sich schrittweise, jedenfalls in neueren Generationen, ein Sinneswandel in der Beurteilung von Nachkriegsarchitektur vollzieht zeigt sich vielleicht auch in diesem kurzen - aber ganz interessanten - Beitrag: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen…zum-Haesslichen

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    Lieber Ranger. Höhe ist tatsächlich kein primäres Kriterium. Aber ein Aspekt. Das Brühlpelz als schmaler Riegel hat eine ganz andere Höhenwirkung als die eher wuchtigen und massigen Neubauten gegenüber des Hauptbahnhofs.
    Für das Flair einer Großstadt kommt es auf den Brühlpelz nicht unbedingt an, aber: es trägt dazu bei. Du hast so viele markante und hohe Gebäude aufgezählt. Eines allein macht noch keine Großstadt-Skyline (siehe etwa Jena). Das Brühlpelz-Haus als Baustein finde ich da, auch ganz im Sinne von LeipzigSO, nicht unwichtig, es prägt das nördliche Innenstadt-Gebiet seit Jahrzehnten entscheiden mit.
    Weiterhin: Weil es schon ein paar mal so durchschien: Das Brühlpelz-Haus unterscheidet sich signifikant von der Durchschnittsplatte. Und wird schon gar nicht von ihr übertroffen. Solche Polemik nervt mich arg. Es gibt eine tatsächlich existente Fassadengestaltung die erheblichen Mehraufwand gegenüber der 0815-Wohnplatte bedeutete. Es gibt zu allen sichtbaren Gebäudekanten großflächig Fenster, also keine blanke Giebelwand. Es ist auch keine 0815-Platte, weil sie Teil eines städtebaulichen Platzkonzeptes war und nach Abriss der 4 Platten zugunsten der Höfe und Bebauung des Sachsenplatzes nunmal letzter erkennbarer Rest diese stadtplanerischen Idee ist.
    Städtebaulich ist es in das offenbar geplante Konzept deshalb aber nicht integrierbar. Den Bruch sollte man wagen, anstatt ohne Not abzureißen. Schon gar nicht bei der noch hohen Zahl an unbebauten Brachen in dieser Ecke der Innenstadt. Da gibt es wesentlich wichtigere Baustellen.
    Was mir tatsächlich noch fehlt sind zwingende und dringende Gründe, die einen Abriss unabdingbar machen. Die Herstellung alter (seit 60 Jahren) nicht mehr existenter Raumkanten und ästhetische Vorlieben reichen m.E. nach dafür jedenfalls nicht aus.
    Erhaltenswerte Architektur muss weder immer die Spitze der Baukunst einer Epoche sein (wieviel Historismus hätten wir nach dem Kriterium noch?), noch muss sie immer aktuellen stadtplanerischen Visionen und Ansprüchen genügen. Das sind unfaire Maßstäbe und Totschlagargumente.

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    Ich bin ja auch kein Erklär-Bär ;) Aber irgendwo hatte ich schoneinmal soetwas einfließen lassen wie: Ein Platz kann einer verdichteten nördlichen Innenstadt nicht schaden. Es geht ja nicht um einen Aufmarschplatz für Hunderttausend sondern um etwas Raum im dichten Zentrum. Das soetwas sinnvoll sein kann, zeigt die kleine Parkanlage vor Hugendubel, auf der man sicherlich auch die alten Gebäudekanten wieder herstellen könnte, vielleicht sogar müsste - nach Deiner Logik.

    Den Vergleich mit den Bombenlücken finde ich reichlich unpassend. Hier geht es nicht um Stadtreperatur, also das Auffüllen verlorener Bausubstanz, sondern um den Abriss bestehender (Nachtkriegs-)Architektur. Es geht Dir geht kurzum darum eine Art Reset zu einem (fiktiven und beliebigen) Vorzustand (städtebaulich, natürlich nicht Architektonisch - denke ich mal ;) )durchzuführen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

    Über den rein architektonischen Wert des Brühlpelz-Hauses werden wir uns wohl nicht mehr einig ;)

    Dekoratives Anführungszeichen

    DaseBLN: Ich weiß auch nicht, wieso Freiflächen und sozialistischer Städtebau unbedingt in der gerade einmal 1km² großen Leipziger Innenstadt Platz für sich beanspruchen sollte.

    - Weil es Teil der Architekturgeschichte der Leipziger Innenstadt ist. Das muss einem nicht gefallen - und sicher muss auch nicht alles auf Biegen und Brechen erhalten bleiben. Aber Geograph hat es ja aufgezählt. Schritt für Schritt verschwinden diese Gebäude aus der Innenstadt - werden quasi restlos getilt. Das finde ich schade. Aber die DDR-Stadtplanung passt nunmal nicht in das moderne ("urbane") Konzept. Genausowenig übrigens, wie Straßenfluchten und großflächige Altbausanierung in das Konzept der DDR-Stadtplanung passten. Architekturgeschichtlich wäre es aber meiner Meinung nach sehr lobenswert, wenn dieser Gegensatz auch im Stadtbild erhalten bliebe.

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    Geograph: Die Bebauung ggü. vom Hbf. finde ich jetzt nicht überwältigend, aber deutlich besser, als diesen Plattenbau, der da quer in die Landschaft gesetzt war ohne jeden Bezug zur Umgebung.

    Entschuldigung, aber jedes Gebäude steht im Bezug zu seiner Umgebung. Es ist absolut Quatsch anzunehmen, irgendeine Architektur würde vollkommen bezugslos gebaut. Wenn ein Gebäude wider allen Straßenfluchten und ehemaligen Gebäudekanten gebaut wird, dann passiert das nicht ausversehen oder aus Unvermögen, sondern ganz klar mit Vorsatz. Das Hotel Stadt Leipzig hatte eine enorme Präsenz am Platz - zum Hauptbahnhof und in Richtung Opernteich. "Bezug" ist also bitte nicht gleichzusetzen mit "Ein- oder Unterordnen" in irgendeinen Stadtraum, sondern kann auch "Dominanz" etc. bedeuten. Hinter derartige Maßnahmen stecken weiterhin auch ganz andere als städtebauliche Motive.

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    Dr. Zott: der Anschluß Riquet-Haus hin zum inkrementierten DDR-Bau im Zuge der Reichsstraße ist ungeklärt

    Das liegt aber weniger Am Brühlpelz-Haus als vielmehr an der Lücke nach dem Riquet-Cafe, wie Du richtig bemerkt hast. In der gezeigten Perspektive legt sich das Brühlpelz-Haus sogar recht harmonisch neben das Westin.

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    ^ Relevant ist nicht der Vergleich mit anderen DDR-Bauten, sondern mit der städtebaulichen Zielsetzung der Stadt. Und die lautet eindeutig: langfristige Wiederherstellung der ursprünglichen Raumkanten. Nach Fertigstellung der Museumsumbauung wird das m.E. umso augenfälliger werden. Damit steht irgendwann auch die Reichsstrasse zur Disposition, auch wenn der Bestand momentan durch den sanierten Zustand gesichert ist.

    Gut. Wenn das die langfristige Zielsetzung ist, dann kann man da sowieso kaum etwas machen. Ich fände es jedenfalls schade - aber so wie ich das hier lese, muss ich mir um ein plötzliches und kurzfristiges Verschwinden ja sowieso keine Sorgen machen ;) Und wer weiß, wie sich bis dahin die Pläne bezüglich der Innenstadt gewandelt haben... Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auch etwas zu naiv-romantisch, aber grundsätzlich geht mir immer etwas verloren, wenn intakte Architektur verschwindet um neuer Architektur Platz zu machen.

    Aber natürlich weiß ich auch, dass Architektur auch immer den Bedürfnissen einer Zeit gerecht werden müss. Man sollte dabei nur Aufpassen sich nicht in Moden und Zeitströmungen zu verfangen. So mancher Bau der 90er Jahre der anstelle von abgerissener DDR-Bebauung entstanden ist, macht inzwischen schon wieder eine schlechte Figur. Bestes Beispiel ist die eher belanglose Bebauung gegenüber vom Hauptbahnhof.

    Meiner Meinung nach wird es sowieso höchste Zeit, dass DDR-Architektur über einige "Glanzstücke" hinaus denkmalpflegerisch relevant wird, aber das ist wohl eher eine Einzelmeinung ;) ... aber damit kommen wir derart weit weg vom Thema, dass ich mich mal selbst stoppe :)

    @ Base ... Wir haben uns etwas überschnitten...

    Im Grunde gilt das für Dr. Zott bestimmte weiter, mit der Ergänzung:

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    bin aber der Meinung, dass solche raumverschwendenden Konzepte in der Leipziger Innenstadt fehl am Platze sind.

    Wirklich Raumverschwendung ist das nun ja auch nicht wirklich. Ein Blick auf die Luftbilder von Google zeigt das recht gut. Das Ensemble aus Brühl-Pelz und Wohnblock "verschwendet" nicht mehr Platz als der etwas ältere Wohnblock zwischen Rathaus und Bildermuseum. Oder gilt der auch als Abrisskanditat?

    http://maps.google.de/maps?q=Leipzig…&gl=de&t=h&z=17

    So soll es ja auch funktionieren, das Brühlpelz-Haus. Stadtplanerisch ist es gemeinsam mit dem Wohnblock als Kante einer innerstädtischen Platzanlage (Sachsenplatz) konzipiert worden. Zum Entstehungszeitpunkt stand eine Wiederherstellung der Gebäudekante an der Reichsstraße nicht zur Debatte. Notwendig wäre dies meiner Meinung nach auch gar nicht. Nach Vollendung aller Museums-Winkel tut der kleiner Rest vom Sachsenplatz als Freiraum dem nördlichen Teil der Innenstadt ganz gut. Für (zum jetzigen Zeitpunkt) utopisch halte ich derartige Planspiele allemal, jedenfalls solange sich in direkter Nachbarschaft zum Riquet-Cafe nichts in Richtung Bebauung tut.

    Der Anschluss am Brühl ist sicher kein architektonischer Meilenstein, städtebaulich aber absolut makellos, ganz einfach auch deshalb weil er überhaupt existiert.

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    Im übrigen kommt die Ensemble-Wirkung in realiter keineswegs so zur Geltung wie auf dem von Ihnen verlinkten Entwurf.

    Seit dem Bau des Bildermuseums ist die Platzwirkung natürlich eingeschränkt. Die Ensemble-Wirkung verschließt sich mir jedoch trotzdem nicht. Ist vielleicht Ansichtssache, bzw. eine Frage des Standorts. Je spitzer der Winkel, desto deutlicher.

    @ geograph: Danke für den Link. So genau hatte ich mir diese Vorschläge noch nicht angeschaut. Aber ich muss direkt hinterherschieben, dass mir keiner dieser neuen Standorte für die Alu-Fassade zusagen mag. Im übrigen wäre jeder andere Standort als der jetztige arg unpassend. Die Fassade zog ihre charakteristische Form nunmal aus der Bauform des Vorgängerbaus. An anderer Stelle wäre die geschwungene Fassade also völlig sinnfrei gewesen. M.E. gab es nunmal nur die Wahl zwischen der einen und der anderen Fassade - beide gleichzeitig zu erhalten (und sichtbar zu belassen) wäre in sinnvoller(!) Weise ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Aber eines kann man vielleicht abschließend (?) noch bemerken. Die geschwungene Form der Blechbüchse ist und bleibt auch immer Erinnerung an den Grundriss des ursprünglichen Kaufhauses. Nicht viel, ich weiß, aber immerhin. Gemeinsam mit der "erlebbaren" Rest-Fassade ist das immerhin mehr, als von den Plattenbauten aus DDR-Zeit geblieben ist.