Beiträge von aedificator

    Die aktuelle Ausgabe der LV (23.02.2013) berichtet, dass nun die letzte Hürde in Form eines Rechtsstreits gefallen ist: Der Tempelneubau in Schönefeld kann deshalb weiter gebaut werden. Fertigstellung soll 2014 sein. Die Baukosten betragen 1,6 Mio. €. Gegen den Tempel (bzw. die Nutzungsform per se) hatte eine benachbarter Industriebetrieb geklagt und nun in letzter Instanz verloren. Das Bauterain ist demnach nicht mehr Industriegebiet sondern "diffuses Gebiet". So wie ich den Artikel deute, kam die endgültige Baugenehmigung auch deshalb zustande, als das die buddhistische Gemeinde grundsätzlich darauf verzichten will, gegen potentielle Lärmbelästigungen durch Industrieanlagen vorzugehen.
    Die LVZ "krönt" den Artikel mit folgender - äußert schlechten (was erlauben die sich?) - Abbildung:

    http://img713.imageshack.us/img713/9498/li…ostinextrem.jpg

    Modhinweis Cowboy: Bild ge_urlt, bitte keine Bilder aus der Tagespresse ins DAF einbinden.

    Dekoratives Anführungszeichen


    Die Aufregung um [...] die Stadthäuser an der Industriestraße kann ich nicht nachvollziehen

    Architektur und Gestaltung finde ich für die Bauaufgabe "Stadthaus" durchaus akzeptabel und hochwertig, keine Frage. Was mich persönlich am Entwurf stört ist der Standort. Hier wäre ein mehrgeschossiger Wohnhausbau besser platziert gewesen als eine Reihe Stadthäuser. Wir befinden uns hier an einer städtebaulich relevanten Stelle, nämlich an einer Straßenkreuzung, die zu 3 Ecken bereits mehrgeschossig begrenzt wird (darunter ein Seniorenheim-Neubau der frühen 2000er oder späten 1990er Jahre). Grundsätzlich sind die Stadtviertel geprägt von Wohnhäusern mit mind. 3-4 Etagen plus DG und den nahegelegenen Fabrikhallen. Schon die Stadthäuser Industriestraße/Brockhausstraße wirken hier wie ein Fremdkörper.
    Weiterhin besteht keine Not diese Lücke zwingend mit Leben zu füllen. (Eine Begründung, die für viele Stadthausanlagen durchaus nachvollziehbar ist). Plagwitz und besonders das angrenzende Schleußig sind gefragte Wohnbezirke. Die Region ist vital, der weitestgehend komplette Bestand der ursprünglichen Architektur der Stadterweiterungen aus dem späten 19. Jahrhundert ist quasi vollständig saniert und vermietet. Warum nun für zwei Hand voll Familien ein exklusives Refugium in zentraler Lage direkt am Wasser geschaffen werden muss, erschließt sich mir nicht ganz.

    Logischer und im Hinblick auf die Architektur der Stadtviertel folgerichtig wären mehrere mehrgeschossige Wohnhausbauten. Nur ein paar Häuser weiter an der Ecke Nonnenstraße/Erich-Zeigner-Alle ist gerade ein solches Wohnhaus auf denkbar unattraktiven Grundriss dabei fertig gestellt zu werden ,DAvE LE zeigt es hier. Völlig unzumutbar wird es deshalb für einen Bauträger also nicht sein, in besserer Lage mehr als nur - den schnellen Profit versprechende - Stadthäuser zu verwirklichen.

    Interessant. Man darf also gespannt sein. Es ist sehr erfreulich, dass der Wettbewerb international vergeben wird.
    Auf die genaue Kubatur bin ich gespannt - insbesondere ob man an irgendeiner Stelle auch eine (wie auch immer geartete) Höhendominante versuchen wird. Im Angesicht der veranschlagten Bausumme und der geplanten Grundfläche von 22500 m² (zum Vergleich: Löhr's Carre hat 55100 m² Geschossfläche) habe ich dafür aber nicht so große Hoffnungen, auch wenn das Grundstück um 1/3 kleiner als jenes der Sachenbank/Sparkasse (15000 m²) ist.

    Robotron-Abriss

    Wie die LVZ heute vermeldet, startet die Sächsische Aufbaubank (SAB) noch in Januar mit dem Abriss des Robotron-Gebäudes (Architekt übrigens Robert Skoda - Gewandhaus) in der Gerberstraße.
    Denkmal-Status hat das Gebäude überdies nicht, jedoch sollen nach LVZ wohl einige Reliefs vor dem Abriss gesichert werden.
    Für uns weiterhin interessant: Noch in diesem Jahr soll ein Architekturwettbewerb für den Neubau ausgetragen werden. Auf die Ergebnisse dürfen wir sicherlich gespannt sein.
    Der Umzug der SAB von Dresden nach Leipzig ist bis 2016 geplant.

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    Ja ja... Für DDR-Architektur (und Werbetafeln dieser Zeit) setzen sich nur Kommunisten ein, für historistische Architektur nur stramme Monarchisten und für einige Bauten der späten 30er Jahre natürlich nur Nazis. Herrje... auf solch einer Grundlage macht es keinen Spaß mehr, sich über Architektur zu unterhalten, wenn man fürchten muss, direkt als Fan bösen Übels tituliert zu werden, nur weil man sich die Architektur diverser Epochen einsetzt, bzw. grundsätzlich Architektur aller Epochen gleichermaßen unvoreingenommen betrachten will.
    Kann man sich verflixt noch einmal hier nicht mal darauf einigen auf solchen Quatsch zu verzichten? Solche Pauschalisierungen, die Sympathien zu Diktaruren unterstellen wo es um Denkmalwürdigkeit architektonischer Elemente geht, sind reichlich unredlich!

    Dekoratives Anführungszeichen


    zur Reklame: Ich finde die jetzige Sanierung durchaus grenzwertig. Eigentlich hätte man die Leuchtreklame wieder anbringen müssen, wäre man denkmalschutzgerecht vorgegangen. Die jetzige Lösung mit dem Neonpink gehaltenen Zahnrad sieht etwas billig aus.

    Absolut! Aber ob das der Baugesellschaft zumutbar gewesen wäre, die Leuchtreklame zu betreiben? Finanziert werden muss soetwas ja auch. Trotzdem kann ich aus eigener Anschauung berichten, dass lediglich das Logo - nicht aber der Schriftzug - nachts beleuchtet wird.

    Das "Neopink" wirkt dabei allerdings weniger "billig" denn "leuchtend". Aber das ist ansichtssache, wobei ich es weniger als "Neopink" als vielmehr als "Grellrot" bezeichnen würde, was einem Neon-leuchteffekt sicherlich nachempfunden sein soll.

    Unterm Strich sollte, egal wie man über die Qualität im Einzelnen denken mag, stehen: Die Reklame wurde überhaupt ersteinmal erhalten - keine Selbstverständlichkeit, wie ich finde. Umso löblicher!

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    Schön gestellte Fotos ;)
    Aber am Ende ist mir wurscht wer nun für eine denkmalgerechte Sanierung des Ring-Messehauses sorgt. Wenns Unister sein soll, ist es numal so. Der Mittelteil, welcher nun abgetragen werden soll, war öknomisch kaum nutzbar, also seis drum. Städtebaulich wichtig ist die Ring-Fassade: Mit Walmdach - Respepkt! Mit Schriftzug: Gradios! Aber ersteinmal abwarten. Was allerdings für dieses spezielle Vorhaben spricht: Die Hotel-Kapazitäten in Leipzig sind wohl längst noch nicht ausgeschöpft. Selbst Unister kann sich da größeren Bauverzug kaum leisten. Schade ist es, aus historischer Sicht, aber um die Substanz alter Messe-Tage. Realistisch sind diese Bauten aber für heutige Bedürfnisse leider kaum nutzbar zu machen. Jedenfalls sind mir keien Konzepte für irgendwelche Nutzungen bekannt.
    Humoristische Anmutung hat da die Nachricht der LVZ vom 11.12.2012 (S. 17).
    http://img577.imageshack.us/img577/3747/ringmessehaus.jpg
    Ob Löcher in den Boden Stampfen nun denkmalgerechten Baustart bedeutet bleibt ansichtssache.

    Die LVZ vom 8.12.2012 berichtet unter der Überschrift "Jung spricht Machtwort zur Markthalle" über die kürzlich getroffene Entscheidung das Grundstück für den Bau der Markthalle "unverzüglich" auszuschreiben.

    Das Grundstück, auf dem sich lediglich die Kellergewölbe der 1959 abgerissenen Markthalle erhalten haben, gehört der Stadt. Als Grund für die Verzögerungen auf dem Weg zur Ausschreibung nennt die LVZ Streitereien innerhalb der städtischen Behörden darüber, wer das betreffende Grundstück erschließen muss: Kommune oder der Investor. "Lösung" des Problems sei nun, dass Kaufinteressen sich aussuchen dürfen, ob sie das selbst übernehmen oder die Stadt dazu verpflichten.

    Die Stadtbau AG hat laut LVZ großes Interesse am Grundstück.

    Heute war Richtfest am Intercityhotel am Ring. Die LVZ berichtet hier mitsamt einer kleinen Bilderstrecke.
    (Für mich) sind folgende Infos aus dem Artikel nicht ganz uninteressant: Die Nachfrage nach Hotelzimmern in Leipzig scheint aktuell ungebrochen zu wachsen. Die vielen derzeit in Planung befindlichen Hotelneubauten würden über 1000 neue Übernachtsmöglichkeiten schaffen. Offenbar ist der Markt noch nicht gesättigt. Hoffen wir aber mal, dass man es am Ende nicht übertreibt.

    Unter den geplanten Hotels ist bekanntlich auch jenes der Unister-Tochter "Travel24" im Ringmessehaus. Der geplante Baustart (November) musste wegen "Verzögerungen" in der Planung (also Planungsfehler) verschoben werden. Es "soll" aber noch in diesem Jahr losgehen (wers glaubt).

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    Dann ist es ja in Ordnung. Ich hatte mich nur beim Vorbeigehen über die verschiedenen Farben gewundert.

    Zur Reklametafel: Natürlich kann der jetzige Zustand nur bedingt dem Wesen einer Leuchtreklame gerecht werden (logisch, wenn das Leuchten komplett fehlt ;-)). Aber besser als dieser Vorzustand ist es allemal. Vor dem Hintergrund, dass sicher Einige gern komplett auf die DDR-Reklame verzichten würden, ist das ergebnis akzeptabel, finde ich.

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    Gerade über die Entwicklung des letzeren Punktes zum City-Tunnel bin ich gespannt. Wenn dieser tatsächlich nur halbwegs nach Plan angenommen würde, dann würde die Innenstadt (insbesondere durch die Haltestelle "Markt") einen enormen Push erfahren!

    Die Zahlen zu den Verkaufsflächen pro Kopf sind überdies extrem aufschlussreich. Weniger dahingehend, das in Leipzig dringend mehr Verkaufsfläche benötigt würde (es funktioniert ja auch mit der bisherigen ganz gut, ohne das von Konsumentenseite Engpässe beklagt werdne müssten), sondern vielmehr dahingehend, dass ein wesentlich größerer Faktor noch rentabel für den Einzelhandel wäre. Das macht insgesamt Hoffnung, dass auch bisher eher vernachlässigte Ecken der Innenstadt durchaus belebt werden können. Zu diesen zähle ich auch den Brühl, welcher durch die Höfe (und neuentstandener Fußgängerzone) sowie dem Neubau an der Hainspitz ergänzend (und nicht ersatzweise) attraktiv gemacht werden kann.

    Am Ende zählen für den Einzelhandel ja nur Umsatz- und Gewinnzahlen. Wenn hierfür noch mehr Platz in form potentiell geschlossener Baukücken oder sanierter Altbauten benötig wird, ist das - so glaube ich - in unserer aller Interesse ;)

    Die Sanierung der Gebäude an der Windmühlenstraße schreitet voran. Inzwischen wurde auch die Reklametafel für den Traktoroexport samt darunterliegenden Gebäudeteils (keine Wertung in der Reihenfolge ^^) fertig saniert.
    Auffallend und auch in natura deutlich sichtbar ist im Übrigen auch der Unterschied zwischen den Fassadenfarben der verschiedenen Gebäudeteile an der Windmühlenstraße.

    Anmerkungen persönlicher natur:
    1) Die Restaurierung der Reklametafel ist durchaus gelungen. Besonders das grelle Rot des Zahnrades sticht derart deutlich hervor, dass man beinahe den Eindruck eines "Leuchtens" hat.
    2) Weiß jemand einen grund für die verschiedenen Fassadenfarben? Auch im EG-Bereich ist die Materialität des Natursteins (Granit) ja eine andere - wurden die Gebäude zeitversetzt gebaut? - Eine Vereinheitlichung hätte - insbesondere im Hinblick auf die großen Ensemblebauten der näheren Umgebung - jedenfalls optisch (meiner Meinung nach) nicht geschadet.

    Leipzig: Innside by Meliá (realisiert)

    Die spanische Hotelkette Sol Meliá plant laut LVZ vom 3.12.2012 ein 4****+ Hotel im Kosmos-Hotelbau am Dittrichring samt futuristisch anmutenden Neubau am Ringgrundstück nebenan. Abgesehen davon, dass ich es begrüße, dass die Brache endlich (!) bebaut wird, versprüht der noch sehr skizzenhafte Entwurf einen recht modernen Neubau - gut so!
    Bauträger ist die KSW: man darf also durchaus mit der Umsetzung der Pläne rechnen.
    Die ersten Entwürfe stammen von Manfred Denda (u.a. List-Bogen) und Mann und Schott.

    Mal eine Frage an einen Mod (also vorzugsweise Cowboy): Wie sieht es mit dem Einfügen von Bilder aus der pdf-Ausgabe der LVZ aus? Erlaubt oder eher nicht?

    Modhinweis Cowboy: Siehe PM

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    Danke für die schönen Bilder. Ist immer besser auch nochmal zu sehen, worüber man spricht :)

    Der Entwurf von "Schaltraum" versucht ja ganz schön eine Balance zwischen horizontalen und vertikalen Linien. Allerdings finde ich das vertikale Raster etwas zu engmaschig. Das hat etwas von Gitterstäben. Die Versuchte Betonung der Ecke ist ein weiterer Kritikpunkt meinerseits. Dadurch franzt das Gebäude zum Wintergartenhochaus etwas aus. Dort wird nie Anschlussbebauung entstehen, weshalb es meiner Meinung nach cleverer ist, auf eine einzelne Ecksituation nur zur Hotelseite hin zu verzichten und stattdessen den Neubau komplett, wie die beiden anderen Preisträger es getan haben, als zur Ringseite symetrischen Solitär zu entwickeln.

    Jener von "03 Architekten" ist im Grunde ein Alternativentwurf zum Sieger. Hier wird vollends Bezug auf das Hotel genommen. Die Sockelzone und das Gesims unter den beiden obersten Geschossen verweisen deutlich auf die horizontalen Bänder des Hotels nebenan. Das betont die angesprochene Torsituation. Ansonsten ist der Entwurf relativ unspektakulär und schon fast ein wenig historisierend. Gerade deshalb (wegen der Analogien zum Hotelbau) fällt hier jedoch das Flachdach, ganz im Gegensatz zu den anderen Entwürfen (bei denen es stimmig ist), negativ ins Gewicht. Denn wegen des Bezuges zum historistischen Hotelbau erwartet das Auge quasi auch ein Schrägdach als oberen Abschluss bei Neubau nebenan.

    Das der Sieger irgendwie unrepräsentativ wäre, finde ich nicht. Man darf repräsentativ ja auch nicht mit protzig oder monumental gleichsetzen. Hier handelt es sich ja um ein städtisches Unternehmen, welches vorwiegend niedrigpreisigen Wohnraum anbietet, da wäre derartiges recht unpassend. Modern, schlicht, sicher zweckmäßig und laut LVZ auch energiebewusst sind Eigenschaft des Neubaus - und ich kann mir gut vorstellen, dass sich die LWB dadurch sehr wohl aussagekräftig und passend repräsentiert fühlt.

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    Heute sind in der LVZ auch der 2. und 3. Preis gezeigt. Die von Dase bemängelten Kritikpunkte werden von keinem der 3 Preisträger erfüllt, sodass hier im Vorfeld vielleicht neue Vorgaben (insbesondere was die Bauhöhe angeht) gemacht wurden?

    Zum Siegerentwurf: Mir gefällt er recht gut. Die zu lösende Aufgabe war schließlich auch nicht leicht, schließlich steht der Neubau ziemlich dicht zwischen historistischer Hotelfassade und einem Hochhaus der frühen 1970er Jahre.
    Das Problem kurz umrissen: Man könnte im Hinblick auf den Hotelbau auf eine "verschenkte" Torsituation verweisen. Allerdings wäre diese nur mit einem relativ schlanken, wenigstens hochrechteckigen, Baukörper machbar gewesen. Die Vertikale hätte hierfür primär betont werden müssen. Zur Veranschaulichung dafür kann der von Dase gezeigte Vorentwurf von Kuehn Malvezzi dienen. Das Wintergarten-Hochhaus hingegen fordert eher einen flacheren und vor allem horizontal ausgerichteten Nachbar, quasi einen Ersatz-Sockelbau. Im Hinblick darauf, dass weitere Bebauung um das Wintergarten-Hochhaus geplant ist und dahingehend, dass (schon aus Eigeninteresse) für die LWB eher das Hochhaus und nicht das Hotel gegenüber Bezugspunkt ist, kann ich die Entscheidung für den Siegerentwurf durchaus nachvollziehen.
    Überdies darf inzwischen festgestellt werden, dass zunehmend Neubauten mit horizontalen Fassadengestaltungen in Leipzig auf dem Vormarsch sind (Trias, Neubau HTWK, Ärztehaus am Reichsgericht, Zahnklinik am Bayr. Bahnrof). Insofern reiht sich der Neubau auch in moderne Strömungen ein.

    Im Detail gefallen mir am 1. Platz insbesondere die abgerundeten Ecken (immerhin hier eine kleine Analogie zum Hotelbau - oder doch "Zeitgeist"?) und vor allem die Gestaltung des 5. OGs. bzw. des Daches. Das Fassadenraster wurde hier ja minimiert, sodass das oberste Geschoss quasi vollverglast ist und das Dach zu schweben scheint - ein toller Effekt, wie ich finde.

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    Zunächst einmal folgendes: Statistiken und Vorhersagen zur Bevölkerungsentwicklung sind grundsätzlich zu misstrauen. Ich kann mich erinnern, dass vor einigen Jahren noch ein Schrumpfen Leipzigs vom statistischen Landesamt prognostiziert wurde. Inzwischen übersteigen hier die Geburtenraten die Sterbefälle. Wie sich alles in 10 oder 15 Jahren entwickeln wird, das kann keiner wissen.
    Auf den ersten Blick scheint deshalb eine zunächst temporäre Lösung attraktiv zu sein. Sie böte (wenn sich tatsächlich kein dauerhafter Bedarf manifestieren würde) finanzielle Vorteile und ließe sich schlussendlich leicht entfernen. Beide Vorteile kämen allerdings nur dann zum Tragen, wenn der Bedarf nachhaltig zurückgehen würde. Bleibt der Bedarf konstant oder erhöht sich gar, stehen wir in einigen Jahren vor dem Problem, was man mit den Container- bzw. Modulburgen anfangen soll: Und dann würde es unterm Strich richtig teuer.
    Unabhängig von beiden Szenarien, also wachsenden oder sinkenden Bedarfs, bleibt die Frage, ob die vorgeschlagene Bauweise den Anforderungen an eine Kindertagesstätte entsprechen kann. Das ist m.M. nach die grundsätzliche Frage, die es hier zu klären gilt. Keinem nützt eine kostengünstige Modul-Krippe, wenn sie sich in der Praxis in einigen Teilen als ungeeignet herausstellt. Am wichtigsten mögen hierbei Grundrissgestaltung und Raumgrößen sein. Kleine Räume, enge Flure, wenig Licht usw. sind in Kindereinrichtungen untragbar. Hierbei können und dürfen keinerlei Kompromisse gemacht werden (und das ist bei standardisierter Bauweise unabdingbar), weil es sich nicht um einen Bürobau oder eine notdürftige Bettenburg handelt, sondern eben um einen Ort an dem Kleinkinder einen wesentlichen Teil ihres Tages verbringen sollen.

    PS: Weiterhin spricht übrigens nichts dagegen, massive Neubauten für Kindertagesstätten auch im Hinblick auf potentielle Nachnutzungsformen zu planen, solange dies nicht im Widerspruch zu den derzeitigen Anforderungen stünde. Ich glaube das wurde im Verlauf der Diskussion schon einmal angesprochen. Dem fiktiven Schreckensszenario, dass bei sinkenden Geburtenraten plötzlich haufenweise nutzlose leere Gebäude entstünden mag ich deshalb nicht so recht folgen. Und selbst wenn: es wäre kein hinreichendes Argument um Abstriche in der Betreuungsqualität von Kleinkindern hinzunehmen.

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    Das ist eine Sache der Sichtweise. Geht man davon aus, dass der Bedarf in den nächsten Jahren konstant bleibt, dann wäre das Provisorium mit Containern auf Dauer die teurere Variante- nicht nur deshalb, weil dann irgendwann zusätzlich massiv gebaut werden müsste.
    Weiteres Manko derartiger Container-Kindergarten sind auch die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Sicherlich bieten Container mehr Komfort und Möglichkeiten in der Raumaufteilung als man sich das bei dem Begriff gerne vorstellen mag, allerdings bleibt es trotzdem arg provisorisch. Gerade aber wenn es um Unterbringung und Platz für Kinder geht, sollte man mehr Wert auf optimale Nutzungsbedingungen legen, und nicht auf rückläufige Geburtenzahlen wetten.

    Dekoratives Anführungszeichen

    "Zur falschen Zeit am falschen Ort"


    Das trifft es glaube ich ganz gut :)
    Die revolutionäre Änderung von neohistoristischer stalinistischer Architektur im Zuckerbäckerstil hin zu funktionaler und moderner – auch typisierter und standardisierter – Architektur vermisst vielmals noch ihre gerechte Würdigung. Trösten kann man sich immerhin damit, dass auch die sachliche und funktionale Architektur der 20er Jahre in Ablösung des Historismus seine Zeit brauchte, um kunsthistorisch und denkmalpflegerisch, aber vor allem in den Köpfen der Allgemeinheit, als erhaltenswert anerkannt zu werden. Ungleich schwerer macht es aber die ideologische Aufladung der DDR-Architektur, die nur schwerlich ignoriert werden kann und darf, jedoch auch nicht als Ausrede dafür missbraucht werden sollte, diese Architekturepoche grundsätzlich abzulehnen.
    Viel schwerer als diese politische Dimension wiegt aber in vielen Köpfen noch die ästhetische Ablehnung der Moderne per se. Das liest man hier im Forum des Öfteren auch dann, wenn heutige Neubauten vorgestellt werden. Dann wird der Bezug zur historistischen Umgebung vermisst, zu starke Horizontalität bemängelt oder gleich abwerten eine Verbindung zu DDR-Architektur gezogen. Rationalität, Funktionalität und Sachlichkeit haben es immer noch (oder wieder?) ziemlich schwer akzeptiert zu werden. Stellenweise, etwa bei Katharinum am Bildermuseum, geht der Trend sogar zurück zu einer Art Neoklassizismus. Dieser Trend hin zum Dekorativen oder zum Ornament spiegelt sich meiner Meinung nach auch im Widerstreben einer wertfreien Auseinandersetzung mit DDR-Architektur wieder, die unabhängig von ideologischen Umständen als nahezu kompromisslos modern und funktional betrachtet werden kann und sich gerade durch Ablehnung von nicht funktional begründeten Elementen auszeichnet. Die Kompromisslosigkeit führte schließlich auch zu Typisierung. Die damit einhergehenden Ähnlichkeiten dürfen aber nicht automatisch gleichbedeutend sein mit der Verzichtbarkeit der Einzelarchitektur in der vermeintlich homogenen Masse. Der zuletzt zitierte Artikel zeigte dies deutlich.
    Weiterhin sollten sich einige nichts vormachen: Selbst die Architekten des Historismus folgten größtenteils nur einem akademisch gelehrten Formenkatalog. Auch das war nur eine Art Typisierung, die nicht weniger für Gleichförmigkeit und Ähnlichkeiten unter den Bauten dieser Zeit sorgte, als wir sie in den Typenbauten der DDR finden.
    Was einigen Diskutanten hier fehlte – man darf das hier also innerhalb des Themas als eine Art Abschlussstatement meinerseits verstehen – war eine gesunde Distanz zum eigen Geschmack bzw. zur selbst favorisierten Ästhetik, denn wie ich bereits sagte: Man muss Architektur nicht mögen, um sich für ihren Erhalt einzusetzen.
    Nüchtern betrachtet, ganz wertfrei und fern von ästhetischen Vorlieben bleibt deshalb für das Brühlpelz-Hochhaus für mich folgendes stehen: Es handelt sich um ein Gebäude, welches seit mehr als 40 Jahren die Umgebung der nördlichen Innenstadt prägte. Die Funktion des Gebäudes schließt an historische Handelstraditionen genau dieses Standortes an. Dementsprechend fand auch eine inhaltliche und propagandistisch nutzbare Anknüpfung an diese regionale Besonderheit statt. Städtebaulich fungierte das Brühlpelz-Hochhaus als Dominante eines modernen Konzeptes der Stadtgestaltung, welches bewusst mit historischen Raumkanten brechen wollte und den (gescheiterten) Versuch unternahm eine neue Ordnung des Stadtraumes vorzunehmen. Dieses Konzept fand zeitgleich große Verbreitung in differenzierten Ausprägungen quer durch die DDR, aber auch weltweit. Es fußt auf Ideen, die bereits ideologieunabhängig in den 1920er Jahren entwickelt wurden, aber in den 60er Jahren staatspolitisch nutzbar gemacht werden sollten. Architektonisch handelt es sich um Stahlbeton-Skelettbauweise. In der Verwendung der „Bandfassaden mit massig wirkenden Betonelementen“ als Ergänzung zu den noch zeitgleich aktuellen Glasfassaden darf das Brühlpelz-Hochhaus als eines der früheren dieser Beispiele angesehen werden.*
    Weiterhin steht die Architektur aufgrund ihres Grundrisses und dem Negieren von Raumkanten der Vorkriegszeit im Widerspruch zu aktuellen stadtplanerischen Ansprüchen. Die Hinterhofsituation, entstanden aufgrund des anschließenden Flachbaus, darf heute als unbefriedigend benannt werden.
    Die Möglichkeiten aktueller Nutzungen sind beschränkt. Die EG-Zone eignet sich nur bedingt für modernen Einzelhandel, die übrigen Geschosse sind jedenfalls nach Konzeption der Stadtbau potentiell sowohl für Büro-, als auch für Hotelnutzung geeignet.
    Nach dieser kurzen Übersicht, in Ausblendung ästhetischer Vorlieben und im Nachklang der Diskussion bleibt mir weiterhin der Eindruck erhalten, dass sich keine dringende Notwendigkeit für einen Abriss ergibt, jedenfalls keine mir hinreichend erscheinende Argumente vorgetragen wurden. Eine breiter angelegte und von Prinzipalobjekten abgehende Forschung zu DDR-Architektur ist im Wachsen und liefert neuerdings auch kleine, aber bemerkenswerte Hinweise zu bisher vernachlässigten Bauten wie dem Brühlpelz-Hochhaus. Dem folgend verfestigen sich eher die Punkte, die für einen Erhalt der Bausubstanz in jetziger Gestalt sprechen.
    Soviel noch zum Abschluss von mir.
    * http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/201…F/escherich.pdf (S.4)

    Ich könnte viel antworten, will mich diesmal aber wirklich kurz halten und nur auf eine zentrale Stelle eingehen:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Du bzw. raubbau plädiert dagegen an einen Erhalt, der mehr oder weniger einem Denkmalschutzstatus entsprechen würde. Dagegen wird hier argumentiert.

    Diese Aussage zeigt deutlich, was hier in der Diskussion verkehrt läuft - nach meiner Auffasung jedenfalls.
    Erstens begann die Diskussion anders herum: Du hast Dir einen Abriss des Gebäudes gewünscht und anstelle endlich einmal vernünftige Gründe dafür zu liefern, warum das denn in Deinen Augen so unumgänglich ist, forderst Du ständig irgendwelche Argumente ein, die dafür sprechen, nicht morgen mit der Abrissbirne vorzufahren. Wir haben bereits Deine wesentlichen Punkte ausreichend diskutiert. Nutzbarkeit und Architekturqualität. Während ich das Objekt für durchaus fähig halte, modernen Nutzungsformen gerecht zu werden, Dir also gern energisch diesbezüglkich widerspreche, haben wir über die Architekturqualität inzwischen genug gestritten, um zu wissen, dass wir uns hier uneins darin sind, wie besonders ein Gebäude sein muss, damit über die handwerkliche Qualität (bautechnisch weist das Gebäude ja keine Mängel auf) auch eine architektonische Qualität steht. Wie wichtig mir hierbei die Einordnung im Zeitkontext ist, habe ich schon erwähnt. Ein recht aktueller Beitrag, in dem das Brühlpelz-Hochhaus wundersamerweise gar nicht ignoriert wird, tut dies ebenfalls: http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/201…F/escherich.pdf

    Zweitens wird von vielen hier nicht gegen einen Denkmalstatus argumentiert, sondern gegen DDR-Architektur für sich. Das ist ein Unterschied. Wer beispielsweise auf die vielen ähnlichen Bauten andernorts verweist, der will sich gar nicht mit dem Gebäude selbst befassen sondern begnügt sich damit die Architektur dieser Zeit wahllos über einen Kamm zu scheren. Dieser Blick verhindert schon im Ansatz jede unvoreingenomme Betrachtung eines einzelnen Beispiels der modernen DDR-Architektur und ist deshalb meiner Meinung nach nicht zielführend. Architekturepochen sind aber nunmal keine gleichförmigen Massen, die keine individuelle Präfung zulassen. Selbst Typenbauten haben prinzipiell das Potential ortsspezifische Adaptionen zu sein. Nur weil eine Bauweise standardisiert ist, muss es der spezifische Bauzweck nicht automatisch auch sein. Das Brühlpelz-Hochhaus erhielt beispielweise eine inhaltlich-historische Aufladung, die nur hier funktioniert hat und nur hier auch im vollen Kontext verstanden werden konnte. Mag Dir die Bauweise nicht besonders genug sein, der Bauzweck war es allemal, weil hier eben kein Kombinatssitz allein, sondern auch ein Anknüpfungspunkt an historische Handelstraditionen und regionaltypische Besonderheiten stattfand.