Beiträge von laozi

    Ja, korrekt!

    Ich bin etwas gespalten. Auf der einen Seite macht die Schaufassade nur zusammen mit dem neobarocken Dach ästhetisch Sinn. Bei einer Rekonstruktion kann im Sinne der Gefälligkeit nichts falsch gemacht werden. Da das nicht das "Haus der Demokratie" selber ist, sondern es nur dieses beherbergen soll, brauch es architektonisch kein Ausrufezeichen setzen.

    Auf der anderen Seite finde ich einen Verwaltungsbau im Stil des wilhelminischen Historismus symbolisch etwas unpassend, auch weil die Preußen ein paar Jahre vorher Frankfurt annektiert hatten. Man setzt sozusagen dem Souverän des Ancien Regime die Krone wieder aufs Haupt. Der spätromantische Historismus war ja auch geistig etwas rückwärtsgewand, wo ja hier eigentlich von demokratischem Fortschritt erzählt werden soll.

    Bei einer Wiederherstellung des Dachumrisses habe ich die Befürchtung, das es stilistisch nicht hinhaut, also weder eindeutig modern noch harmonisch zum Bestand passend. Den Entwurf von Lorentzen Lankilde finde ich in diesem Sinn nur oberflächlich passend und ästhetisch unbefriedigend.

    Der Denkmalbeirat spricht sich für einen Umbau der Kämmerei aus:

    1.Schaufassaden sollen unangetastet und

    2. insbesondere zum Paulsplatz ohne An- und Aufbauten bleiben.

    3. Dachgeschoss in neuer Gestalt aber mit Mansarddach.

    Ausserdem könnte der Mittelflügel einem grösserem Hof weichen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    „Der Denkmalbeirat wünscht sich, dass der mögliche Umbau der Kämmerei ein gelungenes Beispiel dafür sein sollte, wie Denkmalschutz und zukunftsweisende Architektur koexistieren und sich gegenseitig bereichern können, während die historische Identität bewahrt und gleichzeitig neue Räume und moderne Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden“

    Denkmalbeirat für Mansarddach auf Kämmerei (Bezahlschranke)

    Ich würde den Forster bevorzugen. Der Vorteil des Geminientwurfes ist, dass er zwar nicht klassizistisch im strengen Sinn ist, aber auch keine krasse "Bausünde" mit schlechten Proportionen, Fassadenplatten aus billigen Materialien, oder fehlgeschlagenen Versuchen durch nicht rechtwinklige Gestaltungselemente oder wuchtige Walmdächer eine traditionelle Stilanmutung zu erzeugen. Die nichttragenden Säulen betonen sehr die Vertikale und wirken irgendwie humorlos in ihrer distinguierten Geste. Erinnert mich ein bisschen an die Karl-Marx-Alle im sozialistischem Klassizismus, die ich aber als gelungener empfinde. Wem der Forsterentwurf zu schmucklos ist: Man könnte ihn mit teuren Handwerkern und teuren Materialien durch Art-Deko aufhübschen.

    Klein und überwältigt fühle ich mich im Petersdom, und Hitler wollte noch eine viel grössere Kuppel bauen. Dass das Bauhaus erzieherisch wirkt und einen unkörperlichen Habitus hat, der vornehmlich den Verstand anspricht, mag durchaus zutreffen.

    aber das "denke rational" ist doch etwas, das die Logik von Markt und Wettbewerb ausmacht und propagiert, die kulturkonservative Zeitgenossen so hochhalten, und das würde ich nicht allein dem Bauhaus in die Schuhe schieben.

    Wenn man Lagerbildung konstatiert, würde ich dem "klassischem Lager" einige symbolische Widersprüchlichkeit attestieren. Man steht dem immensen technologischen Fortschritt, der sich ja auch in der Architektur manifestiert, in einem hohem Maß unkritisch und opportunistisch gegenüber, jedenfalls wenn man das soziokulturelle Milieu betrachtet, in dem die nostalgische Sehnsucht nach historisierenden Bauformen am größten ist. Diesen Fortschritt will man aber der zeitgenössischen Architektur, die ja auch weitgehend eine Experiment ist, nicht zugestehen.

    Im "modernistischem Lager" ist die Ästhetik nur ein Anspruch neben vielen weiteren, die der technologische und postulierte soziale Fortschritt fordert. Und dem will man auch noch auf kritische Weise gerecht werden.

    Ich würde mich im Gestalterischen auf die Gemeinsamkeiten und Qualitäten von Klassizismus und der ursprünglichen Moderne besinnen, die gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Der notwendigen sachlich-funktionalen Reduziertheit muß die Schönheit keineswegs geopfert werden.

    Den Miquelknoten und die Rosa Luxemburg zurückzubauen ist möglicherweise klug, weil der Vorteil des kreuzungsfreien Verkehrs zumindest in den Stosszeiten gar nicht mehr so gross ist. Dies besonders bei einer wachsenden Bedeutung von autonomem Verkehr. Abgesehen davon kann auch Platz für eine Erweiterung des Grüneburgparks gewonnen werden. Die Miquelallee/66 könnte gedeckelt, und die Rosa L. könnte nach Westen verschwenkt werden. Wenn man auch Kleingärten opfert, können auch Wohngebiete am Rand erweitert werden. Ich bin gespannt, wie die sich das vorstellen.

    Was ist historisch? Muss man dann etwa den historistischen Nordbau abreissen, weil das nicht historisch ist, oder inklusive Notdach konservieren, weil das historisch ist?

    Taugt die alte Börse als historisches Denkmal für Demokratie? Allenfalls in der Hinsicht, dass sie von dem Geld reicher Bürger abhängig ist.

    Man kann da durchaus etwas ästhetisches kreieren, ohne zu rekonstruieren. Man gewinnt in Tieflage Platz für Verbindungswege und Sanitär und Rezeptionsbereiche. Das bedeutet nicht, das da alles dunkel sein muss. Dann hat man oben mehr Platz und muss nicht so massiv bauen.

    Es muss ja nicht industrial oder betont ökokonstruktivistisch sein. Ich sehe da moderne Formen durchaus in der Tradition und Fortführung von Klassizismus.

    Die äusseren beiden "Spuren" scheinen nur für Fussgänger zu sein. Das Gelbe eine Art shared Space für Fahrrad und PKW. Die PKW können aber von da nicht in die Hauptachse (Strassenbahn und PKW) einbiegen und umgekehrt. Obs bei dem Fichtner überhaupt PKW-Verkehr gibt kann man nicht erkennen.!?

    130 m für die Türme gibt einen besseren Kontrast mit dem Fernsehturm. Am besten in einer Linie und in klassischer Moderne, damit es nicht wie eine x-beliebige amerikanische oder golf-region Skyline aussieht. Diese art-deko Türme vom Kolhoffplan waren vermutlich eher so eine Mode, die auch gar nicht typisch für Berlin ist. Sowas wie London mit immer neuen kreativen dekonstruktivistischen Skulpturen hat natürlich auch seinen Reiz, aber warum diesen Wettbewerb mitmachen. Kraftwerk waren nicht ohne Grund für Deutschland ikonisch. So wird es eine Einheit. Die Sockelbereiche müssen natürlich gut gestaltet werden, damit es nicht so leer und kalt wird.

    Ich sehe da hauptsächlich einen Konflikt mit den Aussengastronomiebetreibern und dem Weihnachtsmarkt. Positiv fände ich , wenn der Bereich direkt vor dem Eingang der Paulskirche eingefasst wird und einen geschlossenen Platz bilden würde. So das die Paulskirche dem viel zu offenen Bereich nicht mehr die "kalte Schulter zeigt". Ausserdem könnte man zur Berliner Strasse hin eine Raumkante schaffen. Das auch im Bereich hinter der Kirche zum Theatertunnel hin. Am besten man unterkellert alles, um die Bereiche zu verbinden und viel Fläche zu gewinnen. Ohne oben alles voll bauen zu müssen.

    Man könnte die visuelle Anmutung dadurch auflockern, daß man zwischendrin ein paar inhabergeführte Geschäfte und Cafes im Selfmademodus zulässt. in einer Art Retro-Vintagelook, mithilfe billiger Antiquitäten und Sperrmüllmöblierung, würde die Atmosphäre von Studenten und Szenevierteln implementiert werden. Und preiswert wäre es auch. Aber vielleicht kann das die KI ja demnächst auch dahingehend, das es "authentisch" aussieht.

    Ich finde es gut, dass dann hoffentlich diese merkwürdige Zweiteilung der Gestaltung aufgehoben wird. Ich finde die linke Seite mit den Ziergittern unter den Fenstern irgendwie ansprechender und auch farblich passender. Oder wird es eine ganz neue Fassade geben?

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    Der Garten vor dem Karmeliterkloster ist schön, aber der Ort könnte ein bisschen urbanere Gestalt vertragen, weniger nach verkehrlichen Vorgaben begrenzt. Die Brücke kommt ja weg - man hätte aber auch mit einer Renovierung optisch was verbessern können.