Wenn man Lagerbildung konstatiert, würde ich dem "klassischem Lager" einige symbolische Widersprüchlichkeit attestieren. Man steht dem immensen technologischen Fortschritt, der sich ja auch in der Architektur manifestiert, in einem hohem Maß unkritisch und opportunistisch gegenüber, jedenfalls wenn man das soziokulturelle Milieu betrachtet, in dem die nostalgische Sehnsucht nach historisierenden Bauformen am größten ist. Diesen Fortschritt will man aber der zeitgenössischen Architektur, die ja auch weitgehend eine Experiment ist, nicht zugestehen.
Im "modernistischem Lager" ist die Ästhetik nur ein Anspruch neben vielen weiteren, die der technologische und postulierte soziale Fortschritt fordert. Und dem will man auch noch auf kritische Weise gerecht werden.
Ich würde mich im Gestalterischen auf die Gemeinsamkeiten und Qualitäten von Klassizismus und der ursprünglichen Moderne besinnen, die gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Der notwendigen sachlich-funktionalen Reduziertheit muß die Schönheit keineswegs geopfert werden.