Ehrlich gesagt, kann ich genau diesen Aspekt derzeit nicht verstehen!
die HPA und die Hamburger Politik (zuvorderst Senator Horch) benehmen sich in letzter Zeit wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Jede Debatte, jede Fragestellung wird dem vermeintlichen Totschlagargument "Hamburg lebt vom Hafen und der Hafen braucht Fläche" beendet und lässt keine Luft mehr für Diskussion.
Wenn es um Olympia und Uni-Verlagerung geht, ist der Hafen angeblich entbehrlich und kann JEDERZEIT überall hin auf andere Flächen verlagert werden. Doch sobald es um andere "normale" Entwicklungen, Verkehrsachsen und Bauten geht, soll der Flächenbedarf angeblich weiter wachsen?
Das ist doch eine Sache der Prioritäten. Wenn man für Milliarden eine Uni mit zigtausenden Studenten verlagert, wodurch in nachgefragten GEbieten wiederum neuer Wohnraum entsteht (Eimsbüttel), dann ist es nicht gleichzusetzen damit, marode Werkhallen zu erhalten, nur weil sie schon etwas älter sind.
Was gänzlich verkannt wird, ist dass in dieser Stadt auch zunehmend Menschen die Abkehr von der reinen Hafenliebe fordern. Elbvertiefung und Erweiterungsflächen eben nicht für unentbehrlich halten.
Spätestens seit der Zustimmung zum JadeWeserPort hat Hamburg seine Zukunft selber hervorgerufen: Auf kurz oder lang wird Hamburg kein Welthafen mehr sein. Wir sollten uns lieber endlich der Realität stellen und anfangen Hamburg in anderen Bereichen auf solide Füße zu stellen, ehe alles ganz schnell geht und die Stadt ihren Reichtum verliert. Nur scheint man zu denken, dass mit dem Thema Hafen noch jede Bürgerschaftswahl gewonnen werden könne.
Hamburg hat beim JWP nicht mitzureden und hat sich daran auch nicht beteiligt. Der Begriff "Welthafen" ist übrigens so schwammig wie die vergessene Tatsache, daß der JWP kaum in Konkurrenz zum Hamburger Hafen steht, da dieser für ganz andere Bereiche (Metropolregion Hamburg, Ostseeraum und östliches Mitteleuropa) interessant ist. Die Wachstumsprognosen sind gut und die Kapazitäten viel höher als in Wilhelmshaven. Also so optimistisch ist sicherlich nicht einmal irgendwer in Hannover.
Und dazu gehört eben auch die leidige Debatte um Erweiterungsflächen der HPA. Braucht man diese wirklich? Wer wird dort hinziehen und lagern? Können diese nicht auf woanders hin? Zumal der reale Hafen mittlerweile einige Kilometer von der Peute entfernt ist.
Man braucht sicherlich nicht unbedingt neue Flächen. Erstmal. Es ist nur meistens günstiger, als eine effiziente Verdichtung zu erzeugen, wie es dort der Fall ist. Hat der Hafen nicht genug freie Flächen, müssen halt solche bearbeitet werden. Da die wenigen Künstler, die dort fürn Appel und 'n Ei arbeiten, später dort wieder einziehen können, verstehe ich die empörte Dramatik gar nicht.
Was diese Stadt braucht, ist endlich eine ehrliche, offene und schonungslose Diskussion um den Hafen, seine Zukunft und die rechtliche Stellung der HPA. Und ein Ende der Augenwischerei, dass Hamburg auf ewig eine prosperierende Hafenstadt sein könne
Die Stadt war schon immer recht adaptiv, eben weil sie nicht an allem, nur weil es alt ist, festhält. Viele Zukunftsmärkte werden derzeit erschlossen und ein Abbruch des Welthandels ist nicht in Sicht. Und sollte er, aus welchen Gründen auch immer, in 100, 200 Jahren eintreten, dann kann man sich immer noch zeitnah mit (dann) modernen Lösungen darum kümmern. Alles andere sind nur Glaskugeln und fragwürdige Argumente, um eine einzige, kleine Sachentscheidung zu kritisieren. Wer sich anschaut, wie es um den Hafen in den späten 80ern stand, und es mit heutigen Zahlen vergleicht, wird auch feststellen, daß die Nachfrage nicht gerade sinkt. Ein kleines, krisenbedingtes Abknicken fällt da in der Gesamtstatistik kaum auf, auch wenn einzelne gerne selektiv unkritisch einen Zeitraum rauspacken, um ein Ablaß zu suggerieren oder vermeintliche Prognosen und Hochrechnungen früherer Jahre als falsch abstempeln wollen.
Bei der HPA läuft sicherlich nicht alles rund, aber insgesamt schafft sie einen guten Interessensausgleich und verhält sich so, wie es auch sein sollte: Mit Blick auf die gesamte Stadtentwicklung. Aber da entstehen immer wieder die Konflikte bei jeder Öffnung des Hafens. Man denke nur ans Angebot, günstig das Dockville dort zu veranstalten auf Reserveflächen. Da war jedem von Anfang an bekannt, daß das nur temporär war. Als angekündigt wurde, daß die Fläche in einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen wird, war die Empörung einiger Künstler so laut, als seien hier irgendwelche Menschen enteignet worden -- gepaart mit dem bekannten "Die Stadt interessiert sich nicht für die Zukunft", weil man vielleicht in den kommenden Jahren 15 Minuten weiter fahren muß.