Beiträge von LukaTonio

    Was mir an dem Bild (#54) oben vor allem auffällt ist, dass dieses städtebauliche Niemalsland einen enormen Schub erlebt. In unmittelbarer Nähe entsteht auch noch das neue Exilmuseum.

    Midas


    Ich erinnere mich, dass wir uns gewundert hatten, dass KPW diesen östlichen Anbau im Rahmen der Pläne zum Johann Kontor gleich neu mit überplant hatten (siehe auch Abb. 5 zum Projekt Johann Kontor auf der Website der Architekten). Insoweit gibt es Hoffnung, dass der Wunsch des Abrisses in die Tat umgesetzt wird.

    In Berlin müssen es wohl immer drei Kuben sein, wobei auch hier der oberste Kubus perspektivisch von der Straße etwas unglücklich wirkt. Erinnert mich insoweit ein wenig an den Gehry Entwurf am Alex. Ansonsten aber ein wirklich schöner Entwurf.


    Städtebaulich verstehe ich nicht, warum nicht im Cluster gebaut wird, was gerade für investitionsoptimierte Türme so viele Vorteile bildet, da der einzelne Turm nie den gleichen Detailreichtum erreichen kann wie eine Kirche, aber dann zumindest in der Gruppe mit anderen Türmen wirkt.

    Ich war auch vom großen Büchersaal zunächst, insbesondere hinsichtlich der orangen Bodenverkleidung, schockiert, hab mich dann aber an den Anblick gewöhnt, obwohl ich einen Holzboden bevorzugt hätte. Das Schloss Neuschwanstein kenne ich nicht persönlich. Was mir an den gezeigten Bildern aber auch nach mehrmaliger Sichtung nicht gefällt, sind die modernen Tischlampen im gezeigten historischen Lesesaal. Das passt weder als Bruch, noch als Ergänzung zusammen und dürfte maßgeblich auf eine Kostensenkungsmaßnahme zurückzuführen sein.

    Ich empfinde es problematisch, dass Frau Lüscher Schweizerin ist und soweit ich weiß, in Zürich an extrem nüchternen Stadtentwicklungen mitgewirkt hat. Die Schweizer Architektur mag funktionieren, wenn die Natur drum herum das Spektakel liefert, aber im deutschen Flachland ist diese Aufgabe den Gebäuden zuzuweisen. Das sie ein Frau ist, ist mir egal. An ihrer Person wundert mich nur, dass sie als Traum angibt, ein Haus in New York bauen zu wollen. Dieser Traum, wie auch der Standort dieses Traums, schlägt sich nicht in ihrer täglichen Arbeit in Berlin nieder. Dies mag ich anders sehen, wenn in ein paar Jahren sechs bis acht Türme am Alex stehen.

    Vielen Dank Häuser für die Bilder und Updates. Es ist unglaublich, was sie/du für das Hamburgforum leistest. Bei der Spaldingstraße 20 wirkt die Erdgeschosszone sehr gedrückt. Insgesamt ist zu beobachten, dass der Trend wieder von hohen zu niedrigen Erdgeschosszonen geht. Bei historisierenden Gebäuden ist das keine schöne Entwicklung. Bei modernen Gebäuden kann es ausnahmsweise gut aussehen, um die darüberliegenden (Glas-)geschosse zu betonen (z.B. der geplante "Glassarg" in München). Das Gebäude in der Spaldingstraße ist aber nach meiner Ansicht keine solche Ausnahme.

    Die Baukörperstudie sieht völlig willkürlich aus und lässt eine städtebauliche Struktur insgesamt vermissen. Soweit dies nicht aufgrund von naturschutzrechtlichen Belangen geschieht, ist das nicht nachvollziehbar und sollte überarbeitet werden.


    Ich denke, dass mir hier auch Personen zustimmen, die einen semi-urbanen Würfelhusten gegenüber eine Blockrandbebauung bevorzugen.

    Es entscheidet weder der Investor noch das Baukollegium.


    Auch Berlin ist an das Baugesetzbuch gebunden, da es Bundesrecht ist. Sonst könnten im Vergleich zu Flächenstaaten Unterschiede auftreten, was ich ohne vertiefte Recherche nicht beurteilen kann. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Flächenstaaten, sollten in leicht abgewandelter Form aber auch für Berlin gelten.


    Der städtebauliche Plan wird typischerweise in einem Bebauungsplan umgesetzt. Dieser wird nach Abwägung vom Stadtparlament (Gemeindevertretung/Stadtverordnetenversammlung) nach Abwägung beschlossen. An diesen Bebauungsplan sind sowohl die Eigentümer als auch beratende Gremien gebunden. Wenn der Investor vom Bebauungsplan abweichen möchte, kann er eine Befreiung nach § 31 Abs. 2 BauGB geantragen, welche gestattet werden kann, wenn die Grundzüge der Planung und Nachbarbelange nicht berührt werden und dies städtebaulich vertretbar ist.


    Was Grundzug der Planung ist, hat das Stadtparlament schon in die Begründung zum Bebauungsplan geschrieben. Nachbarliche Belange können über zivilrechtliche Vereinbarungen finanziell abgegolten werden. Das Problem ist die städtebauliche Vertretbarkeit. Wenn hier ein beratendes Gremium mitgeteilt hat, dass diese am beabsichtigten Ort gegeben ist, kann sich die Behörde, welche die Baugenehmigung zu erteilen hat, diese Einschätzung als antizipiertes Sachverständigengutachten für die erforderliche Ermessensentscheidung zu eigen machen.


    Die Behörde (in Berlin mutmaßlich der Bezirk) erteilt dann die Baugenehmigung mit einer Befreiung vom anzuwendenden Bebauungsplan und begründet dies damit, dass Fachleute die städtebauliche Vertretbarkeit für das Baugrundstück bestätigt haben, sofern auch die übrigen, oben genannten Voraussetzungen einer Befreiung vorliegen.


    Gestaltungsgremien haben also dort, wo gesetzliche Regelungen greifen, keine eigene Entscheidungsbefugnis. Die Einwirkungsmöglichkeiten des Gestaltungsgremiums beziehen sich eher auf den städtebaulichen Entwurf eines Viertels, sowie auf die Gestaltung einzelner Gebäude, weil hierzu quasi nichts gesetzlich geregelt ist. Im Übrigen handelt es sich um Soft Power, weil das Gestaltungsgremium eng mit den entscheidenden Politikern verzahnt ist und Investoren immer wieder in Berlin bauen möchten. Deswegen ist das Gestaltungsgremium zufrieden zu stellen.


    So läuft es zumindest in Frankfurt. Ich hoffe, dass ihr daraus etwas für Berlin und das Europaviertel im Besonderen ziehen könnt.

    Wunderbar, vielen Dank für die Info. Ich hatte das von den Visualisierungen her auch gedacht, war dann aber an Pelle93's Post hängen geblieben, welcher sich auf die Amsinckstr. 20 bezog. Tolle Neuigkeiten. Nach den Elbbrücken ist es der erste Eindruck von Hamburg. Gut, wenn sich da was tut.


    Der zweite Wunsch von mir, dass die Kennedybrücke und die Lombardsbrücke durch eine einzige (spektakuläre) Hochbrücke ersetzt und die Innen- und Außenalster visuell mehr als gemeinsamer Wasserkörper erlebbar gemacht werden, wird dagegen wohl immer ein Traum bleiben.

    Für einen glücklichen Moment hatte ich gehofft, dass sich die oben stehenden Entwürfe auf die Amsinckstr. 45 und den nebenan liegenden Parkplatz beziehen, da die dortige aktuelle städtebauliche Situation als Entree zur Stadt unglücklich ist.

    Als jemand der in Frankfurt lebt kann ich mitteilen, dass unten in oder an mehreren Hochhäusern Kaffees, Bäcker, Bars und Restaurants sind. Sie nehmen also am Stadtleben teil, anders als dies bei monolithischen Einzeltürmen in anderen Städten der Fall ist. Hamburg und München sind hier abschreckende Beispiele für mich, denn dort sollen Hochhäuser wohl freistehende Kunstobjekte darstellen, die nichts für die Dynamik der Stadt als Zentrum als Anziehungspunkt leisten. Wer im O2 Tower in München arbeitet, packt sich sein Essen daheim oder geht in die interne Kantine und fährt nach der Arbeit direkt heim.


    Es muss kein Brett werden, aber Hochhauscluster haben enorme psychologische Wirkung und können so von städtebaulich misslungenen Situationen an anderer Stelle ablenken. Dies gerade in Berlin, wo einzelne Stadtteile sehr lebenswert und urban wirken, aber das Zentrum um den Alexanderplatz leer und undynamisch daher kommt.


    Plakativ ausgedrückt: ich würde deutlich lieber in Berlin als in Detroit leben, aber auf Stadt- und Übersichtsbildern ist Detroit erheblich mehr instagramable als Berlin.


    München war in den letzten Jahrzehnten gerade nicht dabei, wenn etwas neues entstand, sondern hat sehr bieder gebaut. Dies wurde zuletzt von der Stadtpolitik erkannt und gegengesteuert. Dies zum Beispiel am Ostbahnhof, welcher sich aber wohl die Backstein und Glaskontore von NYC und London zum Vorbild nimmt.

    pontifexmaximus Ich bin für den konkreten Vorgang etwas zu jung und lasse mich gerne eines besseren belehren, aber soweit ich es in Erinnerung habe, wurden die Bebauungspläne aus dem städtebaulichen Konzept von ASP entwickelt. Dieses war zwar politisch beeinflusst, ist aber ihr Werk. Es krankt nicht nur an der Breite des Boulevards, sondern insbesondere auch an der offenen Bauweise und den nicht überbaubaren Grundstücksflächen. Damit konnte die Urbanität nicht erreicht werden. Es war absehbar, dass selbst bei hochwertiger Architektur ein zweites Niederrad entsteht. Außer entlang der Messehalle war auch anders als zum Beispiel bei einer Hafencity kein besonderer städtebaulicher Grund für diesen Ansatz erkennbar. Das Gallusviertel ist entlang der Mainzer Landstraße zumeist als geschlossener Blockrand ausgeformt. Schmittchen kritisierte dies seinerzeit bei Inkrafttreten der Bebauungspläne für das Viertel.


    Hinzu tritt zu Lasten von ASP, dass deren Seniorpartner kurz vor seinem Tod und damit bereits nach großteiliger Umsetzung das Europaviertel verteidigt hat. Bei der Nachfrage zur "Stalinallee" fand er den Namen gut. Gleichzeitig kritisierte er die neue Altstadt. Für mich hat er daher als Chef eines Büros, welches in China eine "typisch deutsche Stadt" gebaut hat, welche als zu hässlich von den Chinesen empfunden wurde, als jemand erwiesen, der einen bestimmten "klassischen" Ansatz von Städtebau verfolgt. Dieser entspricht nicht meinem Geschmack und meinem Wunsch von europäischer Stadt. Auch wenn der Seniorchef nun nicht mehr die Geschicke des Unternehmens lenkt, unterstelle ich allerdings ohne konkreten Beleg, dass eine bestimmte corporate identity fort besteht.

    Wie wichtig Kontakte sind. Wie kann es sonst sein, dass ASP nach dem Europavierteldesaster wieder den Auftrag für die maßgebliche und entscheidende Stadtentwicklungsmaßnahme für die nächsten Jahre erhalten haben. Mich verlässt ein bisschen die Hoffnung.


    03 Architekten haben hingegen nach erster Durchsicht in München ganz gute Arbeit geleistet. Es soll auch dort Zonen (hoffentlich als Cluster) geben, was besser als die bisherige münchener Entwicklung ist und keine strikte Höhenbeschränkung (also besser als die befürchtete Wand am Berliner Alexanderplatz).



    Mod: Die sich anschließende Diskussion zum Europaviertel wurde in den einschlägigen Thread verschoben.

    Wie wichtig Kontakte sind. Wie kann es sonst sein, dass ASP nach dem Europavierteldesaster wieder den Auftrag für die maßgebliche und entscheidende Stadtentwicklungsmaßnahme für die nächsten Jahre erhalten haben. Mich verlässt ein bisschen die Hoffnung.


    03 Architekten haben hingegen nach erster Durchsicht in München ganz gute Arbeit geleistet. Es soll auch dort Zonen (hoffentlich als Cluster) geben, was besser als die bisherige münchener Entwicklung ist und keine strikte Höhenbeschränkung (also besser als die befürchtete Wand am Berliner Alexanderplatz).



    Mod: Beitrag aus dem Thread zur Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans kopiert und anschließende Diskussion zum Europaviertel hierher verschoben.

    Im Ernst krass ok. Ich fand "the Benjamin" wie unter #220 (ich weiß leider nicht wie ich verlinke) aufgrund der Dachgestaltung, der Balkone und der "expressiven" Gestaltung deutlich besser. Das, sofern es so bleibt, nun das Technikgeschoss nicht einmal mit Kupferplatten verkleidet wird, vollendet für mich die Transformation von Gestaltungswillen zu gewinnmaximierter und deprimierender Piefigkeit.


    Insbesondere neben dem tollen ehemaligen Fabrikgebäude mit seinen Details und den Sprossenfenstern ist das Ensemble für mich eine Echt-Welt-Collage, wie mal gebaut wurde und heute leider häufig gebaut wird. Aber immerhin wurde anders als beim Anbau des Le Coeur in Charlottenburg Klinker bzw. Riemchen verwendet.

    Zumindest in Frankfurt stimmt, was Berlinier sagt. Es waren die Grünen, welche eine breite Frischluftschneise in die Stadt wollten. Ursprünglich sollte die Europaallee noch deutlich breiter werden.


    Ergängend: auch die offene Bauweise in Riegel und Klotzform hilft nicht bei der Belebung. Auch dies ist in Paris und New York anders.


    Der Vergleich zu ausländischen Prachtstraßen hinkt allerdings an anderer Stelle. Denn sowohl in Berlin als auch in Frankfurt sind die vorstehenden Straßen nicht das Zentrum der Stadt. In Berlin ist der Vergleich eher zum Kurfürstendamm oder zu Unter den Linden zu ziehen. Dort gibt es (nach Abschluss des Umbaus) auch viele Menschen.

    Es wundert mich, dass das Projekt weder auf der Seite der Muc Re, noch auf der Seite von Fuchshuber Architekten zu finden ist. Es gibt nach meinem Verständnis auch keine Projekt homepage und die letzte, bekannte Visualisierung weist die dunkeln Fensterumrandungen nicht auf und scheint auch sonst veraltet. Für ein so zentrales Projekt in der deutschen Hauptstadt ist die schwere Auffindbarkeit ungewöhnlich. Weiß hier jemand mehr? Hat sich der Name, Architekt, Investor erneut geändert?

    Jetzt wird es doch sehr grundsätzlich. Der Entertainment District bedeutet nicht den Abgesang Berlins.


    Ja die unmittelbare Bebauung links und rechts des Platzes hat wenig architektonische Qualität. Die vorderen Gebäude erinnern an Budgethotels an FLughäfen und die hinteren Gebäude erinnern in der Tat ein wenig an Logisikhallen mit öffentlicher Erdgeschossnutzung. Insgesamt hätte hier großstädtischere Architektur gut getan. Aber städtebaulich funktioniert es. Hinter der Randbebauung des Platzes liegen zu allen Seiten entweder Hochpunkte oder besondere Architektur in Form einer Arena. Auch auf dem Platz selbst ist mit den Multimediapöllern und dem Wasserspiel viel los. Es ist also richtig, dass die Randbebauung als Ruhepol fungiert. Allerdings, wie gesagt, geht dies auch mit höherwertigerer Architektur.


    Berlin steht meißt nicht für wegweisende Architektur, wenn damit der Cube und vergleichbare Projekte gemeint sind. Berlin wird auch noch brauchen, bis zu Singapur, London oder selbst Frankfurt aufgeschlossen wird. Berlin war mal sehr stark in der Kombination aus alt und neu und in der Schaffung dritter Orte. In Frankfurt gibt es für Touristen plakativ ausgedrückt shopping und Museen, während es in Berlin viele Subkulturorte wie den Holzmarkt als baulich, entwickeltes Beispiel gibt. Das sollte weiter gestärkt werden. Architktur wie am Hudson Yard wird in Berlin noch lange die Ausnahme bleiben, was aufgrund der Geschichte Berlins in Ordnung ist. Das aber die Weiterentwicklung des Holzmarktes gescheitert ist, das ist für mich tragisch. Weil das wäre eine berlintypische Innovation gewesen, für die Touristen wie Young professionals nach Berlin kommen. Wenn in diesem alternativen Segment neue Projekte angestoßen werden, wäre das innovativer und berlinerischer als auf mehr Glasgebäude zu hoffen.

    Im FAZ Artikel "Weißer noch als weiß" Grand Tower in Frankfurt vom 30.06.2020 von Rainer Schulze und Frank Röth ist das Forum und auch die Beiträge einiger Foristen zu diesem Projekt ausdrücklich genannt (paywall). Glückwunsch dazu.


    Obwohl das Thema Stadtentwicklung in seinen verschiedenen Facetten für die gesamte Bevölkerung relevant ist und bei besonderen Projekten wie der Elbphilharmonie Millionen anzieht, ist die FAZ die einzige Tageszeitung, die sich regelmäßig mit gelingendem Städtebau auseinandersetzt, was mich wundert. Für mich ist ein besonderes Bauprojekt welches die Stadt bereichert wie ein neuer Fussballstar, den der Liebingsverein kauft. Ich les da gerne viel zu.


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    Mod: Dazu schon der Vorbeitrag.