Beiträge von Bauchef

    Dekoratives Anführungszeichen

    Dieser Entwurf sagt mir schon viel mehr zu. Einfassadige Megklötze gibts da schon genug. Lieber wieder auf kleinere Formate zurückgreifen, ungeachtet der Fassadengestaltung, wie schon beim Hackeschen Quartier passiert. Täte den beiden Altbauten an der Rosenstr. sicher auch gut. Und durch die Sichtachsen kann man den Turm (und die Kriche sowieso) auch von Norden her in einer ganzen "Pracht" sehen, und nicht nur die Spitze. Naja, Parks...Grün gibts ja wie man sieht in der Ecke genug. Aber mit dem Stummel am Viadukt lässt sich wohl eh nicht viel anfangen und der andere lässt sich aufgrund seiner Geschichte nicht "vermeiden".

    Dieser Dom-Entwurf ist im Gegensatz zu meinem Link kein Denkmal für einen König, sondern sollte - wie man schon dem Link entnehmen kann - zum Gedenken an die (Gefallenen der) Befreiungskriege errichtet werden. Wieder: so viel Zeit muss sein.

    Richtig. Zurück zum Berliner Block! Die Gestaltung der Innenstadt war ja damals ein Kraftakt, den man quasi «verordnen» konnte und der geschickt das System des Schachbretts, wie man es von amerikanischen Städten kennt, implementierte. Die «Versöhnung» der Grossform MEF mit dem dahinterliegenden Quartier nach meiner Idee dürfte eine sehr kluge Lösung sein. Sichtachsen, klar gefasste Räume, symmetrische Gestaltung - das alles hat in Berlin seine Referenzen. Warum nicht die eigenen städtebaulichen Qualitäten aufnehmen statt oft bloss gesichtslose Wegwerfarchitektur hinzuklötzeln?

    Zum Link: Richtig. Dein Entwurf von Friedrich Gilly wurde um 1797 gezeichnet. Die Idee eines Domes am Leipziger Platz jedoch entstand um 1814. Und wie verbrecherisch bis heute mit dem Erbe Schinkels umgegangen wird, zeigt sich auch an der Elisabethkirche. Dieses grandiose Werk ist bis heute im Inneren zerstört, soviel ich weiss. Schändlich!

    @ Baukunst: Weder warst Du noch ich ein Nazi (hoff ich jetzt mal) oder Mitglied der Resistance, darum geht es doch gar nicht. Aber auf diese äusserst unappetitlichen Äusserungen nur eine Kurzzusammenfassung (Bergier -Bericht):

    1939 - 1945:

    - ehrenvolle Schweiz: Schweizer Mobilmachung, Sozialdemokraten stärkste Partei, die NSDAP wird verboten (!), die schlecht ausgerüstete Armee schiesst 201 Luftwaffe -Messerschmitts ab (bis 1943), die Todesstrafe wird abgeschafft, freie Presse wird auch für Ausländer garantiert, es werden insgesamt 401'000 Flüchtlinge aufgenommen und gerettet (auch durch Lutz, Grüninger usw.), die Schweizer sind deutschfeindlich und russenfreundlich, der CIA (OSS) wird von Allen Dulles in Bern gegründet und organisiert den europäischen Widerstand (Hitler tobt), es werden trotz deutschen Drohungen antideutsche Filme produziert, der Hamburger Wilhelm Gustloff wird von David Frankfurter ermordet, dieser wird nicht an Deutschland ausgeliefert oder hingerichtet, gegen die Nazideutschen in Zürich kommt es zu Ausschreitungen, Guisan will Abkommen mit der deutschen Gesandtschaft über die KZ -Insassen (Ausreise über Schweiz nach Palästina), die deutsche Gesandtschaft lehnt ab, die Schweizer Kommunisten verlangen einen Pakt mit Stalin, die Schweizer Liberalen mit den USA, Guisan erwägt Entente mit Frankreich, Frankreich wird eingenommen, Guisan plant das Reduit.

    - gaunerhafte Schweiz: Die Nationalbank wäscht deutsches Raubgold, der Judenstempel wird gegen den Willen des Parlamentes und der 6 anderen Minister durch den deutschfreundlichen Minister von Steiger (d. Rothmund) eingeführt. Es werden mehr als 39'000 Juden an den Grenzen abgewiesen, der Waffenhändler Bührle (geb. Pforzheim) versorgt Hitlerdeutschland mit Waffen. Nach dem Krieg wird die Schweiz als Befreier (mit Unterstützung der Alliierten) gefeiert, Grüninger des Amtes enthoben, «Fascho -Steiger» auf dem Ehrenfriedhof, Kritik wird als Lumpentum und Kommunistenhatz eingeordnet (bis etwa 1960) ...

    Und Deutschland? 2 Weltkriege angezettelt mit hunderte Millionen Toten, den Holocaust und damit die schlimmste Menschheitskatastrophe verbrochen.

    Naja, soviel zu «von den Kartoffeln lernen.». Sei nicht bös, aber wenn Deutsche uns Schweizern Demokratie beibringen wollen ... schon eher seltsam.

    (Bato, soviel Replik muss sein!)

    Aber fertig jetzt mit dem Zeugs, zurück zum Thema:

    Östlich der Spandauer Strasse geht das MEF faktisch weiter. Wir haben also Südlich die Platte vor dem Nikolaiviertel, Rathaus, R -Passagen, Östlich den herrlichen Fernsehturm, nördlich DA und meinen Platzschlussvorschlag und westlich bald Stellas Schlossabschluss.

    So könnte das also in etwa mal schnell hinskizziert aussehen:

    (Rot: Bestand, Gelb: Neubauprojekt, Grün: Parks, Orange: Sichtachsen Kirche / Fernsehturm)

    Also den Platz freilassen (!!) und dafür lieber die Wüste zwischen Spandauer, KL und Bahn verdichten (mit Sichtachse Kirche und Fernsehturm). Durch den Raster entstehen zwei kleine Parks, die geschickt auf die Umgebung reagieren.

    Bauen! Jetzt!

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    Also das Schloss Babelsberg bzw. die Fw'sche Kirche sind ja nur 2 von vielen Werken und außerdem im (engl.) Tudorstil bzw. Neogotik errichtet worden. Gotik hat nicht wirklich was "deutsches" sondern kommt bekanntlich aus F. Und mit dem Denkmal an Leipziger Platz meinste wohl das für Fr.d.Gr. was eine Kopie der Akropolis geworden wäre. Wenn Schinkel son Idealist war, hätte er sich eben andere Bauherren suchen müssen, ganz einfach. Auch gewählte Staatsoberhäupter können ünbrigens in Nostalgie schwelgen. Danke für den Link. Sieht schon ganz gut aus. Aber wer weiß, was sich der Zar so vorgestellt hat...

    Nein, ich meine das Teil hier, einen gotischen Dom auf dem Leipziger Platz (der von Dir gezeigte Entwurf war soviel ich weiss ein früherer Entwurf):

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm….jpg?uselang=de


    Und richtig: Schinkel konnte sich seine Auftraggeber nicht immer aussuchen. Ein generelles Problem der Architektenzunft, wenn ich da auch an zeitgenössische Leute denke ...

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    Volle Zustimmung Kent, entspricht dem, was ich auch schon gepostet habe (siehe hier und da). Aber leider hat Bauchef so seine Probleme mit anderen Meinungen ... und wo doch in Zürich so viel besser gebaut wird. Hier ein paar Beispiele:
    - dieser Beitrag in diesem Strang
    - oder dieses HH aus diesem Strang
    - es geht noch schlimmer ... das hier aus diesem Strang
    - noch ein Beispiel? Gerne, bitte schön, aus diesem Strang

    Hmmm, eine meiner Überzeugungen ist: Für gute Architektur ist viel Geld eine gute Grundlage.
    Aber anscheinend reicht in Zürich viel Kapital allein überhaupt nicht aus! Da kommt doch unsere arme Hauptstadt vergleichsweise gut weg ... schönen Sonntag noch!

    1. Nur zur Info: Es geht beim 1. Hinweis um diese Liegenschaft (das dritte Bild versinnbildlicht die ganze Herrlichkeit unserer Prachtstrasse):

    http://www.skyscrapercity.com/showpost.php?p…487&postcount=1

    Und gemäss Zürcher Denkmalpflege sind von den 89 Gebäuden an der Bahnhofstrasse gerademal 7 nach dem 2. Weltkrieg entstanden - im Gegenteil, die Bahnhofstrasse ist gerade das Paradebeispiel, wie man schon in den 70-ern versucht hat, hinter schönen Fassaden belanglose Büroetagen zu verstecken. Kann man beklagen. Oder auch nicht. Typisch für die Schweiz: Nicht mal bei der Bahnhofstrasse konnte man mal für einmal das Teil schnurgerade planen! Es galt, auf die ansässigen Gesellen, irgendwelche Gerber und sonstige Handwerker, Rücksicht zu nehmen. Typisch! Ein wenig mehr Haussmann wäre da auch Zürich gut gestanden ... Zur allgemeinen Baulage in Zürich - das ist ein anderes, nicht immer erfreuliches Thema. Zum Glück ist die Stadt wunderschön, geradezu paradiesisch an See, Hügeln und Fluss gelegen und mehrheitlich intakt, die Verbrechen konzentrieren sich auf die Agglomeration und den äusseren Gürtel. Im Gegenteil: Zürich hat ganz andere Probleme - bezahlbare Wohnungen sind in der lebenswertesten Stadt der Welt Mangelware.

    2. Den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses geht doch in Ordnung - wer sollte sich dagegen sträuben, dass in einem ehemaligen von totalitären Herrschern bewohnten Gebäude ein demokratisch legitimiertes Parlament einzieht?

    3. Natürlich waren eure Könige Usurpen und undemokratische Despoten. Der deutschstämmige Herr Blocher war kurzzeitig 3 Jahre lang Minister, dann wurde er u.a. mit linken Pauken und Trompeten aus der Regierung geworfen. Die SVP mit knapp 27 Prozent stellt 1 von 7 Ministern. Da soll man der Schweiz nochmals faschistische Tendenzen nachweisen :)

    Ich möchte noch eine weitere Polemik in den Raum werfen: Die Friedrichstrasse, die Vorzeigeachse der neuen Republik, gilt es einmal südwärts zu erkunden - man landet inmitten grauenhafter Katastrophe - unter anderem dem Mehringplatz. Ich rufe den Berlinern zu: «Habet keine Scheu vor dem Aufschrei der Architektenzunft! Reisset das Elend nieder!»

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mehringplatz

    Und wie man mit der wenig noch bestehenden Altbausubstanz umgehen sollte, wird in Leipzig vorexerziert: Dort werden gerade viele Strassenzüge wieder in alter Gestalt in Form gebracht.

    4. Deine weiteren Beispiele stehen alle (!) in der ehemaligen peripheren Industriezone von Zürich. Das erste ist von GigonGuyer, das zweite von gmuergeschwentner (man beachte dabei auch die silbern -blaue Scheusslichkeit aus den 80ern im Hintergrund, wird wohl bald umgestaltet) und das Dritte von DienerDiener. Keine schlechten Referenzen.

    5. Die dauernde Herabsetzung der schönsten Stadt Europas, nämlich Paris, ist wohl dem Minderwertigkeitskomplex des «Kriegsverlierers» Deutschland geschuldet. Ich kritisiere das nicht. Schliesslich war Berlin nach dem Krieg eher übersichtlich intakt und wurde danach doch wenig sensibel wiederaufgebaut. Aber es ist bei Deutschen doch immer wieder auffällig. Aber für mich ehrlich gesagt dann auch nicht wirklich ernstzunehmen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Hm, die meisten Werke Schinkels (und auch die seiner Nachfolger/Schüler) in und um Berlin muten aber alles andere als "deutsch" an, sondern eben italienisch oder griechisch. Haste ein Bild von dem Orianda-Projekt? Das kenne ich nicht...Schinkel starb außerdem 1841. "Deutsche Kaiser" gabs erst ab 1871. So viel Zeit muss sein :D.

    Schön wärs. Schloss Babelsberg, Denkmäler für Könige und Königinnen, die Friedrichswerdersche Kirche, den Entwurf für irgendeinen König am Leipziger Platz usw. zeugen von einer deutschtümelnd -romantischen Verkitschungssucht der zuständigen Bauherren (Adlige).

    Seinen italienisch klassizistischen Stil, den Schinkel erst zum wichtigsten deutschen Architekten emporhob, konnte er oft nur gegen die kulturell leicht unterbelichteten Auftraggeber durchsetzen.

    Und korrekt: Damals waren preussische Könige, die späteren deutschen Kaiser die zuständigen Herren :) Schweizer haben seit jeher kein allzu enges Verhältnis zu diesem fürchterlich dämlichen Pack.

    Entwurf für das Schloss Orianda:

    http://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?set=…Orianda%2C+Krim

    1. Natürlich ist Dein Projekt des Kulturhauses an Schinkel entlehnt: Irgendwas im stalinistischen Zuckerbäckerstil, in ein preussisch strenges Kleid gezurrt. Bis auf den zu steilen Dreiecksgiebel ein wohlproportioniertes Teil.

    2. Rücksprünge bilden gegenüber dem MEF wie gesagt keinen Halt und Schinkel war gerade der Meister von feinen Lisenen und dennoch starken Blocklösungen (Kirche in Potsdam z.B.) - das Maritim hat ja damals nur den bestehenden, zur Friedrichstrasse bezugslosen Plattenbau verkleidet und ihn an sie «herangedrückt» - eine Notlösung. Die Marienkirche steht solitär und kann durch ihre Schrägstellung eine gewisse Kraft entwickeln. Die Platten beim roten Rathaus mit (mittlerweile verkitschter) Eingangspartie und oberen, auf Trägern schwebenden Wohnungsblöcken, zählt zum Besten, was die DDR in Sachen Moderne hervorgebracht hat. Das Gegenüber (wo ich mein Projekt vorschlage) ist dumpfestes Mittelmass und gehört geschliffen. Auf eine Schrägdachdiskussion lasse ich mich nicht ein - es gibt dafür und dawider. Hier wäre Schinkels Flachdach angebracht. Und das Domaquaree mag unten überzeugen - die Dachpartie mit ihrem schlabbrigen Glaspudding ist eher suboptimal gelöst.

    3. Schinkel vertrat einen modernen, strengen Klassizismus. Schau Dir mal sein Projekt für «Unter den Linden» an:

    http://i39.tinypic.com/huhf1y.jpg
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    Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddatei wurde in einen Link geändert. Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Bildern achten! Vielen Dank.

    Wenig bekannt und neben der Bauakademie mit serieller und feingliedriger Fensteranordnungen wohl als Mitbegründung der Moderne einzuordnen.

    4. Schinkel nicht monumental? Da muss schon ein gerüttelt Mass an völliger Unwissenheit vorherrschen! Sein Projekt für Orianda kommentierte die kulturfremde Zarin damals mit: «Wir bestellten ein Sommerhaus, und dieser Schinkel stellt uns ein Mausoleum in der Grösse einer Stadt hin. Wer soll hier einziehen? Unsere Urenkel vielleicht?». Und der König von Griechenland meinte zu Schinkels Akropolis -Erweiterung: «Schon nach der Hälfte der errichteten Gebäude dürften alle verfügbaren Marmorabbaugebiete leer sein.»

    Du siehst, Schinkel scheute sich nicht vor Grossprojekten - er kam bloss kaum dazu, diese zu verwirklichen. Vielfach musste er wegen seiner Auftraggeber, vornehmlich den provinziellen deutschen Kaisern, in dem ihn verhassten «Deutschen Stil», einer verqueren Mischung aus romantischer Gotik und Burgenkitsch, Dinge entwerfen. Wo er viel lieber in «seinem» Klassizismus, der sich stark an den italienischen und amerikanischen anlehnte, gebaut hätte.

    Mein elegantes Projekt kann man als liebevolle Reminiszenz an euren grossen Stadtarchitekten sehen. Leider wird er, wie öfters erwähnt und obwohl vor allem in seinen Skizzen und Entwürfen revolutionär, von der deutschen Architektenszene mehrheitlich ignoriert. Was auf deren beschämenswert geringe Wertschätzung jahrhundertelanger Baukultur schliessen lässt.

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    Zum neuen Entwurf. Bauchef, deine Arbeit ist auf jeden Fall anerkennenswert. Danke dafür.
    Ich frage mich allerdings, was der gute Schinkel damit zu tun haben soll. Dein Gebäude bleibt weiterhin viel zu klobig und massig, drängt sich m.M.n. zu stark an die K-L-S. ...*Zitat gekürzt*

    Leicht zurückgesetzte Fassade im Bereich der Kolossalordnungen usw. habe ich mit Schattenwürfen skizziert, war aber zu faul, dies auch in der Perspektive einzubringen. Kolonnaden wären eine Möglichkeit. Die Rosenstrasse wird bewusst abgeschnitten - sie hat im vorhandenen Platzgefüge keine Berechtigung mehr. Sie kann aber durch Durchgänge als Passage wieder spürbar gemacht werden - Autos haben dort meiner Meinung nichts verloren.

    Du fragst, was Schinkel damit zu tun hat? Die feingliedrige Auflösung der Fensterflächen, elegant profilierte Lisenen, strenge Zeichnung usw. sind eindeutig bei Schinkel entlehnt. Der Dachabschluss mit «Schräge» ist im Berliner Programm (siehe Friedrichstrasse) meines Erachtens durch Zurücksetzen des obersten Geschosses klug gelöst. Auch von Innenräumen denken! Dachschrägen sind unbrauchbar und für die Nutzer verlorener Raum - die Dachterasse, wie ich sie vorschlage (und dem Berliner Programm entspricht), lässt attraktiven Aussenfläche entstehen. Natürlich ist der Vorschag mal hergezeichnet - in den Details liesse sich noch vieles verfeinern.

    An der starken, übermächtigen Situation am Karl -Marx -Forum muss ein gewichtiger, geschlossener und einheitlicher Gegenpart heran. Upper Eastside nimmt die kristalline und heterogene Bebauung bei «Unter den Linden» auf - hier wäre gleiches fehl am Platz und liesse die Raumkanten des gigantischen (und meines Erachtens unbedingt erhaltenswerten) Forums zerbröseln.

    @ jan: Ich beziehe hier klar und auch exponiert Stellung und Du schreibst diffus von «Gefühltem». Deine seltsame Tourismusvergleiche habe ich bereits mit dem Stichwort «Ballermann» (Logiernächte mit architektonischer Qualität gleichzusetzen ist mehr als abenteuerlich) treffend entkräftet. Du solltest Dir angewöhnen, in Deinen Ausführungen eine gewisse Stringenz und Klarheit an den Tag zu legen, sonst wird das nix.

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    Beitrag in der Abendschau: Abriss des ICC scheint unmöglich

    Ein Abriss des ICC ist wohl gefährlich da benachbarte Autobahn- und S-Bahnbrücken gefährdet werden könnten

    In der Nähe von Zürich steht ein verblüffend ähnliches Teil:

    http://sc.tagesanzeiger.ch/media/images/305/312485.jpg

    (Post Mülligen)

    Hat knapp 1'000'000 m3, gilt als das grösste Gebäude der Schweiz und steht bereits unter Denkmalschutz! Denn wir Eidgenossen wissen: Was heute in Sachen Architektur noch verflucht wird, wird zwanzig Jahre später zur Pilgerstätte!

    Das ICC steht in dieser Hinsicht derzeit auf der Kippe: Der Schrecken beginnt der Faszination zu weichen.

    Ein weiterer, überarbeiteter Vorschlag: Die «Schinkelpassagen» am Marx -Engels -Forum (im Dachbereich noch nicht ganz deckungsgleich mit dem folgenden Bild). Die Traufhöhe orientiert sich nicht an den DDR -Bauten, sondern an dem neuerstellten Domaquaree vis -à -vis:


    Einzelner Gebäudeteil der «Schinkelpassagen» in der Ansicht:

    (Bilder von Bauchef)

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    Das nenn ich mal Selbstbewusstsein. Da wird eine Argumentationskette aufgebaut in der es an sachlichen Begründungen mangelt und die von einigen Usern hinterfragt wird. Aber egal…man sieht sich im Recht und hält es nicht für nötig entsprechende Belege zu liefern. Eine gesunde Diskussionskultur sieht anders aus (und leise ist die Kritik auch nicht).


    (VERSAL ZUR ABTRENNUNG, NICHT ETWA ALS «SCHREIEN» GEDACHT :))
    QUATSCH. DIE ARGUMENTATIONSKETTE IST STIMMIG.

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    Das Schreiben in Superlativen machen deine Argumente nicht stichhaltiger. Stöbere doch einfach mal ein wenig im Berlin-Forum bzw. in einem Architektur-Führer für Berlin herum. Du wirst sicherlich das ein oder andere Beispiel (und damit meine ich nicht wenige) finden, welches deine These widerlegt.


    NUR WEIL MAN SICH DIE DINGE SCHÖNREDET, WERDEN SIE NICHT BESSER. WER IN BERLIN UMHERWANDERT, WEISS WOVON ICH SPRECHE. DIE BEISPIELE SIND DEREN TAUSENDE, GEISTIG SCHEINEN SICH BERLINER UND BERLINVERTEIDIGER ABER EINZIG AUF EIN PAAR GELUNGENE BEISPIELE AN DER FRIEDRICH-, ORANIENBURGER- ODER JÄGERSTRASSE ZU ORIENTIEREN. DIE LEIPZIGERSTRASSE, DER VÖLLIG ZERFAHRENE SPITTELMARKT, DIE GANZE GEGEND UM WALL- UND ANNENSTRASSE USW. ZEIGEN DIE REALITÄT. ICH NEHME JETZT MAL EIN GRENZBEISPIEL: GEBÄUDE WIE DER DIHK AN DER BREITE STRASSE OFFENBAREN DAS GANZE ELEND: OHNE IRGENDWELCHEN BEZUG ZUR STADT WURDE EIN «FORUM» HINGEKNALLT, DESSEN «TRANSPARENTE, DEMOKRATISCHE UND VIELFÄLTIGE» GESTALTUNG ÜBERALL, AUCH IN JAHRESBÜCHERN RAUF- UND RUNTERGELOBT WURDE. IN WAHRHEIT HANDELT ES SICH UM EINEN VOM STADTKÖRPER ABGEKOPPELTEN RAUM, DESSEN INSASSEN DURCH DIE TIEFGARAGE EINTRETEN UND DESSEN ZUGEMAUERTE ERDGESCHOSSZONE ZU SCHREIEN SCHEINT: SCHREITE WEITER! DIE FASSADENGESTALTUNG IST ZWECKMÄSSIG, SEELENLOS, KALT.

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    Da kann ich dir teilweise zustimmen. Wie in Preußen mit den führenden Baumeistern (etwa einem Schlüter oder eben Schinkel) umgegangen wurde ist ziemlich unschön. Nun gut, Teile des Schlüterhofes im Stadtschloss werden bald rekonstruiert und eine vollständige Reko der Bauakademie könnte es in dieser Dekade auch noch geben (hoffentlich). Was die Reko der Bauakademie angeht, das Hauptproblem war übrigens nicht mangelnder Wille sondern eigentlich immer die Finanzierung (nicht nur der reinen Baukosten). Es ist nicht so, dass man sich keinen Deut um Schinkel oder seinesgleichen schert, nur ist eine Realisierung derartiger Bauten ziemlich teuer.


    ACH WAS. DIE WAHRHEIT IST, DASS DIE DEUTSCHE ARCHITEKTENSZENE NACH WIE VOR VON EINER HANDVOLL NACHKRIEGS -EXPONENTEN DOMINIERT WIRD, DIE IN GERADEZU IDEOLOGENHAFTEN VERBLENDUNG NOCH IMMER DAS LOBLIED AN DIE GROSSARTIGEN MODERNISTEN DER 50-ER BIS 70-ER JAHRE SINGEN. WER REGELMÄSSIG DAS FEUILLETON ODER DIE STELLUNGNAHMEN DES BDA LIEST, ERSCHRICKT VOR SOVIEL IGNORANZ UND SELBSTGERECHTIGKEIT. DIE BAUKULTUR HAT NICHTS MIT KOSTENWAHRHEIT ZU TUN - WER ETWAS VON DER MATERIE VERSTEHT, WEISS, DASS MAN Z.B. DAS MÄRKISCHE VIERTEL, EIN VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT, IM GLEICHEN KOSTENRAHMEN GANZ ANDERS HÄTTE ERSTELLEN KÖNNEN. FASSADENGESTALTUNGEN MACHEN IN DER BAUSUMME MEIST ZWISCHEN 2 - 5 PROZENT AUS.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Tun sie das etwa nicht? Ich denke schon, wenn man sich mal die Lehrpläne der Fakultäten an den Uni/Hochschulen ansieht.


    DOCH. NATÜRLICH. SAG ICH JA.

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    Ben hat’s schon erwähnt. Es gab da einen Krieg der zu einer großen Wohnungsnot, knappen Ressourcen und der Notwendigkeit des industriellen Bauens führte. Es ist natürlich schade, dass in dieser Zeit der Fokus nicht so sehr auf die äußere Gestaltung lag (trotz mancher Ausnahmen).


    PAPPERLAPAPP. DIE MEISTEN INNENSTÄDTE DEUTSCHLANDS WURDEN NACH DEM KRIEG, ÜBRIGENS MEIST VON IM NATIONALSOZIALISMUS GESCHULTEN ARCHITEKTEN, VERKEHRSGERECHT UMGEKREMPELT. ALTE SUBSTANZ WURDE GNADENLOS NIEDERGEWALZT. WASCHBETONKISTEN (SPARKASSENARCHITEKTUR), BEZUGSLOSE EINKAUFSZENTREN USW. WURDE DER ÜBERKOMMENEN STADTSTRUKTUR AUFGEZWUNGEN, DASS ES EINEM HEUTE NOCH SCHRECKT. SCHEUSSLICHKEITEN WIE AM KOTTBUSSER TOR FINDEN SICH ZU HUNDERTTAUSENDEN. DIE ANTWORT DARAUF WAR WÄHREND DER IBA BERLIN EIN GEDÖRFEL, DAS AUCH NICHT BEFRIEDIGTE. DIE LÜCKENFÜLLUNGEN UNTER STIMMANN VERSPRACHEN BESSERUNG - WAS ERFOLGTE, WAREN BAUMUSTERZENTRALEN WIE AM GENDARMENMARKT, WOBEI MAN DAS NOCH ZU DEN GELUNGENEREN BEISPIELEN ZÄHLEN KANN. WIE SELBSTVERSTÄNDLICH HABEN SICH Z.B. IN MAILAND (DAS ICH GUT KENNE) IM STADTZENTRUM DIE ERWEITERUNGEN UND NEUBAUTEN STRENG AN DER VORHANDENEN BEBAUUNG ORIENTIERT, WAS MATERIALISIERUNG, PROPORTIONEN UND GESTALTUNG ANBELANGTE. IN BERLIN TUT MAN SICH BIS HEUTE SCHWER DAMIT. EIN FEINER, AMERIKANISCHER KLASSIZISMUS, WIE ER Z.B. IN DER SCHWEIZ FRÜHER SEHR OFT, HIE UND DA HEUTE NOCH PRAKTIZIERT WIRD, SCHEINT IN DEUTSCHLAND AUS NATIONALISTISCHEN GEFÜHLEN WOHL UNMÖGLICH. ABER DIE ITALIENISCHE, SCHINKELSCHE VARIANTE WÄRE EINE IDEOLOGISCH GANGBARE ALTERNATIVE ZU ALL DEM SCHROTT, DER DERZEIT PRODUZIERT WIRD. LEIDER WIRD SIE KAUM PRAKTIZIERT. UM MAL EIN GELUNGENES HALBBEISPIEL ZU ZEIGEN, DAS ABER LEIDER MIT BERLIN HERZLICH WENIG ZU SCHAFFEN HAT UND MAN EHER IN LONDON ODER LIVERPOOL VERORTET. DENNOCH: ANGENEHME MATERIALISIERUNG, GUTE EINBINDUNG AN DEN ORT, FEINE DETAILLIERUNG. SCHÖN:

    http://imageshack.us/f/357/img7129mm9.jpg/

    IM GEGENSATZ DAZU EIN IN BAU BEFINDLICHES BEISPIEL BRUTALER WEGWERFARCHITEKTUR: EINE JVA, DIE SICH ALEXANDER PARKSIDE SCHIMPFEN DARF, OHNE DASS SICH JEMAND DARÜBER AUFREGT (MAN KÖNNTE HUNDERTE AUFZÄHLEN):

    http://imageshack.us/photo/my-images/510/pb200029.jpg/

    HINGEKLATSCHTER MÜLL:

    http://www.jurkun.de/downloads/holidayin-prenzlauerberg.jpg

    http://www.rma-hotels.de/business-hotel…berlin_east.jpg

    http://79.125.4.112/imgw/Citylight…07cfd68441c.jpg

    http://www.koenig.de/custom/media/u…el_100017_1.jpg

    http://www.pic-upload.de/view-11054278/DSCN3939.jpg.html


    EIN EINGANG WIE EINE FAUST IN DIE FRESSE:

    http://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/…stel-berlin.jpg

    Dekoratives Anführungszeichen

    Worauf willst du hierbei eigentlich hinaus? Geht es dir um äußere Form und Gestaltung (z.B. Fassadenschmuck), Konstruktionsfragen, Materialverwendung etc? Das mit der laienhaften Bauzunft ist ansonsten wieder nur eine bloße Behauptung.


    ÜBERHAUPT NICHT. FAHR DOCH MAL DIE LIETZENBURGER ENTLANG - DU WIRST HERNACH VERSTEHEN, WAS ICH MEINE. DORT SIND AUCH DIE NEUEREN GEBAUTEN EXPONATE VON EINER DERARTIGEN GRAUENHAFTIGKEIT, DASS MAN SCHNELL ENTSCHWINDEN WILL.

    PS.: AUSSERDEM FINDE ICH ES GERADE FÜR EIN DEUTSCHES FORUM BEZEICHNEND, DASS HIER IN EINER TEILS NUR SCHWER ERTRÄGLICHEN FORM AUSGETEILT, KRITIK ABER ÜBERHAUPT NICHT ERTRAGEN WIRD. AUSSERDEM: WAS SOLLEN DIESE DEPLATZIERTEN UND VÖLLIG THEMENFREMDEN TOURISMUSVERGLEICHE? SCHLIESSLICH HAT Z.B. LUZERN VERGLICHEN MIT BERLIN UND GRÖSSE FAST 7 MAL SOVIEL TOURISTEN. NA UND? ÜBER MALLORCA BALLERMANN MAL GANZ ZU SCHWEIGEN.

    GENERELLER TIPP: SAFTIGE DISKUSSIONEN GEHEN IN ORDNUNG. WER ABER BEI DER LEISESTEN KRITIK WIE EIN GESCHLAGENER HUND AUFHEULT, HAT ENTWEDER SCHWACHE ARGUMENTE ODER GIBT OFT IN WAHRHEIT INNERLICH DEM KONTRAHENTEN RECHT.

    Ich hab mir dann doch mal erlaubt deinen Beitrag so zu editieren, dass er auch für Dritte lesbar ist. Versal zur Abtrennung ist nett gemeint, aber bei so viel Durcheinandern an Textbausteinen ziemlich sinnlos. Zudem sollte man mit sowas aufpassen sich nicht gleich eines gewissen Verdachtes auszusetzen. Außerdem könnte die von dir w.u. geäußerte Kritik ganz schnell zu einen Bumerang werden.
    Bato

    *zusammenschieb*

    Danke Bato fürs Editieren! Zum Zweiten: Heisst der Thread nicht «Architektur - kontrovers diskutiert»? Das sollte doch schon ein wenig Klarheit ertragen.

    Natürlich sind Vorzüge kulturbedingt - meine Liebe zu Paris, New York usw. dürfte meiner Schweizer Herkunft geschuldet sein. Hier hat man sich schon immer mehr an frankophonen, lateinischen oder amerikanischen Gefilden ergötzt als an deutschen. Hat auch, aber nicht nur mit der eher unappetitlichen Historie der «BRD» zu tun - man interessiert sich bis heute schlicht nicht wirklich (ausser Bayern, Hamburg und Berlin) so für die «Schwaben» (alles Deutsche nördlich des Rheins). Zurück zum Thema: Meine leise Kritik ist natürlich berechtigt. Ausserdem nährt sie sich auch aus dem Unverständnis, dass die Berliner Stadtplanung im Moment inexistent scheint. Es wird seelenlose Wegwerfarchitektur hingeklötzelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Das mag in den unzähligen, durch den Föderalismus bedingten kleineren deutschen Städten ohne Belang sein. In Berlin (und seit Kennedy sind wir schliesslich alle Berliner) schmerzt es.

    Die Frage ist: Warum lässt man das zu? Schaut man sich in der berliner Historie um, wird man schnell einmal bei Schinkel fündig. Aufgrund von Sparterror und völligem Unverständnis seitens der leicht debilen Regentschaften deren von und zu Hohenzollern konnte dieser ja nur relativ wenig und wenn dann nur mit königlichen Argusaugen begleitet bauen. Ein Weltarchitekt als Referenz - welche Stadt kann schon damit aufwarten? Aber solange man sich um Schinkel einen Deut schert, lieber dieses seltsame und zusammengewürfelte Ungetüm namens Stadtschloss wiederauferstehen lässt als die gleich anbeine, grossartige Bauakademie und einflussreiche Architekten hinter jeder Säule gleich Faschismus wittern, kann Berlin lange auf eine eigenständige, unverwechselbare und identitätsstiftende Architektur warten. Leider! Dabei zählen die wenigen noch erhaltenen Gebäude des ehemaligen Hofarchitekten, in ihrer eigenen Mischung aus italienischer Eleganz und preussischer Strenge zu Baubeispielen, die an jedem besseren Institut im Lehrplan stehen. Als hätte sich die Moderne in ihrem Plattenwahn und kaltem Rationalismus mit ihren Aufenthalts- und Verrichtungsboxen, frecherweise als «Wohnungen» feilgeboten, nicht schon längst ihre eigenen Schreckensgeister geschaffen. Gerade weil die Moderne mit ihrem Verzicht auf Schmuck und Tand einen professionellen Umgang verlangt (die aber von der Mehrheit der «Baumeister» in keinster Weise beherrscht wird), gilt es, ganz nach dem Muster der Jahrhundertwende, gute Baumeisterkataloge zu erstellen, wo sich die mehrheitlich laienhafte Bauzunft bedienen kann. Angeschraubte Glasplatten, mit Stahldraht nur abenteuerlich vom Absturz ferngehaltene Vordächer, Plastifenster mit Rahmen und Kämpfer, als gelte es, einer nahenden Atomexplosion standzuhalten, Toilettenkacheln als Erdgeschosseinfassung - Architektur hätte in seiner Langlebigkeit und immerwährend fordernden Aufmerksamkeit eigentlich einen anderen Stellenwert verdient, als bloss als abschreibbarer Renditemüll vor sich hinzuvegetieren. Das ist nicht nur ein berliner Problem - dort aber erscheint es eklatant, gerade weil in den letzten 20 Jahren ein derartiger Bauboom zu beobachten war und die Altlasten der DDR, die berüchtigten Arbeiterschliessfächer, geradezu ein Moderneverbot in der Verfassung festgeschrieben nach sich ziehen müsste. Natürlich verteidigen rührige Berliner ihre Stadt - alleine nach dem Motto «in der Scheisse ists am Wärmsten» zu argumentieren bringt nicht wirklich viel Erkenntnis.

    Wenn das so weitergeht, versinken wir bald in, wie es Kollhoff nennt, dem «Untergang der Baukultur»: «Die funktionalistische Verrohung liess nach dem Kriege, dem Diktum der konstruktiven Ehrlichkeit zuliebe, einen Reichtum jahrhundertelan verfeinerter Gegenstände auf dem Schrottplatz zurück, zugunsten einer «ehrlichen», aber kalten Sammlung von Materialien, an denen unsere emotionalen Bedürfnisse unbefriedigt abgleiten. Säulen wurden durch Rohre ersetzt, Dächer und Gesimse durch Betonplatten, der Sockel pervertierte zum Spritzwasserschutz aus Blech, gerahmt von einer Kiesdrainage. Man müsste hier nicht soviel Aufhebens darum machen, gehörte dieses Instrumentarium nicht zum Repertoire der «allgemein anerkannten Regeln der Baukunst» und würde es nicht in der einschlägigen Fachliteratur feilgeboten und in der deutschesten aller deutschen Errungenschaften, dem DIN -Normenwerk, unumstösslich festgeklopft.»

    (Hans Kollhoff in «Stumpfsinn und öffentliche Meinungskraft», Centrum, Jahrbuch Architektur und Stadt, Peter Neitzke and Carl Steckeweh, Braunschweig, Wiesbaden)

    Dekoratives Anführungszeichen

    Jaja, die Rue de Rivoli, ein passendes Beispiel! Aber in Deutschland haben wir das ja schon längst getoppt, 4,5 km ;)

    Ich war vor 2 Wochen jobbedingt mal wieder für ein paar Tage in Paris bzw. La Defense und finde die stadt natürlich wunderschön. Aber ich finde Paris - im Gegensatz zu Berlin - nach meinem mittlerweile 6. Aufenthalt auf eine gewisse Weise etwas langweilig. Dieser omnipräsente Haussmann-Stil, der mich anfangs regelrecht überwältigt hatte, verliert irgendwann doch seinen Reiz. Ein großer Teil der Stadt ist weitestgehend identisch, es gibt viele Strassen und Plätze die sich ziemlich stark ähneln.

    VG

    Ouhh, da redet aber ein rechter Heimwehberliner! Tönt mir zu sehr nach «Innensicht». Paris ist und bleibt in der Sicht der meisten Erdenbürger die schönste und interessanteste Stadt Europas. Pariserinnen laufen, anders als ihre Berliner Geschlechtsgenossinnen, weder mit Sandalen, kurzgeschorenem Grind und unappetitlicher Kik -Garderobe rum, sondern sind ein immer wieder scharfer Anblick. Grossartige Plätze, verschiedenste Baustile (auch im Kern, sogar auf der Île de la Cité), die Stadt mit gefühlten Milliarden Bars, Bistros und Clubs usw. Weiterer Vorteil: Knapp 55 Minuten von Zürich! Fakt aber bei der deutschen Hauptstadt Berlin ist: Die meisten Besucher ziehen enttäuscht ab. Derartige zum Teil doch sehr provinzielle und langweilige Quartiere wie in Berlin, auch im Zentrum, erschrecken dann auch Hartgesottene. So richtig «Hässliches» oder Skurriles hat ja durchaus seinen Charme - das meiste aber in Berlin ist grau und eintönig. Richtiger Mauerschick. Ein in hunderte Dörfer zerstückeltes Gewerbegebiet, das sich «Grossstadt» nennt. Und wenn man schon die «Platte» hochleben lässt, dann zeugt das eher von einem Minderwertigkeitskomplex gegenüber anderen Metropolen. Ausserdem liegt eine seltsame Tristesse und Schwere über der Stadt - so richtig fröhlich sind Berliner wohl nie. Mir gefällt die Stadt trotz alledem. Sie hat weder die Pariser Pracht und Leichtigkeit, die Londoner Eleganz und Vielfalt noch die Grossartigkeit von New York. Dennoch findet sich in vielen Ecken Interessantes, Ungewohntes, Spezielles. Leider haben es die preussischen Könige versäumt, ansehnliche Architektur hinzustellen - Sie beschränkten sich aufs völlig unnötige Kriegsführen. Das Brandenburger Tor wäre in Paris eine Einfahrt in ein Palais - in Berlin ist sie (historisch gesehen zu Recht) das eine Wahrzeichen. Der Alexanderplatz ist für Ortsunkundige ein verlassener Grossparkplatz, wie man ihn auch in Bottrop oder Gelsenkirchen vor agglomeriten Einkaufszentren findet. Und «Altberlin» aus DDR -Zeiten ein winziges Konglomerat deutscher Gemütlichkeit - grauenhaft.

    Berlins Geschichte dagegen - und das ist wohl unbestritten - ist eine der Interessantesten Europas, vielleicht sogar der Welt. Das Zerschundene, ewig Unfertige, dieses dauernde Auf und Nieder, dieses Einzigartige, das ist es, was die Touristen dieser Welt sehen wollen. Berlin wird viel Sympathie entgegengebracht - auch und vor allem wegen der Historie. Die Chance, bei dieser halbfertigen Stadtstruktur etwas wirklich Interessantes, Aufregendes hinzustellen, wird von einer manchmal schwer verständlichen Investorenklötzlerei in die Ecke gedrängt. Und wenn Sie es schon ansprechen: Ja, so ein «Haussmann» täte Berlin im Moment wahrlich gut.

    Dekoratives Anführungszeichen

    :D Es gehoert wohl bei einigen ganz grossen 'Landmark' Projekten einfach dazu, dass sich Architekten, Auftraggeber und ausfuehrende Baufirmen verkrachen.

    Zum Trost aus Zürich:

    - 1980: Die genehmigte Renovation des Opernhaus löst die sogenannten Opernhauskrawalle aus, in deren Folge der gesamte Kulturetat neu verteilt wurde. Die Rote Fabrik usw. wurden für die Jugendkultur eingerichtet.

    - um 1985: Die Renovation des Kongresshaus führt zum Umsturz der rechtsbürgerlichen Regierung: Verhaftungen, Anklagen und Rücktritte gegen und von Stadträten und Baubeamte. Millionenfache Kostenüberschreitungen, Baupfusch, Bestechungsvorwürfe - die Ablösung der Regierung durch linksgrün. Noch heute können die Linken, im Nachklang dieser folgenschweren Skandals, einen Sack Kartoffeln zur Wahl aufstellen und er kriegt einen Sitz.

    - 2001: Hardturm -Stadion: Nach mehreren Abstimmungen ist der Bau beschlossen. Anwohner rekurrieren gegen das Projekt und liefern sich mit der Credit Suisse (Hauptbauträger) einen Streit bis ans Bundesgericht. Neue Abstimmung mit geänderten Verwendungsparameter. Die Abstimmung ist erneut erfolgreich. Die Anwohner rekurrieren wieder. Die Credit Suisse zetert von «renitentem linken Juristen -Terror» und «Rechtsunsicherheit» und wirft entnervt das Handtuch.

    - 2005: Neubauprojekt des Kongresshauses. Millionenschwerer Projektierungs und Objektkredit. Aufbieten eines aufwendigen Wettbewerbs. Rafael Moneo gewinnt das Projekt. Das Projekt scheitert schliesslich.

    Dagegen ist die Elbphilharmonie -Geschichte geradezu ein harmonisches Märchen. Die exorbitanten Kostenüberschreitungen sind, wie de Meuron behauptet, die Schuld von Hochtief. Tipp: Schlicht den Baukonzern auswechseln!

    Dekoratives Anführungszeichen

    Gleich wer welchen Anteil an dem Desaster trägt, Aussagen wie die des Herrn de Meuron sind in meinen Augen schlicht schlechter Stil, auch aber nicht nur was das Operieren mit sattsam bekannten schweizerischen Ressentiments gegen Deutsche betrifft.

    Wenn die Verantwortlichen von Hochtief einen derart unappetitlichen Ton anschlagen, wie de Meuron das beschreibt, müssen sie sich über dementsprechende, naheliegende Vergleiche nicht wundern.

    Ein Grossprojekt verlangt von allen Beteiligten eine intensive Zusammenarbeit. Das sah man z.B. auch beim KKL Luzern (Nouvel). Auch dort gab es Reibereien. Im Gegensatz zu Hamburg beschränkten diese sich aber im Vorfeld auf politischer Ebene (zu gross, zu exklusiv, passt nicht usw.). Nach der angenommenen Volksabstimmung war Ruhe, die Bürger hatten gesprochen, Politiker zu schweigen. Die Zusammenarbeit zwischen den Ausführenden war dann äusserst zielführend und konstruktiv - sie hatten schliesslich den Bürgerwillen umzusetzen.

    Das ganze war ein wenig als Provokation gedacht - eine Mischung aus Preussen, Berlin und Unirii -Boulevard. Wobei die Keule «Stalinallee» nicht zieht: Hat hier die DDR - trotz Massstabssprengung - die vielleicht beste Arbeit ihrer Existenz abgeliefert. Und die Referenz, die ich hier leicht parodistisch inszenierte, zählt zum Besten, was der Klassizismus zu bieten hatte:

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/3…i_Afternoon.JPG

    3 Kilometer! Da sind meine «4 Brüder» doch leichte Kost!

    :)

    Fakt bleibt: Das Gewirr aus Schildern, billigen Einbauten und schreierischer Lichtwerbung gehört rigoros aufgeräumt. Ausgerechnet eure Schweizer Bausenatorin, die in Zürich mit harter Hand eine klare Reklameordnung (edel, einheitlich, dennoch vielseitig) eingeführt hat, scheint in Berlin überhaupt nichts zu machen. Macht die überhaupt irgendwas? Oder ist die schon wieder weg?

    Plattenbau-Moderne versus Schinkel-Historismus K-L-S

    Berlin braucht vieles. Unter anderem eine Neustrukturierung am Marx -Engels -Forum. Die Grossbauten aus der Zeit der DDR sind wohl kraftvoll und mit grosser Geste gezeichnet - im Alltag aber haben sich Vergandung und Patina eingefunden. Berlin hat keinerlei grandiosen, zusammenhängenden Plätze, keine nennenswerten Bauten aus der Zeit der Jahrhundertwende und keine wirklichen, faszinierenden und schönen Prachtsalleen wie etwa Paris (Unter den Linden, und das ist ebenfalls eine spezielle Qualität, ist Stückwerk, eine Baumusterzentrale verschiedenster Epochen). Deshalb mal ein Vorschlag, wie man, unter Nichtberücksichtigung der Bausubstanz, das ganze im sogenannten Pariser Stil, auf Berlin heruntergebrochen und im preussisch nüchternen Klassizismus gehalten, neu skizzieren könnte.

    Ist -Zustand:


    (c google Streetview)


    Neu -Zustand:


    (c by Bauchef)

    Elbjunge:

    Prachtboulevard? Naja. Zumindest im Rendering sieht das aus wie die Gewerbezone in Bröselburg ob der Ruhr.

    Das Metropolis -gebäude aber mit seinen äusserst eleganten Fensterprofilen und den Vorblend -Ziegelleisten ist aber sehr schön geworden!

    Mod: Unnötiges Zitat entfernt. Gruß, Dykie!

    Herr de Meuron hat auf dem Schweizer Nachrichtenmagazin 10 vor 10 weit harschere Kritik geäussert. So habe er ein derart unprofessionelles Verhalten, das mit arroganter Selbstgerechtigkeit und grossspuriger Unwissenheit gepaart sei, noch nie erlebt. Der Zuschauer merkte schnell: Er hatte wohl das «hässliche Deutsche» (in Form von Dilettanti -Hochtief) in Reinkultur erfahren dürfen.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass Hochtief, wo «Manager und inkompetente Bürowürste statt Bauleute und Planer am Ruder sitzen» (de Meuron) einfach heillos überfordert sind. Wahrscheinlich herrscht dort seit der Übernahme durch den spanischen ACS -Konzern ein totales Durcheinander.

    Ich erinnere nur an den Bau der Wiener Staatsoper, wo der Bau ebenfalls zum Desaster geriet. Heute redet fast kein Mensch mehr darüber.