Stell dir vor du willst 2 Rechenzentren bauen, aber Strom gibt’s erst in 10 Jahren dafür.
So ergeht es dem Unternehmen First Colo, das mit Jerome Evans als Geschäftsführer unfreiwillig in dieser Situation steckt. First Colo betreibt seit 2006 mit 100 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 23 Millionen Umsatz Rechenzentren.
Das Frankfurter Unternehmen möchte gerne seine beiden Rechenzentren im Frankfurter Osten erweitern, aber der Strom kann erst in 2035 dafür geliefert werden. Das teilte ihm der örtliche Energieversorger mit. Im Podcast des Journalisten Paul Ronzheimer mit Jerome Evans sprechen sie über die Problematik, auch die FNP berichtet dazu.
Strom Situation in Frankfurt
Die Mainova-Tochter Netzdienste Rhein-Main GmbH (NRM) ist der verantwortliche Strom-Netzbetreiber im Frankfurter Stadtgebiet – mit Ausnahme der westlichen Stadtteile. Auf Anfrage der FR bestätigt die Mainova, dass Neuanmeldungen grundsätzlich möglich sind, sagte aber auch, dass leistungsfähige Neuanschlüsse im NRM Gebiet erst wieder Mitte der 2030er möglich seien.
Weiter teilt die Mainova mit, dass die Stadt Frankfurt auf die Stromzuleitung aus dem Übertragungsnetz angewiesen ist und aktuell verzeichnet die Stadt einen historischen Anstieg des Strombedarfs. Hauptgründe hierfür sind Rechenzentren, zunehmend E-Mobilität und Wärmepumpen. Ebenso müsste das innerstädtische Stromnetz ebenfalls verstärkt werden. Auch die Nachfrage nach großen Anschlusskapazitäten mit großen Leistungsbedarfen steige weiter stark an.
Die Spitzenlast erreichte am 2. Juli 2025 mit über 850 Megawatt einen neuen Rekordwert. In den vergangenen Jahren lag die Leistungsnachfrage in Spitze bei knapp über 800 Megawatt. Mainova und NRM arbeiten nach eigenen Angaben seit Jahren mit den vorgelagerten Netzbetreibern Tennet TSO und Avacon Netz bei einem der größten deutschen Stromnetz-Ausbauprojekte zusammen um den Frankfurter Strombedarf langfristig zu decken. Seit 2020 habe man von den mittlerweile vereinbarten 1.000 Megawatt zusätzlicher Leistung für das Frankfurter Stromnetz bereits rund 250 Megawatt realisiert. Weitere Erhöhungen erfolgten „schrittweise bis voraussichtlich 2037“.
Faktoren für Wartezeit
- Rechtliche Rahmen
- Planungspflichten
- Regulatorische Kontrolle
- Bedarfsgerechter und kostenbewusster Ausbau
- Bau der Stromtrassen kostet zu viel Zeit
- Dauer der Bearbeitung von Bürgereinwänden
- Kunden möchten dorthin wo alle Rechenzentren sind
Wirtschaftlicher Schaden und Ausblick
Evans sieht ein immenses Problem darin potenzielle Kunden zu verlieren. Viele Rechenzentren in Frankfurt sind teilweise verbunden und die Kunden möchten dorthin wo alle Rechenzentren sind. Sollte die Infrastruktur nicht ausreichen drohen die Kunden abzuwandern. Ohne zusätzliche Kapazitäten könnten First Colo`s Kunden ihren Wachstumsziele nicht erreichen.
First Colo baut derzeit einen dritten Standort in Rosbach vor der Höhe (Wetteraukreis). Der Dienstleister investiert laut eigenen Angaben 250 Millionen Euro in die neue KI-fähige Anlage – mit einer Gesamtkapazität von 24 MW Brutto. Man geht dorthin wo der Stromhunger bedient werden kann. Das hängt auch damit zusammen, dass KI basierte Anwendungen einen deutlich höheren Energiebedarf haben als klassische IT Workload, erklärt Evans. Moderne KI-Modelle laufen demnach auf spezialisierten Prozessoren mit sehr hoher Leistungsdichte, was auch den Energiebedarf für die Kühlung erheblich erhöht.
Soweit mal die kurze Zusammenfassung des Podcasts und des Artikels. Die Folgen der Regierung A.M. und ihrer überstürzten AKW-Stromabschaltung ohne rechtzeitige Ersatzbeschaffung wird uns noch eine Weile beschäftigen. Wo ich mir aber nicht sicher bin ist, in wie weit es wirklich wirtschaftliche Einbußen oder Auswirkungen auf Frankfurt hat. Könnte auch ein Grund sein, dass andere Unternehmen zwar RZs in Deutschland bauen, aber auch nur dort wo es rechtzeitig Strom gibt.