Du hast recht. Allerdings hat man in Europa, nicht nur in Deutschland, schlechte Erfahrungen mit Apartmenthäusern gemacht (meist auch nur "Wohnanlage", in Ostdeutschland "Platte", genannt - da schwingt wenig Prestige mit..). In den USA haben die eine ganz andere Entwicklung genommen. Und sind auch eher eine Mischung aus Hotel und Wohnhaus. So gibt es dort komfortable und große Waschküchen im Keller, wo man per Münzeinwurf seine Wäsche waschen kann. Man muss also keine Waschmaschine umherwuchten beim Umzug, muss sich um keine Wartung kümmern, hat keine hohen Anschaffungskosten - und obwohl man ja per Münzeinwurf/Mietumlage trotzdem zahlt ist es natürlich billiger weil diese Waschküchen gut ausgelastet sind während die eigene Maschine die meiste Zeit ungenutzt herumsteht.
Auf ähnliche Weise sind viele Dinge hausgemeinschaftlich geregelt in amerikanischen Apartmenthäusern, das spart Geld und ist komfortabel zugleich. Entsprechend viel Servicepersonal hat so ein Gebäude dann auch - und nicht nur Hausmeister. Auch andere Dinge wie Wandschränke oder stets zum Apartment gehörende Küchen (natürlich mit Müllzerkleinerer im Ausguss und Eiswürfelmaschine im Kühlschrank
tragen dazu bei dass man komfortabel und umkomplitziert wohnt und beim Umziehen kaum mehr als sein eigenes Bett, Sofa, Kleidung mitbringen muss. Keine großen Schränke notwendig, dafür gibt es unzählige Wandschränke. Und die Klima-Anlage, die gleichermaßen heizt und kühlt, ist in der Zwischendecke verborgen, wo man auch Einbauleuchten versenkt die von vorneherein die Räume optimal ausleuchten oder im Bad auch einen "Deckenfön" vor der Dusche der den ganzen Körper angenehm ohne Handtuch trocknet...kurzum, es ist alles auf Komfort ausgelegt. Als ich dann wieder in der "soliden" deutschen Bauweise gewohnt habe kam mir die erste Zeit alles wie ein Rohbau vor ![]()
Und wenn man dieses Konzept konsequent in Europa umsetzt wäre es genauso ein Erfolg. Nun, ein weiterer Faktor fehlt bei uns freilich: wenn Mieter kontinuierlich Ärger machen und keinerlei Rücksicht auf die Nachbarn nehmen können sie recht einfach rausgeschmissen werden und die Polizei ist sowieso nicht zimperlich mit dem Durchgreifen. Bei uns dauert es Monate bis zB "Mietnomaden" geräumt werden können und es braucht nur ganz wenige Mieter um ein riesiges Apartmentgebäude in einen Abwärtskreislauf zu schicken. Gekritzel im Aufzug, Geschrei bis spät in die Nacht, Müll im Hausgang...wer kann zieht weg. Der Ruf des Gebäudes ist schnell dahin. Um neue Mieter zu gewinnen sinken die Mieten, an Instandhaltung und Service muss daraufhin gespart werden, die Attraktivität sinkt weiter... und so weiter. Diesen Weg haben sichtbar unzählige "Wohnanlagen" in der Republik genommen. Das muss aber nicht so laufen.