Beiträge von Augsburger

    ^Awa, passt schon, dein letztes Photo hat sogar etwas von Photokunst, doch im Ernst :)

    Bin ich der einzige der, da die Fertigstellung dräut und man ein erstes Fazit wagen kann, spontan sagt dass das Gebäude geradezu prädestiniert für den Alexanderplatz wäre? Aufjedenfall wirkt es sehr berlinerisch, diese vielen Kanten, die Sandsteinfassade und die teilweise dominante Horizontale. Kein Allerweltshochhaus welches überall stehen könnte. :daumen:

    Na da kann ich nur nach Augsburg einladen, auch was das Tramnetz angeht sicher ein Besuch wert! Abgesehen von einem zeitlosen Haltestellentyp der seit vielen Jahren eingesetzt wird gibt es Einzellösungen an markanten Stellen im Stadtgebiet (Stadtteilzentren etc.), so wurde zB am Moritzplatz eine Schranne in den 80ern gebaut, die gleichzeitig Wartehalle für die Tramstation wie Markthalle mit diversen Kiosken ist. Nahverkehrsstationen sind Stationen städtischen Lebens, wo man sich trifft.

    Ich finde es keine Geldverschwendung sondern absolut notwendig auch entsprechenden Aufwand für deren Gestaltung aufzuwenden, insofern macht es Frankfurt meiner Meinung nach genau richtig (mein Negativbeispiel wird hier immer Berlin bleiben, wo es vielfach nicht einmal ein liebloses Wartehäuschen gibt sondern bloß ein Schild am Straßenrand steht). Der Entwurf der den meisten Zuspruch erhält gefällt mir auch gut, die "solide" Form finde ich insofern gerade gut, ob quadratisch oder nicht, weil damit in der Stadtlandschaft die Textur eines Gebäudes geschaffen wird, eben nicht nur einer windigen "Unterstellmöglichkeit".

    Um eine Anleihe der "großen Bahn" zu nehmen, es geht mehr in Richtung eines richtigen Bahnhofes als in Richtung eines "Haltepunktes". Mehr Ort denn lediglich "Funktion". Unsere Städte werden seit Jahrzehnten von Orten zu "Funktionen" umgebaut, seit wenigen Jahren beobachte ich gerade in Frankfurt mit Interesse aber eine markante Umorientierung (in dem Zusammenhang ist u.a. auch die Altstadt-Reko zu sehen). :daumen:

    ^Richtig ist dass Großsiedlungen mal als sehr progressiv galten und daher weltweit populär waren. Bis sich die bekannten Probleme eingestellt haben, wenn soviele Menschen auf so kleinem Raum in anonymen Betongebirgen leben. Im Ostblock ging den Bauherren zudem rasch das Geld aus, so dass sich spartanische, am Fliesband produzierte, Gebäudetypen entwickelten die eher an lieblose Fabriken und Lagerhallen in Industriegebieten als an Home Sweet Home erinnerten.

    Außerdem zählte zum städtebaulichen Konzept der Großsiedlungen ganz zentral entsprechende Infrastruktur zu entwickeln, vom Nahkauf bis zum Kindergarten. An reine "Schlafstädte" haben die Vordenker wie Le Corbusier nie gedacht! Auch dafür war in der DDR aber kein Geld da, außerhalb Ostberlins oft nicht einmal für das Notwendigste (beispielsweise gepflasterte Wege - über Jahre mussten Bewohner über baustellenartige Schlammwüsten zu ihren Gebäuden stapfen).

    Es gibt nun die Chance aus den gemachten Fehlern zu lernen, auch mit Konzepten angloamerikanischer Apartmenthäuser, also diverse Serviceleistungen durch Personal, welche umgelegt auf die große Zahl der Bewohner im Verhältnis zum Nutzen sehr preiswert sind und die Wohnqualität massiv erhöhen. Apartmenthäuser können durchaus begehrenswert sein!

    An mir geht die Debatte "modern vs traditionell" hingegen gänzlich vorbei. Mir ist es egal ob fränkisches Fachwerk oder eine futuristische Aluminiumaußenhaut, ob mittelalterlichem Grundriß oder was auch immer, es geht mir - und den meisten Bürgern - doch lediglich darum dass Architekten und Stadtplaner sich bemühen urbane Räume zu schaffen und nicht einfach nur Bruttogeschossflächen mit Verkehrswegen dazwischen.

    Die Modernisten mißverstehen die Kritik an der Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte immer falsch als kategorische Ablehnung von kreativer Architektur, als ob es den Leuten um Nostalgie oder Modernitätsskepsis ging. Wir alle, gut die meisten, wollen wenn sie in der Stadt wohnen auch in einer Stadt leben und nicht enfach den selben Lebensstil führen den sie, automobilgestützt, auch in einem Dorf auf dem platten Land haben könnten. Lasst uns doch mal darüber streiten, wie wir das erreichen.

    ^^
    Es ist einfach sinnvoller einen getrennten Körper zu errichten.

    Zwei Hauptfaktoren,

    verkehrlich erreicht man eine ungeheure Beschleunigung der Tram - die durchaus mit anderen unabhängigen Schienenfahrzeugen wie Untergrundbahnen mithalten kann - und entzerrt die Verkehre, was auch dem MIV dient und nicht zuletzt die Verkehrssicherheit erhöht (Straßenverkehrsordnung hin oder her, die meisten Autofahrer unterschätzen den Bremsweg von Trambahnen gefährlich und vermuten die Manövrierfähigkeit eines mittleren LKW obwohl solch eine Bahn von einer gewaltigen Trägheit nach vorne geschoben wird und zugleich eine ruckartige Verzögerung für die Insassen eine erhebliche Verletzungsgefahr darstellt).

    Technisch hat es nicht nur bauliche Vorteile die diverser Natur sind (bis zu Details wie Frostwasser welches im Winter durch die Asphaltöffnung entlang der Schienen zusätzliche Angriffsflächen erhält) sondern hat große städtebauliche Vorteile. Der Straßenraum kann saniert, neu gegliedert und der MIV Anteil zurückgebaut werden, so dass Durchgangsverkehr zumindest verdrängt wird (klug gemacht verteilt er sich gleichmäßig auf Alternativrouten). Und nicht zuletzt ist der Schallschutz wesentlich besser, ein Rasengleis ist nicht nur eine nette Begrünung des Straßenraumes sondern es ist auf Lärmkarten bundesdeutscher Städte mit diversen Gleiskörpertypen regelrecht augenfällig wieviel geringer Lärmemissionen bei getrenntem Bahnkörper mit Rasengleis, im Vergleich zu in der normalen Asphaltstraße verlegtem Gleis, sind.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Tja, dann liegen sie halt noch ne Weile, wie es unterirdisch schon teilw. seit Jahrzehnten der Fall ist ;). Ob man die überhaupt noch verwenden könnte?

    Tramgleise überdauern nach 100 jähriger deutschlandweiter Erfahrung selbst unter regem Linienverkehr locker 20 Jahre, nicht selten auch 30 Jahre und sogar darüber hinaus (zumindest rein technisch, man wird aber zur Sicherheit immer eine Sanierung durchführen bevor die technische Nutzbarkeit endgültig ausgereizt ist).

    Dekoratives Anführungszeichen

    in berlin geht es auch ohne auto. insofern: ich hoffe auf die tram, nicht nur dort!

    Das ist schöne Theorie, aber funktioniert nicht. Beispiel München: ein extrem dichtes U-Bahn-Netz mit hoher Fahrtgeschwindigkeit, modernen Zügen und Bahnhöfen, allesamt mit Rolltreppen ausgestattet. Ergänzend Stadtbusse und Tramlinien zur Naherschließung, ein riesiges S-Bahnnetz (viel mehr Streckenkilometer als das der berliner S-Bahn!) zur Anbindung der Region.

    In München müsste keiner das Auto nehmen. Kein Pendler aus einem Vorort im Grünen, kein Schwabinger der in's Büro fährt. Aber was sieht man? Leute die direkt an einer U-Bahn Station wohnen und deren Arbeitsplatz nahe einer anderen U-Bahn Station liegt und trotzdem den PKW zur Arbeit nehmen. Da gibt es unzählige Gründe, von Bequemlichkeit bis hin zum Sicherheitsgefühl. In jedem Falle sind die meisten Menschen nicht nur pragmatisch was ihre Mobilität angeht (ich habe selbst nicht einmal ein Auto, weil ich Autofahren nur als Stress empfinde und man sehr viel Geld spart wenn man ganz auf ÖPNV und Radeln setzt, aber damit gelte ich in meinem Freundeskreis als Paradiesvogel...).

    Das Ende von der Geschicht': München hat auch einen Autobahnring um die Stadt herum, hat einen Mittleren Ring mitten durch die Stadt und hat dann noch einen Altstadtring, alles wunderbar und teuer ausgebaut, mit zig Tunneln und die staugewöhnten Pendler kommen trotzdem nicht auf die Idee ihr fahrendes Blech stehen zu lassen, gar abzuschaffen, und auf die Öffis zu setzen. Und warum sollte das in Berlin, wo es breitere Straßenschneisen und geringere Bevölkerungsdichte als in München gibt/sich die Stadt auf eine überproportional größere Fläche verteilt, anders sein.

    ^Relativ. Wenn man sich einen Immoatlas anschaut dann ist der übergroße Teil des berliner Stadtgebietes noch äußerst preiswert bzgl. Mietzins/m2. Kann es sein dass da in der berliner Debatte über "Gentrifizierung" etc. mal wieder nur über die untersten 10% und obersten 10% der Haushaltseinkommen diskutiert wird?

    Außerhalb von Frankfurt entstehen selten außergewöhnliche Hochhäuser in Deutschland. Momentan würde mir eigentlich nur das Hypo-Haus in München einfallen. Und wenn man bedenkt wie niedrig in Berlin üblicherweise gebaut wird ist das doch schon ein guter Anfang. Ich bin froh um jedes Hochhaus was keine reine Glasfassade hat.

    Das ist schon ungewöhnlich. In der alten Bundesrepublik waren die 1970er die Hochzeit neuer Großkrankenhäuser, am Stadtrand gebaut und als Campus angelegt. Drei Beispiele aus meiner Region:

    Zentralklinikum Augsburg

    Bundeswehrkrankenhaus Ulm (wie man sieht gerade in Sanierung)

    Klinikum Großhadern München

    Ein innerstädtisches Großkrankenhaus jüngeren Baudatums ist hingegen wirklich ungewöhnlich für mich.

    Deutsche neigen dazu die Bedeutung des Englischen in der Welt stark zu überschätzen und das Interesse des Auslands an Deutschem zu unterschätzen. Kein Mensch zieht nach Hamburg weil er dann wie in einer englischen oder amerikanischen Stadt leben will, selbiges gilt für Investoren die sich an einem Standort engagieren wollen. Ganz im Gegenteil, Alleinstellungsmerkmale und Lokalkolorit sind gefragt. Ist bei Deutschen doch auch nicht anders, wenn man im Ausland unterwegs ist wird möglichst detailgetreu die landestypische Benennung von Speisen und Örtlichkeiten aufgenommen (und wehe jemand spricht daheim in Deutschland Gnocchi "falsch" aus...) und man interessiert sich gerade für die Dinge die es nicht überall gibt, Eigenheiten, nicht für "Shopping Center XY" und dergleichen. In Hamburg scheint die vorauseilende Amerikanisierung besonders populär, man denke nur an "Airport" Hamburg und die "Port Authority" (ehemals Hafenbehörde..).

    ^Bin kein Norddeutscher, ich fremdel ja schon wenn ich mit "Tach" angefaucht äh sprochen werde ;) Aber ich würde generell etwas mit starkem Lokalkolorit bevorzugen, also etwas Niederdeutsches/Plattdeutsches. Laut einem Internetwörterbuch heißt "Althafen" auf Plattdeutsch zB "Olhaav". Ein richtiger schöner Eigenname.

    Was ist eigentlich mit dem Namen, soll es bei "Hafencity" bleiben? Meine Güte, ihr habt so schöne und nette Stadtteilnamen in Hamburg. Und dann solch ein kruder Anglizismus. Das wirkt meiner Meinung nach echt provinziell, erinnert mich an irgendwelche kleinstädtischen Imbissbuden die "Schnitzel and more" heißen.

    ^Die Discounteraffinität der Konsumenten ist in der nördlichen Hälfte der Republik schon deutlich ausgeprägter. So würde nicht verwundern wenn auch Leute die sich in der HC eine Bleibe leisten können beim Discounter einkaufen gehen. Wundern schon, nicht überraschen. Bessere Vokabel.

    Freilich sieht man an diesem auf den ersten Blick nebensächlichen Strang schon was das Defizit solch einer Großplanung ist. Auf den ersten Blick kann das fertige Ensemble durchaus als gewachsener Stadtteil erscheinen, rein von den Raumfluchten, Parzellierung und dergleichen. Aber an vorstädtischer Einzelhandelsstruktur oder geradezu unwirklicher Sauberkeit merkt man dann doch dass da noch viel reinwachsen muss bevor die HC als gelungene Urbanität gelten kann.

    Ich war inzwischen schon viermal in der HC und bisher...Hambürger die dort natürlich öfter sind sollen mich korrigieren...habe ich in der Hinsicht leider noch keine Fortschritte erfühlen und betrachten können. Es wirkt (noch) nicht wie ein zentraler Stadtteil der Metropole Hamburg.

    Touristen in italienischen Renaissance-Städten, oder auch unserer augsburger Altstadt, vermissen auch kein "Grün" (=Bäume; mit "Grün" meint man leider meist nur Bäume, alles andere was die Gärtnerei zu bieten hat ist inzwischen Schlossparks vorbehalten...). In der Nachkriegszeit wurde Baumpflanzung in den Städten exzessiv eingesetzt um die scheußliche Architektur zu kaschieren an die sich der Bewohner auch durch unentwegtes Hochjazzen der Architektur-Aficionados nicht gewöhnen, sich keine Gemütlichkeit entwickeln, konnte.

    Die Hafencity versucht hier vieles besser zu machen, will beweisen auch mit der sog. modernen Architektur des 20. Jahrhunderts (=so wie man schon immer gebaut hat, nur simpler/="schnörkellos") einen behaglichen urbanen Stadtraum schaffen zu können. Ich bin der Meinung man muss dem zumindest eine Chance geben und abwarten bis alles fertig und etwas mehr "eingelebt" ist. Wenn der Straßenraum dann immer noch nicht annähernd eine gewünschte urbane Wirkung ausstrahlt, wie bei engen "grünlosen" steinernen Gassen historischer Städte, dann kann man immer noch mit dem üblichen Begleitgrün anfangen. Meine Meinung.

    ^Junge, dynamische Architektur müsste biologisch planen, die Umwelteinflüsse nicht aussperren sondern einbeziehen, Holz und andere Naturmaterialien verwenden, auf Raumklima, Tageslicht und Materialitäten eingehen (Wiederverwertbarkeit, Erzeugung, möglichst wenig Bauchemie, möglichst regionale Baustoffe,...).

    ^Ja, ja, ja und ja! Mir war Berlin immer schon zu sehr auf rechte Winkel, gedeckte Farben und Grau beschränkt. Das was teilweise als "Rosa" bezeichnet wird nennen wir hier Lachsfarben und man findet u.a. lachsfarbene (aber auch in allen anderen Pastellfarben) getünchte Gebäude in großer Zahl aus allen Epochen, angefangen bei Barock und Renaissance. Ein biserl mehr Farbe und Formenvielfalt kann Berlin nur gut tun, auch wenn Einheimische und Berlin-Aficionados das anders sehen mögen. Ich habe die ästhetische Kritik an diesem Gebäude nie nachvollziehen können. Und noch weniger wenn man es mit anderen Einkaufszentren vergleicht.