Beiträge von Miguel

    Wo versteckt sich denn dieses Ding???

    Im Eckhaus zur Junghofstraße, wo der Vapiano unten drin ist. Darin die oberste Etage ist komplett für die Verkaufsausstellung umgebaut. Inklusive Virtueller Realität, neuem detailreichen Modell vom ganzen Four-Komplex, Inneneinrichtungsoptionen und Ausblick auf die Baustelle von dem umlaufenden Balkon aus :)

    Vor allem ist es ja kein neuer Dachaufbau, der ein vorheriges Nachkriegs-Behelfsdach ersetzen würde. Im Gegenteil wirkte der alte Dachabschluss objektiv deutlich harmonischer. Dass einem subjektiv die geschwungenen Formen per se gefallen, mag sein. Könnte ich mir woanders auch ganz nett vorstellen. Aber hier passt es einfach nicht zusammen. Stattdessen macht es auf mich den Eindruck, als ob man sich vom Grand Tower inspiriert jetzt irgendwie "moderner" zeigen wollte, aber es leider total verhunzt hat. Wie "gewollt anders", aber nicht gekonnt. Wenn, dann muss sich so ein extravaganter Aufbau noch viel deutlicher absetzen, auch mit einem gewissen baulichen Respektabstand zum Bestandsbau, und zum Beispiel auch einen stärkeren farblichen Kontrast aufweisen. Und trotzdem Bezug nehmen, das wäre die hohe Kunst. So wirkt es für mich einfach nur lieblos draufgeklatscht, und ein bisschen verschoben, weil man das halt gerade so macht, um zwanghaft irgendwie vermeintlich zeitgemäß auszusehen. Peinlich.

    Fürchterlich. Da passt überhaupt nichts; weder die Farbe noch die Form noch das Material. Von der schiefen Auskragung gar nicht zu sprechen. Nicht mal das Glas passt zum Rest des Gebäudes. Üblicherweise beschweren wir uns darüber, wenn ein Haus nicht zum Nachbarn oder in die Umgebung passt. Hier passt nichtmal dieses verunglückte schräge Etwas zum eigenen Unterbau. Eine massive Verschlechterung im Vergleich zu vorher, wie kann man nur?

    So ein Quatsch! Diesem Blödsinn widerspreche ich entschieden.


    Erstmal zum Grundsätzlichen: alles, was für Frankreich gut ist, ist auch gut für Deutschland. Es ist eine völlig irrige, nationalistische und gestrige Denkweise, dass der Vorteil von einem EU-Mitglied der Nachteil des anderen sein müsse. Das ist schlicht falsch. Ich erinnere nur mal daran, dass Frankreich einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands ist, und dass alle Mitgliedsstaaten für sich genommen in der heutigen globalisierten Welt viel zu klein wären, um irgendetwas (wirtschafts-)politisch allein ausrichten zu können. Das geht nur gemeinsam. Der europäische Binnenmarkt als Ganzes und die enge Beziehung der größten und zweitgrößten Volkswirtschaft Europas untereinander sind die entscheidenden Faktoren für den Wohlstand hierzulande, gerade auch in Frankfurt. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Frankfurt als Finanzzentrum nur für Deutschland so prächtig dastünde, wie es der Fall ist? Nein? Dann ist es doch nur logisch, sich für ein starkes vereintes Europa einsetzen zu müssen, wenn einem der Finanzplatz Frankfurt wichtig ist! Und dazu zählt natürlich auch ein starkes Frankreich. Wenn unser Nachbarland taumelt, besteht die Gefahr, dass es in einen rechtspopulistischen und antieuropäischen Strudel gerät, und die Folgen davon möchte ich mir gar nicht ausmalen. Also müssen wir Präsident Macron unterstützen, im besten Interesse Europas und Deutschlands.


    Dann zur Coronakrise und die Reaktion der EU darauf: es war völlig richtig, eine gemeinsame europäische Antwort auf die massiven wirtschaftlichen Einbrüche als Folge der unverschuldeten Gesundheitskrise zu geben. Dafür fließt aber kein Geld vom deutschen Steuerzahler! Das sind Fake News. Die EU-Kommission begibt vielmehr gemeinsame europäische Anleihen am Kapitalmarkt für die Aufbaubauhilfe nach der Krise - und zwar insbesondere für die Themen Nachhaltigkeit (Green Deal) und Digitalisierung. Beides enorm wichtige Politikbereiche. Die Mitgliedstaaten haften gemeinsam für die Schulden, aber es fließt eben kein Steuergeld von einem Land ins andere. Wer das behauptet, lügt bewusst oder hat es einfach nicht verstanden. Diese Mittel zur Krisenbewältigung aus den neuen EU-Anleihen werden an alle EU-Länder vergeben, aber natürlich fließen sinnvollerweise prozentual die meisten Mittel an die Länder, die auch am stärksten von der Krise betroffen sind - nochmal, unverschuldet. Italien, Frankreich und Spanien haben es sich nicht ausgesucht, dass sie die meisten Opfer zu beklagen haben und die Einschränkungen des Wirtschaftslebens am härtesten ausfielen. Was die Rückzahlung dieser neuen Anleihen angeht, so wird ein Teil über die Mitgliedsbeiträge in den EU-Haushalt zurückgezahlt, d.h. es handelt sich um Kredite. Der andere Teil sind direkte Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Trotzdem muss aber natürlich irgendjemand dafür aufkommen, denn auch die Anleihegläubiger vom Kapitalmarkt wollen irgendwann ihr Geld zurück - und aufkommen werden die Mitgliedsländer über den EU-Haushalt und auch, das ist neu, die EU selbst über eigene Steuern. Bislang ist eine Abgabe auf nicht wiederverwerteten Plastikmüll geplant, eine Digitalsteuer für die dominanten US-Konzerne könnte dazukommen.


    Zum Nachlesen hier entlang, und zur weiteren Vertiefung eine sehr unterstützeswerte Idee.


    Nochmal: es macht einen Unterschied, ob die Mitgliedstaaten gemeinsam die Garantie für die europäischen Anleihen entsprechend ihrem Beitrag zum EU-Haushalt übernehmen, oder ob Steuergelder von einem Land ins andere fließen. Letzteres ist nicht der Fall. Und dass Deutschland natürlich weiterhin (wie bisher auch) der größte Nettozahler für den EU-Haushalt ist und prozentual für das größte Volumen der europäischen Anleihen haftet, versteht sich von selbst, oder? Irgendein Land muss ja der größe Nettozahler sein, und sinnvollerweise ist das dann das größte Land mit der größten Volkswirtschaft in der EU. Wer denn sonst? Und worin genau sollte der "übermäßige" Einfluß Frankreichs bestehen?


    Abschließend zum angeblichen "Anti-Frankfurt-Pakt": wenn Mercedes-Benz eine Werbekampagne für sich macht, ist das dann ein Anti-BMW-Pakt? Blödsinn. Es herrscht natürlich ein Standort-Wettbewerb, innerhalb der EU genauso wie innerhalb Deutschlands. Das ist gesund und willkommen. Es herrscht auch Wettbewerb zwischen anderen Finanzzentren in Europa, Luxembourg, Amsterdam oder Dublin zum Beispiel. Beteiligen die sich auch an diesem ominösen Pakt? Einen Pakt müssen ja immer mehrere Parteien schließen, sonst ist es kein Pakt. Wie kommt man auf solche abstrusen Ideen? Ich persönlich freue mich jedenfalls über ein neues Hochhaus in Paris (in La Defense) genauso wie über einen neuen Turm in Frankfurt. Ich rufe an dieser Stelle dazu auf, stärker europäisch zu denken. Gerade hier in Frankfurt, im Herzen von Europa. Das besingen wir bei jedem Spiel der Eintracht im Waldstadion, also handeln wir auch danach!

    Ich lese aus diesem Artikel an keiner Stelle, dass nicht alle Beteiligten erwarten, dass es nach Corona wieder besser wird. Die einzige Frage ist, wie lange es dauern wird. Natürlich ist die Krise eine massive Belastung, wie sollte es anders sein? Es können keine Veranstaltungen stattfinden und die Nutzungszahlen der Flughafens sind im Keller. Natürlich muss die Stadt als Miteigentümer dann auch die eigenen Beteiligungen, wie etwa die Messe, finanziell stützen. Dafür bekommt die Stadt ja auch einen Ausgleich aus dem Krisenbewältigungsprogramm, wie gestern geschehen. Daraus kann man doch nicht ableiten, dass die Stadt die Messe verkaufen und / oder verkleinern sollte? Wie kurzfristig gedacht ist das denn?


    Es wird eine Zeit nach Corona geben. Sobald der Impfstoff verfügbar ist und große Teile der Bevölkerung geimpft sind, hat der Spuk ein Ende. Ich weiß beim besten Willen nicht, warum das Messegeschäft nicht danach wieder erblühen sollte wie es vorher auch war. Gerade weil die Leute danach erst recht wieder Lust auf persönliche Treffen haben werden, gerade in Zeiten von Home Office und mangelndem sozialen Kontakt. Diese ganzen digitalen Veranstaltungsformate, die derzeit gezwungenermaßen stattfinden, finde ich furchtbar. Es kommt überhaupt nicht zu einem persönlichen Austausch und Entwicklung gemeinsamer Ideen oder Kooperationsmöglichkeiten, wie sonst üblich auf Konferenzen, Messen, jeglicher Art von physischen Veranstaltungen.


    Genauso wie wir wieder reisen werden, werden wir auch wieder zu Messen gehen. Dass sich Formate ändern werden und eine größere digitale Komponente bekommen, geschenkt - aber deswegen sollte die Stadt einen Teufel tun und jetzt ihr innerstädtisches Filetgrundstück, auf dem die Messe jahrzehntelang gewachsen ist und Milliarden investiert hat, Hals über Kopf für irgendwas anderes aufgeben. Es ist gerade ein massiver Wettbewerbsvorteil von Frankfurt, dass die Messe so innenstadtnah liegt und so hervorragend angebunden ist. Jetzt gibt's eine Durststrecke, ja, aber nach 2-3 Jahren sieht die Welt wieder völlig anders aus!

    Um nochmal auf die Schließung des Karstadt auf der Zeil zu kommen, was eine ziemliche Sensation ist, wie ich finde (mir ist jedenfalls die Kinnlade runtergefallen, als ich das gelesen habe): da besteht in der Tat die Hoffnung auf einen Quantensprung in der Frankfurter Innenstadt.


    Natürlich kann es hier nur Abriss und Neubau geben, denn welches Unternehmen würde denn auf so einer riesigen zusammenhängenden Fläche heute noch einen Laden eröffnen. Selbst für einen Breuninger dürfte das (allein) zu groß sein. Angesichts des Zustands des Gebäudes und der nur notdürftigen kosmetischen Reparatürchen an der Fassade in den letzten Jahren plädiere ich für einen radikalen Neuanfang.


    Und dafür hätte ich auch schon ein Unternehmen auf der Wunschliste: Eataly!

    Kleiner Nachtrag zu der ZDF-Reportage: der von Golden Age verlinkte Beitrag stammt aus dem Jahr 2017. Schon vor drei Jahren haben die Anwohner, die Polizei, die Geschäftsinhaber und nicht zuletzt auch die Drogenabhängigen selbst die sich verschlechternde Situation beklagt. Insbesondere, weil immer mehr Dealer auftauchen, die Beschaffungskriminalität zunimmt und Crack als dominierende neue Droge die Szene insgesamt aggressiver macht.

    Nochmal: das war vor drei Jahren! Seitdem hat sich die Situation also keineswegs gebessert, und auch an dem "Frankfurter Weg" wird offenbar weiter unverändert festgehalten. Der Gesundheitsderzernent wurde damals auch interviewt, und er sagte, er wäre aufgeschlossen, neue Wege zu beschreiten, würde ihm jemand ein besseres Konzept präsentieren. Das scheint die letzten drei Jahre jedenfalls nicht passiert zu sein, obwohl es offensichtlich sehr viele Großstädte gibt, in denen das Problem nicht so krasse Ausmaße annimmt wie hier.

    Wobei ich bei Lorey den Umzug in moderne Verkaufsfläschen (aufgrund des ulkigen Zuschnitts der bisherigen 50er-Jahre-Bude) sowie auch die Verkleinerung nachvollziehen kann - aber ob das MyZeil dafür der richtige Standort ist, was das Publikum angeht? Da bin ich mir nicht so sicher. Meine Eltern gehen da gerne einkaufen, aber die besitzen auch mehrere Kaffee-Services und diverse Porzellan-Figuren. Sie sind allerdings gleichzeitig auch die einzigen Personen, die ich kenne, auf die das zutrifft... wer kauft denn heute noch ein Kaffee-Service*? Von der typischen MyZeil-Klientel würde ich schätzen 0,1%. Also wenn das klappen soll, muss sich auch das Sortiment ändern. Und dann ist die Frage, ob die bisherige Kundschaft das mitmacht.


    * wer "Service" jetzt gedanklich Englisch ausgesprochen hat, ist schon raus. ;-)

    Nichtsdestotrotz wäre besonders dem Bauteil an der Allerheiligenstraße mehr Zuwendung zu wünschen als es die Visualisierung erwarten lässt.

    Oh ja. Ich würde mir in der Tat dem ganzen Gebäude mehr Zuwendung wünschen. Am besten die intensive Zuwendung einer Abrissbirne! ^.^ Schade, dass durch die kosmetischen Umbaumaßnahmen für den tegut der erbärmliche Ist-Zustand damit für die nächsten 20 Jahre zementiert wird.

    Ehrlich gesagt, das fände ich sogar gar nicht schlecht: wenn es wirklich Jahre dauern kann, bis so ein Verfahren abgeschlossen ist, dann hat Katz den Dome am Flughafen in der Zwischenzeit schon gebaut und das Projekt am Kaiserlei wird "freiwillig" nicht mehr weiterverfolgt, weil die Region keine zwei neue Hallen braucht. Aber selbst, wenn es keinen geheimen Deal gab, könnte es zum selben Ergebnis führen. Dazu darf natürlich die städtische Politik Katz keine Steine in den Weg legen, wenn sie schon nicht aktiv unterstützt. Zum Glück muss die Stadt dem Dome gar nicht zustimmen, bzw. könnte ihn nicht verhindern, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden und Fraport als Grundstückseigner und der RMV für die S-Bahn-Anbindung zustimmen (sonst noch wer?).