Beiträge von Baukunst

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    Ne fette Spende und dann "Walter-Ulbricht-Saal", das fände ich schon wieder witzig, weil anarchisch :)

    Was den Baden-Württemberg-Saal angeht finde ich es sehr bedauerlich, dass scheinbar das Potenzial nicht erkannt wird: Meint Ihr nicht, ein anderes Bundesland mit Sendungsbewusstsein wie etwa Bayern würde sich die Blöße geben, KEINEN Saal nach sich benennen zulassen nach vorheriger Spende? Ist doch letztlich egal ob Einzelspenden en bloc abgegeben werden. So könnte man doch patriotische Bayern dazu bringen für das Schloss zu spenden, was sie bisher womöglich nicht getan haben. Nach dem Motto: Den scheensten Saal ham freilich mir zoiht! Oder selbst die klammen Brandenburger würden sich als Keimzelle Preußens nicht lumpen lassen, mit einem Saal vertreten zu sein. Auch Hamburg ist so ein "stolzes" Bundesland mit Mäzenatentum.

    Gerade die Rekonstruktion des goldenen Saales in der Münchner Residenz oder des Dresdner Schlosses im Hinterkopf habend hätte man doch schön historische Säle rekonstruieren und nach den Bundesländern benennen können. Effektiv und auch noch patriotisch.

    Man hätte da einen regelrechten Wettbewerb lostreten können - insofern schade.

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    ideologische Grabenkämpfe gibt es "draußen" - keiner hört auf die Argumente der Gegenpartei, jedoch kocht im eigenen Sud.

    Da ist das DAF noch eine rühmliche Ausnahme, Diskussionskultur statt Grabenkämpfe, die ein paar stramme Linke und Rechte, die es hier in der Minderzahl gibt, auch verkraftet. In den vorhergehenden Posts kann man einen scharfen, aber stets respektvollen Meinungsaustausch ohne Ohren zuhalten, Trillerpfeifen oder Pöbeln nachvollziehen. Wohltuend!

    Im Übrigen sehe in das Brb Tor ebenfalls als bestes Denkmal für Teilung, Freiheitskampf und Wiedervereinigung (Ironie der Geschichte, dass es wieder gesperrt ist). Die Kolonaden finde ich aus städtebaulichen Gründen wesentlich wichtiger denn aus politischen.

    Ich muss nochmal nachlegen. Über die groteske Antibürgerlichkeit der Berliner Regierung hatte ich mich ja schon genüsslich echauffiert.
    Was mich im Mindesten genau so aufregt ist die Verschwendung von Kohle für so einen Quatsch durch eine linke Regierung, die in Berlin nun wirklich genug zu tun hat, gerade was den sozialen Frieden angeht. Für sinnvolle Projekte in diese Richtung ist dann leider kein Geld da, weil man ja lieber funktionierende Straßen teuer vermurkst. Also weiterhin bekackte Schulen, Stress- und Problemzonen, eine langsame Verwaltung etc etc.
    Im Grunde müpsste die Stadt unter Bundeshoheit gestellt werden, ihr politisches Personal ist wirklich unfähig, egal welcher Partei :mad:

    Sehr guter Punkt Pumpernickel, aber du unterschlägst dabei den Osten Deutschlands, wo es in den 50ern die nationale Bautradition gab, im Grunde lupenreiner Heimatstil. Ich meine nicht mal die sozialistischen Prachtachsen regionaler Ausprägung wie Lange Straße oder Stalinallee, die jede größere Stadt verpasst bekam. Sondern kleine Profanbauten, Schulen, Wohnhäuser etc. Hier war man zunächst flächendeckend völlig konservativ. Der Plattenhorror setzte erst ab ca. 1960 ein.

    In der alten Bundesrepublik war es im Prinzip wie von dir beschrieben, Süden eher konservativ, Norden eher modern, jedoch mit recht erheblichen Ausnahmen wie Stuttgart oder Pforzheim als Negativbeispielen des Südens oder Münster als Musterbeispiel konservativer 50er im Norden.

    Selbst im vielgescholtenen Köln finden sich Spitzenvertreter der 50er, wie etwa das blaue Haus oder das Gerling-Quartier (der kleinen Reichskanzlei ;)).

    Die 50er waren die vielseitigste Architekturepoche überhaupt, so viele Strömungen, Schulen und Innovationen hat es in einem Jahrzehnt nicht gegeben. Die Masse des frühen Wiederaufbaus moderner Prägung in FFM ist freilich Schrott, gerade wenn Privatleute mit wenigen Mitteln auf der zerbombten Parzelle mühsam einen Neubau errichtet haben. Der Bundesrechnungshof hingegen war ein Prestigebau, wie gesagt ich finde ihn wesentlich ästhetischer als was nun neu hinzukommt.

    PS: ein kleines Beispiel aus Berlin (Schillertheater-Foyer), wo Moderne und Zitate klassischer Formensprache sehr ästhetisch verbunden wurden:
    http://www.staatsballett-berlin.de/media/img/3/29…mas_Barilla.JPG

    Man kann Stuckfan UND 50er-Jahre-Fan sein ohne Schizophrenie :)

    Wie heuchlerisch argumentiert wird bzgl. Rekonstruktionen hier (böse, weil Vorkrieg) und Rekonstruktionen da (gut, weil Nachkrieg) ist natürlich augenscheinlich.

    Dennoch finde ich das 50er-Jahre-Gebäude sehr ästhetisch und dem Neubau um Galaxien überlegen. Ich freue mich auch über den Erhalt des tollen Treppenhauses, was so heute nirgends mehr gebaut würde. Das Wandbild ist unbedingt erhaltenswert.

    M.E. lieber so als ein totaler Abriss.
    nennt mich Ketzer, aber ich finde die Berliner Straße nicht unästhetisch in ihrer Geschlossenheit. Die 50er waren eben die letzte Epoche der Qualität für lange lange Zeit...

    Ben: nazibau ist zeitlich gesehen natürlich korrekt, stammt er ja aus großer Zeit. Vom "Look and feel" unterscheidet es sich doch von prominenten nazi Bauten wie dem Luftfahrtministerium (Look: monumental, feel: einschüchternd) mit entsprechendem Sendungsbewusstsein. Dem Laien muss man bei der alten Münze erstmal klarmachen dass es aus der NS-Zeit stammt und nicht etwa aus dem 18. Jh. (Seite zum Molkenmarnt mit den älteren Reliefs dran).

    Warum ist ein Bau aus der Nazizeit unpassend?
    Deine Bedenken respektiere ich voll und ganz, ich frage nur etwas provokant nach warum hier: So würde ich nämlich sagen, dass bei der alten Münze in kleinster Weise Nazi Architektur und Hippness vermengt werden können. Das Gebäude ist gar nicht exemplarisch für einen NS-Bau, für das gebaute Führerprinzip, das jeder sofort erkennt. Da ist Tempelhof viel typischer und aussagekräftiger - ein Bau, der trotz seiner klaren NS-Ästhetik in Berlin geliebt/gemocht/bewundert wird, ohne dass m.E. seine Entstehungsepoche glorifiziert würde (??)
    Unpassend fände ich selbstverständlich jede Pietätlosigkeit, die ich allerdings bei der alten Münze nicht in einer Nutzung durch ein Kreativzentrum sehe.

    ^^
    die Rückkehr des Jüdenhofs wäre besonders fein. Zumindest eine kritische Rekonstruktion der Platzfassung ist ja ohnehin relativ gesetzt meine ich.
    Ich wünschte mir, als Vorbild würde das Domrömer-Projekt herangezogen werden. Klar wegen der Rekonstruktionen aber fast noch mehr wegen der zeitgenössischen Architektur dort, die die Rekos noch veredelt und eben keine bloßen Lückenfüller sind.

    Sehr schade um den Bau.
    Vertreter der kurzen Spanne der Rückbesinnung aufs traditionelle Bauen in der DDR ab Mitte bis Ende 1980er, dabei wesentlich gelungener als die meisten Zeitgenossen, keine Plattenoptik, für einen Laien fast ein Altbau. Aus architekturgeschichtlicher und künstlerischer Hinsicht wäre der Bau zu erhalten gewesen. Ein zweifelsfrei besonderes Gebäude wird durch ein gewöhnliches, sich schlechter einfügendes Gebäude ersetzt.

    Im von Whywolf_Larry freundlicherweise geposteten Link des Styleparkartikels https://www.stylepark.com/de/news/werkbundstadt-berlin
    heißt es:

    Nach 7 Jahren Mitgliedschaft sollte langsam mal bekannt sein, dass Zitate aus externen Artikeln hier nicht erlaubt sind und entsprechend gelöscht werden.
    Bato

    Dieser Gedanke ist so wahr wie entscheidend. Das Prinzip der Kollegen, mit denen man streiten, sich aber stets der höheren gemeinsamen Sache bewusst ist, lässt sich auch sehr gut auf das Forum übertragen.

    Wenn alles so kommt :daumen:, zumindest nicht bis zur Unkenntlichkeit rundgelutscht wird, dann wird dieses Quartier eine ähnliche Bedeutung erlangen wie IBA `57 und ´87: die Vorwegnahme dessen, was zur Regel und zum Vorbild der Epoche wird. Die dichte Bebauung ist dabei ein klarer Ausdruck unserer Zeit, keine Flächen mehr zu verschwenden, die individuelle hochwertige Ausarbeitung der Fassaden als Ende der Monotonie und Serienmäßigkeit zu sehen.

    Ich würde da sofort wohnen wollen, fast egal welches Haus, nicht mal nur im DG.
    Parzelle 17 ist glaube ich mal als Anbau hierfür geplant worden ;)
    https://www.bsb-muenchen.de/fileadmin/bsb/…_ordensburg.jpg

    Architektenkind:
    Was ich an dir in hohem Maße schätze, ist dass du mit offenem Visier streitest und nicht zu den anonymen Rotbewertern gehörst!

    Daher respektiere ich deine Meinung, wonach die "Linksverschwörung" in deinen Augen Quatsch ist. Ich habe ja nun auch bewusst polemisiert. Dennoch mach Augen und Ohren auf und vergleiche mit anderen Bundesländern: in Berlin gibt es noch immer ur-altlinken "Klassenkampf" wie nirgends sonst mehr landauf landab. Klassenkämpferische Ansätze passen jedoch meiner Meinung nicht zur viel beschworenen offenen und toleranten Gesellschaft. Diese sollte schon alle umfassen, auch wenn es sich um Konservative handelt.

    PS: und wenn sich die CDU Berlin aus politischen Erwägungen dazu hinreißen lässt, für ein solches Spaßbad zu stimmen finde ich das genauso armselig. Sogar einen Zacken schlimmer weil wendehälslerisch. Auch so Berlintypisch: 3.Garde-Politiker in jeder Partei.

    @Pumpernickel: Klingt sehr gut und so sollte es sein, aber das geht doch genauso ohne Sperrung?
    Wo nicht überall schon autofreier Platz ist: Pariser Platz, Mittelstreifen, breite Gehwege insbesondere im Forum Fridericianum, Bebelplatz links und rechts der Oper, Vorplatz der HU, viel Platz an der neuen Wache, Ufer am Zeughaus, Lustgarten. Das sind die schönen Orte, wo man gerne verweilt. Warum sollte ich denn auf der ehemaligen Fahrbahn laufen? Doch nur, um zu genannten Orten zu kommen. Dafür reichen doch Gehwege und Mittelstreifen komplett aus wie ich finde. Ich sehe da kein Optimierungspotenzial, dafür genannte Nachteile.

    Ich hoffe
    Markus Bonauer, Michael Bölling und rw+ Gesellschaft von Architekten mbH zusammen mit capattistaubach Landschaftsarchitekten (Berlin)
    wird realisiert.

    Mir gefällt dabei die Fassung des schönen Simplonwegs sehr gut! Mit der Stäbchenfassade beider Entwürfe kann ich super leben, entspricht einem Genius loci, nachdem alle modernen Bauten hier über schlanke Pfeiler verfügen.

    Was die Absperrungen angeht schäme ich mich geradezu. In London hätte man in vergleichbarer Situation schon sicher längst schöne schmiedeeiserne modern versenkbare Lösungen gefunden. Das wäre auch für den Ebertplatz (Osteingang) endlich mal zu wünschen, dass das Provisorium wegkommt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    von Bau-Lcfr: Da weiter oben Paris erwähnt wurde - dort wird seit einigen Jahren in jedem Sommer eine Schnellstraße am Seine-Ufer in eine Strandpromenade umgewandelt (#35).

    Nicht vergleichbar, weil das in Paris ein wirklich geiles Projekt ist: eine Schnellstraße aus den 60ern wird durch einen dort ganz natürlich zu erwartenden Park am Fluss ersetzt. Die Stadt öffnet sich wieder zur Seine - im Grunde eine Art Rekonstruktion eines idealisierten lange zurückliegenden Vorzustandes. Romantisch. Ein Park zum hinsetzen, spazieren, durchatmen, grillen und auf die Seine gucken.

    Parks/Fußgängerzonen auf alten Gleisanlagen, Hochstraßen, Industrieflächen: cool!

    Unter den Linden, die ich nicht rekonstruieren muss, die da sind als was sie da sind - als Repräsentationsmeile - kann ich spazieren, Fassaden angucken und wie beschrieben durchfahren. Dazu sind sie bestimmt. Nicht am Wasser sitzen, grillen oder Frisbee spielen. Die Linden können daher m.E. nicht weiter optimiert werden nur weil Fahrzeuge entfallen, sie verlieren eher einen wichtigen historischen Teil ihrer Bestimmung, auch stets "befahren" zu werden.

    Wie gesagt: warum genau HIER? Mangelt es wirklich an Alternativen in der großen Stadt Berlin?

    Dekoratives Anführungszeichen

    von Klarenbach: Also der geistige Vater einer autofreien Straße Unter den Linden ist Wilhelm von Boddien. Der drängt schon seit Jahren auf eine Herausnahme des Autoverkehrs aus diesem Bereich, damit das Humboldt Forum wieder einen direkten Bezug zum Lustgarten bekommt.

    Das stimmt so nicht. Boddien hat sich zwar immer für eine Schließung des Bereichs zwischen Schloss und Lustgarten stark gemacht, so weit richtig, aber bei gleichzeitiger Führung des Verkehrs von den Linden kommend über Schlossfreiheit und Schlossplatz. Von einer Stilllegung der kompletten Linden hat Boddien NIE gesprochen.

    Im Übrigen halte ich das ganze für eine echte Schnapsidee. So wie der Quatsch vom Freibad am Schloss, selbes Horn in das da gestoßen wird: Man versucht in antibürgerlicher Tradition verkrampft Volkstümlich-proletarisches, also rumlatschen in der Füßgängerzone oder den Wanst auf der Liegewiese in die Sonne strecken (mach ich auch gern, aber sicher nicht hier!!) in das repräsentative Herz der Stadt auf Teufel komm raus zu zwingen. Das ist so als zwänge man den Opernbesucher in Unterhemd und Turnschuhen zu kommen. Im Augenblick darf er es wie er will, kann aber auch im Smoking kommen wenn es ihm beliebt. Und das ist m.E. auch gut so. Eine Stilllegungsidee der Linden ist mir viel zu radikal. Persönliche Meinung, muss keiner zustimmen.

    ElleDeBe oder Ben, um nur einige zu nennen haben hingegen ganz objektiv dargelegt, warum die Idee wirklich blöd ist: Dass der Verkehr erst recht auf die Leipziger flösse und damit die Grunerstraße betrifft dürfte doch klar sein. Ebenso dass die Linden schon längst eine Flaniermeile SIND. Nicht zum Schaufenster gucken, sondern einfach nur lustzuwandeln, den Blick aufs Tor oder aufs Schloss gerichtet, wie es einfach immer war, es gibt sogar schon schöne Kleihues-Kioske für Wurst und Bier. Reicht das nicht? Die beiden Blicke auf Tor und Schloss hat man ohnehin nur auf dem dafür vorgesehen Spazierweg in der Mitte, nicht etwa von den Fahrspuren! Viele haben glaube ich den Lindengesäumten Sandreitweg mit den Parkbänken völlig vergessen, weil da ja auch seit gefühlten 100 Jahren die Kanzler-U-Bahn gebaut wird...

    Zumindest die Doppeldecker und Taxen sollten noch fahren dürfen, warum nicht auch Privat-PKW und Fahrräder - die Linden sind das Zentrum einer Millionenmetropole, da gehört genau hier auch Verkehr dazu, schon stadtmythologisch...siehe die geilen Regenfotos aus den Zwanzigern mit den sich spiegelnden Scheinwerfern! Muss ja nicht immer so schwarz-weiß gesehen werden. Ne Autobahn sind die Linden im Augenblick genauso wenig, wie dass sie radikal zu einer reinen Latschmeile werden müssten!

    Es gibt wirklich keine guten Argumente, HIER, ich betone HIER eine reine F-Zone einzurichten. Noch dazu wenn die Läden erst her müssten ist es in sich sinnlos. Andere F-Zonen waren wenigstens vorher schon Einkaufsmeilen. Die despektierliche Schreibweise ist pure Absicht und dürfte meine Haltung zu derlei "Fortschritt" an dieser Stelle widerspiegeln ;) Woanders wie in der Wilmersdorfer mag das funktionieren. Aber das ist auch eine gewöhnliche Einkaufsstraße. So wie JEDE F-Zone in der gesamten Republik eine gewöhnliche Einkaufsstraße ist. Inklusive des Miet-Spitzenreiters Kaufingerstraße in München, auch sie wurde zu einer solchen Einkaufsstraße "degradiert" (gut, war 1972 Republikweit die erste, da wusste man's noch nicht genau)!

    Ich geh (mangels Penunze theoretisch) lieber in die Maximilianstraße. So blöd das klingen mag, aber auch die Autos auf der Straße "flanieren" hier gewissermaßen. Auch wenn ich keinen Porsche fahre, soll ich das nun aus lauter Neid und Humorlosigkeit verbieten? Bei den Linden wäre hier sicher weniger der Porsche das Motiv (die fahren eher von hübschen Russinnen gelenkt auf dem Ku'Damm), sondern ein stets pubertär anmutender Hass auf alles Bürgerliche (was die hübsche Porsche-Russin womöglich weniger repräsentiert als etwa ich selbst). Ein Bürgertum, welches in den Linden nun mal "seine" Straße sieht - als Refugium ohne H&M, Pimkie, C&A, McDoof und sonstigem Zauber aus den Einkaufsstraßen der Republik. Einen Ort zum gerne Zeigen und Identifizieren.

    Die Linden funktionieren so (noch besser als das Tor wirklich noch "offen war):
    In der Mitte flaniere ich, auf der Straße "führe" ich entspannt mein Gefährt gen Schloss oder Tor in einem angenehmen Zug. Gewissermaßen ein "Transitraum", aber so wie der 17. Juni oder die Stalinallee ein edler und schöner, mit Vergnügen zu durchfahren. Für einen Ladenbesuch hält bei solchen Achsen heute kein Mensch im Auto an. Nur Fußvolk geht in die Läden. Dieses edle und schöne Fahr-Erlebnis für den sowohl befahrradeten als auch motorisierten Berliner himself würde zugunsten von mehr Touri-Latschfläche geopfert werden. Tot. Verramscht. Verschwendet.

    Eine F-Zonen-Degradierung ist für mich, da man solches scheinbar nicht bedenkt, eine klare Ablehnung von Berlinern selbst aus Neid, Komplexen, Intoleranz, Plumpheit oder Humorlosigkeit. Kaschiert natürlich mit besonders humorigen, lockeren hey party people Ideen wie etwa dem besagten Freibad und jetzt eine Latschmeile. RRG in Berlin heißt wirklich superlinks, das muss man auch wissen, soz. "Kretschmann-Antipoden", trotz verhältnismäßig maßvoller aber kraftloser SPD. Sog. "Superlinken" Berliner Prägung fehlt ganz oft Humor, Kompromissfähigkeit und vor allem ein Gefühl für Großzügigkeit(!), auch hier muss keiner zustimmen - meine alleinige subjektive Erfahrung, simple Rechnung. Berlin nun freue Dich!

    Wäre also ein super Einstand, wenn DAS das erste von RRG würde....dann bitte auch einen Spielplatz mitten in den Lustgarten, einen Streichelzoo anstelle der Bauakademie und bitte bitte Ramsch-Nippes-Fress-Container ähnlich würdig wie am Holocoust-Mahnmal. Klingt verrückt? Polemisiere ich? Wie weit ist ein Freibad von einem Spielplatz oder einem Streichelzoo entfernt? Und das Bad wurde ernsthaft diskutiert! Die Buden gibt es und sie müssen bald weg - das Schlossumfeld erscheint mir fast weniger heikel dafür als am Mahnmal. Also 99% anstatt 100% daneben.

    Fazit: Müller sollte ganz schnell staatsmännisch solchen Schwachsinn vom Tisch wischen, wenn man ihn wieder wählen soll. Kinder an die Macht ist ein nettes Liedchen, sollte aber Fiktion bleiben...

    Ich müsste noch was nachreichen:
    1. Bedeutendster Barockbau nördlich der Alpen im deutschen Sprachraum. Danke Camondo für den Hinweis mit Versailles, welches mit Fug und Recht als Mutter aller Barockschlösser zählen darf.
    2. Womöglich stammen viele dieser Publikationen, die das Berliner Schloss so hervorheben aus Preußen :) Klar ist mir die Würzburger Residenz ein Begriff! Das führt mich auch gleich zum nächsten Punkt, nämlich
    3. Mir geht es gar nicht klein-klein um den größten, längsten, tollsten Bau der Zeit, ganz und gar nicht. Ich möchte nur dem Berliner Schloss die Bedeutung beimessen, die es verdient, nämlich im Reigen der überregional bedeutenden Bauten des Barock in D mitzuspielen.
    4. Ich würde schon sagen, dass Barock ein durchaus überregionales Phänomen war. Nationalismus war zu dieser zeit kein Thema, die Grenzen (für Gelehrte) äußerst durchlässig. Die Hofzeremonielle hat man sich gegenseitig abgeguckt genauso wie die Mode. Typisch auch für den Barock sind ellenlange schwülstige Buchtitel, wie sie überall in Europa erschienen sind. Auch die (höfische) Musik war von Grenzen losgelöst. Ebenso ähnlich im (kontinental-)europäischen Kulturraum war die Gestaltung von Epitaphien, Wappen usw.

    Dekoratives Anführungszeichen

    ^es ist definitiv nicht die Münchner Residenz oder El Escorial, aber die preußische Monarchie hatte halt auch nicht diese prunkvolle Bautradition (vgl. bayerischer Barock Vs. preußischer Barock). Damit ist es aber trotzdem bzw. erst recht bedeutendes Architekturerbe, es zeugt von regionaler Baugeschichte. Auch als 1:1 Fassaden-Replika. Im Übrigen zeigt dein Eindruck recht gut, dass hier eben nicht großpreußische Restauration stattfindet, wie ideologische Gegner immer wieder unkten. Dafür ist das Gebäude einfach nicht protzig genug!


    Ich bezweifle, dass es einen bayerischen Barock oder einen preußischen Barock gibt. Wohl aber Barock bayerischer bzw. preußischer Ausprägung. Barock war immer ein internationaler Stil, seine Verbreitung findet sich in ganz Europa, gleich welcher Region, Sprache oder Religion.

    Dennoch hat der Barock gerade in Bayern eine solche Ausprägung erfahren als im Grunde propagandistisches Stilelement der Gegenreformation. Was sich an überkommenen Bauten nicht wehren konnte, wurde barockisiert, von prominenten Ausnahmen wie der Frauenkirche natürlich abgesehen.

    Dass die Münchner Residenz so "protzig" (blödes Wort, weil darin Plumpheit und Negierung von Stilregeln zum Ausdruck kommt, was bei Barockbauten nicht der Fall war) ist, liegt an der Selbstbehauptung der Wittelsbacher ggü. dem "großen Bruder" Österreich. Heute sieht das Verhältnis freilich anders aus, D ist zum großen Bruder des kleinen Ö geworden...:)

    Das Berliner Schloss war wesentlich bedeutender als gemeinhin angenommen. Nicht von ungefähr wurde es in vielen Publikationen als bedeutendster Barockbau nördlich der Alpen bezeichnet, was Bayern ebenso einschließt. Das es extra bescheiden war glaube ich nicht. Die Kuppel über dem Eosanderportal etwa ist/war mit ihren 70 Metern durchaus ein repräsentives Zeugnis der Macht und wurde ca. Mitte des 19. Jh gebaut, als Berlin Wien gerade an Einwohnerschaft überholte und der (deutsche)Machtschwerpunkt aus der Zeit des katholischen ersten Reiches (bis 1806) sich scheinbar endgültig in protestantische Gefilde rechts der Elbe verlagerte.

    Die Größenwahrnehmung eines Schlosses hat freilich auch mit der Umbauung und dem Standort der Betrachtung zu tun. Blickt man Richtung Fernsehturm wirkt das Schloss wesentlich kleiner als etwa von den Stufen des alten Museums aus. Blickt man auf die Monumentalfassade der Münchner Residenz vom Hofgarten aus, wirkt sie von hier aus auch wesentlich größer als etwa vom Max-Joseph-Platz aus. Zudem ist die Umbauung der Münchner Residenz wesentlich enger und an sie herangerückter als beim Berliner Schloss. In Berlin hingegen wurde sowohl die Schlossfreiheit als auch die Gebäude, wo heute der Staatsrat steht abgerissen. Die Monumentalität des Schlosses im Verglich neben kleinen Bürgerhäusern entfiel somit. In München gibt es dank der Bebauung der Residenzstraße diesen Vergleich noch.

    Dafür, dass ich jahrelang interessiert diesen Bereich verfolgt habe und viele interessante Ideen und Skizzen kursierten, muss ich leider sagen dass ich auch enttäuscht bin.

    Natürlich, HdM ist ein gutes Büro, kein Zweifel an tollen Ideen und auch nicht an der Wertigkeit der Materialien. Auch ist der Bauort verdammt schwierig. Er weist keinen Genius Loci auf, an den man anknüpfen könnte - sieht man von den beiden goldenen Scharounbauten ab, gibt es nur Solitäre unterschiedlichster Ausdrucksform, inkl. der Kirche.

    Jeder Architekt, jeder Designer und jeder Autobauer muss mit Asoziationen des Publikums rechnen, Asoziationen sind integraler Bestandteil von Design, also nichts was man verdammen sollte. Dies vorangestellt war mein erster Gedanke beim Betrachten des Neubaus "Tennishalle" und das ist nochmal einige Stufen unsexier als die Asoziation Lagerhalle. Bei Lagerhalle atmet Industrie mit, Ruß, Maschinen, Schweiß, Arbeit - da zieht es die Kunst ja gerne hin... Ne Tennishalle hingegen ist Vorstadt ohne jeglichen Nimbus. Rein subjektive Empfindung!! Bierzelt war meine zweite Empfindung. Die mag ich jedoch, allerdings sind es ja auch nur temporäre Bauten. Mit den Scharounbauten zusammen gewissermaßen ein Kunstzirkus / Kunstrummel.

    Zur Kirche ist der Bau zu niedrig, zur Nationalgalerie zu hoch. Eine entsprechende Abstufung oder zwei Baukörper hätten mir gefallen. Müßig!
    Dass HdM hier dennoch eine enorme Aufwertung erreichen wird, ist unbestritten. Von daher: legt los!

    Zu: Alsenviertel

    Ein äußerst unrealistisches Unterfangen, das Alsenviertel zeitgemäß neu erbauen zu wollen, da:
    a) die CDU in Berlin nicht mehr als 20 % Stimmen bekommt
    b) eine Grünfläche in Berlin zu bebauen geradezu ein Sakrileg darstellt (genug Beispiele: Tempelhof, MEF, selbst versiffte Trümmergrundstücke)
    c) der Bund garantiert wegen Sicherheitsbedenken dazwischenfunkt- so besteht die grässliche Umgehungskurve hinter der CH-Botschaft noch immer ohne jegliche Aussicht auf Veränderung
    d) das übliche Gentrifizierungsgeunke droht
    usw.
    usw.
    Vergesst es!

    Mag ja ne sehr charmante Vorstellung sein, zugegeben, aber der Park ist soo schlecht nun auch nicht - allerdings bräuchte er mehr Bäume, so dass der Tiergarten gefühlt bis zur Spree reicht. Weitere Bäume zu pflanzen scheint mir in Anbetracht der obigen Aufzählung jedoch wesentlich wahrscheinlicher als Gebäude zu errichten und Bäume zu fällen.