Beiträge von bayer

    Da zeitgenössische Architekten scheinbar nicht in der Lage sind etwas anderes als Arnulfpark/Messestadt Riem oder "Operettenfassaden" zu planen wähle ich Letztere. Beides ist "Retro", das eine 1970er und das andere Jahrhundertwende. Also entscheide ich mich für das hübschere. Aber das ist dir bestimmt nicht "subtil" genug?!

    Poller müssen gar nicht schlecht ausschauen ^^ ich habe da schlankere, auch etwas höhere, Poller aus Granit im Kopf, mit etwas filigranerer und detailreicherer Formung, verbunden durch eine schmiedeeiserne Kette wodurch dann auch größere Abstände zwischen den Pollern möglich sind und trotzdem besser gewährleistet ist dass möglichst wenige Leute über die Grünfläche "abkürzen" und sie dabei zertrampeln. Das würde sich auch in die historisierende Platzgestaltung gut einfügen :) Wahrscheinlich war dafür, wie so oft in Berlin, kein Geld mehr da.

    Ja da hast du einen guten Gedanken gebracht. Es sind in der Tat die Kontraste die das ganze erst interessant machen. Zum Beispiel finde ich erfrischend und auch erhebend dass es in München noch eine echte "Theaterkultur" des "sehens und gesehen werdens" gibt, wo sich Leute sehr fein rausputzen und zu einem gesellschaftlichen Ereignis strömen, einer Gesamtinszenierung von der das Geschehen auf der Bühne nur ein Teil ist. Sowas gibt es im gesamten deutschen Sprachraum außer in Wien nur noch in München. Berliner würden das wohl reflexhaft als "spießig" abkanzeln und weiter im Wohnzimmeroutfit die Ränge füllen.

    Nur zuviel von jener Noblesse und es wird steril und leidenschaftslos. Die Balance zwischen "Minga" und "Monaco" braucht es. Wobei - durch die Vielzahl der Neubürger, die mutmaßlich vor allem der Arbeitsplätze wegen gekommen sind und sich nur marginal für "die Stadt" interessieren, ist diese Debatte ohnehin ein Stückweit Makulatur. Die wissen weder was Minga ist und halten Monaco für einen Stadtstaat am Mittelmeer. ;)

    Dafür schauen ihre Kirchen nicht so schön aus wie unsere ;) Ja hast schon recht damit.

    Es gibt und gab immer in München eine ausgesprochen große Subkultur. Nur war die halt nie so ehm "sendungsbewusst", nach dem Motto "Schaut uns an, wir sind so alternativ".

    Das geht bis ganz weit zurück in die Vergangenheit, der "Jugendstil" hat seinen Namen zB von der münchner Kunstzeitschrift "Jugend" erhalten oder man denke an das "Simplicissimus", über 4 Jahrzehnte hat es das Zeitgeschehen mit beißender Satire begleitet bis dies unter den Nazis nicht mehr möglich war. Das sind natürlich nur "erhaltene" Zeugnisse einer starken Subkultur aus kritischen Geistern, Literaten und Künstlern.

    Das ist es was mich stört, zwischen Kleinbürgertum und Gutverdienern wird der Raum in München immer kleiner. Sehr schön auch daran abzulesen dass das Glockenbachviertel vom einstigen Schwulen- und Szeneviertel immer mehr zu einer begehrten und einer der teuersten Wohnlagen wird.

    Sehr interessanter Text, danke.

    Ich denke eines ist in jedem Falle unstrittig und wird nicht einmal von kategorischen "Hochhausgegnern" bestritten werden: bereits mittelfristig wird es in München keine neu bebaubaren Freiflächen mehr geben, sofern man nicht anfangen will Parks aufzugeben ;)

    Das Umland hat ja nun in der Vergangenheit bereits den meisten "Siedlungsdruck" abgefangen, die Leute sind halt dorthin ausgewichen und pendeln ein. Das wird aber in Zukunft in der Form sicherlich nicht weitergehen können. Nicht nur wird Mobilität immer teurer, die Leute haben auch ein stärkeres Bedürfnis nach städtischem Leben, finden das Wohnen "im Grünen" unter hoher Abhängigkeit vom Auto unattraktiver. Die einzige Möglichkeit ist hier Nachverdichtung. Und ob langfristig eine zB doppelt so hohe Traufhöhe - dafür durchgehend in ganzen Stadtvierteln - oder Hochhauspulks diesen Wohnraum schaffen werden ist nun die Frage um die es geht.

    Ich muss sagen dass das Eck (+ZOB) langsam ein komplett anderes Bild abgibt. Der räumliche Eindruck ändert sich dahingehend stark dass nun die Brücke nicht mehr als einsamer Solitär in einer "Gleiswüste" wirkt sondern von städtischer Bebauung eingerahmt - und auch immer mehr überragt - wird. Da ist für mich dann auch die Einzelgestaltung der Bebauung zweitrangig, der neue Raumeindruck ist für mich am verblüffendsten.

    Es schlägt doch keiner vor den Hafen aus Hamburg komplett nach Wilhelmshaven zu verlegen, die "Entweder Hamburg oder Wilhelmshaven"-Debatte geht doch in's Leere. Nur bevor man in Hamburg weiteres Hafenwachstum mühsam erzwingt, durch teure und umstrittene Eingriffe in die Elbe und weiteren Flächenverbrauch in Hamburg, kann und muss die Bundesrepublik Deutschland ihren Tiefseehafen in Wilhelmshaven endlich besser nutzen. Wir können es uns nicht leisten nur auf ein-zwei Pferde zu setzen, wir müssen alles nutzen was wir haben um die Anbindung des Exportweltmeisters an die Weltmärkte zu sichern.

    In der Tat sind Industriekonzerne, aber auch andere Sparten der Logistik, ein Beleg dafür dass dem so ist. Das eigentliche Laden und Löschen ist doch eh immer und immer stärker automatisiert.

    In Hamburg fehlt es auch "an allem", so wird immer ausgeführt die Anbindung über Straße und Schiene sei bereits jetzt hoffnungslos überlastet sei und müsste ausgebaut werden - warum das prinzipiell soviel billiger ist neue Schienen von Hamburg in die Republik zu legen als von Wilhelmshaven in die Republik ist mir unklar. Und das Geld was man dann bei Elbvertiefung etc. spart muss ja ebenfalls mit eingerechent werden. Ich sehe das, als Süddeutscher, natürlich nur makroökonomisch und aus der Distanz im Sinne von "Was ist für die Bundesrepublik als solches wohl die beste Lösung". Dass man dann aber vor Ort in Hamburg schon beim puren Gedanke den Hafen zu "verlieren" ungehalten wird kann ich trotzdem nachvollziehen. Nicht bös gemeint.

    Die hamburger Grünen stehen übrigens im Ruf zusammen mit den bayrischen Grünen der pragmatischste Landesverband zu sein. Warum wird daraus eine Generaldebatte über Ökologie Vs. Ökonomie gemacht? Klar ist dass sich Hamburg schleunigst nach einer Alternative umschauen muss wenn die Zahl der Arbeitsplätze die mit dem Hafenbereich zu tun haben nur zu halten ist indem dem Hafenbetrieb immer größere Flächen und Naturräume hingegeben werden. Dies muss früher oder später an natürliche Grenzen stoßen, auch ohne "Umweltschützer".

    Im Übrigen sind Flußbegradigungen und Schiffbarmachungen (der hamburger Hafen ist nun einmal ein Binnenhafen der über einen Fluß angefahren wird) wesentlich mehr "80er" als irgendwas anderes. Ökonomie und Ökologie gebieten neue Hafenkapazitäten nicht mehr in Hamburg sondern in Wilhelmshaven - dem einzigen deutschen Tiefseehafen - zuzubauen. Der hamburger Lokalpatriotismus ist ja nun bekannt und mindestens so stark wie der Bayernstolz - mindestens! - aber gerade darum muss euch doch wichtig sein dass Hamburg nicht mehr so abhängig von einer Branche, dem Hafen, ist an dem direkt und indirekt rund 150.000 Arbeitsplätze hängen sollen.

    Kleinstädte in Speckgürteln die von der Kernstadt stark profitieren und sich außergewöhnliche Dinge leisten gibt es überall, da ist Sindelfingen kein einmaliges Beispiel. Mir fallen auf Anhieb ein Dutzend in Bayern ein die ich kenne, in einer davon bin ich aufgewachsen ;) Solch eine kleine Skyline wie in Eschborn ist aber sicherlich einmalig für eine Kleinstadt in der Bundesrepublik.

    Ich frage mich da halt immer zu wessen Vorteil es sein kann dass sich Kommunen auf diese Weise gegenseitig Konkurrenz machen. Doch nicht im Interesse der Bürger, die immer die gleiche Lohnsteuer zahlen müssen egal wo sie ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik haben...(nur die Kirchensteuer ist in Bayern und Baden-Württemberg niedriger als in den restlichen Ländern)

    ...weswegen ja viele Einheimische wortwörtlich an den (Stadt)Rand oder gleich in's Umland verdrängt werden.

    Naja die Franken beantworten die Frage ja selbst indem sie sich abgrenzen, politisch ist es aber dennoch natürlich Bayern. Und die Schwaben... das kann man so eindeutig nicht sagen. Der heutige Bezirk Schwaben war ja schon immer "Grenzgebiet" zwischen Bajuwaren und Alemannen, hört man ja auch an dortigen Dialekten, ein Mischmasch aus beidem. Und ich glaube so fühlt man sich dort auch, eben "bayrisch-schwäbisch". ;)

    Vor allem sind's gemütliche Anarchos. "Ja mei" ist ja nichts anderes als ein Ausdruck höchster Indifferenz und Gleichgültigkeit. Dagegen kontrastiert ja die Aufgeregtheit der Preußen erst so stark. Ist dir noch nie aufgefallen dass die allermeisten Leute die sich in hiesigen "Bürgerinitiativen" etc. engagieren einen nördlichen Akzent und entsprechende Vornamen haben? ;)

    Aber die Vergangenheit zeigt auch dass sich die Bayern nicht für alles hernehmen lassen. Die machen weniger einen Aufstand für abstrakte Dinge wie "Kapitalismuskritik" oder so sondern wenn es konkret wird. Das siehst genau bei so Themen wie dem Rauchverbot wo sich der Staat schlicht zuviel angemaßt hat - die Einstellung des "Ja mei" ist politisch ja so eine Art "Wenn ihr uns in Ruhe lasst's dann lassen wir euch in Ruhe und wählen euch"-Pakt. Dieser Pakt wurde verletzt indem sich der Staat neuerdings als Erzieher aufspielen will. Das ist auch der einzige Grund warum die CSU keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt. Wegs solchen Dingen, wenn die feinen Herrschaften da nicht rasch umsteuern, kann's tatsächlich bald im Schellawald rascheln (die Liste der Bevormundungen von Seiten der Politik wird ja tagtäglich länger!).

    Ich glaube aber dass die meisten Bayern den kritischen Unterton des Begriffes "Gentrifizierung" nicht nur nicht teilen sondern auch nicht verstehen werden, insofern als dass Bayern ein klassisches Aufsteigerland ist. Man muss bedenken: wenn die Preußen von der "guten alten Zeit" weinen und über die Gegenwart jammern gilt das für uns ja nicht, Bayern war vor 30 Jahren deutlich ärmer als heute (trotz Krise). Darum sind die Vorgänge die mit "Gentrifizierung" bezeichnet werden hier immer noch positiv und als Fortschritt angesehen. In der Hinsicht erkenne ich schlicht kein "Problembewusstsein" bei der Bevölkerung. Ob sich das absehbar ändert weiss ich nicht.