Beiträge von ElleDeBE

    Im Nachbarforum wird über Gedanken berichtet, das Alte- und das Neue Museum zukünftig vielleicht doch nicht (nur?) auf der Sockelebene miteinander zu verbinden, wie im Masterplan Museumsinsel beschlossen wurde, sondern oberirdisch, wie früher, mit einer Brücke. (Hier sind unter "Historische Verbindung der Museen" einige Infos und eine Abbildung der Originalbrücke zu finden).

    Obwohl wir uns auf den Boden unsicherer Vermutungen bewegen, möchte ich diese Option hier zur Diskussion stellen, aus zwei Gründen:

    1. Zunächst scheint mir eine solche Option sowohl denkmalpflegerisch als auch städtebaulich attraktiv: sie würde die Ensemblewirkung stärken und, qua teilweiser Behinderung der freien Sichtachse, die Fantasie erregen.
    2. Aber auch funktional könnte es sinnvoll sein, wenn man vom Obergeschoss des einen direkt in das andere Museum weiter schlendern könnte. Zumal offenbar die Bauarbeiten zur unterirdischen Verbindung noch nicht begonnen haben, es derzeit nicht einmal einen Baubeginn zu geben scheint und auch die Grundsanierung des Alten Museums noch aussteht, weshalb dieser Teil der unteririschen Promenade noch Zukunftsmusik zu sein scheint.

    Jedenfalls scheint mir die Möglichkeit einer Rekonstruktion der oberirdischen Brücke erwägenswert, nicht als Alternative, aber als schneller zu realisierende Ergänzung. Sie wäre deutlich günstiger und weniger aufwändig und ließe sich vielleicht sogar (teilweise) über Spenden finanzieren.

    ^ Der Clou der Fassade besteht ja genau darin, dass die abgeschrägten Laibungen, die die Fensteöffnungen jeweils halbieren, asymmetrisch angeordnet sind, in einem Stockwerk auf der linken, im nächsten auf der rechten Seite etc. Im Dachgeschoss, besteht die gesamte Fensterfläche aus abgeschrägten Fenstern, was sinnvoll ist, da hier die Aussicht am besten ist. Dadurch fließen die Schrägen hier, quasi als Synthese, zusammen, woraus sich der Effekt der "Zieharmonika" ergibt. Diese erwächst also organisch aus der gesamten Fassade, und auch deswegen wirkt der Entwurf aus einem Guß. Ich liebe solche einfachen und doch durchdachten und notwendigen Fassaden.

    ^ Ich reagierte, wie eigentlich nicht schwer zu erkennen ist, auf den Beitrag von Camondo, der den Vergleich gezogen hat. Und den ich im Übrigen für vollkommen legitim halte: Wäre der Vergleich zwischen Vorgänger und Nachfolge, wie Du andeutest, sinnlos und hätte zu unterbleiben, könnte ein Großteil der Beurteilungen architektonischer Entwicklungen einpacken. Gerade modernitätskritische Zugänge leben doch regelrecht von Vergleichen und der Klage, dass moderne Bauten gegenüber ihren Vorgängern einen Rückschritt darstellen würden.

    ^ Mir gefällt das neue Haus besser als der Vorgänger, der mir wenig markant und auch wenig ausgewogen und gelungen erschien. Das neue Gebäude wirkt wie aus einem Guss und sehr wertig, auch präsent, passt zur Lage. "Sehr klösterlich katholisch" passt, "konservativ" dagegen nur zum Teil. Denn es ist ja auch ungewöhnlich, vor allem der gezackte Dachabschluss, es könnte in keiner anderen Zeit entstanden sein, ist also gegenwärtig (präsent auch im zeitlichen Sinn). Das könnte man insofern als "katholisch" begreifen, als Katholizismus, anders als Protestantismus, weniger in Brüchen mit der Vergangenheit denkt und damit, im Idealfall, Geschichte als Überlieferung versteht, was, auf Architektur übertragen, bedeutet, auf traditionelle Elemente zurückzugreifen,diese aber zugleich zu erneuern. Das Gegenteil dazu wäre Bruch mit der Vergangenheit versus Rekonstruktion.

    Mir ist nicht ganz klar, wofür diese große Straße (Friedrich-List-Ufer (#1.665)) gebraucht wird. Ist sie unverzichtbar? Wenn nicht, würde es sich anbieten, auch die Ostseite des Humboldthafen bist zum Hafenrand zu bebauen, analog zum schönen Alexander-von-Humboldt-Haus mit Säulen etc. Das Gleiche gilt womöglich sogar für das gegenüberliegende Alexanderufer. Durch eine einheitlich wirkende Bebauung entstünde eine wirklich attrakive, binnenalsterartige Situation, direkt neben dem Bahnhof. Das geplante Hochhaus würde solche Möglichkeiten zerstören.

    In der taz findet sich ein kraftvolles und überzeugendes Plädoyer für die ZLB Berlin am Alexanderplatz. Susanne Messmer, die Verfasserin, glaubt aber nicht, dass nach der Übernahme des Kulturressort durch Stefan Evers ("„Faust und Mephisto in einer Person“, was immer das bedeuten mag) vor der Wahl eine Entscheidung fallen wird. Dabei wäre das "das schönste Geschenk, das die ZLB zu ihrem Geburtstag verdient hätte: endlich ein Haus, das groß genug ist für diese großartige Stadt."

    Kommt bei mir gar nicht so häufig vor, dass ich einem Gebäude ästhetisch so wenig abgewinnen kann. Ich finde die Farben trostlos und unruhig (trostlos der grauviolette Hintergrund, unruhig die unterschiedlichen Rottöne, besonders im letzten Foto. Die kalt wirkende Materialität gefällt mir nicht, die unwohnlich wirkenden Balkonschlitze auch nicht, ebenso wenig die verspiegelten Fenster. Die schlecht-asymmetrische und schlecht-proportionierte Kubatur erschließt sich mir nicht, die unterschiedlichen Abstufungen wirken auf mich willkürlich. Vielleicht hätte ein höherer Turm etwas gerissen. Ich assoziere spätmoderne Bauten aus den 80er Jahren und Arbeitsämter bzw. Firmensitze in der Peripherie von Großstädten. Aber das mag auch etwas idiosynkratisch sein.

    Kann mich nicht ganz entscheiden, welcher mir besser gefällt, der ältere oder der jetzige Entwurf. Vielleicht, weil beide Entwürfe nur mittelprächtig sind. Der Entwurf von Heide & von Beckerrath war harmonischer, der jetzige markanter, aber nicht ganz stimming, in meinen Augen: Die großen Abstände zwischen den Fenstern gefallen mir nicht, das gedrungene Erdgeschoss auch nicht.

    Interessant ist der Vergleich zum alten Entwurf noch aus einem anderen, mediengeschichtlichen Grund: Wir befinden uns gerade in der (kurzen) Übergangsphase, in der die alten Entwürfe des gleichen Projekts noch nicht KI-generiert waren, die neuen (häufig) schon. Bin neugierig, ob sich KI-Renderings durchsetzen werden, oder ob Architekt:innen sie eher als cheap meiden werden.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Der vom Kanzleramt eingesetzte Generalintendant Dorgerloh, ein Beamter, der nichts zum Aufbau des Schlosses beigetragen hat,
    gibt den Spendern noch einen Fußtritt und setzt sie vor die Tür.
    Wo leben wir eigentlich?

    Der Beitrag ist weitgehend deckungsgleich mit einem Artikel in der B.Z. vom 12.4.26. (Der Förderverein hat ihn auch gepostet, hier die Quelle.) Ich verkneife mir die unsägliche Pseudoempörungsrhetorik des Beitrags und halte nur fest: Es ist nicht in Ordnung und verstößt wahrscheinlich gegen Forenregeln, hier fremde Beiträge unter eigenem Namen zu posten.

    ^ Danke für Deine Wortmeldung. Ich kann mich dem negativen Urteil zwar nicht anschließen – aber mit "angeschnittenen Geigenkasten" hast Du mir ungewollt etwas eigentlich Naheliegendes erschlossen: Dass es sich bei vielen der so genannten liebevollen volkstümlichen Bezeichnungen ("schwangere Auster", "Goldelse", "palazzo prozzo") zunächst doch wohl eher um polemische, hämische oder kritische Kommentare handelte, um Diskreditierungsversuche.

    ^ Das Klosterviertel ist sehr heterogen, daher kann ich nicht sagen, dass das Gebäude auf mich wie ein Fremdkörper wirkt, zumal es sich ja in Höhe (zumindest in der Stralauerstr.) und Blockrand der Umgebung anpasst. Mit etwas Wohlwollen lässt sich sogar der Fensterbereich an der Klosterstraße so sehen, dass er, indem er die Höhe nicht ausschöpft, den weniger hohen Nachbarbauten visuell entgegen kommt.

    Das bedeutet nicht, dass mir das Gebäude gefiele, nur "Fremdkörper" scheint mir nicht ganz passend. Ich störe mich sehr viel mehr an der mehrspurigen, kaum begrünten und abweisenden Stralauer Straße. Hier müsste m.E. etwas geschehen.

    Ich bestaune die rationale Nüchternheit von Bauhherren und Politik, ein Gebäude zu planen oder zu bewilligen, das 98 Meter hoch werden soll. Denn ich selbst könnte der Versuchung kaum widerstehen zu sagen: Wenn schon, dann doch gleich 100 Meter! Dann tauchen wir auch auf einer Liste mit berliner Gebäuden 100+ auf.

    Genauso wundere ich mich, dass man beim Berlinian bei 146m stehen geblieben und damit knapp unter der Wolkenkratzer-Grenze geblieben ist. Natürlich kann man sagen, solche Dinge seien unwesentlich und bloß symbolisch, und man sollte die eigenen Entscheidungen nicht davon abhängig machen. Daher bestaune ich ja auch diese rationale Nüchternheit. Aber irgendwie ist sie mir auch fremd.

    ^ Ich vermute, dass Unterschiede in der polizeilichen und institutionellen Erfassung eine wichtige Quelle der Unterschiede sind, insbesondere zwischen München und den anderen Städten. Die Zahlen sagen wahrscheinlich ebenso viel über Ordnungspolitik, Verwaltungspraxis und Anzeigeverhalten aus wie über unterschiedliches Sprühverhalten.

    ^ Auch wenn es generationelle Eigenarten und blinde Flecken gibt, finde ich die Schmähformel "Alter weißer Mann" etwas billig, ebenso wie ich Arty Decos Polemik billig fand. Mehr noch störe ich mich aber daran, dass hier (und nicht nur hier) gleich die Admins auf den Plan gerufen werden und ich halte es für möglich, dass sich auch und gerade darin eine generationelle Eigenart zeigt. Das möchte ich etwas begründen.

    Jonathan Haidt und Greg Lukianoff haben (in: The Coddling of the American Mind, 2018) eine Generation beschrieben, die in der Kindheit systematisch vor Konflikten geschützt wurde. Erwachsene griffen früh ein, schlichteten, regulierten Emotionen und verhinderten, dass Kinder Auseinandersetzungen selbst austrugen. Was als Fürsorge gemeint war, hatte einen ungewollten Effekt: Konfliktfähigkeit verkümmerte.

    Auf dem Campus setzt sich dieses Muster fort. Statt Konflikte auszuhalten, auszuhandeln oder als Teil sozialer Reifung zu begreifen, werden sie institutionalisiert: Studierende wenden sich rasch an Autoritäten, verlangen Intervention, Schutz oder Sanktion. Der Konflikt wird nicht mehr als etwas erlebt, das man bewältigt, sondern als etwas, das delegiert werden muss. Wer nie lernt, Konflikte selbst zu regulieren, erlebt Widerspruch später nicht als Herausforderung, sondern als Bedrohung. Das Bedürfnis nach Sicherheit ersetzt die Fähigkeit zur Auseinandersetzung.

    Eben diese Tendenz scheint sich auch hier im Forum zu verstärken, und mir scheint das eine Fehlentwicklung zu sein. Aber vielleicht sehen das andere anders?

    ^^ Naja, nicht erhebend, würde ich sagen. Wirkt ein wenig wie ein nachträglich gedämmter Plattenbau. Anderswo hätte ich keinen Anstoß daran genommen, hier schon: Warum keine größeren Fenster und Balkone, angesichts der Sicht zum Landwehrkanal? Warum keine Eckfenster, an Stelle dieser fensterlosen Eckesituation? Und warum, wenn ich es richtig sehe, nur relativ kleine Balkone auf dem Dachgeschoß, statt einer durchgehenden Terasse? Unbefriedigend.

    ^ Nachtrag: Der neue Entwurf hat einige Punkte aufgegegriffen, die mir am ersten Entwurf nicht gefielen, aber begeistern tut mich das Projekt auch jetzt nicht.