Beiträge von AeG

    Morgen,

    so groß ist die Auswahl m. E. gar nicht, wenn man sich auf Zeitschriften konzentriert, die sich tatsächlich an Architekten richten. Das Meiste, was am Kiosk in dieser Rubrik zu finden ist, ist eher für Häuslebauer oder 'semiprofessionelle' Innenarchitekten (à la Tine Wittler) gedacht. Ich denke, zur Auswahl stehen DETAIL (sagt der Name schon, worum es geht; jedes Heft mit konstruktivem Schwerpunktthema; gehört eigentlich in jedes Architekturbüro; allerdings relativ trocken; kann vorkommen, dass über Monate hinweg kein persönlich relevantes Thema auftaucht), dann die db ('Deutsche Bauzeitung', der Klassiker; behandelt alle möglichen Themen rund um Architektur und Städtebau; viele Illustrationen) und Arch+ (gewissermaßen die 'coole, hippe' Version der db; thematisch etwas eingeengter in Richtung Moderne). Die db erscheint als einzige monatlich, von der DETAIL gibt's im Sommer immer Doppelausgaben und Arch+ kommt alle zwei oder drei Monate.

    So, jetzt hast Du die Wahl zwischen trocken+notwendig, magazinartig+nüchtern oder stylish+bunt :D. Du solltest vielleicht noch bedenken, dass Zeitschriften üblicherweise an Unis erfügbar sind. Je nach Schwerpunkt finden sich vielleicht auch interessante Bücher, die unterm Strich eine höhere Ausbeute an interessanten Themen bieten. Und wie man weiß, ist ein gutes Fachbuch auch nicht unbedingt preiswerter als ein Zeitschriftenabo.

    Nee, tatsächlich nicht ;).* Ich habe hier schon ernsthafte Schwierigkeiten, Text und Bild zusammenzubringen. Ich weiß einfach nicht, wovon dort geredet wird. Die Bescheibung passt ja eher zu den oberen Geschossen, als zum Sockel (bei dem ich wiederum nicht mal erahne, was da was ist und wozu es gut sein soll; geht's da um einen abweisenden Lagerraum mitten an einer belebten Kreuzung, um Jalousien, die nicht exakt in der Wandfarbe zu haben waren oder um eine 'Kreativ-Wand' für Vandalen?). Aber obenrum ist das Haus einfach mal unsaniert, wie man unschwer an den Fenstern erkennen kann. Wollte da jemand die Jury veräppeln, indem er eine schmuddelige Rauhputzfassade als "gegeneinander der Flachheit pastös gestrichene Flächen" verkauft hat? Naja, der Preis wird offenbar von einem Farbanrührer vergeben. Wer weiß, vielleicht hatte der Anfang 2003 noch Überbestände an Säuglingskot-Tönen, die er irgendwie als angesagt verkaufen wollte?


    *wobei ich allerhand ziemlich schlecht finde, auch wenn das hier nur selten so rüber kommen mag

    Ja, hat er, keine Frage. Wir haben das schon zu Zeiten des DWF diskutiert. Ich hatte damals auch nach entsprechenden Statements Mäcklers gesucht, aber nur Kommentare von anderen gefunden, die das auch so interpretierten. Dabei ist so ein Bezug normalerweise eher ein gutes Vermarktungsargument. Aber Christoph Mäckler befindet sich hier in guter Gesellschaft. Dessen Kollege und "Glaubensbruder" Hans Kollhoff hatte seinen Alexanderplatz-Siegerentwurf seinerzeit sogar mit real existierenden Chicagoer Bauwerken aufpeppt, jedenfalls in der heute bekanntesten Version, die von Yadegar Assisi illustriert wurde.

    Aber wer weiß schon, ob die bekannte Fassung fürs Zoofenster überhaupt noch halbwegs aktuell ist? Im Zuge der notwendigen Überarbeitung hat Mäckler schließlich die Gelegenheit gehabt, den (m. E. eher zweifelhaften) Entwurf im Sinne seiner 'gereiften' Überzeugungen zu überarbeiten. Ich war übrigens am vergangenen Montag das letzte Mal dort. Da wurde zwar schon eifrig gegrubbert, allerdings gab es immer noch kein angemessenes Bauschild, das die brennendste aller Fragen hierzu beantwortet hätte.

    Dekoratives Anführungszeichen

    liebe Architekten und Investoren, wenn euch das zu lästig ist, dann [...]


    Diesen Satzbeginn werte ich als Beleg für deine mangelnden Fähigkeiten, Deine Selbstgefälligkeit zu überwinden und anderen, die abweichende Meinungen besitzen, aufrichtige Motive zuzugestehen. Dein Versuch, den eigenen Standpunkt heller strahlen zu lassen, indem du andere Positionen als rein berufsbedingt oder wegen wirtschaftlicher Abhängigkeit notwendig erscheinen lässt, ist recht armselig. Ich kann Dir versichern, der Anteil an Architekten oder Investoren liegt hier im Promille-Bereich. Sofern du nur ein halbwegs gesundes Urteilsvermögen besitzt, muss selbst dir das nach dem Studium dieses Threads aufgefallen sein. Im Übrigen weckt deine Argumentation die Vermutung, du gehörest zu denjenigen, die bereits vor Wochen auf ihrer eigenen Plattform mit den gleichen Kompromittierungsversuchen gescheitert sind. Aber eine gewisse Sturheit ist Deinesgleichen ja bekanntlich eigen.

    Ob du dich wehrst, als 'Altlinker' betitelt zu werden, ist dagegen unerheblich. Du forderst das gesamte öffentliche Maßnahmenrepertoire an, das dich gegen die Vereinnahmung deiner bzw. eurer Umwelt verteidigen soll, schimpfst auf unfähige Politiker, geldgierige und fantasierende Investoren sowie deren vermeintlich Abhängige, organisierst einen Widerstand, dem für die Sache jedes unsachliche Argument willkommen ist (okay, das ist bis jetzt nur eine Unterstellung) und wägst überschaubare und zumutbare(!) Risiken sehr einseitig gegen Chancen ab, die gerade Berlin jenseits Deiner kleinen Welt bitter nötig hat. Weder hast du durch deine Wohnortwahl weiträumiges Eigentum an der Umgebung erworben, noch bist du legitimiert, im Namen des Bezirkes oder der Stadt zu entscheiden, was deren vorrangige Bedürfnisse sind. Dein Diskussionsstil und die Wahl der Argumente lassen vermuten, dass du weder zum einen, noch zum anderen, befähigt wärst. Oder warum kaufst du dir nicht einfach dein eigenes Stück Stadt, um es nach Gutdünken zu bewirtschaften - bzw. verwahrlosen zu lassen? Ich denke, dir fehlt eine gehörige Portion Realitätssinn, vor allem dafür, dass die Welt sich dreht - falls notwendig auch ohne mauwot & co. Das alles sind sehr wohl typische "altlinke" Verhaltensmuster (bzw. Defizite), auch wenn du möglicherweise persönlich nicht viel mit '68 zu tun haben magst.

    Ooch Mensch, in der Sache hast Du schon recht, micro, keine Frage. Aber das ist hier ein Bilder-Thread in der Galerie, da muss man nicht unbedingt auf strikte Formeinhaltung pochen, denke ich. Ich vermute auch nicht, dass Dykie hier jemanden bewußt foppen wollte (das hätte er einfacher und lustiger haben können). Wer einen solchen Überraschungsei-Titel anklickt, sollte auf alles gefasst sein und bekommt im Falle späteren Unbehagens eh 'ne Teilschuld aufgebrummt ;). Ulan-Bator oder Timbuktu waren hier aus mehreren Gründen so oder so nicht zu erwarten. Ausserdem kann es manchmal auch Peinlichkeiten abwenden, wenn man zu wenig statt zu viel in den Titel schreibt (wie ich dank Enzo gerade selbst erfahren musste :()

    Mein Einwand in Sachen Umfrage war übrigens nur unterhaltend gemeint und sollte keineswegs Teil einer Grundsatzdebatte sein. (ich hoffe auch, dass sich "der feine Herrn Schmitt" nicht persönlich angegangen gefühlt hat :))

    Peinlich, aber Du hast natürlich recht :achso:. Und? Watt mach'n wa nu? Ich kann den Titel leider nicht ändern - aber Du bestimmt. Fehlt dann bloß noch eine aussagekärftige Formulierung, die auch in die Zeile passt. Vielleicht kann man den Benediktiner-Hügel mit LMSM abkürzen? :D Ich weiß 'was Besseres: habe noch ein paar Bilder offen von Versaille und von Monets Garten in Giverny (wo u. a. die Vorlagen für die Wasserlilien-Bilder rumschwimmen). Für die lohnt sich kein eigener Thread. In diese Sammlung kann ich dann Amiens auslagern. Aber nochmal danke für den Hinweis!


    *Flip*, ich glaube, das ist ein Ost/West-Phänomen, das m. E. viel mit dem jeweiligen Selbstverständnis zu tun hat. Vielleicht hängt's auch mit der Völkerwanderung zusammen? Keine Ahnung. Der Deutsche (speziell in der linken Ausführung) amüsiert sich ja auch gerne über den ach so dummen und arroganten Amerikaner, der nicht einmal den Versuch unternimmt, sich in der jeweiligen Landessprache zu artiklulieren (womit er dem Franzosen zuhause nicht ganz unähnlich ist) und der über Detschland und die Welt nicht viel wisse. Dabei sind wir hier auch nicht besser. Im Gegenteil, wir brüskieren uns zwar über andere, aber die wenigsten hierzulande wissen mehr als ein paar Basis-Fakten und die üblichen Stereotypen über unseren direkten Nachbarn Polen - von Weißrussland, den Baltik-Staaten oder der Slowakei ganz zu schweigen! Und von deren Bürgern erwarten wir meist auch wie selbstverständlich, dass sie sich in Deutsch oder wenigstens auf Englisch mitteilen. :nono:

    Ich war am letzten Wochenende auch ein wenig paddeln, traue mich aber nie, meine Kamera mit auf's Boot zu nehmen. So viel Glück wie ich immer habe, ginge das garantiert in die Hose. Zum Thema "schönste Stadt der Welt": vielleicht kann ja der feine Herr Schmitt bald mal dafür sorgen, dass man Umfrage-Threads mit beliebiger Menge an Antworten erstellen kann. Und dann gibt's endlich den lang ersehnten: "Geilste Stadt der Welt: 5000 Nester von Aalräuchereibach bis Zylinderstiftskirchen"-Thread, natürlich dauergepinnt auf der Startseite.

    Wahnfried, ich kann Dir versichern, die stattlicheren älteren Häuser besitzen sehr wohl geschickt verlegte Rohrleitungen (spez. in jenen Bauten, die schon im Original mit Etagen- oder gar Zentralheizungen ausgestattet waren; im damaligen Berlin eher die Ausnahme, aber z. B. am Treptower Park häufig zu finden) und auch eine Unterputz-Elektrik (ab etwa 1895 zumindest in Berlin sogar die Regel; teils wurden auch die Leitungen der alten Gasbeleuchtung, die es in besseren Häusern gab, geschickt umfunktioniert; die erkennt man heute an den 'Rüsseln' in der Decke, die meist mit Blindstopfen samt Haken versehen sind und die Montage flacher Leuchten verhindern :( ). Die Beheizbarkeit hoher Räume ist natürlich ein Problem, speziell, wenn sie sich zudem noch im Parterre oder unter dem Dach befinden (wobei hier manche Nachkriegs-Ställe mit "experimentierfreudigen", kostengünstigen Wandaufbauten und Deckenhöhe 2,55m zumindest im unsanierten Zustand auch nicht besser abschneiden). Und was zunächst - wie von Chandler richtig bemerkt - im Sommer ein Vorteil von 365-er Mauerwerk und großen Raumhöhen ist, kehrt sich ab einer bestimmten Länge der Hitzeperiode einfach um, wenn nämlich die einmal gespeicherte Wärme wieder raus soll ;). Objektiv gesehen ist ein mehrschaliger Wandaufbau übers ganze Jahr betrachtet in unseren Breitengraden komfortabler und bauphysikalisch unkritischer).

    Aber nochmal zur Kirche und dem Dorf: klar profitieren wir heute von manchen Entwicklungen, die ursprünglich teils ganz andere Intentionen besaßen, als der Nachwelt eine kunstfertige Historie vorzugaukeln. Zudem fällt es sicher vielfach schwer, damalige Entwicklungen losgelöst von heutigen Wertvorstellungen zu beurteilen (wobei ein erster Schritt dahin das Studium zeitgenössischer Dokumente sein kann, was einigen hier nicht schaden würde - und womit nicht nur Postkartenpanoramen gemeint sind). Und persönliche Geschmäcker kann man auch nur unzulänglich mit rationalen Argumenten beeinflussen. Aber darum geht es doch gar nicht! Das "Problem" ist doch, dass hier immer wieder auf's Neue Stimmen laut werden, die hinter den diversen Brüchen, die heute oft zurecht als negativ empfunden werden, entweder pure Dämlichkeit oder sogar Ideologie vermuten (und am Besten noch schlussfolgern, mit ein wenig Grips ließe sich alles regeln und die alte "Baukultur" eins zu eins reanimieren). Darauf kann man m. E. am besten reagieren, wenn man grob die Verhältnisse darlegt, die zu den jeweiligen Veränderungen führten. Es geht doch nicht darum, den heutigen Wert vieler historischer Bauten zu leugnen! Die These vom bösen Ideologen, der "Wasser predigt, aber Wein trinkt", wie hier zum x-ten Mal von Chandler aufgeworfen, erübrigt sich damit übrigens auch (und ich kann jedem versichern, von den paar wahren Ideologen, die auf politischer, planender oder gestaltender Ebene aktiv waren und sind, hat n. m. K. niemand im gründerzeitlichen Steinhaufen residiert).

    Rechne mal grob mit 1500-2500 €/m² für ein freifinanziertes "08/15"-Wohnhaus im Blockrand. Der Baugrund-Anteil allein fällt je nach Lage mit ca. zehn Prozent relativ gering aus. Der Anteil der Fassadengestaltung liegt ebenfalls meist bei grob zehn Prozent der Gesamtkosten (ca. 200-300 €/m² Wandfläche).

    Einschalige Mauerwerksbauten (wie zur Gründerzeit üblich) kann man heute baurechtlich vergessen. Ein konventioneller Aufbau muss inzwischen mehrschalig sein, um die Anforderungen der Energieeinspar-Verordnung und der langfristigen Erhaltung zu erfüllen (einschalige Aufbauten werden im unvermieteten Zustand rel. schnell baufällig). Holzbalkendecken mit Dielung oder Parkett sind aus Gründen der Schallisolierung und des Brandschutzes an Neubau-ETW nicht mehr ohne Weiteres zulassungsfähig. Man kann sich mit Parkett auf Estrich behelfen, was nicht so sehr ins Gewicht fällt (ca. 50 - 80 €/m2 Fertigparkett; bei einzeln verlegtem Stab- oder Fischgrätparkett nach alter Tradition wird's deutlich teurer). Große Deckenhöhen sind zwar realisierbar, schlagen sich aber am deutlichsten in den Kosten nieder, da a) die Anzahl der vermietbaren Einheiten sinkt (logisch, wenn man bei Beibehaltung der Berliner Traufhöhe nur fünf, statt sieben Geschosse unterbringen kann), da b) enorme Deckenhöhen höhere Anforderungen an den Wand- und Deckenaufbau sowie die TGA-Dimensionierung stellen (betrifft wieder u. a. die Energieeinspar-Verordnung) und da c) allerhand Normteile nicht ohne Anpassung verwendet werden können (betr. z. B. Trockenbauwände; sämtliche wandhohen Elemente können auf LKWs nicht mehr liegend transportiert werden). Die ehemals übliche rückwärtige Lage der Treppenhäuser verschenkt auch zusätzlichen Raum im EG. Irgendwelcher Fassadenschmuck aus Gips wäre dann noch das geringere Übel. Mir sind halbwegs aktuelle ETW-Projekte mit näherungsweisem "Altbau-Charakter" bekannt, deren Kosten sich auf über 5000 €/m² belaufen.

    Neben den Kosten und Verordnungen sprechen noch allerhand andere Gründe gegen eine Eins-zu-eins-Reproduktion dieser Bauten. Einmal wollen selbst die glühendsten Verfechter die alten multifunktionalen Raumgrößen und -folgen gerne zu Gunsten repräsentativer Wohnbereiche und auf Kosten von Nebennutzungen verändert haben - was schon mit dem alten, Charakter-bestimmenden Längswandprinzip nur schlecht funktioniert (wobei Längswandkonstruktionen aus verschiedenen Gründen eh ausgedient haben), zum anderen ist man heutzutage nicht mehr gewillt, die funktionale Aufteilung strikt der Ausrichtung an der Straße unterzuordnen (die Zeiten der vornehmen Blässe sind vorbei ;)). Heute liegen Treppenhäuser und Nebenräume nach Norden, egal, was sich dort befindet und 'richtige' Altbauten erzielen nur dann Traummieten, wenn sie Süd-Ausrichtung besitzen und in engen Straßen möglichst noch in den oberen Stockwerken liegen.

    An abendländischen Bauten nennt man das Gesims (oder auch Sims, je nach Region). Im Falle der Anbringung am oberen Gebäudeabschluss heißt es dann üblicherweise Haupt- oder auch Kranzgesims (wenn es umlaufend erheblich auskragt). Die asiatische Kultur hat aber eigene Formen und Bezeichnungen hervorgebracht, mit denen ich mich nicht auskenne. Mag sein, dass es hier auch passendere Begriffe gibt (wobei im konkreten Zusammenhang bei 'Gesims' jeder weiß, was hier gemeint ist).

    Eine Brüstung kann auch als Gesims ausgebildet sein. Das eine schließt das andere nicht aus. Brüstungen nennt man befestigte Bauteile unterhalb von Fassadenöffnungen vor Räumen oder Terrassen/Balkonen/Austritten etc. (wobei streng genommen nur die Oberkante dieser Bauteile die eigentliche Brüstung darstellt; vgl. z. B. "Geländerbrüstung", damit ist nur der Handlauf gemeint)

    Weil ich dazu gerade die Debatte in der Shoutbox gelesen habe: ich verstehe, dass Schulgebäude in erster Linie praktikabel sein müssen, dass man sich also u. a. bei der Baukörper-Ausrichtung an der Himmelsrichtung zu orientieren hat (damit eine natürliche Belichtung der Schulräume zu den entsprechenden Tagszeiten gewährleistet ist) und ebenso, dass ein wirtschaftlicher Unterhalt zu gewährleisten ist (weniger aus Liebe zu den PPP-Partnern, als damit genügend Mittel für andere Bildungsinvestitionen bereitstehen und eine vorzeitige Verwahrlosung kein soziales Kippen provoziert).

    Aber ich verstehe nicht so ganz, weshalb man so einen Baukörper unbedingt auf Teufel komm' raus irgendwie in den Blockrand quetschen muss. So sieht das zumindest auf den Bildern aus. Gibt es in Frankfurt nicht auch Grundstücke, die für diese Nutzung besser geeignet wären? Konnte sich niemand damit anfreunden, solch ein Grundstück, für dass es m. E. vielfältige andere Nutzungen gibt, gegen eines zu wandeln, das einer heutigen Schule gerechter wird? Ist ja kein Wunder, wenn bereits der Rohbau auf einige arg abstoßend wirkt, erinnert er doch ein wenig an die unglücklichen Zeiten, als man eine aufgelockerte Kammbebauung mit verbindendem Funktionsriegel und ohne Bezugnahme auf das bestehende Straßenraumprofil für den letzten Schrei hielt.

    An der Auswahl, Bearbeitung und Montage sitzt man immer relativ lange. Deshalb freut es mich natürlich besonders, wenn die Bilder auf positives Echo stoßen! :)

    Von den Maßnahmen gegen die Versandung habe ich auch schon gelesen, wobei das bis jetzt eher Theorie zu sein scheint. Zum Gezeitendamm kann ich nicht viel sagen. Sofern der tatsächlich bereits exisitert, muss er recht weit im Landesinnern liegen und wenig sichtbaren Effekt haben. Aber von der Abtragung der Straße und der Parkplätze, dem Bau einer Schienenverbindung auf Stelzen (wie der Damm auch zu 2008 versprochen) ist definitiv noch nichts zu sehen. Von der groß angelegten Rückwidmung des Ackerlandes (bis 2012 versprochen) ist auch noch nichts zu erkennen.

    Jeden Tag steht ein neuer Einser-Abiturient auf, überlegt sich zwischen Frühstück und Zähneputzen, wie blöd alle ausser ihm sind (jedenfalls die, die etwas zu entscheiden haben) und googelt dann so lange, bis er eine Plattform gefunden hat, auf der er seine 'Erkenntnisse' zum Besten geben kann. Wenn das so weiter geht, glaube ich auch bald an eine Verschwörung. :D

    Ich mach's nur kurz: richtig ist, früher war alles besser, die Häuser wurden immer attraktiver und gegen 1910 waren alle Piephähne und Nippel dauersteif. Nur dummerweise kamen dann irgendwelche Mächte der Finsternis aus heiterem Himmel, haben ihre Lehren gepredigt und fortan ging es nur noch bergab. Seither sind alle dazu verpflichtet, Deckenhöhen von 2,45 (bis allerhöchstens drei Meter) einzuhalten und die Leute im Sommer schwitzen zu lassen, dafür aber wahre Unsummen in Klinkertapeten zu investrieren. Aber das ist alles halb so wild, der Ausstoß an geistigen Kapazitäten hat im Moment höchste Zuwachsraten. Nur noch ein paar Jahre - siehe Computergehäuse - dann geht's wieder steil bergauf!*


    *das wolltest Du doch hören, oder? Falls doch nicht, pobier's mal damit: Geist, Kürvers; Das Berliner Mietshaus Bnd. I-III, Prestel-Verlag 1980-89. Darin findest Du auf insgesamt ca. 1800 Seiten die Berliner Wohnungsbaugeschichte von 1740 bis 1989, vorrangig anhand zeitgenössischer Dokumente und Faksimiles erklärt. M. E. wird die Thematik hier am kompaktesten zusammengefasst. Die Autoren sind auch gegenüber gründerzeitlichen Quartieren nicht gerade abgeneigt. Wenn Du damit durch bist, habe ich noch mehr im Angebot, vor allem Literatur über die Jahre nach 1918 und nach 1945. Bis dahin viel Spass!

    Naja, das 'dicke Vollziegelmauerwerk' hat eher mentale als praktische Vorteile. Wenn es heute nicht mehr angewendet wird, liegt das auch weniger an dessen noch immer zeitgemäßen Eigenschaften, als an der mangelnden Wirtschaftlichkeit. Die hohen Räume waren gerade in den Anfangsjahren vor allem der Belle Etage des Vorderhauses vorbehalten und hatten rein repräsentativen Charakter. Dass sie später auch auf andere Geschosse ausgeweitet wurden, bedingt sich - genau wie die hohen Fenster - aus den bei der üblichen Überbelegung erforderlichen hygienischen Mindestanforderungen an Belichtung und Belüftung. Damals gab es noch allerhand verheerende Zivilisationskrankheiten, die durch die Luft übertragen wurden. Kaum ein gründerzeitlicher Bauherr hat aus anthroposophsichen Gründen besonders hohe Decken errichten lassen.

    Abgesehen davon sprach ich von den damaligen Mängeln. Du erwidert das mit der Beschreibung der späteren Situation. Mangelnde sanitäre Einrichtungen oder Öfen waren damals keine Probleme. Die lagen eher in der ungenügenden Beherrschbarkeit der Wohnraumversorgung mit dem Gründerzeitmodell, in den teils unwürdigen Verhältnissen, die das Wohnen und Arbeiten auf engstem Raum generierten (nix mit PC im Arbeitszimmer), in der oft mangelnden Erhaltung der Häuser, die aus überzogenem Profitstreben damaliger Eigentümerverhälnisse resultierte, im erhöhten Verschleiß, der vor allem der Überbelegung und der vielfältigen gleichzeitigen Nutzungsarten geschuldet war und in der Weise, wie Arbeitskraft von Menschen (und Tieren) ausgebeutet wurde. Ich weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Häuser üblicherweise ein Jahr lang extrem TBC-gefährdend trockengewohnt wurden und dass viele Wohnungen anfangs nicht einmal abgeschlossen waren. Häufig teilten sich mehrere Familien einen Flur, nach vorne raus die Stuben, nach hinten die Küchen. Das gilt im Besonderen für Gegenden wie den Prenzlauer Berg. Dass die Verhältnisse in z. B. Charlottenburg von Anfang an größtenteils andere waren, ist auch nicht weiter verwunderlich, hier residierten eben häufig die Leute in ihren vornehmen Häusern, die die Verhältnisse andernorts zwar zu verantworten hatten, aber selbst nicht ertragen wollten. Nicht zufällig geht die relativ späte Blütezeit der vornehmen Viertel mit der Aufgabe des Eigentümer-/Belle-Etage-Bewohner -Modells einher. Dazu findet sich hier auch einiges: http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=7513

    Ich will die heutigen Vorteile, die die sanierten, entkernten, äußerlich dauerhaft konservierten und in der Nutzung und Zielgruppe stark gewandelten Bauten jener Zeit bieten, nicht in Abrede stellen! Ich genieße sie derzeit selbst. Mir leuchtet aber nicht ein, warum immer wieder Leute auf den Plan treten, die sich aus der heutigen Wertschätzung heraus bemüßigt fühlen, die Geschichte zu ignorieren oder gar meinen sie verfälschen zu müssen. :nono: Aber ich verstehe, ein etwas realistischerer Blick hat so seine Tücken, vor allem, was die Forderung nach Reproduktion derartiger Bauten angeht.


    Was Du in Sachen 'mündiger Bürger' schätzt, Chandler, ist ziemlich unerheblich. Was verlangst Du? Sollen sich Behörden um die Befriedigung Deines Anspruches an Attraktivität und Repräsentation kümmern? Fantasie und Gefühl sind natürlich nicht die Haupteigenschaften eines Bauherren. Das ist zwar schade, galt aber auch schon vor 120 Jahren. Oder was ist an der beliebigen Kombination bekannter Stilelemente besonders gefühlvoll? Dass sie den niederen Willen zu Verklärung befriedigen? Wirklich interessante Entwicklungen à la Jugendstil blieben unter dem bauenden Pöbel auch die Ausnahme, vorrangig auch aus Kostengründen! Wenn der Wert der Arbeitskraft heute in einem völlig anderen Verhältnis zu den Baukosten als früher steht - was vor allem soziale Gründe hat - dann fällt es eben erst recht schwer, 'Schönheit' behördlich zu diktieren. Und da ich ja augenscheinlich schon eine andere Meinung zu dieser Schöbnheit besitze ist es fraglich, ob irgend ein Amtsstuben-Wärmer mit Deinen ästhetischen Ansichten 100-prozentig konform geht ;). Kannst Du Dir vorstellen, dass anonyme Bauherren heute oft Quadratmeterpreis-Obergrenzen für die Fassade ihrer energetisch tollen Kuben veranschlagen? Leider! Mit Fantasie dürfte dem nur schlecht beizukommen sein.

    Morgen,

    ich war Anfang Mai d. J. das erste Mal dort. Ich krauche zwar seit vielen Jahren in der Ecke herum (Le Havre ist beinahe schon mein zweites zuhause ;)), aber zum Mont-Saint-Michel habe ich es jetzt erstmalig geschafft. Kannte den vorher vor allem von Postkartenmotiven, wo er ja zumeist noch stärker dramatisiert dargestellt wird, als er's eh schon ist. Der gehört übrigens auch - wie könnte es anders sein - zum Unesco-Weltkulturerbe (aber im Gegensatz zum Elbtal oder zu Le Havre schon ziemlich lange ;)) Es stimmt, touristisch ist er schon sehr gut erschlossen, ums mal so zu sagen. Wobei es im Mai vermutlich noch ging. Man konnte gerade noch so treten. Ich habe übrigens auch Fotos vom Berg, auf denen der von Dir erwähnte Damm-Parkplatz mit drauf ist. Ich poste die aber lieber nicht, sonst bekommt noch jemand eine völlig falsche Vorstellung davon, wie weit zwei Kilometer sind :D. (oder hast Du's inkl. der Serpentinen bis zur Spitze gerechnet?).

    Die Fahrt über die 'Pont de Normandie' kostet 5,00€ für PKWs. ¹·²


    1) Das interessiert natürlich kein Schwein. Aber wer seine Bilderserien vorzugsweise am Stück postet muss leider auf etwas plumpere Hochhol-Varianten zurückgreifen.
    2) Dieser Beitrag geht mit dem Gesetz zur Gleichstellung von Foren-Postern konform. Verschiebungen, Löschungen, böswillige Kommentare, Digseb etc. werden von der Gleichstellungsbeauftragten für Internetzfragen strengstens geahndet! ☺

    200× Normandie: von Amiens bis Le Mont Saint-Michel

    Amiens: ein paar Bilder mit Schwerpunkt auf der größten mittelalterlichen Kathedrale Frankreichs

    Arromanches: in der Nähe von Caen gelegen, gehört zum "Gold Beach" der alliierten Landungen, hier wurde einer der beiden künstlichen Häfen angelegt, dessen zerstörte Überreste noch heute den Strand prägen

    Deauville: der vornehmste Badeort an der französischen Nordküste (siehe Foto einer Hotelpreisliste); Badeanlagen nach pompejiischem Vorbild; allerhand m.E. zweifelhafte Neubauten, die sich durch Dachformen und Veranden an die Bäderarchitektur anzulehnen haben; jedes vornehme Label hat hier eine Dependance

    Étretat: ca. 20 Autominuten westlich von Le Havre gelegen; beliebter Ausflugsort der Pariser; berühmt für die Küstenlandschaft; Überreste des Atlantikwalls

    Fécamp: kleine Hafenstadt westlich von Étretat; u. a. beeindruckendes Benediktinerkloster, das ein Museum und eine Schnapsbrennerei beherbergt

    Honfleur: noch ein beliebter Ausflugsort, am südlichen Ufer der Seine-Mündung gelegen, über die beeindruckende Pont de Normandie mit Le Havre verbunden (auf manchen Fotos ist im Hintergund die sehr ähnliche, aber bedeutend ältere Pont de Tancarville zu sehen); mittelalterliche Holzkirche, Hafenbecken vor historischer Kulisse (mit vermutlich einer der höchsten Touristendichten des Universums)

    Le Mont Saint-Michel: beeindruckendes Benediktinerkloster mit Gemeinde auf einer kleinen Insel im Watt vor der Couesnon-Mündung gelegen; bereits in der Artus-Sage erwähnt; angeblich von Peter Jackson als Vorlage für die 'Herr der Ringe'-Kulissen besichtigt




    Schade, ich hatte gehofft, am Ende kriegst Du noch die Kurve zur Rekonstruktion ;).

    Über die reale Wirkungsweise der Opernturm-Fussbebauung kann ich leider nicht mitreden. Aber vielleicht so viel dazu: eine feingliedrig dekorative Fassade verträgt sich in aller Regel schlecht mit großen Bauvolumen. Ich bin ein großer Freund des Woolworth-Buildings - nicht so sehr, weil es wie eine gestreckte gotische Kathedrale wirkt, sondern da dessen vorwiegend keramischer Fassadenschmuck noch bis in 240 Meter Höhe reicht, wo ihn kaum noch jemand mit bloßem Auge wahrnehmen kann. Aber der Bau entspricht dem Selbstverständnis jener Zeit, als sich Magnaten Denkmäler errichten ließen, deren Erscheinung nicht mehr rational zu erklären ist. Heute muß man üblicherwesie um jeden Euro des Budgets kämpfen. Eine anonyme Investorenschar erwartet ein Höchstmaß an Rendite und dekorative Details lassen sich nur schwer verbindlich festlegen - möglicherweise ein Grund, weshalb der Ruf nach Rekonstruktionen so laut ist, da funktioniert das nämlich noch am ehesten. Wenn Geld 'über' ist, wird es zu anderen Dingen genutzt, als ein Gebäude "sinnlos" zu verschönern. Irgendwann ist nämlich der Peak erreicht und eine weiterführende "Verschönerung" amortisiert sich nicht mehr durch adäquate Mehreinnahmen. Das haben wir u. a. der - gegenüber z. B. der Gründerjahre völlig veränderten - Kostenstruktur am Bau zuzuschreiben.

    Übrigens dort, wo tatsächlich noch private Einzelkämpfer 'nach alter Väter Sitte' agieren, sind die Resultate oft von deutlich höher Qualität, siehe etwa das Beispiel Otto Beisheim (Gründer des Metro-Konzerns) am Potsdamer Platz in Berlin. Dessen 'Ritz Carlton' -Hotelbau hebt sich wohltuend vom, in der Kubatur sehr ähnlichen und sicher auch nicht schlechten, Kollhoffschen P5 ab (gilt auch für andere Häuser dieses Ensembles). Dabei kann man Hans Kollhoff nun wirklich nicht nachsagen, er würde besonderen Wert auf die Meinung hartnäckiger Verfechter der Moderne legen. Zeitgleich entwarf der Kollege auch neoklassizistisch inspirierte Villen. Ich denke, dieses Beispiel zeigt sehr gut, dass unsere gebaute Umwelt weit weniger von ideologischen Fragen bestimmt wird (ich weiß, dass das häufig ein komfortabler Erklärungsversuch ist ;)), als von ganz banalen Dingen, zu denen eben u. a. das effizientes Bauen gehört. So weit mir Mäcklers Arbeiten und Positionen bekannt sind glaube ich auch nicht, dass die - aus Deiner Sicht übertriebene - Schlichtheit der Opernplatz-Bebauung eine Frage der gesellschaftlichen oder politischen Reife darstellt. Es gibt auch genügend Projekte verschiedenster Größenordnungen, bei denen sich ausdrücklich zum traditionell Dekorativen bekannt wird, wo etwa die Kollegen Kollhoff oder Nöfer oder die Familie Patzschke zum Zuge kommen (oder kommen könnten). An weit hörbare Aufschreie kann ich mich dabei nicht erinnern - schon gar nicht an solche, die irgend einen Einfluss gehabt hätten. Vielleicht sollte man einfach nicht immer mutmaßen, dass dort, wo keine historisierenden oder zumindest feingliedrigen Formen Verwendungen finden, stets die "Modernisten-Mafia" ihre Hände im Spiel hat ;).

    Pure Spekulation. die DDR war nicht gerade dafür bekannt, auch hinter den Kulissen aus ideologischen Gründen ganze Arbeit zu leisten. Und warum sollten dann 4,2 Prozent der Fassade erhalten geblieben sein? Die Bilder sprechen m. E. eher dafür, dass das spezielle Klima hinter dem Alu-Vorhang, das u. a. die Feuchtigkeit konserviert (eine Hinterlüftung war sicher nicht integriert worden), dem Sandstein über die Jahrzehnte arg zugesetzt hat. Markante Teile der Fassade wurden ja schon zuvor entfernt (Hauptgesims, Dach, Schaugiebel). Und wer weiß schon, welche Schmuckelemente noch weichen mussten, damit das Alu-Kondom eng angelegt werden konnte und der Raum dazwischen revisionierbar, sprich begehbar blieb?