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Bewacher, wenn du ein wenig von den bisher hier geschriebenen Beiträgen gelesen hättest wäre dir vielleicht klar geworden, dass die Kausalkette Investor-Architekt andersrum geknüpft ist. Du sagst ja selbst, es gibt keinen vernünftigen Grund, warum sich die Bauherren das angebliche 'Provozieren' gefallen lassen sollten (zumindest, so lange es private Geldgeber sind). Also nenne mir einen vernünftigen Grund dafür, dass Architekten die Welt manipulieren! Könnte es sein, dass diese Mutmaßung nur ein Hirngespenst ist, die dein Kartenhaus aus abenteuerlichen Thesen zusammenhält? Das Einzige, was hier provoziert, ist deine strunzdoofe Signatur*!
Zum WTC: nach meiner Kenntnis war der Rückhalt bez. eines originalgetreuen Wiederaufbaus in der 'Bevölkerung' am größten. Das ist auch nur logisch und erklärt nebenbei wunderbar das Prinzip Ornament: die 'Masse' (mit all ihren Professionen, bei denen es aber nie um Architektur und Städtebau geht) wünscht sich in den Randbereichen ihres Lebens üblicherweise Beständigkeit, u. a., da diese zu Orientierung verhilft, Identität stiftet und die Aufmerksamkeit nicht übermäßig beansprucht. Deshalb ist es im Grunde völlig egal, wie das Bestehende aussieht, es wird im Zweifelsfall stets das Rennen machen. Die gleiche imaginäre dumme Masse, die sich 1972 so vehement gegen die Entstehung des damals neuen WTC engagiert hat, protestiert heute für dessen Wiederaufbau. So ist das überall: Bei der Abstimmung zum Flughafen Tempelhof war gerade unter den direkten Anwohnern eine deutliche Mehrheit für dessen Erhalt und beim Palast der Republik gab es, auf den Osten bezogen, auch eine deutliche Pro-Haltung.
Dass hierzulande das Ornament an der klassischen Fassade populär ist, liegt nicht unbedingt an dessen unterstellter Kunstfertigkeit oder angeblichen "Schönheit" (mehrheitlich finden wir aufwändig tätowierte Körper, Männer in geklöppelten Leibchen oder handgemalte Blümchentapeten nicht so prall, obwohl das mindestens ebenso kunstfertig ist), sondern darin, dass es als Relikt der Vergangenheit (von heute aus betrachtet, morgen kann das schon wieder ganz anders sein!) diese Beständigkeit transportiert. Als es seinerzeit neu war - jedenfalls in der maßlosen Übertreibung der Gründerjahre - war sein Wert ebenso wenig gegeben wie der beliebiger heutiger Fassaden. Genau diese geringe Wertschätzung führte übrigens zu den frühesten Entstuckungswellen und zur Initiierung neuer, weniger schmuckreicher Baustile - und nicht irgendwelche Verbrechen!
Man kann den sich stetig verändernden, dialektischen Zusammenhang zwischen Altem und Neuem sowie dessen jeweilige Wertschätzung nicht mit einer willkürlichen Zäsur aushebeln, etwa, indem man versucht, das Gefüge von einem beliebigen Zeitpunkt festzusschreiben!
* Ich wette, du hast nicht einen Satz der Schrift gelesen, aus der das entstellte Original kommt, sonst müsste dir die verballhornende Negierung in deinem Kontext nämlich sehr peinlich sein. Geht es doch bei Loos um alles Mögliche, nur nicht um 'Provokation'.





